Keine Kopie des Duster: Wie es zum Design des Dacia Sandrider kam
Der Dacia Sandrider sollte kein weiterer Duster werden - Inspiriert vom Konzeptauto Manifesto entstand ein eigenständiger Dakar-Prototyp - Die Hintergründe
(Motorsport-Total.com) - Dacia tritt zum zweiten Mal bei der Rallye Dakar mit dem Sandrider an. Der Prototyp wurde von Grund auf neu entwickelt und debütierte 2024 bei der Marokko-Rallye. Bei der ersten Dakar-Teilnahme 2025 gewann das Team eine Etappe. Im Endergebnis belegte Nasser Al-Attiyah den vierten Platz.
© Dacia
Das Design des Dacia Sandrider stammt vom Konzeptauto Manifesto Zoom
Angetrieben wird der Sandrider von einem 3,0-Liter-V6-Motor mit zwei Turboladern. Die Basis des Triebwerks stammt von einem Nissan Z. Aufgrund der von der FIA vorgeschriebenen Drehmomentkurve beträgt die Leistung etwa 360 PS.
"Was man also ständig versucht, ist, den Motor maximal an das von der FIA genehmigte Limit zu optimieren", sagt Philip Dunabin, der Technische Direktor des Projekts, gegenüber Motorsport-Total.com. Alle Hersteller versuchen, über die Elektronik nahe an das Limit zu kommen.
Optisch erinnert der Sandrider an das Konzeptauto Manifesto, das Dacia im Jahr 2022 vorgestellt hat. "Anstatt also zu versuchen, einen Duster-Doppelgänger zu machen, wollten sie dieses Design-Statement setzen."
"Dacia wollte ein Statement über den Wandel abgeben, den das Unternehmen vollzieht", sagt Dunabin. "Man bewegt sich weg davon, nur billig zu sein, hin zu einem Auto, das überall akzeptiert wird, ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und ein sehr gutes Styling hat."
Deshalb musste der Sandrider auch die Optik des Manifesto erhalten: "Das Styling wurde komplett vom Dacia-Designstudio gemacht. Der Designdirektor und der Verantwortliche für dieses Programm haben Hand in Hand mit dem Konstruktionsbüro gearbeitet."
Die Ingenieure hatten also nicht komplett freie Hand, um das Auto kompromisslos für die Anforderungen des Motorsports zu konzipieren. Allerdings wurde eng mit dem Dacia-Designstudio zusammengearbeitet, um die besten Kompromisse zu finden.
Ein Beispiel: "Am Anfang gab es ein Designmerkmal am Heck, das für den Abtrieb nicht wirklich das war, was wir wollten. Also hat sich das Designmerkmal, das sie ursprünglich vorgeschlagen hatten, gewissermaßen schrittweise in den Heckflügel verwandelt, wie er jetzt ist."
"Im Grunde gibt es zwei Elemente bei der Aerodynamik", erläutert Dunabin. "Das eine ist die reine Aerodynamik in Bezug auf Abtrieb oder Auftrieb, und der zweite Aspekt ist sicherzustellen, dass es einen ausreichenden Luftstrom zu den Kühlern vorne und hinten gibt."
"Die Kühlungsaspekte dieser Autos sind sehr, sehr schwierig, weil man die Kühlung des Motors hat, aber auch die des Getriebes, der Achsen, und viele der elektronischen Komponenten verbrauchen mittlerweile viel Strom, also müssen sie ebenfalls gekühlt werden."
© smg/Dirnbeck
Der Dacia Sandrider im Biwak der Rallye Dakar Zoom
"Man hat also ein ziemlich ausgeklügeltes System in diesem Auto, um Strecken zu bewältigen, die nicht bei gleichen Temperaturen gefahren werden, und um sicherzustellen, dass wir unter allen Bedingungen, etwa bei bis zu 40 Grad in Marokko, kein Temperaturproblem haben."
"Wenn man in dieser Umgebung in den Sanddünen fährt, ist man oft mit sehr niedrigen Geschwindigkeiten unterwegs, also ist der natürliche Luftstrom gering. Aber in den Dünen hat man gleichzeitig einen sehr hohen Leistungsbedarf."
"Man hat also die größte Wärmeentwicklung bei gleichzeitig geringstem Luftstrom. Man muss die Kühlung unter diesen Bedingungen im Griff behalten." Beim ersten Dakar-Start gab es diesbezüglich Schwierigkeiten, weil manchmal Lüfter stoppten, wenn Sand sie verschmutzte.
"Das war eines der großen Probleme letztes Jahr", bestätigt Dunabin. "Wir hatten einige Ausfälle der Elektronik in den Lüftersystemen, aber wir sind auf einen anderen Elektromotor und ein anderes elektrisches Steuerungssystem umgestiegen. Wir hatten in Marokko und hier keine Probleme."
Vertrauen die Techniker auf die Fahrer oder die Daten?
Stichwort Elektronik. In den Dakar-Prototypen sind viele Sensoren verbaut. Live-Telemetrie gibt es natürlich nicht. Wenn die Autos zurück im Biwak sind, werden die Daten heruntergeladen und anschließend von den Ingenieuren analysiert.
Informationen werden unter anderem vom Motor, dem Getriebe, den Achsen und der Aufhängung gesammelt. Auch Dinge wie die Cockpit-Temperatur oder die Funktion der Klimaanlage werden gemessen.
Mit Nasser Al-Attiyah und Sebastien Loeb hat Dacia zwei Fahrer mit immenser Erfahrung im Aufgebot. Dazu kommen Cristina Gutierrez und seit diesem Jahr Lucas Moraes. Vertrauen die Techniker eher den Daten oder den Aussagen und dem Gefühl der Fahrer?
"Der Fahrer sagt uns seine Meinung, und offensichtlich hat er meistens eine gute Vorstellung davon, was vor sich geht", antwortet Dunabin. "Aber die eigentliche Arbeit, die man leisten muss, sobald er einem diese Information gegeben hat, ist zu prüfen, ob sie mit den Daten korreliert."
© Dacia
Philip Dunabin von Alpine übersieht das Dakar-Projekt von Dacia Zoom
"Denn die Daten sind die Daten, sie lügen nicht." Ist in den Daten auch erkennbar, was die Topfahrer Al-Attiyah und Loeb ausmacht? "Ja, ich meine, wir können es natürlich sehen, und da wir die Daten haben, können wir den einen mit dem anderen vergleichen."
"Sie können also immer Dinge aus dem lernen, was wir in den Daten sehen. So arbeitet ein professioneller Fahrer. Also ja, es gibt einen Wettbewerb zwischen ihnen, aber die Daten werden alle geteilt, und das ist es, was wir auf kollaborative Weise aus dem Auto herausholen können."
Denn die Entwicklung des Sandrider ist noch nicht zu Ende. "Wo wir jetzt stehen, geht es um Optimierung", blickt Dunabin auf die Aufgaben der Ingenieure in den kommenden Monaten. "Wir müssen am Auto immer noch etwas Gewicht einsparen."
"Wenn man anfängt, über Gewichtseinsparung bei einem Auto in diesem Stadium zu sprechen, dann sind das viele kleine Arbeiten am ganzen Auto. Es gibt noch einige Dinge, die wir aus der Aufhängung herausholen können, um schneller zu sein."
"Auch beim Motor geht es noch um kleine Optimierungen. Es gibt noch einige andere Dinge, die wir auf der Kühlungsseite für sehr hohe Temperaturen tun wollen, vielleicht nicht für die Dakar, aber potenziell für Marokko."
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