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  • 02.10.2011 · 12:39

Enttäuschendes Petit Le Mans für Audi

Romain Dumas im Kampf um die Führung nach Unfall ausgeschieden - Zweiter Audi nach mehreren Kollisionen zurückgezogen

(Motorsport-Total.com) - Für Audi verlief das Petit Le Mans in Road Atlanta extrem enttäuschend. Im Kampf um die Führung wurde Romain Dumas im Audi R18 TDI mit der Startnummer 1 in Runde 297 in einen Unfall verwickelt, der zum Ausfall führte. Den zweiten Audi R18 nahm das Joest-Team nach mehreren Kollisionen aus Sicherheitsgründen vorzeitig aus dem Rennen.

Marcel Fässler, Romain Dumas, Timo Bernhard

Für das Audi-Duo endete das Petit Le Mans mit einer doppelten Enttäuschung

Sieben Stunden lang durften die Audi-Fans auf den zehnten Sieg der Marke mit den vier Ringen beim prestigeträchtigen US-Langstrecken-Klassiker hoffen. Timo Bernhard/Marcel Fässler/Romain Dumas lieferten sich im Audi mit der Startnummer 1 packende Duelle mit den beiden ebenfalls dieselbefeuerten Peugeot 908. Nur acht Runden benötigte Fässler, den von der Pole-Position gestarteten Peugeot von Anthony Davidson/Sebastien Bourdais/Simon Pagenaud erstmals von Platz eins zu verdrängen.

Obwohl das Audi-Trio im extrem dichten Verkehr auf der nur 4,088 Kilometer langen Rennstrecke sehr behutsam agierte und Berührungen vermied, konnten sich die drei Audi-Piloten zeitweise eine volle Runde Vorsprung auf die Verfolger erarbeiten. Dieser wurde zunichte gemacht, als auf der Strecke liegende Teile eines anderen Fahrzeugs einen Kühlluftschacht des R18 TDI verstopften und ein außerplanmäßiger Boxenstopp notwendig wurde. Eine 20-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe kostete zusätzliche Zeit.

Trotzdem blieben Bernhard/Fässler/Dumas immer in der Führungsrunde und konnten mit schnellen Rundenzeiten wieder zum führenden Peugeot von Franck Montagny/Stephane Sarrazin/Alexander Wurz aufschließen. Am Ende der siebten Stunde startete Dumas einen ersten Angriff auf Montagny, bei dem es in der Schikane vor Start/Ziel zu einer leichten Berührung kam und der Audi-Pilot fünf Sekunden verlor.

Montagny-Manöver bringt Audi um möglichen Sieg

Nur wenige Runden später holte Dumas den Peugeot erneut ein. Als dieser einen GTC-Porsche touchierte, konnte sich Dumas am Anfang der Gegengeraden neben Montagny setzen, wurde jedoch vom Peugeot-Piloten in der Beschleunigungsphase abgedrängt. Beim Versuch, eine Kollision mit dem Peugeot zu vermeiden, touchierte Dumas den Porsche aus der GTC-Klasse und prallte vehement gegen die Streckenbegrenzung. Damit fand das bis dahin großartige Rennen des R18 mit der Startnummer 1 ein enttäuschendes Ende.

"Ein sehr dummes Manöver von Montagny." Romain Dumas

"Vom Start an hatten wir ein gut ausbalanciertes Auto. Wir wussten, dass wir trotz des dichten Verkehrs Unfälle vermeiden mussten", sagt Dumas und erklärt, wie es zum Unfall kam: "Ich bin auf den führenden Peugeot aufgelaufen und habe versucht ihn ein erstes Mal zu überholen. Schon da haben wir uns leicht berührt. Beim zweiten Mal hatte er zuvor eine Berührung mit einem GT-Porsche und hat an Tempo verloren. Ich wollte die Chance nutzen. Franck Montagny hat gewusst, dass ich ihn überholen werde und ist absichtlich auf meine Linie gefahren. Vielleicht war ich zu nett, denn ich habe nach links gelenkt, um eine Berührung zu vermeiden. Dabei habe ich den langsameren Porsche getroffen. Ein sehr dummes Manöver von Montagny."

"Wir haben keine Fehler gemacht, uns trotz einer Stop-and-Go-Strafe immer in der Runde mit dem Führenden gehalten und waren stets in Schlagdistanz zum Sieg", fasst Bernhard die Anfangsphase des Rennens zusammen. "Das Ende kam leider sehr abrupt. Leider hat es Franck Montagny übertrieben und Romain abgedrängt, der ein langsameres Auto getroffen hat. Das war unfair. Ich bin sehr enttäuscht von Montagny."

