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  • 17.07.2015 · 09:02

  • von Edd Straw (Haymarket)

Juan Manuel Fangio: Seine zehn größten Siege

Anlässlich des 20. Todestages von Juan Manuel Fangio blicken wir auf zehn der legendärsten Rennen in der illustren Karriere des Argentiniers zurück

(Motorsport-Total.com) - Heute vor 20 Jahren starb Juan Manuel Fangio, der Fahrer, der die erste Ära in der Geschichte der Formel 1 prägte wie kein anderer. Er gewann fünf der ersten acht WM-Titel und siegte bei 51 Starts 24 Mal - eine Siegquote, von der andere Legenden wie Michael Schumacher, Alain Prost oder Ayrton Senna nur träumen konnten.

Juan-Manuel Fangio

Juan-Manuel Fangio ist einer der größten Fahrer in der Geschichte der Formel 1 Zoom

Doch nicht nur im Grand-Prix-Sport zeigte Fangio seine Klasse. Insgesamt gewann er 78 internationale Rennen, darunter einige, die nicht zur Weltmeisterschaft gehörten und deswegen heute ein wenig in Vergessenheit geraten sind. In Erinnerung an einen der größten Fahrer in der Geschichte des Sports blicken wir auf die zehn größten Siege seiner Laufbahn zurück.

10. Sanremo-Grand-Prix 1949

Nachdem er sich in den Jahren zuvor in Südamerika einen Namen gemacht hatte, gewann Fangio schon im zweiten Anlauf sein erstes Formel-1-Rennen auf europäischem Boden. Das Starterfeld des Sanremo-Grand-Prix 1949, der am 4. April ausgetragen wurde, konnte sich mit Namen wie Louis Chiron, "B" Bira, Louis Rosier und Emmanuel de Graffenried sehen lassen. Fangio, der dank der Unterstützung der argentinischen Regierung und das nationalen Automobilclubs in Europa Rennen fahren konnte, ging im ersten Lauf mit seinem Maserati 4CLT früh an seinem Markenkollegen Bira vorbei und gewann mit zehn Sekunden Vorsprung.

Dadurch konnte er es im zweiten Lauf auf der hügeligen Ospedaletti-Strecke ruhig angehen lassen und fuhr locker seinen ersten Sieg ein. Bemerkenswert war an diesem Triumph vor allem die Tatsache, dass Fangio in der Nacht vorher seinen Motor zusammenflicken musste, um überhaupt am Rennen teilzunehmen. Dank der Fertigkeiten, die er sich bei den epischen Straßenrennen in seiner Heimat angeeignet hatte, konnte Fangio die Pleullager und die Antriebswelle richten, obwohl die meisten geglaubt hatten, dass eine Reparatur in der Kürze der Zeit nicht möglich sein würde.

9. 12 Stunden von Sebring 1956

Die Mercedes-Fahrerpaarung des Jahre 1955 wird häufig als eine der stärksten aller Zeiten angesehen. Fangio war im Formel-Fahrzeug der Schnellere, während Stirling Moss im Sportwagen schneller war. Fangio gewann zwar nie in Le Mans, siegte aber zweimal in Sebring, obwohl er Sportwagen-Rennen nur als Nebenbeschäftigung zu seinem Hauptberuf Grand-Prix-Sport ansah.

Seinen ersten Sieg in Sebring feierte er im Jahr 1956 zusammen mit Eugenio Castelotti am Steuer eines Ferrari 860 Monza. Das Duo hatte im Ziel zwei Runden Vorsprung vor dem Schwesterauto von Luigi Musso und Harry Schell. Fangios Sorge galt nach dem Rennen aber der Gesundheit seines Landsmanns Carlos Menditeguy, der sich schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte, als er in Runde 40 aus seinem Maserati 300S geschleudert wurde.

