• 17.02.2026 10:04

  • von Benja Hiller

Cupra Born im Test (2026): Winter-Check mit dem Auslaufmodell

Der Cupra Born steht kurz vor einem Facelift. Lohnt es sich, jetzt noch zuzugreifen und was kann der Spanier eigentlich im Winter? Unser Test

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Für den Cupra Born steht in diesem Jahr ein Facelift an, um ihn optisch näher an die neueren Modelle Tavascan und Raval zu bringen. Seit 2022 belagert der etwas heißblütigere Bruder des VW ID.3 die Straßen der Welt. Und das durchaus mit steigender Beliebtheit.

Titel-Bild zur News:

Cupra Born (2026) im Test Zoom

Zumindest in Deutschland: 18.847 Cupra Borns wurden 2025 verkauft, weltweit waren es 41.800 Exemplare. Doch bevor es für das aktuelle Modell "Born to Die" von Lana Del Rey anzustimmen gilt, heißt es bis zur Übernahme des Facelifts noch einmal wie der "Boss" Bruce Springsteen "Born to Run" rauszubrüllen. Schließlich wollen die baldigen Vorfacelifts bei Abverkäufen noch unter die Leute gebracht werden.

Genau bei solchen Angeboten können Sie bei unserer gefahrenen Variante mit 170 kW (231 PS) und einem 60-kWh-Akku getrost jetzt schon mit der Suche nach Bestandsmodellen anfangen. Denn diese Kombination ist für 2026 bereits aus der Cupra-Preisliste gefallen.

Jetzt fragen Sie sich sicher: 'ja aber reicht mir der kleine Akku mit maximal 427 Kilometern? Sollte ich nicht besser zur 79-kWh-Batterie greifen, wenn ich auch mal längere Strecken fahren will? Der tatsächliche Verbrauch liegt ja immer etwas höher. Und der Winter erst! Was ist mit dem Winter?'


Fotostrecke: Cupra Born (2026) im Test

Nun, da habe ich genau die passende Antwort für Sie. Wir hatten den Spanier knapp zwei Wochen im Januar im Einsatz bei konstanten Wetterbedingungen um den Gefrierpunkt. Lassen Sie uns also gemeinsam herausfinden, wie sich zum Beispiel eine Strecke mit insgesamt 460 Kilometern bei -6 bis -1 Grad mit dem Cupra Born so anfühlt!

Cupra Born 170 kW 60 kWh (2026)
Antrieb: Permanentmagneterregte Synchronmaschine / Heckantrieb
Systemleistung / Max Drehmoment: 170 kW (231 PS) / 310 Nm
0 - 100 km/h: 6,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Stromverbrauch / Reichweite (WLTP): 15,6 - 17,6 kWh / 427 km
Akku: 60 kWh
DC-Ladegeschwindigkeit / 10 - 80 Prozent: 165 kW / 24 Minuten
Preis: 41.550 Euro (Testwagen: 54.750 Euro)

Karosserie und Design

Je nachdem, von welcher Seite man sich dem Cupra Born nähert, wirkt er entweder viel zu geknautscht, sieht zu nichtssagend nach ID.3-Klon aus, erinnert mitunter an einen schnabeligen Dino oder macht einfach richtig was her. Nur nach Baby Born sieht er nie aus ... zum Glück!

Die zurückgeschobenen vorderen Scheinwerfer und die sehr rund nach unten verlaufende kurze Haube sorgen beim flüchtigen Blick immer für einen kleinen Schock: 'Da ist doch wohl niemand reingedonnert?' Nee, ist nicht. Wo kein großer Motor nötig ist, da braucht es auch keine lange Haube. Die seitliche Sicht offenbart dann den urzeitlichen Schnabeldino.

Denken wir uns die Front weg, steht jetzt eigentlich ein unscheinbarer ID.3 da. Doch wir wandern weiter Richtung Heck und sehen: eine eigene Interpretation, die mit ihrem ausladenden Diffusor richtig knackig dasteht. Insgesamt wirkt das wesentlich sportlicher und weniger bieder als beim VW-Bruder.

