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Die Erfolgsbilanz des Porsche 919 Hybrid: Der Titeljäger

06. November 2017 - 08:33 Uhr

Porsche holt den dritten WM-Titel in Folge mit dem 919 Hybrid: Die Erfolge einer "mutigen Entscheidung" und die Siege seit dem LMP1-Einstieg in der Saison 2014

Neel Jani, Nick Tandy
Der Porsche 919 Hybrid verabschiedet sich als Nummer 1 aus der WEC
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Porsche hat die Karriere des 919 Hybrid mit dem dritten Weltmeistertitel für Hersteller in Folge gekrönt. Die Plätze zwei und drei beim 6-Stunden-Rennen in Schanghai brachten am Sonntag die vorzeitige Titelentscheidung im achten von neun Läufen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017. Gleichzeitig sicherten sich Earl Bamber, Timo Bernhard und Brendon Hartley bereits den Fahrertitel.

Sechs WM-Titel, drei Le-Mans-Gesamtsiege, insgesamt 17 Rennsiege, darunter sieben Doppelerfolge, 19 Pole-Positions und zwölf schnellste Runden in 33 Rennen stehen für den Porsche 919 Hybrid zu Buche. "Drei Hersteller-WM-Titel und drei Le-Mans-Siege für den Porsche 919 Hybrid bestätigen unsere damals mutige Entscheidung, etwas ganz Neues zu wagen", sagt Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner.

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"Das gilt vor allem für die Bereiche Batterietechnologie, Downsizing, Effizienzsteigerung beim Turbo-Benziner und insbesondere für die Energierückgewinnungssysteme", erklärt Steiner. "Wir haben keine Vorbilder gesucht, sondern unseren eigenen Weg gefunden. Nur so konnte dieses starke Paket entstehen, das uns auf den Rennstrecken und in unserem technischen Entwicklungszentrum massiv nach vorn gebracht hat."

2014: Erster Sieg in der Debütsaison

Die Laufbahn des innovativen Le-Mans-Prototyps der Topkategorie LMP1 mit gut 900 PS Systemleistung gleicht einer Reise auf der Überholspur: 2014 debütiert Porsche mit einem einzigartigen Antriebskonzept. Ein kompakter, hoch effizienter Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner (500 PS) wird ergänzt von Brems- und Abgasenergierückgewinnung.

Die beiden Rekuperationssysteme mobilisieren auf Knopfdruck einen Boost von weiteren 400 PS, der den 919 obendrein mit einem Traktionsvorteil beim Beschleunigen ausstattet. Während der Verbrennungsmotor die Hinterachse antreibt, packt der Hochleistungselektromotor an der Vorderachse an und verwandelt den Le-Mans-Prototyp am Kurvenausgang in einen Allradler.

Bereits im ersten Jahr, 2014, holt der Porsche 919 Hybrid zwei Pole-Positions (Spa-Francorchamps und Sao Paulo) und im Saisonfinale in Brasilien den ersten Sieg bei einem 6-Stunden-Rennen der WEC.

2015: Überlegenheit auf ganzer Linie

Für die Saison 2015 behält Porsche zwar das - bis heute im Rennsport fortschrittlichste - Antriebssystem bei, dreht aber jede Komponente des 919 auf links. Die Lektionen der Debütsaison werden in atemraubendem Entwicklungstempo umgesetzt.

Der 919 wird 2015 das überlegene Auto des Jahres: Weder Audi noch Toyota oder Nissan als viertem LMP1-Werksteam gelingt es auch nur ein einziges Mal, einen Startplatz in der ersten Reihe zu ergattern. Dort stehen konsequent zwei Porsche. Neel Jani stellt im Qualifying für die 24 Stunden von Le Mans einen Rekord auf: 13,629 Kilometer in 3.16.887 Minuten, Durchschnittsgeschwindigkeit 249,2 km/h.

