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Kolumne 24h Nürburgring: Twingo abgelehnt - Fehler auf allen Seiten
Vergangene Woche machte die Ablehnung des Renault Twingo von Rauh Racing Schlagzeilen - Warum es hier nur Verlierer gibt und was sich tun sollte
(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde der "Grünen Hölle",
© mathijs_rutten/@gphtoz/Instagram
Der Renault Twingo wird vorerst nicht beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring antreten Zoom
so schnell kann's gehen: Da begibt man sich einmal zu den 24 Stunden von Daytona und schon brennt die Eifel im übertragenen Sinne. Neben der Terminverschiebung des zweiten NLS-Rennens war es vor allem die Ablehnung des Teams Rauh Racing, die in den vergangenen Tagen für viel Wirbel sorgte.
Was war passiert? Das Team Rauh Racing, das bisher noch nie auf der Nürburgring-Nordschleife in Erscheinung getreten ist, sich aber innerhalb kürzester Zeit auf Social Media einen großen Namen gemacht hat, wollte sich auf die Spuren des Dacia Logan begeben und mit einem Renault Twingo beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2026 starten.
Nach eigenen Angaben erhielt das Team bei einer ersten Zusage durch den DMSB die Bestätigung, dass "nichts dagegen" spreche, einen Twingo beim 24-Stunden-Rennen einzusetzen. Das Team begab sich dann in Vorbereitungen, baute einen 200 PS starken Clio-Sportmotor ein und ließ sich im Oktober 2025 einen Wagenpass vom DMSB für die Klasse 24h Spezial ausstellen.
Doch dann gab der Veranstalter ADAC Nordrhein keine Starterlaubnis und das ganze Unterfangen platzte. Das wiederum veranlasste Rauh Racing nun Wochen später zu einem ausgedehnten, englisch verfassten Statement, in dem es dem ADAC Nordrhein schwere Vorwürfe macht. Der wiederum antwortete mit seiner eigenen Sicht der Dinge und verweist dabei auf Details wie fehlende Erfahrungswerte, Crashtests und vieles mehr.
Um die Sache einzuordnen: Letztlich ist es wie so oft, irgendwo kann man beide Seiten nachvollziehen. Das heißt aber auch, dass auf beiden Seiten Fehler gemacht worden sind.
Renault Twingo: Der gefährliche Wettbewerb nach unten
Rauh Racing wollte von Anfang an die Sympathie-Karte spielen: Ein genialer PR-Auftritt der Mannschaft um die Brüder Felix Rauh (25), der hauptberuflich in der Fahrrad-Branche tätig ist, und seinem vier Jahre älteren Bruder Filip, der immerhin vor dem Einstieg ins Renngeschäft einen Sim-Racing-Background hatte, ist leider nicht alles.
Gewiss muss man dem Team dafür ein Kompliment aussprechen. Eine Facebook-Werbeanzeige für das Projekt "Twingo goes Nordschleife" und ein wirklich genialer Instagram-Auftritt, bei dem das Team seinen Twingo scherzhaft regelmäßig in kontroverse Szenen aus der Formel 1 und anderen großen Rennen hinein retuschiert, haben der kleinen Truppe viele Sympathien und Follower eingebracht.
Doch all das hilft nichts, wenn nicht ausreichend Racing-Kompetenz dahintersteht. Der Twingo hat bislang an zwei Rennen beim Norddeutschen ADAC Börde Tourenwagen Cup (NATC) teilgenommen. Dabei handelt es sich um eine wirkliche Breitensportserie, in der Hobbyfahrer eine einigermaßen kostengünstige Möglichkeit finden, Rundstreckensport zu betreiben.
In einem Instagram-Posting verkauft das Team es als zwei Siege direkt zum Einstieg. Die Wahrheit ist: Der Twingo war das einzige Fahrzeug in seiner Klasse. Er nahm an drei von sechs Rennen am Wochenende 18./19. Oktober 2025 teil. Die Geschichte zeigt wieder einmal, wie leicht es ist, in den sozialen Medien zum Blender zu werden.