Gerade der frontale Blick ins Gesicht suggeriert einen echten Kraftprotz. Auch weil es sich Cupra nicht hat nehmen lassen, ordentlich an Lüftungsgitter zu verbauen. Farbliche Akzente sorgen für Auflockerung. War ich anfangs noch skeptisch ob des Designs, wenn ich Richtung Born schlich, übernahm später immer mehr der Gedanke: "Born to Rock" (Brant Bjork). Bei flachen E-Kompakten gibt es aber auch nicht allzu viel Auswahl.

Innenraum

Im Innenraum rockt dann auch so einiges. Nicht dazu gehören aber definitiv die Touchtasten am Lenkrad, die beim Lenken unweigerlich zu ungewollter Bedienung führen. Gut, dass sich der VW-Konzern hiervon insgesamt wieder verabschiedet und zu physischen Knöpfen übergeht.

Auch die Spiegeleinstellung könnte eine haptische Überarbeitung gebrauchen, wie einen kleinen physischen Pfeil oder ähnliches, der den Fingerkuppen ohne Hinsehen zu müssen, den Weg weist. Denn dieser Knopf lässt sich komplett im Kreis drehen. Das Licht als Anzeige ist für diese Funktion eher ungünstig, da es ständiges Nach-unten-Sehen fördert. Der Born beschwert sich in der Folge zu Recht, aber was soll ich machen?

Besser funktioniert das Infotainment-System. Fehler, Ruckeln und Ausfälle gehören der Vergangenheit an. Übersichtlich, gut strukturiert und flüssig, weist es einem den Weg zum gewünschten Menüziel. Das Dropdown-Menü sorgt für zusätzlich schnellen Zugriff auf häufig genutzte Funktionen, immer angeheftet befindet sich das Klima-Menü am unteren Bildschirmrand. Die Slider für Wärme und Lautstärke sind nicht der Hit, sie funktionieren aber nach Plan und sind zudem beleuchtet.

Optional erhältlich sind Head-up-Display und Panoramadach. Ersteres können sich Menschen, die eher im Sitz hängen und sich auf der Mittelarmlehne abstützen, getrost schenken. Es ist nur bei aufrechter Sitzposition überhaupt sichtbar und verschwindet mit steigendem Winkel fix. Praktisch ist es dennoch, da es etliche Informationen individuell ins Sichtfeld projiziert. Das Panoramadach bringt angenehmes Tageslicht in den Innenraum.

Die sportlich gehaltenen Sitze mit integrierter Kopfstütze sorgen für ordentlichen Halt. Über etliche Einstellungsmöglichkeiten findet jeder seinen persönlichen Komfort. Das Smartphone verschwindet ablenkungssicher schräg vor der Mittelarmlehne und lädt gleichzeitig zuverlässig induktiv auf. Verschließbare Ablagefächer unterstützen einen cleanen Look. Insgesamt gefällt mir die eher minimalistische und sauber verarbeitete Cockpit-Optik des Cupra Born mit den wiederaufgenommenen dezenten farblichen Tupfern richtig gut.

Cupra Born 170 kW 60 kWh (2026)
Länge x Breite x Höhe: 4.324 x 1.809 x 1.540 mm
Radstand: 2.766 mm
Gewicht: 1.841 kg
Zuladung: 449 kg
Kofferraumvolumen: 385 - 1.267 Liter
Anhängelast: 0 kg (nur über Drittanbieter nachrüstbar)
Stützlast: 0 kg (nur über Drittanbieter nachrüstbar)

Auch im Fond sitzt es sich gut, bei ausreichender Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst 385 Liter, besitzt aber keinen zweiten Boden oder ein Gepäcknetz. Da der Spanier zudem ohne Frunk daherkommt, nimmt das Ladekabel im Kofferraum unnötig Platz weg. Gerade wenn das wie in unserem Testwagen mit etlichen Adaptern bestellt wurde.

