Manche Gelegenheiten kommen nur einmal: Wir blicken auf Formel-1-Fahrer, die in ihrer Karriere nur eine Chance auf den WM-Titel hatten - und diese verpasst haben
Oscar Piastri hat die Formel-1-WM 2025 lange angeführt, Weltmeister wurde am Ende aber McLaren-Teamkollege Lando Norris. War es für den Australier die erste und zugleich einzige WM-Chance? Wir schauen auf die Fahrer, die ihre einzige Titelchance in der Formel 1 nicht nutzen konnten.
Luigi Fagioli (1950): Der damals bereits 52-Jährige hat 1950 die Chance, der erste Formel-1-Weltmeister in der Geschichte zu werden. Vor dem Saisonfinale in Monza liegt der Alfa-Romeo-Pilot lediglich zwei Punkte hinter Spitzenreiter Juan Manuel Fangio. Beim letzten Rennen in Italien scheidet Fangio aus, ...
... doch zum Titel reicht es trotzdem nicht. Alfa-Teamkollege Nino Farina gewinnt das Rennen und springt damit in der WM noch von P3 bis auf P1 nach vorne. Fagioli wird 1951 im Alter von da bereits 53 Jahren zum bis heute ältesten GP-Sieger in der Formel 1. Es ist zugleich sein letztes Formel-1-Rennen. 1952 verunglückt er tödlich.
Wolfgang Graf Berghe von Trips (1961): Nachdem er bereits seit 1957 in der Formel 1 an den Start geht, könnte er 1961 auf Ferrari der erste deutsche Weltmeister in der Königsklasse werden. Trips gewinnt zwei Grands Prix und führt die WM nach seinem Heimrennen auf dem Nürburgring zwei Rennen vor Schluss an. Allerdings ...
... verunglückt er beim folgenden Grand Prix in Monza, wo er zuvor die Poleposition eingefahren hatte, tödlich. Ferrari-Teamkollege Phil Hill gewinnt das Rennen und damit auch den Titel. Beim Saisonfinale in Watkins Glen tritt die Scuderia nicht mehr an.
Clay Regazzoni (1974): Gleich in seiner ersten Formel-1-Saison 1970 wird er WM-Dritter, seine erste echte Titelchance kommt aber erst vier Jahre später. Der Schweizer gewinnt zwar nur ein Saisonrennen, führt wegen seiner Konstanz aber bis zwei Rennen vor Schluss die Weltmeisterschaft an. Beim vorletzten Rennen in Kanada ...
... wird er Zweiter und geht damit punktgleich mit Emerson Fittipaldi ins Finale in Watkins Glen. Dort wird er allerdings nur Elfter und der Titel geht an den Brasilianer. Regazzoni fährt noch bis 1980 in der Königsklasse, so nah kommt er der Weltmeisterschaft aber nie wieder.
Carlos Reutemann (1981): Der Argentinier ist zuvor bereits dreimal WM-Dritter geworden, war dabei aber nie wirklich nah dran am Titelgewinn. Erst 1981 schnuppert er echte WM-Luft, als er für Williams zwei der ersten fünf Rennen gewinnt. Mit einem Punkt Vorsprung auf Nelson Piquet geht er ins Saisonfinale in Las Vegas, wo ...
... er sich auch die Poleposition sichert, am Ende aber nur Achter wird. Der Titel geht mit einem Punkt Vorsprung an Piquet. In der folgenden Saison fährt Reutemann lediglich noch zwei Rennen, bevor er aus der Formel 1 zurücktritt.
Didier Pironi (1982): Der Ferrari-Pilot ist in der Saison 1982 auf dem besten Weg zum WM-Titel. Er führt die Meisterschaft mit neun Punkten Vorsprung an, als er im Qualifying zum Deutschland-GP auf dem Hockenheim schwer verunglückt. Pironi fährt nie wieder in der Formel 1 und stirbt fünf Jahre später bei einem Unfall mit einem Rennboot.
