"Geheime Treffen": Wolff schließt FIA-Eingriff wegen Motoren nicht aus

Toto Wolff schließt rechtliche Konsequenzen bei einer FIA-Entscheidung gegen den Mercedes-Motor aus und hat keine Ahnung, welche Auswirkungen folgen werden

(Motorsport-Total.com) - Der Mercedes-Motor steht zu Beginn der Formel-1-Testfahrten in Bahrain im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Obwohl Motorsportchef Toto Wolff betont, dass Red Bull aus seiner Sicht der Maßstab sei, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Konkurrenten an Plänen arbeiten, die Kontrollen des Verdichtungsverhältnisses noch vor dem Start der Saison 2026 anpassen zu lassen.

Titel-Bild zur News: Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff

Toto Wolff ist gespannt, wie die Motorendiskussion ausgehen wird Zoom

Die Rivalen drängen die FIA dazu, die Verfahren zu ändern, da Mercedes bei statischen Tests unter Umgebungstemperatur zwar das Verhältnis von 16:1 einhält, auf der Strecke im Betrieb jedoch ein höheres Verhältnis erreichen kann.

Wie Williams-Teamchef James Vowles betont auch Wolff, dass alle Mercedes-Motoren vollkommen legal seien, wenngleich er die Möglichkeit einer Intervention nicht mehr kategorisch ausschließt: "Ich bin in den letzten Wochen etwas verwirrt, wie es zu dem Punkt kam, dass dies plötzlich zum Thema wurde, denn bis letzten Freitag hatte ich den Eindruck, dass sich die Dinge nicht ändern würden", sagt er.

Auf die Frage, ob er seit letztem Freitag den Eindruck habe, dass eine Intervention der FIA bevorstehen könnte, meint Wolff: "Nun, ich habe einen Artikel auf einer italienischen Website gelesen, in dem stand, dass sich die Dinge ändern werden - also dachte ich mir, wir sollten es wohl wissen!"

Obwohl diese letzte Bemerkung mit einem Augenzwinkern gemacht wurde, schwingt in Wolffs Tonfall in Bahrain ein ernster Unterton mit.

Mercedes "geliefert"?

Der Tenor von Wolffs Botschaft unterscheidet sich von seinen Aussagen während der Mercedes-Präsentation. Damals sagte der Österreicher noch, die anderen Hersteller müssten "ihren Scheiß auf die Reihe kriegen", doch diesmal gibt er zu, dass Mercedes "geliefert" (im Original: screwed) sei, wenn sich der Rest zusammenschließt.

"Es sind nicht nur die Teams; man braucht die Stimmen des Dachverbandes und die Stimmen des Inhabers der kommerziellen Rechte. Und wenn diese sich entscheiden, eine Meinung und eine Agenda zu teilen, dann ist man geliefert", so der Mercedes-Motorsportchef.

"Ich denke, dass das Lobbying der anderen Motorenhersteller in den letzten Monaten massiv zugenommen hat. Ich meine, geheime Treffen, geheime Briefe an die FIA - wobei es an diesem Punkt natürlich so etwas wie ein Geheimnis nicht mehr gibt. Und das hat zu dieser Situation geführt."


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Für jede Intervention ist eine Super-Mehrheit im Power Unit Advisory Committee erforderlich, was vier der fünf Motorenhersteller plus FIA und FOM bedeutet. Der Ball liegt nun bei der FIA, und in dieser Hinsicht schließt Wolff kein Szenario mehr aus.

"Wissen Sie, dieser Sport steckt voller Überraschungen, daher gibt es nie eine Situation, in der man sagen kann, man sei sich bei irgendetwas sicher. Während des gesamten Prozesses, wenn man einen Motor entwickelt, hält man die FIA sehr eng an den Entscheidungen, die man trifft, und genau das haben wir getan", betont er.

"Und wir hatten alle Zusicherungen, dass das, was wir taten, den Regeln entsprach", stellt er klar. "Es ist ja nicht einmal so, dass wir hier von einem massiven Leistungsgewinn sprechen, aber ich denke, alle unsere Konkurrenten waren ein wenig verärgert und haben über lange Zeit bei der FIA Lobbyarbeit betrieben."

Kann Mercedes in Melbourne an den Start gehen, falls die FIA interveniert?

Sollte die FIA die Messverfahren tatsächlich anpassen - entweder durch Messung am heißen Motor oder durch den Einsatz von Sensoren während der Fahrt -, stellt sich die entscheidende Frage, ob die vier Teams mit Mercedes-Antrieb am Großen Preis von Australien teilnehmen können.

Das Homologationsdatum für alle 2026er-Motoren ist der 1. März, und angesichts der langen Vorlaufzeiten, die für Motoränderungen erforderlich sind, bleibt kaum Zeit für Modifikationen - erst recht nicht für fundamentale Aspekte.

"Nun, wenn es zu einer Vorschrift wird, muss man sich an die Vorschrift halten. Und wenn man sich nicht an die Vorschrift halten kann, dann muss die FIA eine Art Erfindung präsentieren, wie man das ausgleicht, und das ist für uns unklar", sagt Wolff.


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"Natürlich entwickelt man einen Motor über einen langen Zeitraum und hat Vorlaufzeiten. Wenn einem dann gesagt wird, dass man den Motor nicht so betreiben darf, wie man ihn entwickelt hat, könnte das für die Performance ziemlich schädlich sein."

Gerüchte, wonach Mercedes in einem solchen Fall gerichtlich vorgehen würde, weist Wolff jedoch zurück:

"Es gibt kein Szenario, in dem wir jemanden verklagen würden. In der Formel 1 ist es meiner Meinung nach wichtiger denn je, dass man weiß, wie die Regeln lauten, aber technischer Einfallsreichtum wird immer respektiert, und deshalb respektieren wir immer die Führung des Sports."

"Wenn die Führung des Sports beschließt, die Regeln zu ändern - sei es gegen unsere Position oder für unsere Position -, müssen wir einfach damit klarkommen."

Politische Spiele um "nur ein paar Pferdestärken"

Abschließend stellt Wolff klar, dass das Verdichtungsverhältnis aus seiner Sicht kein wesentliches Unterscheidungsmerkmal für die Leistung ist. Berichte über 10 bis 13 PS und mehrere Zehntelsekunden pro Runde entsprechen seiner Meinung nach nicht der Realität.

"Es sind nur ein paar PS. In England würde man 'a couple' sagen, was eher zwei oder drei sind. Also ein fast vernachlässigbares Risiko, um über den Verlauf eines Grand Prix einen großen Unterschied zu machen", meint Wolff.


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"Es geht vielmehr darum, welchen Präzedenzfall wir schaffen, welche Komplikationen die Einführung einer neuen Regel mit sich bringt, wie man sie überwacht, auf welche Weise man Anpassungen vornimmt, falls man die Notwendigkeit dazu sieht, und wie es ADUO beeinflussen wird - das System zum Angleichen der Motorenleistung."

"Denn nach sechs Rennen könnte jeder, der glaubt, er sei im ADUO-Fenster und habe die Chance aufzuholen, sofort anfangen, auf das Verdichtungsverhältnis zu schauen und den Motor komplett anders zu entwickeln - weil man weiß, dass man nach Rennen sechs die Möglichkeit hat, seinen Motor zu ändern. Die Art der unbekannten Konsequenzen ist also immens und nicht quantifizierbar."