Ob hier ständig alle Kabel mitfahren müssen, wird zur berechtigten Frage. Mit bis zu 1.267 Litern ist der ein oder andere Einkauf im schwedischen Möbelhaus jedoch gesichert. Etwas Vorsicht und Puzzlegeschick fordern nur die hohe Ladekante und die Stufe bei umgelegter Rückbank. Ein vorgeheizter Innenraum sorgt auch bei Minusgraden für angenehme Wohlfühltemperaturen und freie Fenster. Besser "Born to be Alive" als eingefroren - sag nicht nur ich, sondern auch Patrick Hernandez.

Fahrbericht

Nein, liebe The Crystal Method, "Born Too Slow" ist der Spanier ganz sicher nicht. Seine 1,8 Tonnen bewegt er mit 170 kW (231 PS) vollelektrisch standesgemäß, aber auch nicht außergewöhnlich. Sie werden auf Landstraßen absolut keine Probleme haben, jemanden fix zu überholen, dafür ist auf der Autobahn dann aber auch schon bei 160 km/h Schluss. Wer mehr will, muss zum Born VZ greifen.

Viel mehr zeichnet sich der Cupra Born durch sein freudig ausgelegtes Fahrwerk aus. Straff im Kern, landen die Gegebenheiten der Straße unvermittelt beim Fahrenden. Der tiefe Schwerpunkt kommt dem Kompakten zugute, denn so lässt er sich spurtreu beispielsweise durch das Kurvenparadies im Harz manövrieren.

Der Sportmodus hat dann noch ein zusätzliches Schmankerl auf Lager: Lenken Sie den Cupra spitz in eine Kurve und geben am Kurvenausgang beherzt Gas, quittiert der kleine Spanier das Manöver mit einem angedeuteten Tänzeln des Hecks. In Kombination mit einer straff eingestellten Lenkung macht das Zusammenspiel schon Spaß. Insgesamt lassen sich die Fahrwerksabstimmungen, VW-Konzern-typisch, in Stufen auf Ihre Vorlieben zwischen Komfort und Sport abstimmen.

Gewöhnungsbedürftig ist hingegen das Bremsen, das sich immer etwas matschig anfühlt. Gerade im Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse gibt es durchaus noch Nachholbedarf, was einen sanften Vorgang angeht. Diese eher ruppige Eigenschaft macht sich gerade bei starkem Bremsen bemerkbar.

Wir haben es hier aber eher mit einem ungewohntem Gefühl als mit Unsicherheit zu tun. Der Bremsweg ist bei solchen Manövern vorbildlich. Wer den Fuß an der Ampel auf dem Pedal stehen lässt, verspürt zudem ein schwaches Pulsieren. In regelmäßigen Abständen fährt das Bremspedal dann minimal rauf und wieder runter. Da der Born weder rollt noch losfährt, bevor das Gaspedal getreten wird, kann man auch einfach von der Bremse steigen. Der Spanier ist wohl einfach lebhaft unterwegs.

Zum Rekuperieren hätte ich mir zwar mehr individuelle Stufen gewünscht, man kommt aber auch mit den zwei vorhandenen gut klar. Zumal sich der Born Informationen aus dem Navi schnappt und bei der Anfahrt auf Ortschaften oder niedrige Tempozonen die Energierückgewinnung individuell reguliert. Echtes One-Pedal-Driving ist im Spanier aber nicht möglich. In Stufe B muss der letzte Rest bis zum Stillstand immer selbst erledigt werden.

Laden und Verbrauch

An der Schnellladesäule offenbart sich dann das volle Winterbild. Und das ist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Dank verbauter Wärmepumpe konnten wir den Cupra Born auf Betriebstemperatur bringen. Das Timing hat zwar nicht immer vollends gepasst, mit einer stabilen Ladekurve hat er uns dennoch nie im Stich gelassen.

Die versprochenen 165 kW maximaler Ladeleistung legte er jedoch nie auf das Display der Säule. Mit Peaks von 105 bis 118 und einem langen Halten je nach Vorwärmphase stabil um die 100 kW bis 65 Prozent Ladung sind wir aber dennoch absolut zufrieden. Zumindest wenn uns mal nicht ein Fiat 500e die Ladekapazität klaut.

