Pläne in Saudi-Arabien: Wann die Formel 1 von Dschidda nach Qiddiya wechselt

In Saudi-Arabien entsteht mit Qiddiya eine neue Mega-City - Die Formel 1 soll in wenigen Jahren von Dschidda dorthin übersiedeln - Auch MotoGP in Qiddiya geplant

(Motorsport-Total.com) - Der Grand Prix von Saudi-Arabien ist seit 2021 Teil des Formel-1-Kalenders. Gefahren wird auf einem schnellen Stadtkurs in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer. Mittelfristig soll das Rennen auf eine neue Rennstrecke übersiedeln, die westlich der Hauptstadt Riad entsteht. Dort wird aber nicht nur eine Rennstrecke gebaut, sondern eine ganze Stadt.

Titel-Bild zur News: Speed Park Track in Qiddiya City

Rendering des neuen Speed Park Track in Qiddiya City Zoom

Qiddiya City ist ein ambitioniertes Megaprojekt in Saudi-Arabien, das als weltweit erste Stadt speziell für Unterhaltung, Sport und Kultur von Grund auf neu konzipiert wurde. Das Gebiet erstreckt sich über mehr als 360 Quadratkilometer und soll über 500.000 Einwohner beherbergen.

Künftig sollen die Attraktionen jährlich Millionen von Besuchern anziehen. Highlights umfassen einen Freizeitpark mit der schnellsten Achterbahn der Welt, eine Rennstrecke, ein Gaming- und E-Sports-Viertel, Sportstadien, ergänzt durch Golfplätze, Wasserparks und Naturschutzgebiete.

Der Speed Park Track in Qiddiya City, wie die Rennstrecke heißt, wurde vom österreichische Unternehmen Test & Training entworfen, das mehrheitlich im Besitz der Familie Wurz ist und von ihr geführt wird.

Alexander Wurz ist der leitende Designer des Qiddiya Speedpark und verantwortlich für das Streckenlayout, das 3D-Design sowie die Gestaltung der gesamten Rennstreckenanlage. Mit seinem Unternehmen Test & Training ist Wurz seit 2018 in das Projekt eingebunden und daran beteiligt.

Technischer Partner von Test & Training ist Tilke Engineering, das für die detaillierte technische Planung verantwortlich zeichnet.

Wie steht es um die Baufortschritte? "Ich war Ende November während der WRC in Qiddiya", sagt Prinz Khalid bin Sultan Al-Abdullah Al-Faisal, der Chef des saudi-arabischen Motorsportverbands, am Rande der Rallye Dakar.

Denn damals kam Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali zu Besuch. "Wir standen im Fahrerlager, mit den Boxenanlagen, dem Paddock Club", berichtet Al-Faisal. "Das ganze Paddock-Gebäude steht schon. Es ist wirklich ein riesiges Projekt."

"Es ist eine ganze Stadt. Die Rennstrecke ist nur ein Teil davon. Ich denke, die Strecke wird Anfang 2027 fertiggestellt. Man kann sich das Ausmaß des Geländes eigentlich gar nicht vorstellen. Es ist ein sehr großes Projekt - also nicht nur die Strecke, sondern die Gebäude und alles um sie herum."

"Es ist eine permanente Rennstrecke, aber gleichzeitig liegt sie mitten in einer Stadt. Also quasi wie ein Stadtkurs, nur dauerhaft angelegt - mitten in der City. Wie gesagt, es ist eine riesige Stadt, und rund um die Strecke entstehen viele weitere Projekte."

Speed Park Track in Qiddiya City

Rendering des neuen Speed Park Track in Qiddiya City Zoom

Da Saudi-Arabien mit Dschidda derzeit über ein Formel-1-Rennen verfügt, lässt man sich Zeit, bis Qiddiya City großteils fertiggestellt ist. "Das haben wir mit Stefano und Qiddiya besprochen und so vereinbart", erläutert Prinz Al-Faisal.

"Wir können nicht dorthin, solange noch nicht alles rundherum - Hotels, Einkaufszentren, Freizeitparks - fertig ist. Wir wollen dort kein Rennen fahren, während alles noch eine Baustelle ist. Deshalb haben wir keine Eile."

In der Vergangenheit hatten schon andere Länder angekündigt, rund um eine neue Rennstrecke Hotels und Vergnügungsparks zu bauen. Das war zum Beispiel in Südkorea der Fall, aber außer der Strecke wurde schließlich nichts errichtet.

In Saudi-Arabien kann man derzeit schon den Zeitraum abschätzen, wann die Formel 1 von Dschidda nach Qiddiya verlegt wird. "Die Strecke soll 2027 fertig sein. Dass die Formel 1 dorthin umzieht, wird wahrscheinlich 2028 oder 2029 passieren", so Prinz Al-Faisal.

Auch die MotoGP soll nach Saudi-Arabien kommen

Markenzeichen der Strecke ist "The Blade", eine Hochgeschwindigkeitskurve, die auf einer Länge von 108 Metern ansteigt und anschließend wieder abfällt. Generell ist die Strecke eine Mischung aus Stadtkurs und permanenter Rennstrecke. Auch die MotoGP soll mittelfristig dort fahren.

Im Jahr 2022 reiste Prinz Al-Faisal nach Misano, wo er einen Vorvertrag mit Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta unterschrieb. "Ja, die Strecke wird sowohl von der FIA als auch von der FIM homologiert", bekräftigt Al-Faisal die MotoGP-Pläne. "Sie wurde von Anfang an so geplant."

Carmelo Ezpeleta

Misano 2022: Prinz Al-Faisal unterzeichnet MotoGP-Vorvertrag mit Carmelo Ezpeleta Zoom

"Anfangs hat man das gar nicht geglaubt. Wir dachten, die FIA würde die ikonische Kurve 'The Blade' nie absegnen. Es ist einfach etwas anderes. Und uns ist wichtig, dass wir etwas Einzigartiges schaffen, etwas, das sich abhebt."

"Wir wollen keine Strecke, die einfach wie jede andere ist. Sonst wäre es nur ein weiterer Rundkurs im Kalender - und genau das wollen wir nicht. Wir wollen etwas Einzigartiges [zum Kalender] beitragen, eine einmalige Erfahrung, für Fahrer und Zuschauer gleichermaßen."

"Etwas Besonderes, das Kreativität erfordert", verdeutlicht Al-Faisal die Absichten der neuen Anlage. "Sicherheit steht dabei natürlich immer an erster Stelle. Wir würden nichts bauen, das nicht sicher ist. Aber eine neue Idee bedeutet nicht automatisch ein Risiko."

Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren mit der Formel 1, der Rallye Dakar, der Rallye-WM und der Formel E gleich mehrere Top-Rennserien ins Land geholt. Die MotoGP soll in einigen Jahren auf der neuen Strecke folgen.