In zwei 20-minütigen Sprintrennen waren seine schnellsten Rennrunde fünf und vier Sekunden langsamer als die des Zweitlangsamsten. Um das mal einzusortieren: Wir reden hier von BMW 318ti mit nicht einmal 150 PS, die auf der Nordschleife eine bekannte Größe sind, und bei diesem Rennen in Oschersleben bis zu fast 15 Sekunden schneller pro Runde fuhren.
Im einstündigen Endurance-Rennen schieden die beiden Brüder elf Minuten vor Schluss aus und kamen nicht in Wertung. Bei der schnellsten Runde gab es nach vorn diesmal einen Abstand von drei Sekunden, immerhin war aber im Endurance-Rennen ein Opel Adam noch langsamer. (Alle Ergebnisse gibt es hier einzusehen)
Zuvor traten die Gebrüder Rauh auf einem BMW 330d E46 Touring an und waren wiederum in fast allen Rennen, an denen sie teilnahmen, das langsamste Auto, bisweilen wiederum mit mehreren Sekunden Abstand nach vorn.
Und hier liegt nun die Gefahr: Wie soll ein dermaßen unbeschriebenes Blatt gleich ins 24-Stunden-Rennen geschickt werden? Warum fährt man nicht erst einmal RCN oder NLS? Ich habe Felix Rauh mit der Frage konfrontiert und die Antwort lautete: Man habe ja NLS fahren wollen, aber das Auto wurde nicht fertig. Trotzdem sollte das 24-Stunden-Rennen schon 2026 bestritten werden.
Da muss man festhalten: Das Team, das nach Angaben Rauhs aus vier Leuten besteht, ist sich offenbar nicht bewusst, worauf man sich da einlässt. Das 24-Stunden-Rennen ist längst nicht mehr das Rennen, das es in den Geburtsjahren der Brüder Rauh gewesen ist. (Das Thema Gangart habe ich hier schon einmal beleuchtet und dabei auch einen Vergleich zum Rennen 1999 gezogen)
Die Ablehnung erfolgt sicherlich nicht aufgrund des Twingos, sondern aufgrund des Gesamtpakets: Auto, Fahrer und Team sind auf der Nordschleife ein völlig unbeschriebenes Blatt. Ein in gleich drei Dimensionen völlig unbekanntes Projekt kann in einem Rennen, in dem GT3-Fahrzeuge selbst über 24 Stunden um jede Sekunde kämpfen (man erinnere sich an den Zweikampf 2025), ein Sicherheitsrisiko.
Wäre nur eine dieser Dimensionen, besser zwei, wenigstens eine bekannte Größe, würde die Entscheidung vielleicht anders aussehen. Ein Start in einem TCR-Fahrzeug oder BMW 325i wäre weniger problematisch, ebenso wie wenn der Twingo von einem etablierten Team eingesetzt werden würde.
Letztlich trifft exzellente Kommunikation auf wenig dahinter. Die Brüder Rauh täten gut daran, entweder ein bekanntes Team mit dem Einsatz zu betrauen oder eine Saison RCN und/oder NLS mit dem Auto zu bestreiten, damit die Technikkommission überhaupt eine Idee davon bekommt, womit sie es bei diesem Auto zu tun hat.
Auch waren sich die beiden Brüder offenbar nicht in Klaren, dass der DMSB nicht der Veranstalter ist, sondern der ADAC Nordrhein. So gab es vom DMSB das Schreiben, dass nichts gegen einen Twingo auf der Nordschleife spreche. Von einer Korrespondenz mit dem ADAC Nordrhein hingegen spricht das Team erst im September 2025.
ADAC Nordrhein, es braucht endlich klare Leitplanken
Aber der Veranstalter kann sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen. Mit einem ebenfalls in Sachen Kommunikation mit allen Wassern gewaschenen Pressesprecher war es ein leichtes, im Zuge der Recherche das Team als eine unfähige Kirmestruppe zu framen.
Doch das greift zu kurz. Der ADAC Nordrhein hat hier Fehler gemacht und muss sich nun mit der vollen PR-Offensive des Kleinteams herumschlagen, das jetzt den Veranstalter als den bösen Buben hinstellen kann, der die "Kleinen" aus dem Rennen werfen möchte.
