WEC-Performance-Analyse 2025 nach BoP: Toyota

Was die Einstufungen der Hypercars über die Leistung in der WEC-Saison 2025 verraten - Heute: Toyota GR010 Hybrid

(Motorsport-Total.com) - Vielleicht ist Toyota einfach zu ehrlich. Anders lassen sich die BoP-Werte der Saison 2025 kaum erklären. Möglicherweise fehlt auch Rob Leupen, der nach vielen Jahren die operative Leitung vor dem Saisonfinale 2024 überraschend weiterreichte. Denn Toyota machte während der Saison 2025 auch teils haarsträubende Fehler.

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Spätzünder: Erst im letzten Rennen platzte für Toyota der Knoten Zoom

Es war klar, dass nach einem weiteren WM-Titel 2024 (Toyota entriss Porsche den Herstellertitel damals auf den letzten Metern) der GR010 Hybrid im Sinne des Wohlergehens der WEC bei der BoP nicht gerade bevorteilt werden würde. Kaum zu glauben, dass das Problem, das heute Ferrari hat, vor zwölf Monaten noch ein Toyota-Problem war.

Der Toyota war zumindest zu Saisonbeginn hinter dem Ferrari 499P das von Grund auf schnellste Hypercar. Anders als Ferrari gelang aber kein Sprung über den Winter mit dem seit Anfang 2023 unveränderten Auto.

Hinzu kam, dass die Konkurrenten, die 2024 eingestiegen waren, deutliche Fortschritte mit ihren Autos erzielt hatten und Cadillac mit dem Jota-Team deutlich konkurrenzfähiger auftrat. Das war aber in der anfänglichen Einstufung noch nicht berücksichtigt.

Schlechtestes Leistungsgewicht in den ersten drei Rennen

Entsprechend ging Toyota sowohl in Katar als auch in Imola mit dem ungünstigsten Leistungsgewicht aller Hypercars an den Start. In beiden Rennen waren die Toyota überraschend konkurrenzfähig, in Imola passte aber die Strategie nicht zum Rennverlauf.

Was danach geschah, steht sinnbildlich für das Problem, das Toyota in dieser Saison hatte: Vor den 6 Stunden von Spa schoss das Leistungsgewicht des GR010 Hybrid unter 250 km/h plötzlich auf einen Rekordwert von 2,227 kg/kW - die schlechteste Einstufung, die es in der WEC bis dahin je gegeben hat. Erst nach Le Mans sollte der Ferrari 499P dasselbe Leistungsgewicht erhalten.

Toyota vereinte in den ersten Rennen das Schlechteste aus beiden Welten: Die reine Pace ließ sich nicht in Podiumsresultate ummünzen, und in den Performance-Indikatoren, die für die Bestimmung der BoP maßgeblich waren (60 Prozent schnellste Runden und zehn beste Einzelrunden), stand der GR010 Hybrid schlicht zu gut für seine Ergebnisse da.

In Le Mans fehlt Topspeed

Auf die Katastrophen-BoP von Spa folgte die Sonder-Einstufung in Le Mans. Während der Toyota unter 250 km/h ähnlich wie der Ferrari eingestuft wurde, erhielt er über 250 km/h mit 2,052 kg/kW eine Einstufung, die fast identisch mit seinen Werten auf den restlichen Strecken war.

Das Problem: Fast alle anderen Hypercars wurden für Le Mans im Highspeed-Bereich deutlich entlastet, während Toyota auf seinem Niveau verharrte. Der GR010 Hybrid hatte auf allen anderen Strecken oberhalb von 250 km/h eine sehr gute Einstufung, weil er vergleichsweise viel Luftwiderstand generiert.

In Le Mans aber waren die 2,052 kg/kW die drittschlechteste Einstufung aller Hypercars über 250 km/h. Prompt fielen die Toyota in den Topspeedlisten weit nach unten auf die Plätze 15 und 17. Schwächer war in der Breite nur Aston Martin.

Trotzdem kämpfte Toyota hinter dem überlegenen Ferrari und dem Porsche #6 um den Titel "Best of the Rest". Bitter war der Verlust der schnelleren #8 durch den Reifenverlust; die #7 landete hinter Cadillac auf Platz fünf. Angesichts der Disqualifikation des Ferrari #50 war dies wohl das Maximum, das für Toyota an der Sarthe möglich war.

Durchbruch erst beim Finale

In den Rennen nach Le Mans verharrte die Einstufung des Toyotas auf einem konstant ungünstigen Niveau von über 2,2 kg/kW. Von Sao Paulo bis Fuji sammelte Toyota nur zwei WM-Punkte beim Regenrennen in Austin, dennoch blieb eine Entlastung durch die BoP aus.

In Fuji erfolgte der Fauxpas mit dem vergessenen Boxenstopp nach dem Service unter FCY, der eine dreiminütige Stop-and-Go-Strafe nach sich zog. "Ich denke nicht, dass wir das Maximum herausgeholt haben. Wir hatten Probleme und haben Fehler gemacht. In einigen Rennen hatten wir Luft nach oben", analysiert David Floury schonungslos.

Erst in Bahrain änderte sich dann alles und Toyota lief zu alter Form auf. Hier kam die Strecke dem Fahrzeug entgegen und es gab endlich eine minimal bessere Einstufung von 2,172 kg/kW.


Fotostrecke: Teaser Toyota GR010 Hybrid (2026)

Der wahre Schlüssel zum Erfolg in Bahrain war jedoch die relative Verschiebung im Feld: Während Toyota im Leistungsgewicht minimal zulegen durfte, wurden einige direkte Konkurrenten massiv eingebremst. Toyota machte dadurch einen weit größeren Sprung, als es die reine Veränderung des eigenen Leistungsgewichts vermuten ließe.

Hier zeigt sich, dass die BoP den Fortschritten bei der Konkurrenz gerecht wurde, während bei Toyota mit dem fünf Jahre alten Auto keine Reserven mehr vorhanden waren.

Auf die Frage, ob Gazoo Racing irgendwas anders gemacht habe als in den Rennen zuvor, antwortete Sebastien Buemi nach den 8 Stunden von Bahrain: "Nicht wirklich. Das Auto war einfach leichter und hatte mehr Power."

Mit neuer Optik zu neuen Erfolgen?

Mit einem umfassenden Update wird der Toyota GR010 Hybrid im kommenden Jahr optisch kaum wiederzuerkennen sein. Toyota dürfte vor allem darauf abzielen, den Luftwiderstand zu reduzieren, um in Le Mans konkurrenzfähiger zu werden. Floury räumt dem Le-Mans-Sieg oberste Priorität ein.

Was die restlichen Rennen betrifft, wird viel davon abhängen, wie sich die BoP im kommenden Jahr errechnet. Beim System von 2025 war Toyotas Problem, dass die Performance in den relevanten Zahlen oft besser ausgesehen hat als sie war.

Noch weiß keiner, wie die BoP 2026 errechnet wird. Aber Toyota täte gut daran, im "Täuschen und Tarnen" etwas besser zu werden. Dass der GR010 Hybrid noch immer gut für Rennsiege ist, hat Toyota bewiesen.