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Jose-Maria Lopez: Der verhinderte Formel-1-Weltmeister?

09. November 2016 - 15:07 Uhr

Zweimal in seiner Karriere hatte Jose-Maria Lopez einen Fuß in der Tür zur Formel 1: Für den WTCC-Boss könnte er dort mit Vettel oder Rosberg mithalten

Jose-Maria Lopez
Für Renault testete Jose-Maria Lopez von 2003 bis 2006 in der Formel 1
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Es gibt Karrieren im Motorsport, die verlaufen gradlinig. Über den Kartsport und die Nachwuchsformeln geht es hinauf bis in die Formel 1. Wobei das nur den wenigsten Piloten gelingt. Viele andere zeigen im Formelsport zwar starke Leistungen, doch irgendwann geht ihnen entweder das Geld oder das Talent (oder beides) aus und sie verschwinden auf nimmer Wiedersehen. Und dann gibt es Jose-Maria Lopez.

Der Argentinier, nachweislich mit einer Menge Talent gesegnet, hatte in seiner Karriere zweimal den Fuß in der Tür zur Formel 1. Doch beide Mal durfte er nicht eintreten. Zwischenzeitlich war er in seiner Heimat vom Radar des internationalen Motorsports so gut wie verschwunden. Doch dann begann 2013 sein märchenhafter Aufstieg, und heute ist er dreimaliger Tourenwagen-Weltmeister.

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Dabei schien der Weg seiner Karriere zunächst eine andere Richtung einzuschlagen. Mit Erfolgen in der Formel Renault, wo er untere anderem einen gewissen Robert Kubica im Kampf um die italienische Meisterschaft geschlagen hatte, machte "Pechito", wie Lopez schon damals genannt wurde, den französischen Autobauer 2003 auf sich aufmerksam. Dieser startete damals gerade seinen Erfolgslauf in der Formel 1.

Lopez zerbricht fast am Druck von Renault

Ein Platz im Nachwuchsprogramm von Renault schien für Lopez die beste Möglichkeit, sich seinen Traum von der Formel zu erfüllen. Doch dieser Traum wurde für ihn eines Tages zum Albtraum. "Die letzten beiden Jahre im Formelsport waren wirklich hart", erinnert sich Lopez im Gespräch mit dem FIA-Magazin 'AUTO'. "Der Chef des Renault-Nachwuchsprogramms hat eine Menge Druck gemacht. Sie haben immer gesagt: Du musst gewinnen. Du musst gewinnen."

Doch das gelang dem Argentinier in der GP2 2005 mit DAMS nur einmal. Im nächsten Jahr wurde die Situation für ihn nach einem Teamwechsel dann noch schwieriger. "Ich wusste schon zu Beginn der Saison, dass das nicht klappen würde. Super Nova, für die ich damals gefahren bin, waren zu der Zeit schon kein Siegerteam mehr, und einige Jahre später haben sie dicht gemacht", so Lopez. "Ich wusste, dass ich gewinnen musste, um in die Formel 1 zu kommen, aber ich wusste auch, dass das fast unmöglich war."

In die Formel 1 schaffte es Lopez zwischen 2003 und 2006 nur als Testfahrer. Zwölfmal durfte er für Renault ausrücken, doch im Alltag an der Rennstrecke war der damals 23-Jährige dem enormen Erwartungsdruck nicht gewachsen. "Der Druck war immens, und darunter litt auch meine Freude am Rennfahren. Schon ins Auto zu steigen, hat mich unter Druck gesetzt, damit kam ich nicht zurecht", gibt Lopez zu. "Ich will dem Team keine Schuld geben. Ich habe eine Menge Fehler gemacht. Ich war jung und stand ein wenig auf verlorenem Posten."

Nach Platz zehn in der GP2 plötzlich arbeitslos

Und kurz darauf auf der Straße. Nachdem er 2006 in der GP2 sieglos geblieben war, ließ ihn Renault wie eine heiße Kartoffel fallen. "Das passiert vielen talentierten Fahrern, mit 22 oder 23 ist es vorbei. Man verbringt sein halbe Leben im Rennsport, und dann ist plötzlich Schluss", bemerkt Lopez. Doch das Scheitern seins Formel-1-Traums machte dem jungen Mann, der nach dem Ende seiner Formelsport-Karriere nach Argentinien zurückkehrte, schwer zu schaffen.

"Als ich in mein Heimatland zurückkam, kannte mich niemand. Damals wollte ich aufhören, weil ich zu enttäuscht war", erinnert sich Lopez. "Nach vier Jahren bei Renault, so dicht an der Formel 1, war das sehr schwierig." Aus dem tiefen Loch holten ihn schließlich seine nächsten Angehörigen und ein Freund der Familie wieder heraus. Victor Rosso gab Lopez einem Platz in seinem Team, das er zu diesem Zeitpunkt in der argentinischen Tourenwagen-Meisterschaft einsetzte.