8. Belgien-Grand-Prix 1955

Juan-Mauel Fangio

Beim Belgien-Grand-Prix 1955 zermürbte Fangio seinen Teamkollegen Moss Zoom

In einer Saison, die von Mercedes dominiert wurde, war der Sieg von Fangio vor Moss, bei dem nur die beiden Ferraris von Giuseppe Farina und Paul Frere in der Führungsrunde blieben, keine große Überraschung. Beeindruckend war vielmehr die Art und Weise, in der Fangio den Sieg einfuhr. In Gerald Donaldsons exzellenter Fangio-Biografie "Life Behind the Legend" beschreit Moss die Meisterklasse des Maestros mit folgenden Worten:

"Als wir an der Haupttribüne entlang fuhren, konnte man uns mit einem Handtuch zudecken", sagt Moss. "Auf der Strecke fuhr er dann in einem Abschnitt richtig schnell, viel schneller als ich es damals konnte, nur um mir zu zeigen, was er drauf hat. In der nächsten Runde hatten wir gerade unsere Box passiert, als er das Gleiche machte, allerdings auf einem anderen Teil der Strecke. Es war eine fantastische Erfahrung, hinter ihm mit 250 km/h um die Berge zu fahren."

7. Deutschland-Grand-Prix 1954

Fangio hatte der Familie von Onofre Marimon versprochen, sich um ihn zu kümmern, wenn er nach Europa geht. Marimon, der für Maserati fuhr, war gerade dabei, sich in Europa einen Namen zu machen, als er während des Trainings auf dem Nürburgring gegen eine Böschung fuhr und dabei aus seinem Auto geschleudert wurde.

Sein Tod war ein harter Schlag. Viele erinnern sich noch daran, dass Jose Froilan Gonzalez seinen Ferrari während des Rennens an Mike Hawthorn übergeben musste, weil er emotional zu angegriffen war. Weniger gut im Gedächtnis ist jedoch Fangios Sieg am Steuer des Mercedes W196, der sich beim Rennen zuvor in Silverstone noch als schwerfällig erwiesen hatte. Doch Marimons Tod überschattete den Sieg. Fangio und Gonzales hatten die Unfallstelle aufgesucht, um zu verstehen, was passiert war, und waren beide entsetzt. Fangios Sieg war eine mutige Fahrt, bei der er den Siegeswillen zeigte, der alle großen Fahrer auszeichnet.

6. Premio Ciudad Mar del Plata, 1949

Der Februar 1949 war ein schwarzer Monat für den argentinischen Motorsport. Anfang des Monats hatte Jean-Pierre Wimille, der im Jahr darauf erster Weltmeister hätte werden können, im Training zu einem Lauf der Temporada-Serie sein Leben verloren. Wimille war eine großes Vorbild für Fangio, und die Ratschläge des Franzosen noch in vollem Bewusstsein, gelang dem Argentinier wenige Wochen später der erste Sieg in einem Grand-Prix-Boliden.

Das Rennen, das nicht weit von Fangios Heimatstadt Balcarce stattfand, wurde aber zu einer Tragödie. Im Training verunglückte Adriano Malusardi tödlich, und während des Rennens wurde ein Zuschauer getötet. Fangio, der einen Maserati fuhr, führte das Rennen vom Start weg an. Alberto Ascari und später Luigi Villores setzten Fangio unter Druck, mussten dem hohen Tempo des Lokalmatadoren aber Tribut zollen und schieden aus. So gewann Fangio das Rennen locker vor Bira.

5. Belgien-Grand-Prix 1950

Juan-Manuel Fangio

Juan-Manuel Fangio bezwang Fangio in Spa seinen Teamkollegen Farina Zoom

Fangios zweiter Sieg in der Weltmeisterschaft untermauerte seine Position als kommender Mann bei Alfa Romeo. Im Qualifying fuhr er die gleiche Zeit wie der Nummer-1-Fahrer Giuseppe Farina, musste aber hinter ihm starten, weil der Italiener seine Zeit zuerst gefahren hatte. Fangio und Farina gaben die Führung zu Beginn an Luigi Fagioli ab. Doch schließlich behauptete sich der Argentinier und übernahm nach den Tankstopps wieder die Spitze. Farina fiel wegen sinkendem Öldruck auf Position vier zurück, wodurch Fangio das Rennen in den letzten 15 Runden kontrollieren konnte und mit 14 Sekunden Vorsprung auf Fagioli gewann.