Fässler blieb nur die Erkenntnis: "Alles in allem hatten wir ein sehr konkurrenzfähiges Auto, das nicht nur bei mir sondern auch bei Timo und Romain gut funktioniert hat. Selbst nach kleineren Problemen konnten wir uns immer wieder heranarbeiten. Ich denke, das gesamte Team und auch wir Fahrer haben in dieser Hinsicht alles richtig gemacht. Das Manöver von Franck Montagny war ganz klar nicht sauber. Dieses Wegdrängen ist nicht korrekt und man hat das Resultat daraus gesehen. Das ist schade, denn die Zuschauer hätten ein gutes Finale verdient."

Zweiter Audi vom Team zurückgezogen

Das Schwesterauto mit der Startnummer 2 verlor bereits in der Anfangsphase alle Chancen auf den Sieg. Tom Kristensen hatte gleich zu Beginn zwei Berührungen mit langsameren Fahrzeugen. Folge der ersten waren ein Reifenschaden und eine beschädigte Fronthaube. Später wurde Allan McNish am Heck von einem GT-Fahrzeug getroffen. Neben Fahrwerks- und Karosserieteilen musste die Kupplung gewechselt werden, wodurch der zweite R18 insgesamt über eine Stunde verlor und aussichtslos zurückfiel. Weil aufgrund der diversen Berührungen zudem Probleme mit der Lenkung auftraten, entschied das Joest-Team, das Fahrzeug von Kristensen, McNish und Dindo Capello nach 302 Runden aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen zu nehmen.

"Tom hatte sehr früh eine leichte Berührung, die uns etwas zurückgeworfen hat. Wir hatten aber schon wieder ganz gut aufgeholt, als ich einige GT-Fahrzeuge überholt habe und mich ein LMP etwas geschnitten hat", schildert McNish das Rennen aus seiner Sicht. "Ich habe gebremst und wurde von hinten von einem der GT-Fahrzeuge getroffen. Dadurch wurde ich herumgedreht und das Auto war ziemlich beschädigt. Auf dem Weg zurück zur Box ging auch noch die Kupplung kaputt. Aufgeben mussten wir schließlich, weil wir wegen all der Treffer, die das Auto in diesem Rennen einstecken musste, Probleme mit der Lenkung bekamen."

"Wir haben einmal mehr gezeigt, dass wir ein schnelles Auto haben", hält Capello fest. "Doch unvorhersehbare Zwischenfälle haben dafür gesorgt, dass wir das Ergebnis dafür nicht ernten konnten." Kristensen ist ebenfalls "extrem enttäuscht". Den Dänen hat besonders der Kupplungswechsel "hart getroffen", wie er sagt. Abschließend fügt der achtfache Le-Mans-Sieger an: "Ich denke, dass es fantastisch gewesen sein muss, dieses Rennen zu beobachten - zumindest über weite Strecken. Einige Zwischenfälle waren aus meiner Sicht aber etwas zu viel des Guten. Wir müssen nachdenken, was man in Zukunft in dieser Beziehung verbessern kann."

Fans um spannendes Finale gebracht

"Das war ohne Frage eines der enttäuschendsten Rennen, das ich jemals erlebt habe", gesteht Ralf Jüttner, Technischer Direktor des Joest-Teams. "Das Auto mit der Nummer 2 stand sich heute etwas selbst im Weg und war in Kollisionen verwickelt. Das hat zu langen Reparaturen geführt und es war früh aus dem Kampf um vordere Plätze raus." Zum Zwischenfall, der den Audi mit der Startnummer 1 aus dem Rennen nahm, sagt Jüttner: "Gerade als Romain die Führung zurückholen wollte, hat sich Franck Montagny im Peugeot mit einem - wie ich meine - fragwürdigen Manöver verteidigt."

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich sah die Zuschauer und die Mannschaft der Ingolstädter um ein spannendes Finale gebracht: "Wir haben sieben Stunden lang um den Sieg gekämpft und lagen mehrmals in Führung. Unser bestes Auto und den besten Peugeot haben stets nur ein paar Sekunden getrennt. Was den Unfall mit Montagny betriff, war es denke ich nicht notwendig, den Angriff von Romain so brutal abzuwehren - so etwas gehört schon gar nicht in den Langstreckensport, vor allem nicht bei diesen hohen Geschwindigkeiten."

Abschließend fügt der Audi-Sportchef hinzu: "Wir gratulieren Peugeot zum Sieg und zum ILMC-Titel. Es bleibt heute aber ein nicht ganz so schöner Beigeschmack."