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Kolumne: Warum Verstappens NLS-Start für Rossi eine Blamage ist
Max Verstappen macht kommentarlos, wofür sich Valentino Rossi zu schade ist und blamiert damit die MotoGP-Legende - Die Ausrede des "Doktors" zählt nicht mehr
(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde der Nordschleife,
© Motorsport Images
Valentino Rossi verweigerte sich bisher der Nordschleife wegen des Permits Zoom
der Rausch der Verstappen-Party auf der Nürburgring-Nordschleife flaut nur langsam ab, zu unglaublich war dieser Start einfach. Es bleibt nichts, als immer wieder den Hut zu ziehen und der lebenden Formel-1-Legende den tiefsten Respekt zu zollen, sich zwischen 24 Formel-1-Rennen in dieses Abenteuer zu stürzen - weil es ihm Spaß macht.
Ob man den viermaligen Weltmeister und seine Gangart auf der Strecke mag oder nicht, eines lässt sich nicht verleugnen: Max Verstappen ist ein Racer, wie er nicht einmal im Buche steht. Dass er sich an Formel-1-Wochenenden noch hinsetzt, um im Rennen im Sim-Racing zu fahren, und in seiner wirklich knapp bemessen Freizeit noch am Nürburgring Rennen fährt, zeigt eine Grundeinstellung, die nahezu einzigartig geworden ist.
Sein Start hat aber auch einen Verlierer produziert, und der ist nicht einmal da gewesen. Oder eher, weil er nicht dagewesen ist: Valentino Rossi. Der sollte nämlich, wenn es nach dem Willen von BMW geht, schon längst am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilgenommen haben.
© VLN
Nicht jammern, nicht meckern, einfach machen: Max Verstappen verdient nichts als Respekt für diesen Einsatz Zoom
Doch die italienische Motorrad-Legende ziert sich. Aus seinem Grund hat er nie ein Geheimnis gemacht: Er hat schlicht keinen Bock auf Permit-B-Autos. Also auf das, was Verstappen an diesem Wochenende gemacht hat, ohne auch nur ein negatives Wort darüber zu verlieren.
Ähnlich und doch unterschiedlich
Rossi und Verstappen verbindet vieles. Beide sind Legenden ihres Sports, sie mobilisieren Millionen von Menschen. Wo sie aufkreuzen, ist der Teufel los. An jedem WEC-Wochenende gibt es eine Menschentraube im Fahrerlager vor Valentino Rossis Box. Die Bilder rund um Max Verstappens Auto in der Startaufstellung beim 65. ADAC ACAS-Cup am vergangenen Samstag sprachen Bände.
Beide haben Dinge erreicht, von denen die meisten nur träumen würden. Und beide verbindet die Leidenschaft fürs Racing. Valentino Rossi hätte sich nach seinem Karriereende in der MotoGP auch zur Ruhe setzen können. Tat er nicht, er wollte es mit über 40 Jahren nochmal wissen, sich messen, und hat im Auto mittlerweile ein Level erreicht, von dem die Allermeisten nur träumen können.
Und doch hat der eine kein Problem damit, sich an alle Regeln zu halten, kommentarlos sein Permit einzufahren, aus den für ihn sicherlich teils lächerlichen Vorschriften das Beste zu machen und mit Andy Gülden einfach nur Spaß zu haben, während sich der andere zu schade dafür ist.
Der Sinn hinter dem Start im kleinen Fahrzeug
Natürlich wurden die Regeln, etwa die Busfahrt über die Nordschleife, nicht für ihn gemacht. Sie wurden gemacht, weil Anfang der 2010er-Jahre Amateurfahrer mit viel Geld auf der Nordschleife ankamen, die teilweise nicht einmal wussten, wo es langgeht, sich aber gleich in einen GT3-Boliden setzten und damit den Rennfluss gefährdeten.
Auch dient der Start in einem kleinen Fahrzeug nicht dazu, dem DMSB zu zeigen, dass man ein Auto auf der Nordschleife bewegen kann. Er dient dazu, nachzuvollziehen, was die Fahrer der kleinen Autos erleben, wenn etwa hinter der unübersichtlichen Flugplatz-Kurve plötzlich drei GT3-Fahrzeuge mit 80 km/h Überschuss angeflogen kommen, die man vorher im Rückspiegel gar nicht sehen konnte.
