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Rückblick 2011: SEAT

20. Dezember 2011 - 14:30 Uhr

Der letzte Sieg des Dieselautos, viele technische Probleme und nur Rang drei hinter Chevrolet und BMW: Teil 9 des Rückblicks handelt von SEAT

Fredy Barth
Fredy Barth und seine Markenkollegen hatten 2011 einen recht schweren Stand
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - 344 Rennrunden, zahlreiche packende Zweikämpfe, sechs strahlende Laufsieger und ein erfolgreicher Titelverteidiger: Die WTCC begeisterte im abgelaufenen Rennjahr durch engen Motorsport und viele spektakuläre Szenen. Von Südamerika über Europa nach Asien - Chevrolet hatte die Konkurrenz von Anfang an sehr gut im Griff und setzte sich letztendlich deutlich gegen BMW, SEAT und Volvo durch.

Doch so souverän die Herstellerwertung entschieden wurde, so erbittert kämpften die Piloten um die Fahrerkrone. Yvan Muller, Rob Huff und Alain Menu lieferten sich ein sehr beeindruckendes Duell, das schließlich in einem ungeheuer spannenden Finale mündete. 'Motorsport-Total.com' blickt nun zurück auf die WTCC-Saison 2011 und zeichnet den Jahresverlauf nach. Heute: SEAT.

In der abgelaufenen Saison war SEAT - ähnlich wie BMW - nur durch Kundenteams in der WTCC vertreten. Unter den Bannern von Lukoil-Sunred, SEAT-Swiss und Sunred gingen insgesamt sechs Leon-Fahrzeuge ins Rennen, was schlussendlich im dritten Tabellenrang hinter Chevrolet und BMW mündete. Dank Michel Nykjaer (Sunred) erreichte SEAT zudem Platz zwei bei den Privatfahrern.

SEAT 2011 "nur" drittbeste Marke

Die Erfolgsbilanz ist allerdings überschaubar: Die sechs SEAT-Piloten brachten es im Jahresverlauf auf neun Podestränge und 22 Führungsrunden, wobei der Löwenanteil an diesen Ergebnissen auf Gabriele Tarquini (Lukoil-Sunred) zurückzuführen ist. Der Italiener steuerte zudem den einzigen Sieg zur Jahresausbeute der iberischen Marke bei, indem er sich im zweiten Zolder-Rennen durchsetzte.

Gabriele Tarquini
Einmal Jubel für SEAT: Gabriele Tarquini siegte mit dem TDI-Fahrzeug in Zolder
© WTCC

Dieser Rennerfolg - es war der letzte Laufsieg des SEAT Leon TDI - stellte zugleich auch einen Wendepunkt dar, denn nach der Umrüstung auf den neuen 1,6-Liter-Turbomotor waren weder Tarquini noch seine fünf Markenkollegen siegfähig. Der neue SR Leon 1,6T kam zwar recht gut in Fahrt, litt aber auf Motorenseite an Kinderkrankheiten, sodass nur Achtungserfolge drin waren.

Immerhin: Sowohl in Zolder als auch in Porto und in Macao holten die SEAT-Piloten mehr Punkte als die Konkurrenz von BMW, ansonsten spielte man "nur" die dritte Geige. Tarquini und Tiago Monteiro (Sunred) ordneten sich deshalb letztendlich hinter dem besten BMW-Piloten Tom Coronel (ROAL) auf den WM-Rängen fünf und sechs ein. Nykjaer landete als Zehnter ebenfalls noch in den Top 10.

Teamchef Orus ist "sehr zufrieden"

Sunred-Teamchef Joan Orus zieht dennoch ein positives Fazit: "Unterm Strich bin ich sehr zufrieden, denn wir haben etwas geschafft, was eigentlich unmöglich war. Wir entwickelten einen eigenen Motor und damit gelang es uns, mit BMW und Chevrolet zu kämpfen. Es ist unglaublich, wie viel Arbeit wir in diesem Jahr verrichteten. Wir blieben am Ball, weil wir ein klasse Team haben", sagt der Spanier.

Joan Orus
Sunred-Teamchef Joan Orus zieht ein positives Fazit trotz "nur" eines Sieges
© Eurosport

Aufgrund des beschränkten Budgets sei aber nicht mehr drin gewesen. "Ich muss also zufrieden sein und denke, auch unsere Fahrer sind zufrieden mit diesen Resultaten", meint Orus. Tarquini, Monteiro und Nykjaer hätten sich trotz einiger technischer Probleme sehr gut geschlagen und auch Neuling Pepe Oriola (Sunred) habe sich gut in Szene gesetzt. "Einzig Fredy Barth hatte sehr viel Pech."

