Pirelli: Warum jetzt noch niemand sagen kann, wer 2026 die Formel 1 dominiert

Die ersten Abtriebsprognosen für 2026 weichen stark voneinander ab: Pirelli erklärt, warum die aktuellen Simulationen nicht verraten, welches Team wirklich vorne liegt

(Motorsport-Total.com) - In dieser Saison stehen zwar noch drei Formel-1-Rennen aus und die Frage nach dem diesjährigen Weltmeister ist weiterhin offen, doch der Blick richtet sich schon jetzt auf das kommende Jahr, wenn das neue Reglement in Kraft tritt. Sowohl die Performance der Antriebseinheiten als auch der Chassis' bleiben ein großes Fragezeichen.

Titel-Bild zur News: Startphase beim Formel-1-Rennen in Suzuka 2025

Die Simulationen sagen nichts über das Kräfteverhältnis für 2026 voraus Zoom

Obwohl die ersten Reaktionen der technischen Direktoren darauf hindeuteten, dass die neuen Formel-1-Regeln sehr restriktiv seien, erklärte Adrian Newey, dass dies bei genauerer Betrachtung möglicherweise gar nicht zutrifft. Das spiegelt sich auch in den frühen Prognosen für die Autos des nächsten Jahres wider.

Denn die von den Teams eingereichten Zahlen unterscheiden sich vor allem in zwei Bereichen: Brembo berichtete von erheblichen Abweichungen bei den erwarteten Dimensionen der hinteren Bremsscheiben, während Pirelli bereits verraten hat, dass die prognostizierten Abtriebswerte der Teams stark voneinander abweichen.

Was bedeuten die Unterschiede zwischen den Teams?

Der Reifenlieferant erhält die vorhergesagten Abtriebswerte aller Teams für das Ende der kommenden Saison. Diese Angaben geben Hinweise darauf, welche Belastungen auf die neuen Reifen wirken, und dienen Pirelli als Referenz bei der Entwicklung von Konstruktion und Gummimischungen.

"Das ist unsere Anforderung, ja. Alle Teams müssen uns eine Prognose ihrer erwarteten Belastungen für das Ende der nächsten Saison geben", erklärt Mario Isola in einem exklusiven Interview mit der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.


Fotostrecke: Das neue Antriebs-Reglement der Formel 1 ab 2026

Interessant ist, dass diese ersten Prognosen für 2026 stark variierten. Laut Isola bedeutet das jedoch nicht, dass das Feld massiv auseinandergezogen sein wird - vielmehr zeigt es, wie schwierig es ist, zu einem frühen Zeitpunkt präzise Vorhersagen zu treffen.

"Ich glaube nicht, dass uns diese Simulationen sagen, wie die Wettbewerbsreihenfolge im nächsten Jahr aussehen wird", meint der Italiener. "Die Zahlen sind ehrlich gesagt weit davon entfernt. Es sind nur Simulationen, die die Erwartungen der Teams zeigen, nicht die tatsächliche Performance, die wir auf der Strecke sehen."

Die Startphase beim Formel-1-Rennen in Austin 2025

Aktuell weiß niemand, wer 2026 vorne liegen wird Zoom

"Ich habe schon Artikel gelesen, die sagen: 'Damit wissen wir bereits, wer am schnellsten sein wird.' Nein, die Realität sieht völlig anders aus", relativiert Isola die Simulationen. "Selbst wenn man eine höhere Last vorne oder hinten hat, bedeutet das noch lange nicht, dass man schneller ist. Das hängt auch von Luftwiderstand und vielen anderen Faktoren ab."

"Diese Simulationen definieren also nicht die Wettbewerbsreihenfolge." Deshalb hat der Pirelli-Motorsportchef die Artikel mit großem Vergnügen gelesen. "Im Grunde könnte ich Ihnen also schon sagen, wer nächstes Jahr gewinnen wird! Aber leider ist es nicht so - oder besser gesagt: zum Glück ist es nicht so!"

Unterschiede erschweren Entwicklung für Pirelli

Während diese Unvorhersehbarkeit für die Fans spannend ist, macht sie die Arbeit von Pirelli deutlich komplizierter. Wenn die ersten Simulationen der Teams so stark auseinandergehen, auf welche Zahlen sollte der italienische Reifenhersteller dann vertrauen?

"Im ersten Teil der Entwicklung war das kein großes Problem, weil wir die Integrität des Reifens auf Basis der höchsten Simulationen anvisiert haben", erklärt Isola. "Der schwierige Teil ist, wenn man die Mischungen definiert, denn das hängt auch von Energie und Last ab."


Was muss eine Renningenieurin in der Formel 1 können, Laura Müller?

Laura Müller wollte als Kind Formel 1 fahren – heute ist sie Renningenieurin von Esteban Ocon bei Haas F1. Im Video erzählt sie, wie es dazu kam. Weitere Formel-1-Videos

Bei der Integrität des Reifens gilt: "Lieber auf Nummer sichergehen als riskieren. Es ist schwierig für die Teams, verlässliche Simulationen zu liefern, aber wir brauchen diese Zahlen. Wir können nicht mit einem Reifen starten, der für die Belastungen zu Saisonbeginn geeignet ist, aber nicht für das Saisonende."

"In diesem Fall müssten wir den Reifendruck enorm erhöhen, um die Konstruktion zu unterstützen", sagt der Pirelli-Motorsportchef. "Wir bevorzugen es, einen Reifen zu entwickeln, der den Erwartungen für das Saisonende entspricht."

Pirelli erwartet, dass die Zahlen der Teams in der nächsten Simulationsrunde deutlich näher beieinanderliegen werden. "Ja, ich bin sicher, dass die Teams bei den nächsten Simulationen, die für Dezember geplant sind, viel näher beieinander liegen werden", meint Isola.

Pirelli-Motorsportchef Mario Isola reagiert auf die Verstappen-Kritik

Pirelli-Motorsportchef Mario Isola weiß, dass 2026 alles anders wird Zoom

"Das war auch in der Vergangenheit so, zum Beispiel als wir den 18-Zoll-Reifen eingeführt haben. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Reifen bereits homologiert, konnten diese Informationen aber trotzdem noch für unsere Mischungswahl für alle Rennen nutzen."

Genau deshalb möchte der italienische Reifenhersteller mit den neuen Mischungen für 2026 einen größeren Bereich abdecken als zuvor, um pro Rennen mehr Freiheit bei der Reifenwahl zu haben. "Richtig. Wir haben die Entwicklung mit dem C3 als Basis begonnen, da dieser in der Mitte des Bereichs liegt."

"Wir haben versucht, einen C3 mit derselben Härte wie der aktuelle C3 zu entwickeln und sind dann zu den anderen Mischungen übergegangen. Wir haben versucht, die Abstände zwischen den Mischungen zu vergrößern", sagt Isola. Mit diesen größeren Schritten hofft Pirelli, alle möglichen Szenarien abzudecken.

"Wenn die Autos aus irgendeinem Grund zu Saisonbeginn nicht so schnell sind wie prognostiziert, ist das Spektrum der Mischungen wahrscheinlich etwas auf der harten Seite. Aber in diesem Fall können wir für bestimmte Rennen immer noch weichere Mischungen auswählen."

Neueste Kommentare