Nach 24h Nürburgring: So viel kostet eine GT3-Revision

Die 24 Stunden vom Nürburgring fordern den Autos alles ab - Renazzo Motorsport erklärt, wie intensiv die Nachbereitung des Lamborghini Huracan GT3 Evo2 ausfiel

(Motorsport-Total.com) - "GT3-Sport ist kein Sonderangebot." - Mit diesen Worten bringt mcchip-dkr-Chef Danny Kubasik die Realität auf den Punkt. In einem YouTube-Video legt er offen, wie groß der Aufwand war, den Lamborghini Huracan GT3 Evo2 von Renazzo Motorsport nach dem 24-Stunden-Rennen wieder einsatzfähig zu machen.

Titel-Bild zur News: Der Renazzo-Lamborghini fuhr zwei Erfolge hintereinander ein, die aber massiv Geld kosteten

Der Renazzo-Lamborghini fuhr zwei Erfolge hintereinander ein, die aber massiv Geld kosteten Zoom

"Zeitlich sind 242 Stunden Nachbereitung hier reingeflossen", erklärt Kubasik. Zwei Mechaniker von mcchip-dkr waren dafür wochenlang im Einsatz. "Wir haben in Summe bestimmt über 20.000 Euro an Reparaturen gehabt, alleine an der Karosserie. Rund 60 Prozent des Autos wurden neu foliert - aber das waren noch die kleinsten Kosten."

"Es gab überall Einschläge - manche Sachen haben wir reparieren lassen, teilweise haben wir Sachen neu gekauft, die man von außen gar nicht sieht." Zahlreiche Flaps mussten ersetzt werden, weil sie schlicht und einfach verschlissen waren.


Zahltag mit Danny Kubasik nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

Bekannt ist bei GT3-Teams auch, dass Frontsplitter sehr schnell durchgetauscht werden, weil schon kleine Grate den Luftstrom verwirbeln können. Manchmal gelten in GT3-Sprintserien Splitter schon nach einem Qualifying als verschlissen und werden ausgetauscht.

Richtig teuer wurde es bei der Technik: "Die ganzen 'Running Costs' kommen natürlich noch dazu, sprich alles, was sich dreht und Kraft überträgt. Da haben wir in Summe fast 80.000 Euro an Ersatzteilen im Nachgang reingesteckt. Radlager, teilweise eine Radnabe, und das Getriebe hat eine große Revision bekommen."

Getriebe knapp am Desaster vorbei

Besonders das Getriebe war angeschlagen: Ein Reifenschaden drei Runden vor Schluss des 24h-Rennens hatte es stark beschädigt. "Der Hersteller meinte, wir hätten noch 100 Kilometer fahren können. Danach wäre es ein Totalschaden gewesen. Die Differenzialsperre war komplett in Mitleidenschaft gezogen, und so weiter", so Kubasik.

Hinzu kamen weitere Revisionen, die nach 6.000 Kilometern fällig gewesen wären. Das Team zog diese dennoch vor, denn nach 4.800 Rennkilometern am 24h-Wochenende war der Puffer mit 1.200 Kilometern für ein 6-Stunden-Rennen inklusive Training und Einstellfahrten am Freitag zu gering. Natürlich konnte keiner im Vorfeld wissen, dass das Rennen nur über viereinhalb Stunden gehen würde.

Getauscht wurden Teile, die dem Ende ihrer Lebenszeit entgegen gingen, insbesondere Antriebswellen. "Man kann sagen, dass wir eine sechsstellige Summe an Materialkosten und Arbeitslohn erreicht haben, damit wir wieder 'ready to race' sind." Und das bezieht sich nur auf die Materialkosten.

"Dieter Schmidtmann", Kiki Sak Nana und Christoph Breuer feierten sowohl beim 24h- als auch 6h-Rennen den Klassensieg Zoom

"Das waren in jedem Fall teure 4.800 Kilometer", fasst Kubasik zusammen. "Wir hatten vor dem 24-Stunden-Rennen bereits viel neu gemacht, wie bei der Sensorik. Das hatten wir jetzt auch wieder.

Wohlgemerkt sind das nur die Kosten nach dem Rennen, das Rennen selbst schlägt noch härter zu Buche. Gelohnt hat sich der Kraftakt in jedem Fall: Renazzo Motorsport feierte beim 24-Stunden-Rennen den Klassensieg in der SP9 Am - und konnte beim 6-Stunden-Rennen der NLS nahtlos an diesen Erfolg anknüpfen.

Und die Rechnung würden sich manch andere Teams wahrscheinlich wünschen, allen voran Scherer Sport Phx, die nach dem Riesencrash von Laurens Vanthoor nach dem 24-Stunden-Rennen auf einem Totalschaden sitzen.