Der SEAT-Swiss-Fahrer sei "der einzige Pilot, der glücklos war", erläutert Orus. "Sehr schade, dass ein Unfall seine Saison beendete. Ich hoffe, er kann dieses Jahr rasch vergessen und 2012 bei Null beginnen." Auch Tarquini hatte ein schwieriges Jahr, kann sich mit seiner Leistung aber offenbar gut arrangieren. "Diese hängt natürlich vom Auto und der technischen Konkurrenzfähigkeit ab", sagt er.

Ist der SEAT Leon noch konkurrenzfähig?

"In diesem Jahr büßten wir leider einiges an Potenzial ein. Im Vergleich zur vergangenen Saison ist das Fahrzeug nun logischerweise auch ein Jahr älter. Und langsam aber sicher kommt das Auto nun einmal in die Jahre. Auch, weil es im Winter nicht komplett neu aufgebaut wurde. Es ist halt nicht mehr wie zu den Zeiten, als es noch ein SEAT-Werksteam gab", bringt es der Ex-Champion auf den Punkt.

Gabriele Tarquini
Gabriele Tarquini und seine Mannschaft waren 2011 die besten SEAT-Vertreter
© WTCC

Tarquini nimmt diese Situation aber mit Humor: "Du kannst das Alter des Autos regelrecht spüren. Vielleicht geht es dem Rennwagen umgekehrt ähnlich mit meinem Alter. Das weiß ich natürlich nicht zu sagen", meint der 49-Jährige und fügt ernsthaft hinzu: "In der Vergangenheit kämpfte ich meist um den Titel und in den Rennen um Siege oder das Podest. 2011 waren wir aber auf einmal weit weg."

"Ich bin allerdings zufrieden, wenn ich meine Ergebnisse mit dem Abschneiden meiner Kollegen vergleiche. Sie legen vielleicht auch eine andere Motivation an den Tag, weil sie noch eine lange Karriere vor sich haben", erklärt der Italiener. Laut Monteiro habe man durchaus mit einer kniffligen Saison gerechnet: "Wir hatten erwartet, dass es 2011 nicht sehr einfach für uns werden würde."

Die zweite Saisonhälfte war schwierig

"Du willst natürlich immer mehr und Hoffnung auf Besserung ist stets vorhanden. Das trat so aber nicht ein", sagt der frühere Formel-1-Pilot. "Es war halt nicht ganz so perfekt, wie wir es uns erträumt hatten. Im Hinblick auf unser Budget und die Umstände durch den Motorwechsel und dergleichen waren wir jedoch recht gut unterwegs, denke ich." Die Technik erwies sich aber als Stolperstein.

Tiago Monteiro
Tiago Monteiro hatte 2011 nur bedingt Grund zur Freude, wurde aber WM-6.
© xpb.cc

Vor allem für Barth und Monteiro, die speziell ab den Sommermonaten große Schwierigkeiten hatten. "Nach einem guten Auftakt ins Rennjahr lag ich an vierter Stelle in der Gesamtwertung, doch mein Glück schien bis Porto aufgebraucht zu sein", sagt Monteiro. "Danach lief nicht mehr viel zusammen. In Zahlen ausgedrückt: Der Portugiese holte in der zweiten Saisonhälfte insgesamt nur 16 Punkte.

"Es gab viele Probleme, fast in jedem Rennen. Wir hatten technische Defekte und wurden auch in einige Unfälle verwickelt. Sehr enttäuschend", erläutert der WTCC-Routinier. Wie es im kommenden Jahr weitergeht, ist indes noch offen. SEAT würde die Kundenteams gerne mit einem neuen SEAT-Motor ausstatten, doch derzeit ist nicht klar, wer 2012 überhaupt für Sunred an den Start gehen wird...

Der WTCC-Saisonrückblick 2011:

01. Das erste Saisondrittel
02. Das zweite Saisondrittel
03. Das letzte Saisondrittel
04. Die Privatierwertung
05. Fakten und Zahlen zur Saison
06. Yvan Muller
07. Chevrolet
08. BMW
09. SEAT
10. Volvo
11. Team Engstler
12. Team Wiechers

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