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Johan Kristoffersson: "Ich war nicht von Anfang an überzeugt"

Gewagtes Konzept, Zusammenarbeit mit Petter Solberg und welche anderen Rennserien ihn reizen: WRX-Champion Johan Kristoffersson steht Rede und Antwort

(Motorsport-Total.com) - Johan Kristoffersson (PSRX-Volkswagen) hat die Rallycross-Weltmeisterschaft (WRX) 2017 im Sturm erobert. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten avancierte der 28-jährige Schwede schnell zum Seriensieger. Schon nach dem zehnten Saisonrennen zum zwischenzeitlich fünf Siegen in Folge stand Kristoffersson als neuer Weltmeister fest. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' lässt er seine sensationelle Saison Revue passieren.

Johan Kristoffersson

Johan Kristoffersson ist am Ziel: Rallycross-Weltmeister

Dabei spricht Kristoffersson auch über seine Zusammenarbeit mit Petter Solberg und wie sich beide mit ihrem unterschiedlichen Stil perfekt ergänzen. Außerdem erklärt der Schwede, warum er schon früh wusste, dass er mit dem Polo GTI um die WM kämpfen kann, obwohl er vom revolutionären Kühler-Konzept des Autos nicht sofort überzeugt war. Schließlich verrät Kristoffersson noch, welche Rennen ihn neben der WRX reizen würden - unter anderem das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Frage: "Johan Kristoffersson, Rallycross-Weltmeister: Wie hört sich das an?"
Johan Kristoffersson: "Sehr gut! Aber es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis ich das richtig realisiert habe. Es waren sehr stressige Wochen, mit sehr vielen Medienterminen. Ich hatte noch gar keine Zeit, das richtig zu verarbeiten."

Frage: "Wenn Ihnen vor dem Saisonstart jemand gesagt hätte, dass sie Ende September sechs Rennen gewonnen haben, davon fünf in Folge, und zwei Rennen vor Saisonende den WM-Titel bereits sicher haben, was hätten Sie da gedacht?"
Kristoffersson: "Ich hätte nichts dagegen gehabt, das auf jeden Fall (lacht; Anm. d. Red.). Geglaubt hätte ich es aber nicht. Fünf Rennen in Folge zu gewinnen, davon hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt."

"Und sechs von zehn (Rennen; Anm. d. Red.) zu gewinnen, ist einfach unglaublich. Dass wir die Meisterschaft gewinnen können, daran habe ich allerdings schon geglaubt. Dass wir aber zwei Rennen vor Saisonende schon Fahrer- und Teammeisterschaft in der Tasche haben, hätte ich nicht für möglich gehalten."

Kühler vorne - ob das gut geht?

Frage: "Ich war Ende März bei einem Ihrer Tests auf dem Estering zu Gast, und mir ist noch heute in Erinnerung, dass Sie nach ihren Runden immer mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Auto ausgestiegen sind. War schon damals abzusehen, dass der Volkswagen Polo GTI ein Auto ist, mit dem Sie um die Meisterschaft kämpfen können?"
Kristoffersson: "Ich war 2015 ja schon Dritter in der Meisterschaft und 2016 Zweiter. Als ich dann zum ersten Mal Petters Citroen aus dem vergangenen Jahr getestet habe, merkte ich, dass es ein fantastisches Auto war."

"Und auch der Polo hat sich sehr gut entwickelt. Durch die Zusammenarbeit mit Petter habe ich eine Menge gelernt. Daher habe ich schon früh gemerkt, dass ich um die Meisterschaft kämpfen kann."


"Der Polo, mit dem Sie in dieser Saison fahren, ist in einem Punkt revolutionär. Er hat den Kühler vorne, während es bisher als ausgemacht galt, dass der Kühler bei Rallycross-Autos im Heck eingebaut werden muss. Hatten Sie jemals Zweifel daran, dass dieses Konzept funktionieren wird?"

"Die Zweifel haben uns lange begleitet. Wir müssen aber auch noch abwarten. Noch sind wir nicht alle Strecken gefahren, und bei einigen Rennen war es nicht so heiß. In Kapstadt könnte es sehr heiß werden, und im Verkehr wird es manchmal schwierig. Ich war nicht von Anfang an überzeugt, dass es funktionieren wird."

"Im Rallycross gewinnt nicht immer das schnellste Auto." Johan Kristoffersson

"Zu Beginn der Saison, bei den ersten drei Rennen, sind Sie zwar sehr gute Rundenzeiten gefahren, aber in den Finals ging es sich nicht aus. Mattias Ekström gewann dreimal in Folge. Woran lag das?"

"Zu Saisonbeginn waren wir unter bestimmten Bedingungen sehr stark, aber sobald sich die Bedingungen änderten, haben wir sehr lange gebraucht, um das Auto abzustimmen. Das war zu Saisonbeginn eines unserer größten Probleme. Das Team musste lernen, das Auto schnell abzustimmen und das Wetter und die Streckenbedingungen vorherzusehen."

Wie sich Kristoffersson und Solberg ergänzen

Frage: "In Belgien gelang Ihnen dann der erste Sieg, und anschließend war bis zum Rennen auf dem Estering niemand in der Lage, Ihr Team zu schlagen. Haben Sie in Mettet etwas besonderes verändert oder war das einfach der fortschreitenden Entwicklung des Autos und des Teams geschuldet?"
Kristoffersson: "Ich denke es war ein Teil der Weiterentwicklung, und außerdem hat unser Team seitdem bei der Reifen- oder Joker-Strategie immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Wir hätten schon bei den ersten drei Rennen gewinnen können, aber die Siege gingen an Mattias. Wir haben dennoch darauf vertraut, dass wir auf dem richtigen Weg sind und haben weiter gepusht. Das war der Schlüssel zum Sieg."