Die Le-Mans-Siegerautos von Porsche

Vom Porsche 917K aus dem Jahr 1970 bis zum hochmodernen 919 Hybrid von 2017: 19 Le-Mans-Siegerautos von Porsche


19.07.2017
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Le Mans 1970: Richard Attwood und Hans Herrmann bescheren Porsche den ersten Gesamtsieg im 917K. Das Duo fuhr im Fahrzeug der Salzburger Porsche Holding von Louise Piech, der Tochter von Ferdinand Porsche.
Le Mans 1970: Richard Attwood und Hans Herrmann bescheren Porsche den ersten Gesamtsieg im 917K. Das Duo fuhr im Fahrzeug der Salzburger Porsche Holding von Louise Piech, der Tochter von Ferdinand Porsche.

Es folgt der erste von drei Le-Mans-Gesamtsiegen des 919 mit den Fahrern Earl Bamber, Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg und Nick Tandy. Das Trio teilt sich den damals dritten 919. Sie haben die geringste Le-Mans- und Prototypen-Erfahrung - und ausgerechnet ihnen gelingt der 17. Gesamtsieg in der Porsche-Historie. Der bis dahin letzte datierte auf 1998. Porsche, mit dem Mythos Le Mans verwoben wie kein anderer Automobilhersteller, war seit 1999 nicht mehr in der Topliga angetreten.

Nach dem Triumph in Le Mans bleibt die WM spannend. Die Punkte der Le-Mans-Sieger zählen nicht fürs Klassement am Jahresende. Das Trio Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber fährt bei den folgenden 6-Stunden-Rennen der WEC-Saison 2015 - Nürburgring, Austin, Fuji und Schanghai - vier Gesamtsiege ein. Am 1. November kann Porsche in Schanghai den ersten Hersteller-WM-Titel seit 1986 feiern.

Beim Finale in Bahrain geht es um den Weltmeistertitel für die Fahrer. Bernhard/Hartley/Webber kämpfen mit einem waidwunden Auto. Im Laufe des Rennens brechen beide Drosselwalzenhebel des Verbrenners. Findige Mechaniker bauen Zangen in den glühend heißen Motor ein und arretieren die Drosselwalzen auf Vollgas. Ingenieure programmieren die Motorsteuerung in Echtzeit. Boxenstopps funktionieren nur noch im rein elektrischen Fahrmodus.

Nach zwei Reparaturstopps haben die Piloten keine Chance mehr, über Platz fünf hinauszukommen. Erst als Marc Lieb im zweiten 919 kurz nach Halbzeit des Rennens den führenden Andre Lotterer im Audi niederringt, rückt der Titel wieder in Reichweite. Die Zitterpartie gelingt: Romain Dumas, Jani und Lieb gewinnen das Rennen, Bernhard/Hartley/Webber den WM-Titel. Die Dramatik, die fahrerische Leistung und die beeindruckende Performance des noch jungen Teams machen das Finale 2015 zum Höhepunkt der 919-Geschichte.

2016: Immer am Limit

2016 rüstet die Konkurrenz auf. Der 919 ist in vielen Details überarbeitet, aber keine komplette Neuentwicklung. Die Luft wird dünner. In Le Mans wird der zunächst führende 919 von Bernhard/Hartley/Webber durch einen Wasserpumpendefekt mit Folgeschäden aussichtslos zurückgeworfen. Ab Mitternacht liefert sich der 919 von Dumas/Jani/Lieb ein stundenlanges Fernduell mit dem schnellsten Toyota.

Das Porsche-Simulationsprogramm bewertet ständig neu: reicht, reicht nicht. Als Jani wenige Runden vor Schluss wegen eines schleichenden Plattfußes zum Extra-Service an die Box muss, scheint der Toyota-Sieg besiegelt. Doch eine Runde vor dem Ziel nimmt das Rennen eine für Toyota schockierende Wendung: Kazuki Nakajima rollt ohne Vortrieb aus. Jani bringt den 18. Gesamtsieg für Porsche ins Ziel.

Dumas/Jani/Lieb führen in der WM, doch für die Le-Mans-Sieger entwickelt sich eine harzige weitere Saison. Die Konkurrenz ist auch teamintern stark. Bernhard/Hartley/Webber gewinnen auf dem Nürburgring, in Mexiko-Stadt, in Austin und Schanghai. In China feiert Porsche den zweiten Gewinn der Hersteller-WM. Im Finale in Bahrain genügt Dumas/Jani/Lieb ein sechster Platz zur Ablösung ihrer Teamkollegen als neue Weltmeister. Es ist eine Abschiedsvorstellung: Audi verlässt die WEC, Webber tritt vom Profi-Rennsport zurück, Dumas und Lieb scheiden aus dem LMP1-Programm aus.