Und hat damit einen Nerv getroffen, wie die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen. Um es mal zu verdeutlichen, mit was für Dimensionen wir es zu tun haben: Rauh Racing hat 78.900 Follower auf Instagram. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Topteam wie Scherer Sport Phx. Und diese Follower sind Meinungsführer für die öffentliche Wahrnehmung des Rennens.
Bis heute scheint der ADAC Nordrhein die Macht der sozialen Netzwerke nicht begriffen zu haben und dürfte den Imageschaden durch diese Nummer eher unter- als überschätzen. Das Publikum hat dank der starken Öffentlichkeitsarbeit von Rauh Racing bereits viel emotionale Energie in dieses Projekt investiert und wird nun enttäuscht.
Das wird auch deutlich, als dass unseren Informationen zufolge Influencer wie Misha Charoudin und Jimmy Broadbent bereits Interesse an dem Projekt gezeigt haben. Das, gepaart mit einem erfahrenen Nürburgring-Piloten als Entwicklungsfahrer, hätte dem Unterfangen durchaus einen seriösen Anstrich und dem Rennen positive PR verschaffen können.
Das größte Problem ist jedoch, dass es in der Ausschreibung zum 24-Stunden-Rennen bis heute keine Richtlinien gibt, wer unter welchen Umständen denn nun starten darf.
Es heißt lediglich unter Artikel 1.0 im Kapitel II Allgemeine Technische Bestimmungen - Allgemeine Fahrzeugbestimmungen für alle Fahrzeuge: "Der DMSB behält sich in Abstimmung mit dem Veranstalter das Recht vor, einzelnen Fahrzeugen die Zulassung zum Wettbewerb zu entziehen sowie technische Änderungen vorzuschreiben, sollten Vorbehalte an einem dem Anforderungsprofil der Nürburgring Nordschleife gerechten, technisch sicheren Fahrzeugbetrieb bestehen."
Doch was ist nun genau gemeint? Passt ein Renault Twingo generell nicht auf das Anforderungsprofil der Nordschleife? Aber warum gibt dann der DMSB zuvor sein Einverständnis? Allein diese Diskrepanz zwischen zwei Stakeholdern zeigt, dass die linke Hand offenbar nicht weiß, was die rechte tut.
Es ist jetzt wirklich Zeit, dass der ADAC Nordrhein klare Leitplanken aufstellt, welche Voraussetzungen ein Team zumindest ungefähr erfüllen muss, damit es am Rennen teilnehmen darf. Einem Kleinteam erst von einer Seite zuzusagen, dass kein Problem damit bestünde, nur um eineinhalb Jahre später von der anderen Seite die Teilnahme zu verweigern, nachdem das Team bereits riesige Anstrengungen unternommen hat, ist jedenfalls ganz schlechter Stil.
Das ist genau einer der Punkte, der in der NLS unter dem Schlagwort "Kundenfreundlichkeit" seit Jahren diskutiert werden. Nun ist der ADAC in einer bequemeren Position als die NLS. Es sieht so aus, als würden die Starterzahlen in diesem Jahr in Richtung der Maximalzahl von 150 Autos gehen.
Dennoch sind solche PR-Desaster genau das, was ein guter Veranstalter vermeiden sollte. Es hätte auch einem etwas unbeholfenen Team von Anfang an klar gemacht werden müssen, was es für Anforderungen erfüllen muss. Denn es sind solche Teams, die die Seele des Rennens ausmachen und Klassiker wie den Dacia Logan erschaffen. Ein zweites 24 Stunden von Spa mit 70 GT3-Autos wird der ADAC Nordrhein in der Eifel nicht etablieren können.
Oder er sollte sich gleich hinstellen und offen sagen, was das Team dem Veranstalter in einem Gespräch unter vier Augen vorwirft: dass solche Autos nicht mehr gewollt sind. Egal, was es nun ist, es wird Zeit, dass der Veranstalter endlich ein paar Leitplanken aufstellt, damit solche schlechte Presse in Zukunft vermieden werden kann.
Euer

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieser Kolumne waren die Namen Felix und Filip vertauscht. Wir haben den Fehler behoben und möchten uns für diese Verwechslung ausdrücklich beim Team Rauh Racing entschuldigen.

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