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  • 28.10.2010 · 22:40

  • von Christian Nimmervoll & Dieter Rencken

Teams besorgt: Was kommt nach Ecclestone?

Ross Brawn wünscht sich eine Nachfolgeregelung, aber Bernie Ecclestone sagt: "Wenn du ein Business begonnen hast, willst du dich selbst darum kümmern"

(Motorsport-Total.com) - Seit mittlerweile über 50 Jahren mischt Bernie Ecclestone nun schon in der Formel 1 mit, seit ungefähr 30 gilt er als deren uneingeschränkter Herrscher. Aber wenn ein Multi-Milliarden-Dollar-Business von einer Einzelperson geleitet wird, die bereits 1999 am offenen Herzen operiert wurde und heute ihren 80. Geburtstag feiert, dann ist ein gewisses Ausmaß an Sorge berechtigt.

Bernie Ecclestone und Pasquale Lattuneddu

Bernie Ecclestones Assistent Pasquale Lattuneddu: Ist er die Zukunft?

Denn Ecclestone ist zwar nicht mehr Hauptaktionär der Formel 1, die anteilsmäßig längst von der Investmentgesellschaft CVC kontrolliert wird, doch als Geschäftsführer hat er im Auftrag von CVC alle Fäden in der Hand. Nachfolgeplan gibt es jedoch keinen, was einige Teamchefs beunruhigt: "Wir alle haben riesigen Respekt vor Bernie, er hat fantastische Arbeit geleistet", wird zum Beispiel Ross Brawn vom 'Telegraph' zitiert. "Aber nicht einmal Bernie wird ewig da sein."

Brawn wünscht sich Nachfolgeregelung

"Wie sieht die Struktur aus, wenn Bernie aufhört? Darüber diskutieren wir regelmäßig. Wir haben keine Lösung", warnt der Mercedes-Teamchef. "Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden gibt, der einen besseren Job macht als Bernie, selbst wenn er jetzt 80 Jahre alt ist. Aber das ist eine unserer Ängste. Es gibt keinen klaren Nachfolgeplan für Bernie und CVC und das ist einer der Bereiche, in denen sich die Teams Klarheit wünschen."

"Bernie", fügt Peter Sauber an, "führt die Formel 1 mit sehr starker Hand, aber ich sehe das positiv, denn das geht gar nicht anders. Erfahrungsgemäß ist es bei solchen Leuten jedoch nicht einfach, Nachfolger zu finden. Das ist nicht nur in der Formel 1 so." Doch der Schweizer schiebt deswegen keine Panik, sondern ist zuversichtlich: "Es wird auch nach Bernie weitergehen." Aber: "Solange er hier ist, ist Ruhe."

¿pbvin|512|3223||0|1pb¿Die Formel 1 würde nicht implodieren, sondern "es wäre nur anders", findet der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley. Der Brite ist um zehn Jahre jünger als Ecclestone, gemeinsam leiteten die beiden drei Jahrzehnte lang die Geschicke der Königsklasse des Motorsports. "Wir sind die Mafia", sagte sie einst in einem gemeinsamen Interview über sich selbst. Aber Mosley glaubt nicht, dass sein Ex-Partner so planlos ist, wie er nach außen wirkt.

"Als ich 2004 von der FIA zurücktreten wollte, wurde mir gesagt, dass das nicht geht, solange ich keinen Nachfolgeplan habe", erinnert sich Mosley. "Bernie braucht auch einen Nachfolgeplan, aber im Geheimen hat er vielleicht auch einen. Bernie ist ein Meistertaktiker und als solcher hat er sich selten um Strategien gesorgt. Einer seiner Lieblingssprüche war immer: 'Du willst alles immer ganz klar haben, aber manchmal ist ein bisschen Konfusion nicht schlecht.'"

Noch keine Gedanken an Rücktritt

Für Ecclestone selbst steht fest: "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr die Leistung bringen kann, die ich jetzt bringe, dann werde ich aufhören", so der 80-Jährige im 'BBC'-Interview mit David Croft, das uns vorab zur Verfügung gestellt wurde. "Ich arbeite nicht für einen Lohn, sondern wenn du ein Business begonnen hast und damit gewachsen bist, dann hältst du dich für die einzige Person, die es managen kann, und du willst dich selbst darum kümmern."

Bernie Ecclestone und Max Mosley

Bernie Ecclestone und Max Mosley sagen von sich: "Wir sind die Mafia" Zoom

Aber wer hätte das Zeug, um deine Nachfolge zu übernehmen, Bernie? "Davon gibt es hunderte. So ist das auf der Welt: Es gibt immer einen anderen", entgegnet er gelassen und sagt über sein Vermächtnis: "Die Leute können denken, was sie wollen. Wenn ich einmal nicht mehr mache, was ich jetzt mache, und andere Leute da sind, die besser arbeiten, dann wird man sicher denken: Mit Bernie haben wir viel Zeit verschwendet."

Sein Erfolgsgeheimnis sei nicht Bescheidenheit, sondern Realismus, verrät er außerdem - und vor allem: "Ich arbeite einigermaßen hart." Die Frage ist: Wie lange noch? Gut möglich, dass die Teams diese Frage auch im Zuge des nächsten Concorde-Agreements geklärt wissen wollen, das nach der Saison 2012 in Kraft treten soll. Denn eines ist klar: Ewig leben wird nicht einmal "Mister Formel 1" Bernie Ecclestone...