Nicht die kurze Maximalleistung ist auf langen Touren entscheidend, sondern ein stabiles Halten hoher Werte. Nach dem Einkaufen steht der kompakte Cupra jederzeit frisch energetisiert bereit. Zum schnellen Aufladen unterwegs müssen im Winter ein paar Minuten mehr eingeplant werden. Das ist völlig okay.

Mehr als okay war jedoch unserer Durchschnittsverbrauch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Hier hielten sich die 20 kWh im Schnitt tapfer. Auf unserer Strecke von Bochum in Richtung Raum Göttingen mit 230 Kilometern morgens um Sechs bei -6 Grad kam ich auf dem Hinweg bei nicht vollgeladener Batterie (92 %) mit 40 Restkilometern an. Auf der Rückreise waren es sogar noch knapp 90 Kilometer (etwa 93 %) bei etwa -1 bis 0 Grad.

Das macht auf dem Hinweg einen Verbrauch von 19,8 kWh. Auf dem Rückweg zeigt das Infotainment sogar stolze 18,5 kWh an. Bei einem Stadt-Land-Mix mit 60 Prozent Autobahnanteil und Zwischenstücken bis zu 130 km/h, schlägt sich der Cupra Born im Winter souverän. Ganz so, als wäre er "Born for this" (Paramore).

Preise

Für das Modelljahr 2026 ist die 170-kW-Variante des Cupra Born in Verbindung mit dem 60-kWh-Akku bereits rausgefallen. In der aktuellen Februar-Preisliste tauchen nur noch 150 kW und 60 kWh für 40.450 Euro und 170 kW 79 kWh ab 47.350 Euro auf. Diese beiden Varianten werden durch den Cupra VZ mit 240 kW und 79 kWh-Batterie für 52.870 und einer Dynamic Edition mit 170 kW und 79-kWh-Akku für 49.690 Euro ergänzt. Das sind alles schon gesalzene Preise für 4,32 Meter Auto.

Im Abverkauf des letzten Modelljahres und vor dem Übergang zum Facelift in diesem Jahr sollte es aber sicher einige Schnäppchen zu machen geben. Gerade im Hinblick auf die staatliche Elektro-Prämie. Zum Vergleich: Ein VW ID.3 startet derzeit als Pure mit 52-kWh-Batterie bei 33.330 Euro. Eine vergleichbare Kombination gibt es auch bei den Wolfsburgern nicht (mehr). Der ID.3 Pro mit 150 kW und 59 kWh startet bei 36.425 Euro, der Pro S mit 170 kW und 79 kWh kostet mindestens 44.025 Euro. SUVs und Crossover außen vorgelassen, könnte ein Blick Richtung BYD Dolphin (ab 34.640 Euro) und MG4 Electric (ab 34.990 Euro) ebenfalls lohnen.

Fazit

Der kompakte Cupra wäre laut Papa Roach eigentlich "Born for Greatness". Ein tolles Fahrwerk trägt zum Fahrspaß bei, die Infotainment-Eskapaden gehören der Vergangenheit an und auch in Sachen Verbrauch und Laden macht er noch immer eine ordentliche Figur - auch im Winter auf der Langstrecke. Zudem kommt er optisch wesentlich spannender daher als sein Bruder ID.3.

Auf der Gegenseite stehen unnötige Bedien-Fauxpas, eine matschige Bremse, die nicht vorhandene offizielle Anhängelast und das fehlende One-Pedal-Driving. Vor allem aber ist da der saftige Preis, der bei aller Liebe zum Fahrspaß zu unmittelbarem Stirnrunzeln führt. Genau jetzt kommt dem Cupra Born sein Nachfolger entgegen. Mit Blick auf anstehende Abverkäufe, vielleicht noch in Verbindung mit der staatlichen Prämie, dürfte der wieselige Spanier in angenehmere Preisgefilde rutschen. Steht er gut ausgestattet für um die 30.000 Euro irgendwo? Schlagen Sie zu!

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