John Watson (1982): Durch den Unfall von Pironi entscheidet sich der WM-Kampf 1982 am Ende zwischen Keke Rosberg und McLaren-Pilot Watson, der die Meisterschaft im Laufe des Jahres ebenfalls einige Zeit anführt. Eine Serie von zwischenzeitlich vier Ausfällen in Folge ist am Ende allerdings zu viel und beim Finale in Las Vegas ...
... reicht ein zweiter Platz nicht mehr, um das Blatt noch zu wenden. Der Titel geht mit fünf Punkten Vorsprung an Rosberg, der zum ersten und einzigen Mal Weltmeister wird. Watson fährt danach nur noch eine komplette Formel-1-Saison, seinen endgültig letzten Grand Prix bestreitet er 1985.
Rene Arnoux (1983): Ein Jahr später schwingt sich der Franzose erstmals zu einem Titelkandidaten in der Formel 1 auf. Nachdem er bereits fünf Jahre in der Königsklasse absolviert hat, die meisten davon für Renault, erweist sich der Wechsel zu Ferrari 1983 als Glücksgriff. Arnoux erwischt zwar zunächst keinen guten Start, ...
... feiert kurz vor Ende der Saison aber drei Siege in fünf Rennen und liegt zwei Läufe vor Schluss lediglich zwei Punkte hinter WM-Leader und Landsmann Alain Prost. Weltmeister wird am Ende aber keiner der beiden, weil Nelson Piquet noch vorbeizieht. Arnoux fährt noch bis 1989 in der Formel 1, gewinnt aber nie mehr ein Rennen.
Michele Alboreto (1985): Genau umgekehrt läuft es bei Ferrari zwei Jahre später, als Alboreto einen guten Start in die Saison erwischt - und den Titel hintenraus verliert. Mitte der Saison führt der Italiener die WM an, doch in den letzten fünf Rennen ...
... sieht Alboreto kein einziges Mal die Zielflagge und der Titel geht an Prost, der zum ersten Mal Weltmeister wird. Die Zuverlässigkeit bleibt auch in den folgenden Jahren ein Problem bei Ferrari, sodass der Italiener nie wieder ein Rennen gewinnt. Bis Ende 1994 fährt er danach für diverse andere Teams noch in der Königsklasse.
Eddie Irvine (1999): Als Ferraris Nummer 2 wird der Nordire 1999 plötzlich zum Titelkandidaten, weil sich Michael Schumacher in Silverstone das Bein bricht und ausfällt. Die Scuderia setzt daher alles auf Irvine, der in der Saison insgesamt vier Rennen gewinnt und die WM vor dem Finale in Suzuka mit vier Punkten Vorsprung anführt. Dort ..
... siegt allerdings Mika Häkkinen und sichert sich so den Titel vor Irvine, dem ein dritter Platz nicht reicht. Es ist gleichzeitig sein letztes Rennen für Ferrari, denn zur Saison 2000 wechselt er zu Jaguar. Da fährt Irvine noch drei Jahre ohne nennenswerte Erfolge, dann verabschiedet er sich aus der Formel 1.
Heinz-Harald Frentzen (1999): Im gleichen Jahr mischen auch Jordan und der Deutsche völlig überraschend im Titelkampf mit. Nach seinem zweiten Saisonsieg in Monza liegt Frentzen nur noch zehn Punkte hinter dem Spitzenduo. Beim Heimspiel auf dem Nürburgring sichert sich Frentzen im drittletzten Saisonrennen die Pole, ...
... scheidet am Sonntag jedoch aus. Nach einem sechsten Platz beim folgenden Rennen in Malaysia enden auch rechnerisch alle Titelträume. Für Frentzen und auch Jordan bleibt es die einzige WM-Chance. Der Deutsche verabschiedet sich Ende 2003 ohne weiteren Sieg aus der Formel 1, der Name Jordan verschwindet Ende 2005 aus der Königsklasse.
