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Das Qualifying erntet weiter Kritik

21. Mai 2011 - 10:20 Uhr

Q1 ist vielen Fahrern der WTCC nach wie vor ein Dorn im Auge, denn in erster Linie bestimmt das Glück die Startpositionen für das zweite WM-Rennen

Robert Huff
Viele Fahrer halten den neuen Q1-Modus nach wie vor für einen schlechten Scherz
© WTCC

(Motorsport-Total.com) - So sehr sich die Piloten der Tourenwagen-WM für schnelles Fahren begeistern können, so sehr hinterfragen sie das Konzept der Qualifikation. Seit diesem Jahr gibt das Ergebnis von Q1 nämlich die Startaufstellung für das zweite Rennen vor, wobei die Top 10 in umgekehrter Reihenfolge losfahren. Das bedeutet: Wer in Q1 den zehnten Platz belegt, steht in Lauf zwei auf der begehrten Pole-Position.

Dies führte in den bisherigen Zeittrainings zur kuriosen Situation, dass einige Fahrer in Q1 nicht voll fahren, sondern sich vielmehr auf die hinteren Top-10-Plätze "bremsen", um für das zweite Rennen eine gute Ausgangslage einzunehmen. Im anschließenden Q2 findet dann erst die wahre Zeitenjagd statt und die Piloten zeigen das Potenzial ihrer Autos auf. Q1 verkommt allerdings zur Komödie.

Wer langsamt fährt, steht ganz vorne...

Oder eher Tragödie, wenn man den Worten Yvan Mullers (Chevrolet) lauscht. "Ich kann dieses blöde Q1 rein gar nicht ausstehen", wettert der amtierende Weltmeister. "Das ist einfach nichts für mich." Laut Muller ist das Ergebnis im Qualifying zu sehr vom Glück abhängig, als dass man als Rennfahrer noch Freude am Zeitfahren empfinden könnte. Tiago Monteiro (Sunred) pflichtet seinem Rivalen bei.

"Es ist einfach nur Glückssache."
Tiago Monteiro

"Es ist einfach nur Glückssache", meint der frühere Formel-1-Pilot. "Für mich heißt das: Es ist kein Zeittraining, sondern in gewisser Weise einfach nur eine Lachnummer. Man muss so viel Tempo herausnehmen und weiß nicht, ob es reicht oder nicht", beschreibt Monteiro die Taktik in Q1. "Das gefällt mir nicht. Das Konzept ist einfach nicht stimmig", findet der portugiesische Rennfahrer.

Monteiro verdeutlicht das Dilemma, indem sich die Spitzenpiloten der WTCC derzeit wiederfinden: Im ersten Abschnitt der Qualifikation wird bei Weitem nicht voll gefahren. "In Zolder gab ich vermutlich etwa 75 Prozent", berichtet der 34-Jährige - und selbst das ging schief, denn Monteiro fuhr just auf den ersten Platz, holte also Startplatz zehn für das zweite Rennen. In Monza machte er es anders.

Entscheidet nun einfach nur das Glück?

"Dort fuhr ich in der Qualifikation vielleicht nur mit 50 Prozent", meint Monteiro. Bingo: Dieses Mal klassierte sich der WTCC-Routinier deutlich besser, denn er landete auf dem zehnten Platz und holte damit die Pole-Position für den zweiten WM-Lauf. Anders Rob Huff (Chevrolet): Der WM-Spitzenreiter drang erst in letzter Sekunde in die Top 10 ein und platzierte sich mit seinem Versuch auf Rang neun.

"Wenn du das Glück auf deiner Seite hast, bist du halt unschlagbar."
Yvan Muller

Dieses Ergebnis brachte Muller erst recht in Rage. "Das meine ich, wenn ich diesbezüglich von Glück rede", sagt der Franzose gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Rob landete auf dem neunten Platz, fuhr aber nicht einfach so auf diese Position. Es war Glück, schlicht und ergreifend Glück", meint Muller und fügt abschließend hinzu: "Wenn du das Glück auf deiner Seite hast, bist du halt unschlagbar."

Auch Eric Neve ist nicht vollkommen vom neuen Modus überzeugt. "Eigentlich spricht es gegen den Sport", sagt der Chevrolet Europa Motorsport-Manager. "Das hatte man früher aber auch, wenn Fahrer im ersten Rennen bewusst auf Rang acht gefahren sind. Im Rennen gibt es das nun nicht mehr. Es spielt sich jetzt einzig und alleine in Q1 ab", erläutert das Teamoberhaupt der Weltmeister.

Die umgedrehte Startaufstellung als Hilfe

"Es muss nicht heißen, dass das ein Fortschritt ist und dass wir die Ideallösung gefunden haben. Man spricht mit den Teams und der FIA, wie man es verbessern kann. Die FIA sagt meiner Meinung nach zurecht: abwarten. Lassen wir diesem Ansatz eine Chance und dann schauen wir einmal, ob es Raum für Verbesserungen gibt", erklärt Neve. "Unterm Strich sind die Regeln ja für alle Beteiligten gleich."

"Viel Spielraum hast du dabei nicht, was wiederum für das Reglement spricht."
Eric Neve

"Jeder versucht, das Beste zu erreichen. Man probiert im Zeittraining, auf den zehnten Platz zu fahren und nach Möglichkeit nicht Elfter oder Zwölfter zu werden. Viel Spielraum hast du dabei nicht, was wiederum für das Reglement spricht", findet Neve. Darüber hinaus dürfe man keineswegs vergessen, wie wichtig die umgedrehte Startaufstellung für das Rennprodukt der Tourenwagen-WM sei.

"Sowohl SEAT als auch wir profitierten in der Vergangenheit von der umgedrehten Startaufstellung in Lauf zwei, um unsere ersten Siege einfahren zu können", gibt der Chevrolet Europa Motorsport-Manager zu Protokoll. "Wir gehen davon aus, dass Volvo in dieser Saison ebenfalls profitieren wird, sobald sie den neuen 1,6-Liter-Turbomotor haben. Neuen Herstellern kommt das sicher entgegen."

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