Genau diese Perspektive hilft, die "Kleinen" zu verstehen, wenn man selbst im GT3 sitzt und Verkehr eigentlich nur störend ist. Und genau das hat, so bestätigt jeder in der Fahrer-AG am Nürburgring, den Rennfluss deutlich verbessert.
Rennhighlights NLS7 2025: 65. ADAC ACAS-Cup mit Max Verstappen
Die Highlights vom 65. ADAC ACAS-Cup, dem siebten Lauf zur Nürburgring-Langstrecken-Serie 2025 und einem Gaststart von Max Verstappen, der sein DMSB-Permit-Nordschleife (DPN) A in diesem Rennen erfuhr
Das alles hat Verstappen gemacht, ohne sich auch nur einmal zu beschweren, ohne auch nur einmal den Finger zu heben und zu fragen: "Warum muss ich das eigentlich machen?" Stattdessen hatte er einfach eine tolle Zeit.
Dass er von Bodyguards abgeschirmt werden musste, ist eher zu seinem eigenen Schutz geschuldet denn als Starallüre zu verstehen. Wenn sich sonst ein Knäuel Menschen auf ihn stürzt, kann es schnell zu Verletzungen kommen. Ansonsten genoss Verstappen einfach die bodenständige Atmosphäre des NLS-Fahrerlagers, in dem es wirklich nur ums Racing geht.
Rossi eigentlich kein Egozentriker
Doch genau solche Starallüren zeigt das Verhalten von Rossi. Jeder hätte wohl verstanden, wenn er gesagt hätte, dass er sich das mit der Grünen Hölle nicht antun möchte, weil diese wirklich eine spezielle, zeitaufwändige Vorbereitung auch jenseits des Permits erfordert.
Doch offen zu sagen, dass man nicht fahren möchte, weil man keinen Bock hat, ein kleineres Fahrzeug zu fahren, wirkte schon seinerzeit überheblich. Und Verstappens Start und Umgang mit dem Thema blamiert Rossis Einstellung endgültig. Der wohl beste Autorennfahrer der Welt akzeptiert die geltenden Regeln widerspruchslos, während Rossi sich hinstellt und fragt bildlich gesprochen: Wisst ihr eigentlich, mit wem ihr redet?
Es ist auch insofern seltsam, als dass Rossi eigentlich ebenfalls recht bodenständig an der Strecke auftritt, jedem Journalisten in Interviewrunden die Hand schüttelt und auch gegenüber den Teamkollegen keinerlei Überheblichkeit zeigt. Das bestätigt jeder, der mit Rossi bereits zusammengearbeitet hat.
© SRO/JEP
Valentino Rossi hat im GT-Sport längst ein Niveau erreicht, mit dem er an den absoluten Profis dran ist Zoom
Mittlerweile ist er im Auto kein Anfänger mehr und in der WEC sogar derjenige, der Amateurfahrern im Team dabei hilft, am Wochenende das Beste aus sich herauszuholen - ohne sich ihnen gegenüber aufzuspielen.
Dass derselbe Rossi sich dann dafür zu schade ist, die Nordschleife aus einem kleinen Fahrzeug zu erleben, ist bedauerlich. Es bleibt zu hoffen, dass der Start von Verstappen ihn zumindest zum Nachdenken bringt. Die Ausrede Permit zieht spätestens seit Samstag nicht mehr.
Euer

PS: Dass Max Verstappen sein Permit bekommen hat, obwohl ihm das zweite Ergebnis fehlt, ist ebenfalls nicht seinem Status geschuldet. Das DPN-Entscheidungsgremium hat im Fall von ausreichend Runden und fehlendem Ergebnis auch in der Vergangenheit schon in vielen Fällen so entschieden. Zu wenige Runden wären problematischer gewesen.
Transparenzhinweis: In einer früheren Version der Kolumne war das der Satz "Wisst ihr eigentlich, mit wem ihr redet?" in Anführungszeichen geschrieben, was zur irrtümlichen Annahme hätte führen können, dass Rossi dies wortwörtlich gesagt habe. Das ist natürlich nicht der Fall. Wir beziehen uns in der Kolumne auf seine Aussage, dass er nicht auf einem kleinen Auto fahren möchte.

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