Titel verteidigt, aber wie sicher ist Mantheys LMGT3-Zukunft in der WEC?
Mit dem Porsche-Ausstieg in der Hypercar-Klasse wackelt der Slot für Manthey in der LMGT3 - Nicki Raeder ist aber optimistisch, dass die 911er auch 2026 am Start stehen
(Motorsport-Total.com) - Trotz des werksseitigen Rückzugs von Porsche aus der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) rechnet Manthey Racing fest damit, auch 2026 in der LMGT3-Kategorie mit dem Stuttgarter Hersteller vertreten zu sein. Das Team aus Meuspath am Nürburgring ist in der seit 2024 ausgetragenen Klasse nach dem erneuten Titel noch ungeschlagen.
© Manthey Racing
Riccardo Pera, Richard Lietz und Ryan Hardwick krönten sich in Bahrain zum LMGT3-Meister Zoom
Für einen Startplatz in der LMGT3-Klasse genießen Hersteller Vorrang, die bereits in der Hypercar-Kategorie engagiert sind. So sehen es die Regularien des Automobil-Weltverbands FIA und des WEC-Ausrichters Automobile Club de l'Ouest (ACO) vor.
Da Porsche Penske Motorsport nach nur drei Saisons aus der Hypercar-Klasse aussteigt und sich künftig auf das IMSA-Engagement mit dem 963 konzentriert, muss Manthey für den Fortbestand seines WEC-Programms eine neue Freigabe von FIA und ACO erhalten.
Die endgültige Entscheidung hängt davon ab, wie viele Bewerber in beiden Kategorien antreten wollen und wie groß das Starterfeld insgesamt ausfallen darf. Aktuell umfasst die WEC 36 Fahrzeuge, je zur Hälfte aufgeteilt zwischen Hypercar und LMGT3. Das Feld hat Platz für 40 Fahrzeuge.
Teamchef Nicki Raeder zeigt sich dennoch gelassen: "Für die nächste Saison bekommen wir die Nennung - das ist aus unserer Sicht sicher", sagt er gegenüber Motorsport.com Global, der englischsprachigen Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. "Was danach kommt, wird man sehen."
Obwohl 2025 mit Genesis ein neuer Hersteller in die Hypercar-Klasse einsteigt, dürfte die Gesamtzahl der Fahrzeuge dort mit 18 Autos stabil bleiben. Zudem ist das "Iron Dames" Projekt im Jahr 2025 zu Manthey gewechselt. Das Damenprojekt ist für die WEC vermarktungstechnisch von hoher Bedeutung.
Auf die Frage, ob Porsches Ausstieg aus der Hypercar-Klasse Auswirkungen auf Mantheys GT3-Engagement haben könnte, entgegnet Raeder: "Nach unserem Informationsstand - nein."
Zum Start der LMGT3-Ära 2024 hatte Mercedes zunächst keinen Platz im Feld erhalten, nachdem sich zahlreiche Hersteller um die neuen GT3-Nennungen bemüht hatten. Erst 2025 bekam die Marke aus Stuttgart zwei Startplätze - mit Iron Lynx, das zuvor mit Lamborghini in der Serie angetreten war.
Vom vorletzten Startplatz zum Titel
Bei den 8 Stunden von Bahrain gelang Ryan Hardwick, Riccardo Pera und Richard Lietz das Kunststück, den Titel vom vorletzten Startplatz zu verteidigen. Der Porsche 911 GT3 R LMGT3 kam das Wochenende über nicht richtig in Schwung, war dann zum Rennen aber da.
"Ich sag' euch was: Dieses Team stand die ganze Saison über mit dem Rücken zur Wand. Uns fehlte es nicht an Zuversicht, wir hatten diesen Glauben. Ich wusste nicht, wie wir das schaffen würden, aber ich glaubte irgendwie daran, dass unsere Ingenieure das Auto in den Griff bekommen", sagt Hardwick emotional auf der Pressekonferenz.
Er selbst brachte den Porsche bereits bei Tageslicht bis unter die Top 5. "Von den ersten Runden an war das Auto drastisch besser als während des Trainings und des Qualifyings. Es war einfach eine wahre Freude, damit zu fahren", erklärt der 45-Jährige, der erst seit 2017 Motorsport betreibt. Eine Aufholjagd hatte er vor dem Rennen im Gespräch mit Motorsport-Total.com bereits angekündigt.
"Dass ich in den ersten drei Stunden von ganz hinten bis in die Top 5 fahren konnte, hat mich dann schon überrascht", so der US-Amerikaner weiter. "Das war einer der spaßigsten Momente, die ich je im Rennwagen erlebt habe. Wir haben nie den Glauben verloren, aber es lag auf der Hand, vor welcher Herausforderung wir standen."
Riccardo Pera ergänzt: "Wie Ryan sagte, war es kein einfaches Wochenende für uns, besonders nach dem Training. Aber dann war es heute wieder ein fantastisches Auto. Das war wirklich schön. Es war nicht einfach, weil wir die Reifen managen und mit den unterschiedlichen Bedingungen bei Tag und Nacht klarkommen mussten." Für den Silber-Fahrer war es der erste WEC-Titel.
Richard Lietz, der Profi auf dem Auto, wollte eigentlich nur den Vorsprung verwalten. Schon auf der Pressekonferenz vor dem Rennen hatte er angekündigt, dass er sich ein langweiliges Rennen wünsche.
Mit der Safety-Car-Phase in der letzten Stunde bekam er dann genau das Gegenteil serviert und musste doch noch hart arbeiten: "Das war natürlich ein neuer Renncharakter", sagt er über den halbstündigen Sprint zur Zielflagge, in dem er sein Team um Funkstille bat.
"Einige Autos gehen hohes Risiko. Wenn Funkstille herrscht, kann man sich besser konzentrieren. Und dann kommen natürlich noch die Hypercars an. Auf einer Strecke mit hohem Reifenverschleiß wie hier ist es für sie besonders schwierig, den Verkehr zu managen."
Gegen Ende hatte er dann noch einen heiklen Moment mit einem Peugeot 9X8. "Da gab es einige Situationen, in denen ich Berührungen vermieden habe. Am Ende kam es komplett aufs Management an." Und das bewältigte er dann mit all seiner Routine.
Hardwick, Pera und Lietz beerben Klaus Bachler, Alexander Malichin und Joel Sturm als Meister in der LMGT3-Klasse. Das Team expandiert 2026 in die IMSA SportsCar Championship, in der es die fünf Endurance-Rennen bestreitet.

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