Von Lauda über Schumacher bis Hamilton: In der 75-jährigen Geschichte der Formel 1 gab es 21 Halbzeitmeister, die am Ende der Saison dennoch kein Weltmeister wurden
Peter Collins (Ferrari) ist in der Formel-1-Saison 1956 der erste Halbzeitmeister, der am Ende trotzdem nicht Formel-1-Weltmeister wird. Den WM-Titel schnappt sich Teamkollege Juan Manuel Fangio. Der junge Collins überlässt dem Argentinier beim letzten Rennen in Italien sein Auto - und damit auch den Titel.
In der Saison 1958 ist es Stirling Moss, der seinen Halbzeiterfolg nicht zum WM-Titel umwandeln kann. Der Vanwall-Pilot muss sich am Jahresende um einen Punkt gegen Mike Hawthorn (Ferrari) geschlagen geben. Kurios: Der Brite soll in Portugal disqualifiziert werden, doch ausgerechnet Moss setzt sich für seinen Landsmann ein.
Bruce McLaren (Cooper) führt die WM-Wertung zur Saisonhalbzeit 1960 an, wird am Ende der Saison hinter Jack Brabham aber nur Vizemeister. Ein Grund: Das vorletzte Rennen in Monza (Italien) findet auf dem Ovalkurs statt, um die Chancen für Ferrari zu erhöhen. Die britischen Teams streiken, McLaren kann auf Brabham nicht aufholen.
Im Jahr 1964 feiert Jim Clark (Lotus) in den ersten fünf Rennen gleich drei Siege. In den restlichen fünf Rennen fällt der Brite durch technische Defekte allerdings viermal aus und wird somit nur WM-Dritter. Den Titel schnappt sich Ferrari-Pilot John Surtees.
Die Formel-1-Saison 1976 wird vom Feuerunfall Niki Laudas auf dem Nürburgring überschattet: Der Ferrari-Pilot gewinnt in der ersten Saisonhälfte fünf Rennen, muss wegen seiner Verletzungen anschließend allerdings zwei Rennen auslassen. Den WM-Titel verliert Lauda aber erst beim Finale, als er sein Auto wegen Regens freiwillig abstellt.
Im Jahr 1981 will Carlos Reutemann den WM-Titel, widersetzt sich sogar den Ansagen des Williams-Teams, seinen Teamkollegen Alan Jones vorbeizulassen. Zur Halbzeit liegt Reutemann in Führung und nimmt auch das Finale in Las Vegas als WM-Spitzenreiter von Pole in Angriff: Doch das Rennen wird zum Debakel, der Argentinier sogar überrundet.
In der ersten Hälfte der Formel-1-Saison 1982 feiert John Watson (McLaren) zwei Siege und vier Podestplätze, liegt damit zur Halbzeit in Führung. Doch es folgen drei Ausfälle in Folge und nur noch ein Podium beim Finale. In der WM-Wertung fällt er damit auf den dritten Platz zurück, während Keke Rosberg (Williams) den Titel holt.
Renault-Pilot Alain Prost hinterlässt in der ersten Hälfte der Formel-1-Saison 1983 einen starken Eindruck, gewinnt sogar zwei Rennen. Auch zu Beginn der zweiten Hälfte folgen zwei weitere Erfolge. Doch drei Ausfälle in den letzten vier Rennen kosten den WM-Erfolg. Prost verpasst den Titel gegen Nelson Piquet (Brabham) um zwei Punkte.
Nach seiner Rückkehr zu McLaren gilt Alain Prost auch in der ersten Saisonhälfte 1984 als großer Favorit, gewinnt drei Rennen. Doch die zweite Hälfte wird zum Debakel: Es folgen zwar vier Siege, aber auch vier Ausfälle. Am Ende entscheidet ein halber Punkt zugunsten von Teamkollege Niki Lauda.
Die Saison 1985 ist die fünfte Saison in Folge, in der sich der Halbzeitmeister nicht zum Formel-1-Weltmeister krönen kann. In diesem Jahr ist es Ferrari-Pilot Michele Alboreto, der nach einer starken Anfangsphase die WM-Führung übernimmt. Doch mit fünf Nullern in den letzten fünf Rennen geht der Titel am Ende an Alain Prost (McLaren).