Johan Kristoffersson, Petter Solberg

Johan Kristoffersson und Petter Solberg ergänzten sich perfekt

"Sie haben viel über Ihre Zusammenarbeit mit Petter Solberg gesprochen und dabei immer wieder erwähnt, dass er ein Fahrer ist, der von seinem Gefühl für das Auto lebt, während Sie jemand sind, der akribisch die Daten analysiert. Wie muss man sich das konkret bei der Weiterentwicklung des Autos vorstellen?"

"Manchmal entdeckt Petter etwas, manchmal ich beim Blick in die Daten oder auch beim Fahrern. Der Grund, warum das in den Medien solche Beachtung gefunden hat, liegt einfach in der Tatsache, dass Petter bisher noch nie richtige Datenanalyse betrieben hat. Er hat sich immer nur auf sein Gefühl verlassen. Ich hingegen war es gewohnt, mit den Daten zu arbeiten. Ich versuche immer, fahrerisch die letzten Zehntel herauszuholen, während Petter versucht, auf der Strecke aus dem Auto die letzten Zehntel herauszuholen. Er will das Auto perfekt anpassen und ich meinen Fahrstil. Diese Zusammenarbeit klappt sehr gut."

"Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und in Bruchteilen von Sekunden die richtigen Entscheidungen treffen." Johan Kristoffersson

"Sie und Petter fahren das gleiche Auto in der gleichen Spezifikation, aber dennoch haben Sie ihn in dieser Saison deutlich geschlagen. Was hat den Unterschied zwischen Ihnen beiden ausgemacht?"

Frage: "Es war für Sie nicht nur in der WRX eine sehr erfolgreiche Saison, Sie haben auch in der Skandinavischen Tourenwagen-Meisterschaft (STCC) sechs Rennen gewonnen. Wir gelingt Ihnen die Umstellung von diesen 'Monstern' in der WRX zu den leistungsschwächeren, frontangetriebenen TCR-Autos?"
Kristoffersson: "Das ist schwierig, aber das mache ich schon seit 2011. Teilweise bin ich am selben Wochenende unterschiedliche Autos gefahren."

"Ich finde es interessant, immer wieder kleine Dinge zu meinem 'Werkzeugkasten' als Fahrer hinzuzufügen. Das ist wie gesagt nicht immer einfach, aber es ist umso leichter, je größer der Unterschied zwischen den Autos ist. Dann muss man mit einer völlig anderen Einstellung herangehen. Wenn sich die Autos weniger unterscheiden, kann man schon mal etwas durcheinander kommen."

"Nun hat im zweiten Jahr in Folge kein 'gelernter' Rallyefahrer, sondern nach Mattias Ekström mit Ihnen erneut ein Fahrer den WRX-Titel gewonnen, der von der Rundstrecke kommt. Ich habe auch den Eindruck, dass der Fahrstil in der WRX immer sauberer wird. Würden Sie dem zustimmen?"

"Das ist auch der Analyse und dem Vergleich zwischen mir und Petter geschuldet. Andererseits fahre ich stellenweise aber auch etwas mehr quer als vorher, weil das in einigen Kurven schneller ist. Das ist der Vorteil, wenn zwei Leute mit unterschiedlichem Hintergrund in einem Team fahren. Es haben sich aber auch die Autos weiterentwickelt. Sie lassen jetzt einen sauberen Fahrstil zu. Als die Autos noch nicht so ausgereift waren, musste man mehr driften."

Supercars und Nordschleife reizen den WRX-Champ

Frage: "Nachdem Sie nun den Titel in der WRX gewonnen haben, gibt es andere Meisterschaften, an denen Sie interessiert wären? Sie sind im Laufe Ihrer Karriere ja schon mit vielen verschiedenen Autos gefahren?"
Kristoffersson: "Ich denke momentan an keine andere Meisterschaft. Rallycross ist der Schwerpunkt, auch im nächsten Jahr. Aber ich würde gerne neben dem Rallycross etwas mehr fahren."

"Worauf ich aber schon länger ein Auge geworfen habe, sind die V8-Supercars in Australien." Johan Kristoffersson

"Hoffentlich bekomme ich für das nächste Jahr ein gutes Cockpit im Rallycross. Wenn der Punkt abgehakt ist, kann ich mich nach anderen Sachen umsehen. Vielleicht ein paar Rallyes oder Tourenwagen-Rennen. Worauf ich aber schon länger ein Auge geworfen habe, sind die V8-Supercars in Australien. Das sieht richtig gut aus, da würde ich gerne einmal fahren."

Frage: "Sie sind auch schon in der VLN auf der Nürburgring-Nordschleife gefahren. Wäre das 24-Stunden-Rennen auch etwas, an dem Sie interessiert wären?"
Kristoffersson: "Ja, auf jeden Fall. Ein 24-Stunden-Rennen bin ich bisher noch nie gefahren, und ich liebe die Nordschleife. Die ist einfach toll. VLN wäre auf jeden Fall etwas, nach dem ich mich im nächsten Jahr umschauen könnte. Ich will einfach mehr im Auto sitzen, nicht nur, um Spaß zu haben, sondern weil ich glaube, dass ich dadurch ein besserer Rallycross-Fahrer werde."

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