Nach einem kurzen Gastspiel in der American-Le-Mans-Series stieg Lopez Ende 2007 in die argentinische TC2000-Meisterschaft ein, bis zum ersten Sieg musste er nur fünf Rennen warten. 2008 und 2009 krönte er sich dort zum Meister und war endlich wieder obenauf. "In Argentinien habe ich meine Liebe für den Rennsport wiedergefunden. Ich hatte wieder Spaß und Selbstvertrauen", so Lopez.

Zweiter Anlauf bei US F1

Es lief wieder rund für "Pechito", doch für seinen väterlichen Förderer Rosso schien sein Talent im argentinischen Tourenwagensport ein wenig vergeudet. Er motivierte Lopez, den unerfüllten Traum von der Formel 1 noch einmal in Angriff zu nehmen. "Victor sagte: Du musst zurückgehen, du bist wirklich stark", so Lopez. Auch sein Vater sah den Sohnemann für höhere Aufgaben bestimmt. "Er sagte mit immer Dinge wie: Ich freue mich, dass du hier bist, aber ich glaube, du solltest in Europa sein. Du fühlst dich in den nationalen Meisterschaften nicht völlig wohl."

Die WTCC-Karriere von Jose-Maria Lopez

Von argentinischen Gaststarter zum "König der Tourenwagen": Jose-Maria Lopez' Karriere in der WTCC


07.07.2016
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Jose-Maria Lopez: Kein anderer Fahrer hat in der WTCC je derartigen Eindruck hinterlassen wie er. Der in Europa fast schon vergessene Argentinier wurde innerhalb von drei Jahren zum König der Tourenwagen.
Jose-Maria Lopez: Kein anderer Fahrer hat in der WTCC je derartigen Eindruck hinterlassen wie er. Der in Europa fast schon vergessene Argentinier wurde innerhalb von drei Jahren zum König der Tourenwagen.

Und so unternahm Lopez einen neuen Anlauf in Richtung Königsklasse: "Ich sagte mir: Warum nicht, ich muss es versuchen." Gemeinsam mit seinem Vater, Förderer Rosso und dem früheren Formel-1-Piloten Carlos Reutemann ging "Pechito" auf Sponsorensuche. Doch das von Wirtschaftskrisen gebeutelte Argentinien bot dafür nicht die beste Plattform. "Wir haben sehr hart dafür gearbeitet, um die Sponsorengelder zusammenzubekommen, und das war in unserem Land alles andere als einfach", erinnert sich Lopez.

Doch irgendwann stand das Budget, und ein Team, das Lopez verpflichten wollte, fand sich auch. Die Neueinsteiger von US F1 nahmen den Argentinier unter Vertrag, am 25. Januar 2010 wurde Lopez als Stammfahrer präsentiert. Der Traum von der Formel 1 schien endlich wahr zu werden, doch abermals wurde er für Lopez zum Albtraum.

Formel-1-Chance wird zur Luftnummer

Denn das vom früheren Formel-1-Journalisten Peter Windsor geführte Team entpuppte sich als Luftnummer. Die Vorbereitung auf den Formel-1-Einstieg hinkte weit hinter dem Zeitplan zurück, weil die Finanzierung alles andere als gesichert war. Davon bekam Lopez aber zunächst nichts mit. "Nachdem ich unterschrieben habe, konzentrierte ich mich auf das körperliche Training", sagt er.

Doch dann klingelte während des Trainings plötzlich sein Telefon. "Man sagte mir, dass alles etwas komplizierter geworden sei. Wir sind dann nach England gefahren", blickt Lopez auf den schicksalhaften Moment zurück. "Wir haben alles versucht, konnten aber nichts machen. Das Team brach auseinander." Anfang März 2010 war das Aus des Teams besiegelt und Lopez' Traum von der Formel 1 endgültig beendet. "Das war ein weiterer schwerer Moment in meiner Karriere", sagt er.

Nach Einschätzung von WTCC-Serienchef Francois Ribeiro ist der Formel 1 damit ein potenzieller Weltmeister durch die Lappen gegangen. "Er hat zweimal im Leben Pech. Einmal ist er Briatore zur falschen Zeit über den Weg gelaufen, und dann hat er sein Geld in das US-F1-Team gesteckt, das nie gestartet ist", sagt der Franzose über Lopez. "Für mich ist er in einer Liga mit Vettel oder Rosberg."

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