Über 20 Jahre war Helmut Marko als Motorsportberater bei Red Bull tätig, führte das Team zu insgesamt 14 WM-Titel in der Formel 1 - Rückblick auf die Ära von Marko
Die Erfahrungen von Helmut Marko sind kein Zufall: Der Österreicher nimmt in den Jahren 1971 und 1972 für B.R.M. an insgesamt neun Formel-1-Rennen teil. Sein bestes Ergebnis ist ein achter Platz beim Großen Preis von Monaco 1972. Ein Jahr zuvor gewinnt Marko gemeinsam mit Gijs van Lennep sogar die 24 Stunden von Le Mans.
Die Karriere von Helmut Marko findet allerdings ein frühes Ende: Beim Großen Preis von Frankreich 1972, seinem neunten und letzten Rennen in der Formel 1, wird der Österreicher von einem Stein getroffen, der sein Visier durchschlägt. Marko trägt eine schwere Verletzung am linken Auge davon und trägt seither eine Prothese.
Nachdem Marko dem Motorsport zunächst den Rücken kehrt und in seiner Heimat Graz zwei Hotels eröffnet, folgt ab 1984 die Rückkehr auf die Rennstrecke: Der Österreicher gründet mit RSM Marko sein eigenes Team und tritt in der DTM und der deutschen Formel-3-Meisterschaft an, holt mit Karl Wendlinger (1989) und Jörg Müller (1994) zwei Titel.
Ab 1996 tritt RSM Marko auch in der Formel-3000-Meisterschaft an, wo Jörg Müller auf Anhieb den Titel holt. Helmut Marko hat ein Gespür für talentierte Fahrer und verpflichtet Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer feiert 1997 zwar drei Siege, verpasst den Titel am Ende allerdings knapp. Dennoch gilt RSM Marko bereits als Talentschmiede.
Sein guter Ruf bleibt auch Red Bull nicht verborgen: Ende der 1990er-Jahre kommt Marko mit seinem Landsmann Dietrich Mateschitz in Kontakt, der mit Red Bull schon beim Sauber-Team in der Formel 1 als Sponsor engagiert ist. RSM Marko wird in der Formel 3000 ab 1999 zum offiziellen Juniorteam von Red Bull.
Helmut Marko tritt fortan in den Farben von Red Bull an der Rennstrecke auf und wird zum Verantwortlichen des Nachwuchsprogramms. Der Österreicher hatte einst auch seinem Landsmann Gerhard Berger bei dessen Aufstieg in die Formel 1 begleitet.
Marko hat ein Händchen für Talente und spürt, wer das Zeug für die Formel 1 hat: 1998 nimmt Red Bull bereits Sebastian Vettel in das Nachwuchsprogramm auf. Der Heppenheimer (hier ein Foto von 2002) fährt zu dieser Zeit noch im Kartsport.
In der Saison 2004 ist das Red-Bull-Juniorteam von Helmut Marko nicht mehr in der Formel 3000 am Start. Die Red-Bull-Junioren fahren stattdessen für das Arden-Team von Christian Horner. Vitantonio Liuzzi gewinnt sieben von zehn Rennen und in dominanter Manier den Titel.
2005 steigt Red Bull in die Formel 1 ein. Dietrich Mateschitz kauft nach der Saison 2004 das angeschlagene Jaguar-Team und formiert daraus sein neues Team: Red Bull Racing. Helmut Marko wird zum Motorsport-Berater ernannt, Christian Horner zum Teamchef. Das Team startet mit David Coulthard und Christian Klien in die Debütsaison.
Helmut Marko wird zum Gesicht von Red Bull in der Formel 1. Zwar ist er kein Teamchef, doch als Motorsport-Berater nimmt er eine Schlüsselrolle ein und wird zu einem der wichtigsten Ansprechpartner im Team. Gleichzeitig ist er als engster Vertrauter der Fahrer ein entscheidender Rückhalt und prägt den Kurs des Rennstalls maßgeblich.
Und eines seiner Talente verliert Helmut Marko nie aus den Augen: Sebastian Vettel gibt 2007 zwar noch für BMW-Sauber sein Formel-1-Debüt, doch nur wenige Wochen später wechselt der Deutsche zu Toro Rosso, wo er Teamkollege von Vitantonio Liuzzi wird.