4. Monza-Grand-Prix 1949

Fangios erster großer Sieg in Europa gelang ihm in einem Formel-2-Rennen, mit einem privat eingesetzten Ferrari Tipo 166. Der Ferrari war das Auto, das es zu schlagen galt. Aufgrund starker Werksfahrer wie Ascari und Villoresi war Fangio, der in Europa zu diesem Zeitpunkt noch ein unbeschriebenes Blatt war, ein echter Außenseiter.

Aufgrund finanzieller Probleme des vom argentinischen Automobilclub unterstützen Teams erhielt Fangios Auto erst um buchstäblich fünf vor zwölf die Starterlaubnis. Nachdem er das Rennen in der Anfangsphase angeführt hatte, ließ er sich in den schnellen Zug der Werks-Ferraris zurückfallen, um Benzin zu sparen.


Fotostrecke: Juan Manuel Fangio: Karriere-Höhepunkte

Das Rennen entwickelte sich zu einem Duell Ascari gegen Fangio. Der war nach dem Boxenstopp zwölf Sekunden hinter dem Italiener auf die Strecke zurückgekommen und fuhr die Lücke zu. Da Ascari noch einmal in die Box fuhr, musste Fangio ihn nicht angreifen, doch in der Schlussphase begann sein Auto auseinanderzufallen. Als Ascari und Felice Bonetto zu ihm aufschlossen, versuchte Fangio das Auto unter Kontrolle zu halten, was wegen gebrochener Speichen am Hinterrad und abfallendem Öldruck unter Volllast jedoch zunehmend schwierig war. Doch Fangio schaffte es und gewann bei seinem ersten Start in einem Ferrari.

3. Italien-Grand-Prix 1953

In den Jahren 1952 und 1953, als die Weltmeisterschaft mit Formel-2-Autos ausgetragen wurde, dominierte Ferrari. Nur einmal gelang es einer anderen Marke, ein Rennen zu gewinnen. Fangio hatte mit seinem Maserati A6GCM gelegentlich schon um den Sieg gekämpft, doch erst beim letzten Rennen des Regelzyklus 1952/53 hatte er Erfolg. Den Nachteil seines Autos kompensierte er in Monza mit einer mutigen Fahrt, und das auf einer Rennstrecke, auf der er ein Jahr zuvor nach einem Unfall in der zweiten Lesmo-Kurve fast sein Leben gelassen hätte.

Monza 1953, Juan-Manuel Fangio

In Monza setzte sich Fanigo (rechts) 1953 im Vierkampf um den Sieg durch Zoom

Vom Start weg kam es zu einem wilden Getümmel zwischen Fangio, Ascari, Farina and Marimon. Wie so oft, fiel die Entscheidung in Monza in der letzten Kurve. Aber wer könnte die Geschichte besser erzählen, als Fangio selbst?

"Ascari stand mir auf dem Weg zum Sieg, den ich so dringend brauchte, im Weg. Er lenkte sehr scharf in die letzte Kurve ein, woraufhin sich sein Ferrari halb drehte", sagt Fangio. "Er wurde von Marimon getroffen. Farina, den ich gerade überholt hatte und der mir auf den Fersen war, hatte seine liebe Mühe den beiden auszuweichen."

"Ich überstand diese Schrecksekunde und gewann das Rennen auf den letzten Metern. Es gab so viel Verwirrung, dass bei unserer Zieldurchfahrt vergessen wurde, die schwarz-weiß-karierte Flagge zu schwenken. Also sind Farina und ich noch eine weitere Runde gefahren. Ich war mir allerdings sicher, dass sie einen Fehler gemacht haben. An diesem Tag war ich fast schon hysterisch und war nicht einmal darüber überrascht, obwohl ich für gewöhnlich eher ruhig bin."