In der Saison 1988 liefern sich die McLaren-Teamkollegen Alain Prost und Ayrton Senna einen heißen Zweikampf um die WM-Führung. Zur Halbzeit liegt der Franzose vorne, nachdem Senna beim Auftakt disqualifiziert wird. Weil am Ende aber nur elf Ergebnisse in die Wertung fließen und der Brasilianer mehr Siege hat, gewinnt er den Titel.
Alain Prost, der mittlerweile bei Ferrari fährt, wird in der Saison 1990 zum wiederholten Male Halbzeitmeister, gewinnt aber nicht den WM-Titel. Es ist wieder Ayrton Senna (McLaren), der dem Franzosen am Ende des Jahres doch noch den WM-Erfolg nimmt.
Michael Schumacher ist in der Formel-1-Saison 1997 auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel mit Ferrari. Er gewinnt in der ersten Hälfte der Saison drei Rennen und führt zur Halbzeit. Beim Finale in Jerez kommt es zum Showdown gegen Williams-Pilot Jacques Villeneuve. Schumacher provoziert eine Kollision und verliert den Titel.
Schon in seiner Debütsaison 2007 liegt Lewis Hamilton (McLaren) zur Halbzeit an der Spitze der WM-Wertung, nachdem er in allen Rennen auf dem Podium steht und sogar zwei Siege feiern kann. Im Endspurt ist Kimi Räikkönen (Ferrari) allerdings besser und liegt schlussendlich mit einem Punkt vorne.
Auch zur Halbzeit der Formel-1-Saison 2010 liegt Lewis Hamilton knapp an der Spitze der WM-Tabelle. Doch dann folgen drei Ausfälle, während die Konkurrenz aufholt. Sebastian Vettel (Red Bull) gewinnt den Titel vor Fernando Alonso (Ferrari), Hamilton wird am Ende nur Vierter.
Fernando Alonso (Ferrari) beginnt die Saison 2012 mit drei Siegen in den ersten zehn Rennen, liegt damit zur Hälfte des Jahres an der Tabellenspitze. Aber dann legt Sebastian Vettel (Red Bull) einen Zwischensprint ein und gewinnt vier Rennen in Folge. Alonso verpasst seinen dritten WM-Erfolg am Ende um drei Punkte.
In der Formel-1-Saison 2014 duellieren sich die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton: Der Brite gewinnt bis zur Halbzeit zwar mehr Rennen, hat allerdings auch einen Ausfall mehr als Rosberg, womit der Deutsche zur Saisonmitte vorne liegt. In der zweiten Hälfte dominiert Hamilton dann allerdings und holt den Titel.
Im Jahr 2016 ist die Situation zwischen den beiden Mercedes-Piloten genau umgekehrt: Zur Mitte der Saison liegt Lewis Hamilton an der Spitze, doch ein Ausfall in Malaysia kostet dem Briten schlussendlich den WM-Erfolg. Teamkollege Nico Rosberg gewinnt seinen einzigen Titel und beendet die Formel-1-Karriere.
Zu Beginn der Saison 2017 ist Sebastian Vettel (Ferrari) das Maß der Dinge. Er holt drei Siege in den ersten sechs Rennen, steht bei den anderen Rennen als Zweiter auf dem Podium. Damit liegt der Deutsche zur Halbzeit in Führung, doch zwei Ausfälle in der zweiten Hälfte werfen Vettel zurück. Lewis Hamilton (Mercedes) gewinnt den WM-Titel.
In der Formel-1-Saison 2021 kämpfen Max Verstappen (Red Bull) und Lewis Hamilton (Mercedes) um den WM-Titel. Nach elf von 22 Rennen führt der Brite die Tabelle an und liegt auch vor dem Finale in Abu Dhabi an der Spitze. Dort kommt es zum umstrittenen Showdown, der Verstappen seinen ersten WM-Erfolg einbringt.
Oscar Piastri (McLaren) führt die Saison 2025 über weite Strecken an und liegt auch zur Saisonmitte nach zwölf der 24 Rennen vorne. Zwischenzeitlich ist er sogar 34 Punkte vor seinem Teamkollegen Lando Norris. Doch der Brite wendet das Blatt noch und Piastri wird am Ende sogar nur WM-Dritter hinter Norris und Max Verstappen (Red Bull).
Von Lauda über Schumacher bis Hamilton: In der 75-jährigen Geschichte der Formel 1 gab es 21 Halbzeitmeister, die am Ende der Saison dennoch kein Weltmeister wurden