2017: Neue Vorzeichen

Zur WM 2017 tritt der Porsche 919 Hybrid mit Neuerungen in den Bereichen Aerodynamik und Fahrwerk sowie weiterer Effizienzsteigerung für den Antriebsstrang an. Der Fahrerkader ist neu aufgestellt: Als amtierender Weltmeister sitzt Jani im Porsche mit der Nummer 1, den er sich jetzt mit Andre Lotterer teilt, der nach dem Audi-Ausstieg bei Porsche an Bord gegangen ist. Tandy wird der dritte Mann. Im Schwesterauto von Bernhard/Hartley ersetzt Bamber den zurückgetretenen Webber.

Aus Kostengründen erlaubt die WEC nur noch zwei Aerodynamik-Pakete pro Saison. Porsche konzentriert sich auf Le Mans, denn beim Saisonhöhepunkt gibt es nicht nur maximales Prestige, sondern auch doppelte Punkte. Die ersten beiden Rennen in Silverstone und Spa laufen unter Schadensbegrenzung mit dem Aero-Kit, das zwar Topspeed auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Le Mans verspricht, aber in kurvenreichen Streckenabschnitten Abtrieb vermissen lässt.

Vision 908/4: Langheck-Porsche reloaded

Fünf enthusiastische Fahrzeugdesigner verpassten dem legendären Langheck-Porsche ein neues Gesicht


09.09.2017
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Charakteristisch: Wegen seines langen Hecks wurde der 908 aus dem Jahr 1968 auch Langheck-Porsche genannt. Das ist auch das typische Merkmal der Vision 908/4, die 49 Jahre später von fünf Fahrzeug-Designer in Schanghai ins Leben gerufen wurde. Die Enthusiasten rund um Alan Derosier...
Charakteristisch: Wegen seines langen Hecks wurde der 908 aus dem Jahr 1968 auch Langheck-Porsche genannt. Das ist auch das typische Merkmal der Vision 908/4, die 49 Jahre später von fünf Fahrzeug-Designer in Schanghai ins Leben gerufen wurde. Die Enthusiasten rund um Alan Derosier...

Zweiter und Dritter in England, Dritter und Vierter in Belgien. In Le Mans kämpfen zwei Porsche gegen drei Toyota. Im Qualifying und zu Rennbeginn gibt Toyota den Ton an. Um 18:30 Uhr wird die Porsche-Box zudem von einem Defekt alarmiert: In der 58. Rennrunde, Bamber liegt an vierter Position, hat er keinen Vorderachsantrieb mehr. Bis 19:35 Uhr wird fieberhaft repariert. Das Rennen ist in der 78. Runde, als Hartley wieder auf die Strecke fährt - scheinbar aussichtslos an Position 54 mit 19 Runden Rückstand.

Die Nacht wird für Toyota verlustreich: Zwei Prototypen fallen aus, einer weit zurück. Das Wettrüsten fordert Opfer, am Vormittag um kurz nach elf erwischt es auch Porsche: Mit 13 Runden Vorsprung in Führung liegend, rollt Lotterer bei brütender Hitze mit Antriebsschaden aus. Jetzt schlägt die Stunde des Schwesterautos: Bamber/Bernhard/Hartley kämpfen sich durch das Feld der anderen Klassen nach vorn. 20 Runden vor dem Ziel erobert Bernhard die Gesamtführung - sein Traum, mit Porsche in Le Mans zu gewinnen, wird wahr. Es ist der dritte Gesamtsieg für den 919 in Le Mans und der 19. für Porsche.

Die Le-Mans-Sieger ernten auch auf dem Nürburgring, in Mexiko-Stadt und in Austin die volle Punktzahl. Bernhard und Hartley werden die siegreichsten Fahrer der WEC-Geschichte. In Schanghai, nach dem achten von neun WM-Läufen, ist Porsche der dritte Hersteller-Weltmeistertitel hintereinander nicht mehr zu nehmen. Der Porsche 919 Hybrid hat alles erreicht.

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