Juan Pablo Montoya (2003): Der Kolumbianer sorgt gleich für Aufsehen, als er 2001 in die Formel 1 kommt. Seine erste Titelchance kommt zwei Jahre später, als er für BMW-Williams zwei Grands Prix gewinnt und zwei Rennen vor Schluss in der WM lediglich drei Punkte hinter Michael Schumacher liegt. Allerdings ...
... enden Montoyas Träume ausgerechnet beim vorletzten Saisonrennen in Indianapolis. Nachdem er dort im Jahr 2000 das Indy 500 gewonnen hatte, ist ein sechster Platz beim Grand Prix zu wenig, um im Titelrennen zu bleiben. "Schumi" wird am Ende Weltmeister und Montoyas kurze Formel-1-Karriere ist 2006 schon wieder vorbei.
Felipe Massa (2008): Der Ferrari-Pilot gewinnt zwar auch 2007 bereits drei Rennen, da legt sich Ferrari am Ende aber auf Kimi Räikkönen als Fahrer für die WM fest - woraufhin dieser auch den Titel holt. Ein Jahr später soll Massas große Stunde schlagen. Er gewinnt das Saisonfinale in seiner Heimat Brasilien und ...
... sieht für wenige Sekunden bereits wie der neue Weltmeister aus. Weil Lewis Hamilton auf den letzten Metern des Rennens Timo Glock aber noch überholt, wird der Brite mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Massa fährt noch bis Ende 2017 in der Formel 1, gewinnt nach dem dramatischen Finale 2008 aber nie wieder ein Rennen.
Robert Kubica (2008): Im gleichen Jahr dürfen auch BMW und Kubica kurz vom Titel träumen. Der Pole gewinnt zwar nur ein Rennen in Kanada, führt die WM danach aber an und hat bis zwei Rennen vor Schluss auch zumindest noch Außenseiterchancen auf den Titel. Beim vorletzten Rennen in China ...
... verabschiedet er sich nach einem sechsten Platz allerdings aus dem Titelrennen. Kubica wirft BMW später vor, die Entwicklung des Autos zu früh eingestellt und sich zu sehr auf das neue Reglement 2009 konzentriert zu haben. Das zahlt sich nicht aus, denn Kubica und auch BMW gewinnen danach nie mehr einen Grand Prix.
Rubens Barrichello (2009): Nach vielen Jahren als Ferraris Nummer 2 neben Michael Schumacher wittert der Brasilianer 2009 im Spätherbst seiner Karriere doch noch die große WM-Chance. Der legendäre Brawn BGP 001 ist unter dem neuen Reglement zu Saisonbeginn das beste Auto im Feld. Allerdings ist es Teamkollege Jenson Button, ...
... der in erster Linie davon profitiert. Barrichello gewinnt zwar zwei Rennen und hat bis zwei Rennen vor Schluss rechnerische Chancen auf den WM-Titel. Ausgerechnet bei seinem Heimspiel in Brasilien krönt sich Button dann aber zum Champion. "Rubinho" fährt anschließend noch zwei Saisons für Williams, dann endet seine Formel-1-Karriere.
Mark Webber (2010): Der Australier ist bereits 34 Jahre alt, als seine große Chance kommt. Er gewinnt 2010 vier Rennen und führt die WM drei Rennen vor Schluss an. Allerdings weigert sich Red Bull, sich auf ihn als Titelkandidaten festzulegen, weil auch Teamkollege Sebastian Vettel noch Chancen hat. Im drittletzten Rennen in Südkorea ...
... crasht Webber und verliert die WM-Führung an Fernando Alonso. Vor dem Finale in Abu Dhabi hat er acht Punkte Rückstand auf den Spanier, doch Weltmeister wird am Ende Vettel als "lachender Dritter". Ab da ist der Deutsche die klare Nummer 1 im Team und Webber bekommt bis zu seinem Formel-1-Abschied Ende 2013 nie mehr eine Titelchance.
Manche Gelegenheiten kommen nur einmal: Wir blicken auf Formel-1-Fahrer, die in ihrer Karriere nur eine Chance auf den WM-Titel hatten - und diese verpasst haben