2. Deutschland-Grand-Prix 1957

Fangios Sieg beim Deutschland-Grand-Prix 1957 ist einer der meistdiskutierten in der Geschichte des Sports. Es war sein letzter Sieg in der Weltmeisterschaft und sein letzter Sieg in Europa. Und darüber hinaus war es einer der besten Grands Prix in der Geschichte.

Juan-Manuel FAngio

Der Sieg auf dem Nürburgring 1957 war Fangios letzter in der Formel 1 Zoom

Die Geschichte des Rennens ist schnell erzählt. Fangio, der nach einem Jahr bei Ferrari zu Maserati zurückgekehrt war, startete das Rennen aus dem Vorderfeld und hatte einen Boxenstopp zum Nachtanken und Reifenwechsel eingeplant. Nachdem er in Runde drei die Führung übernommen und seinen Vorsprung in der Folge ausgebaut hatte, fiel er nach einem langsamen Boxenstopp auf Rang drei hinter die Ferraris von Peter Collins und Hawthorn zurück.

Er musste über eine Minute aufholen, was ihm mit einer Demonstration seiner herausragenden Fahrkunst auf einer der schwierigsten Strecken der Welt gelang. Eine Runde vor Rennende übernahm er die Führung. "An diesem Tag lief ich auf allen Zylindern", erinnerte sich Fangio später. "Ich war zu allem bereit. Es war in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Rennen. Als es vorbei war, wusste ich, dass ich nie wieder so würde fahren können. Niemals."

Und das gelang ihm auch nicht. Er startete nur noch bei zehn weiteren Rennen, von denen er drei gewann, ehe er in der Saison 1958 seine Karriere abrupt beendete.

1. Gran Premio Internacional del Norte 1940

Lange bevor Fangio nach Europa kam, hatte er sich bei Rennen in seinem Heimatland Argentinien und der Region einen Namen gemacht. Es war die Ära der epischen Langstreckenrennen auf öffentlichen Straßen, und Fangios erster Sieg, den er mit einem 1939er Chevrolet Coupe beim Gran Premio Internacional del Norte einfuhr, wird als sein größter angesehen.

Das fast 10.000 Kilometer lange Rennen war ein echter Test für Mensch, Maschine und Einfallsreichtum. Fangio ging dank der Unterstützung des Kartoffelhändlers Francisco Polio an den Start, der das Auto gekauft und in Fangios Heimatstadt Balcarce eine öffentliche Lotterie zur Finanzierung des Budgets durchgeführt hatte. Durch seinen Sieg wurde Fangio zum Held.


Ayrton Senna spricht über Juan-Manuel Fangio

Die Straßen waren damals bei weitem nicht so gepflegt, wie man es heute erwarten würde. Es war eine unglaubliche Herausforderung, die Fangio mit Genuss bewältigte. Doch es gab Rückschläge. In Bolivien verunfallte Mechaniker Hector Carlos Trieri, als er nach der Etappe das Auto fuhr. Fangio hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon zur Siegerehrung begeben, und Trieri hatte offenbar vergessen, auf welcher Seite der Straße man in Bolivien fährt.

Gemeinsam bogen sie das Auto wieder zurecht, und Fangio machte Trieri während der nächsten Etappe immer wieder Vorwürfe, doch bald schon gab es ganz andere Probleme. Nachdem sie den Kühler repariert hatten, sorgte Fangios Fahrstill für Ungemach. In der Überzeugung, es sei besser einen Vorsprung und so Zeit für Reparaturen herauszufahren als das Material zu schonen, gab Fangio Vollgas und rammte schließlich einen Stein. Die Reparatur des Rades, der Kardanwelle und der Aufhängung kostete einige Zeit, aber er blieb in Führung.

Diese behielt er bis zum Ende, und Fangios Sieg über die besser ausgestatteten Favoriten wurde von der Menge gefeiert. "Es war das erste Mal, dass die Leute meinen Namen riefen", wird er in 'Fangio: The Life Behind the Legend' zitiert.

Es sollte bei weitem nicht das letzte Mal sein.

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