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Fall Verstappen: Wie Niki Lauda Ayrton Senna gezähmt hat

Max Verstappen wird in Sachen Rücksichtslosigkeit mit Ayrton Senna verglichen: Niki Lauda erinnert sich, wie der den Brasilianer einmal zur Räson brachte

(Motorsport-Total.com) - Das Thema Max Verstappen spaltet derzeit die Formel 1. Die einen halten den 18-Jährigen für eine große Gefahr auf der Rennstrecke, die anderen fühlen sich eher an andere Renngrößen wie Ayrton Senna erinnert, die ebenfalls rücksichtslos zu Werke gingen - dabei aber auch erfolgreich waren. Auch Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko stellt sich eher auf letztere Seite: "Wenn man in diesem Sport vorne sein will, muss man auch eine gewisse Brutalität zeigen. Das ist nicht nur bei Verstappen, das war auch bei Senna und bei Michael Schumacher so", meint der Österreicher bei 'Sky'.

Niki Lauda, Ayrton Senna

Niki Lauda verschaffte sich gegenüber Ayrton Senna Respekt Zoom

Zwar will Marko die Fahrer aus unterschiedlichen Epochen nicht miteinander vergleichen, "aber was all diese Champions auszeichnet, ist der absolute Wille zum Gewinnen. Dafür tun sie einfach alles, und da sehen sie nicht nach links und rechts", sagt er bei 'RTL' weiter. "Das ist auch die einzige Möglichkeit, um in fast jedem Sport Weltspitze zu werden." Und in jungen Jahren bekomme man da schon einmal Ärger mit den alten Hasen: "Ich erinnere mich, dass er (Schumacher; Anm. d. Red.) in Hockenheim fast einen Faustkampf mit Senna hatte, weil der Etablierte meinte, dass der Junge zu forsch und zu frech wäre."

Ex-Weltmeister Niki Lauda erinnert sich diesbezüglich gerne an eine Begebenheit mit Ayrton Senna, der 1984 erstmals in Monaco am Start war. Der Brasilianer bummelte im Training, als der zweimalige Weltmeister Lauda eine schnelle Runde hinlegen wollte. "Ich bin dann ausgestiegen und zu ihm hingegangen: 'Grüß Gott, Lauda ist mein Name. Warum fahren Sie da so langsam herum? Wir wollen uns ja alle qualifizieren.' Daraufhin hat er zu mir gesagt: 'Herr Lauda, Sie können mich gernhaben.'", erzählt er bei 'Sky' und fühlt sich an Verstappen erinnert.

Am nächsten Tag im Qualifying folgte dann aber die Retourkutsche: Als Lauda seine schnelle Runde gefahren hatte, wartete er seelenruhig, bis Senna hinter ihm ankam. "Wie er volle Pulle um die Kurve gekommen ist, bin ich vor ihn gefahren und stehengeblieben", erinnert er sich. Nachdem Lauda ganz langsam in die Box gerollt war, stürmte Senna aus dem Auto und schrie ihn an. Der damalige McLaren-Pilot entgegnete aber nur: '"So wie du mir, so ich dir."

"Er hat mir lange in die Augen geschaut und gemeint: 'In Ordnung.' Wir haben uns die Hand gegeben, und es war nie mehr ein Problem. Ich bin mit Senna immer gut ausgekommen. Solche Sachen gibt's, die Fahrer müssen das aber untereinander selber lösen", schildert Lauda weiter. Doch heutzutage wird sich viel lieber bei der Rennleitung oder in den Medien beschwert, und Revancheaktionen auf der Strecke kommen nicht ungestraft durch.

Helmut Marko, Max Verstappen

Helmut Marko lässt Max Verstappen freien Raum bei der Entwicklung Zoom

Doch Lauda ist davon überzeugt, dass Verstappen schon seinen Weg finden wird. "Wenn du 18 bist und durch den Doktor (Helmut Marko; Anm. d. Red.) in die Formel 1 gesetzt wurdest, dann bist du einfach so", meint er. "Ich glaube, dass wir alle so waren. Er muss aufpassen, dass er nicht weiter übertreibt. Ich bin sicher, dass er alles wieder hinkriegen wird."

Auch Marko selbst will die jüngsten Ereignisse nicht überdramatisieren. Die Vorkommnisse von Spa-Francorchamps sind abgehakt, und der Niederländer darf sich weiter frei entfalten. "Unsere Leute können frei sprechen und kriegen keinerlei Medienkurs oder so was. Sie sollen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln", betont der Red-Bull-Mann und glaubt, dass Verstappen seinen Weg gehen wird: "Er wird sich langsam den Respekt verschaffen, den er braucht, wenn er um die WM fährt, wenn er Leute überrundet oder wenn er im Zweikampf ist."

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