• 18.07.2025 15:49

  • von Stefan Leichsenring

Elektro-Kia demütigt Ferrari im Drag Race - trotz weniger Leistung

Das Elektroauto deklassiert den V12-Boliden bei mehreren Drag-Race-Läufen: Wie kann das sein?

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Der Kia EV6 GT beschleunigt laut Datenblatt in 3,5 Sekunden von 0 auf 100, wenn die Launch Control angeschaltet ist. Für den Ferrari Purosangue gibt der Hersteller 3,3 Sekunden an. Doch bei einem Direktvergleich hängte der Elektro- Kia den Ferrari nun problemlos ab.

Titel-Bild zur News: Kia EV6 GT im Sprint-Duell gegen Ferrari Purosangue

Kia EV6 GT im Sprint-Duell gegen Ferrari Purosangue Zoom

Im neuen Drag-Race-Video ließ das britische Magazin Carwow die beiden Autos über die klassische Viertelmeile gegeneinander antreten: den neuen Kia EV6 GT mit seinem 478 kW (650 PS) starken Allradantrieb gegen den Ferrari Purosangue mit seinem 533 kW (725 PS) starken V12, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe und ebenfalls Allradantrieb. Von der Leistung her müsste der Ferrari überlegen sein. Ferrari gibt ein Trockengewicht von 2.033 Kilo an, Kia nennt ein EU-Leergewicht von 2,2 bis 2,3 Tonnen. Der Ferrari hat also mehr Leistung und ein niedrigeres Gewicht. Wie kann er beim Sprint dennoch unterlegen sein?

Doch im Video jedenfalls hängt der Kia den Ferrari bei allen Läufen ab. Er ist nicht nur beim Start schneller, sondern baut den Vorsprung auch noch kontinuierlich aus. Das Elektroauto brauchte für die Viertelmeile 11,4 Sekunden, der Purosangue benötigte 11,5 Sekunden.

Der Kia unterliegt nur ein einziges Mal, und da hatte Moderator Mat Watson den manuellen Modus aktiviert, bei dem der EV6 GT das Fahrverhalten eines Verbrenners mit Handschaltung simuliert - inklusive der Zugkraftunterbrechungen beim Gangwechsel. Dabei ist auch die Launch Control deaktiviert. Hier benötigte der Kia 12,1 Sekunden für die Distanz.

Das Video enthält etliche Sprints; damit zeigt der Kia auch, dass sein Thermomanagement das wegsteckt: Elektromotoren werden bei starker Belastung heiß und verlieren an Leistung. Und auch eine heiße Batterie gibt nicht so viel Leistung ab wie eine gut temperierte. Der Ferrari dagegen zeigt nach einem Lauf überhitzte Bremsen an - womit der Kia (wohl wegen der Rekuperation) keine Probleme hat.

Mehr Leistung und weniger Gewicht: Wie kann der Ferrari dennoch gegen den Kia verlieren? Nun, offenbar ist die Sprintzeit von 3,5 Sekunden eine konservative Angabe. Unabhängige Tests haben gezeigt, dass der Purosangue beim Sprint einige Zehntel schneller ist, wie unser US-amerikanischer Kollege Andrei Nedelea berichtet, dem wir den Hinweis auf dieses Video verdanken.

Außerdem ist Trockengewicht nicht gleich EU-Leergewicht. Die amerikanische Zeitschrift Car and Driver hat einen Purosangue gewogen und kam auf 2,2 Tonnen. Und das entspricht ziemlich genau dem EU-Leergewicht des Kia. Ein weiterer Faktor könnte das Drehmoment sein, das bekanntlich beim stehenden Start wichtiger ist als die Leistung. Für den Kia EV6 GT werden 770 Nm angegeben (bei aktivierter Launch Control), beim Ferrari "nur" 716 Nm.

Auch die Reifen und das Allradsystem spielen beim stehenden Start eine Rolle. Das zeigt der Vergleich der beiden Fahrzeuge mit rollendem Start über eine halbe Meile: hier gewinnt der Ferrari. Und er bremst auch besser, wie ein weiterer Test zeigt.

Fakt ist jedoch: Über die Viertelmeile mit stehendem Start gewann der Kia EV6 GT mehrfach und deutlich. Dabei kostet er nur 69.990 Euro, während der Ferrari Purosangue weit über 300.000 Euro liegt. In den USA werden 65.275 Dollar für den Kia und über 395.000 Dollar für den Ferrari (ohne Extras) aufgerufen. Damit ist das italienische Sport-SUV etwa sechsmal so teuer. Allerdings: Der Ferrari klingt definitiv besser, wie im Video zu hören ist. Und vielleicht sieht er auch besser aus.

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Unter dem Strich

Donnerwetter, das hätten wir nicht gedacht: Ein Kia EV6 GT schlägt einen wesentlich teureren und leistungsstärkeren V12-Ferrari beim Sprint auf der Viertelmeile, und zwar deutlich und mehrfach. Das zeigt, was ein Elektroantrieb kann. Auch Sprintwerte wie die 2,1 Sekunden des Tesla Model S Plaid oder die 1,8 Sekunden des Rimac Nevera R demonstrieren, dass Elektroautos beim Sprint zumindest auf Augenhöhe mit den Verbrennern liegen. Zum Vergleich: Der Bugatti Chiron lag bei 2,4 Sekunden, der Nachfolger Tourbillon soll den Sprint in 2,0 Sekunden schaffen.

Source: Carwow auf Youtube via InsideEVs.com

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