Dann geht alles ganz schnell: In der Saison 2008 gewinnt Vettel sein erstes Formel-1-Rennen für Toro Rosso, ab 2009 fährt der Deutsche schließlich für Red Bull - und holt beim Großen Preis von China den ersten Sieg für das Team.
Der große Triumph gelingt in der Saison 2010: Sebastian Vettel krönt sich zum Fahrerweltmeister mit Red Bull, während das Team gleichzeitig den ersten Konstrukteurs-WM-Titel holt. Damit beginnt eine außergewöhnliche Ära, denn vier Jahre in Folge feiern Vettel und Red Bull die Doppel-Weltmeisterschaft.
Nach der Saison 2014 wechselt Sebastian Vettel zu Ferrari. Red Bull kämpft zu dieser Zeit mit dem neuen Motorenkonzept und dem Renault-Antrieb. Die Erfolge bleiben aus, und für Marko beginnen herausfordernde Jahre. Doch er hat bereits den nächsten Rohdiamanten im Blick: Max Verstappen.
2021 kehrt der Erfolg zurück: Max Verstappen gewinnt seinen ersten WM-Titel und fügt in den folgenden Jahren noch drei weitere Fahrertitel hinzu. Dazu kommen zwei Konstrukteurstitel für Red Bull. Doch hinter den glänzenden Ergebnissen wachsen die Spannungen im Team, und die Risse werden immer sichtbarer ...
Im Oktober 2022 stirbt mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz einer der engsten Vertrauten von Marko. Was sich in den Anfangsjahren häufig mit einem Telefonat über den kurzen Dienstweg regeln ließ, wird fortan zur Herausforderung für den Österreicher, der aufgrund der veränderten Machtverhältnisse auch noch Gegenwind bekommt.
Vor allem das Verhältnis zwischen Teamchef Christian Horner und Helmut Marko bekommt zunehmend Risse. Nach dem Tod von Dietrich Mateschitz wittert der Brite seine Chance, mehr Macht und Einfluss zu gewinnen - nicht nur im Formel-1-Team, sondern im gesamten Konzern. Doch der Plan geht nicht auf: Im Juli 2025 muss Horner gehen.
Die Entscheidung trifft Oliver Mintzlaff, der im November 2022 als Geschäftsführer Sport an die Spitze des Energydrink-Konzerns rückt - und damit auch zum neuen starken Mann über beide Formel-1-Teams wird. Zunächst bleibt der Deutsche in einer beobachtenden Rolle, doch als die erhofften Leistungen ausbleiben, greift er durch.
Marko bekommt in dieser Phase jedoch deutliche Rückendeckung: Max Verstappen stellt sich öffentlich hinter seinen langjährigen Förderer und macht klar, dass sein eigener Verbleib im Team untrennbar mit Markos Zukunft verbunden ist. Für Red Bull wird damit spürbar, wie groß Markos Einfluss im Hintergrund tatsächlich ist.
Unter der Führung des neuen Teamchefs Laurent Mekies findet Red Bull in der zweiten Saisonhälfte 2025 zurück auf die Siegerstraße. Max Verstappen gewinnt mehrere Rennen und kämpft bis zum letzten Moment um die WM-Krone, die er am Ende nur um zwei Punkte verpasst. Es scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein ...
Doch beim Saisonfinale in Abu Dhabi sorgt ein Sky-Interview erneut für Aufsehen. Auf die Frage, ob man sich im kommenden Jahr wiedersehen wird, antwortet Marko mit einem "Vielleicht" - obwohl der Österreicher eigentlich einen Vertrag bis Ende 2026 hat.
Am Dienstag nach dem Saisonfinale wird offiziell bekannt, dass sich die Wege von Red Bull und Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko zum Jahresende trennen werden. Das Team plant einen Neuanfang und möchte seine Führungsstruktur für die kommenden Jahre neu ausrichten.
Damit endet eine Ära voller Erfolge: Nach 417 Formel-1-Rennen mit 130 Siegen und 111 Podestplätzen sowie acht Fahrer- und sechs Konstrukteurstiteln verabschiedet sich Helmut Marko vom Team und kehrt Red Bull den Rücken.
Über 20 Jahre war Helmut Marko als Motorsportberater bei Red Bull tätig, führte das Team zu insgesamt 14 WM-Titel in der Formel 1 - Rückblick auf die Ära von Marko