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Kolumne von Neel Jani: Ausfall beim Frühstück

21. Juli 2017 - 14:47 Uhr

Neel Jani blickt auf die WEC auf dem Nürburgring und die 24 Stunden von Le Mans zurück - Und auf eine Frustbewältigung der besonderen Art am Red Bull Ring!

Neel Jani
Neel Jani musste in Le Mans und am Nürburgring in den sauren Apfel beißen
© Porsche

(Motorsport-Total.com) - Liebe WEC-Fans,

Wir stehen mitten in der zweiten Saisonhälfte! Klingt das nicht seltsam? Insgesamt haben wir schon 42 Stunden Vollgas gegeben: in Silverstone, Spa, Le Mans und Nürburgring. Was bleibt, sind "nur" noch 30 Rennstunden, nämlich in Mexiko, Austin, Fuji, Schanghai und Bahrain. Die Chancen, den Fahrer-Weltmeistertitel mit der Startnummer 1 zu verteidigen, mussten wir mit dem Ausfall von Le Mans nach technischem Defekt begraben. Aus der möglichen doppelten Punktzahl ist eine große Null geworden. Hier geht es uns diesmal so wie im letzten Jahr dem Schwesterauto.

Nürburgring war das Rennen nach unserem Le-Mans-Drama. Meine Teamkollegen und ich gingen das Rennen mit der Startnummer 1 so an, als wäre es das erste der Saison. Das Auto lief tadellos, den Speed von Toyota konnten wir Dank des neuen Aeropakets mitgehen und im Rennen meistens den Takt angeben.

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Wir lagen in der letzten Rennstunde in Führung, aber am Ende hat das Schwesterauto gewonnen. Wir hatten das vor dem Rennen schon besprochen, dass wir im Falle eines Falles die Nummer 2 vorbeilassen müssen, weil sie in der WM einfach erheblich besser platziert sind. Für Porsche war das allerdings ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt hin zur Titelverteidigung.

Natürlich hätten Nick, Lotti und ich gerne gewonnen, vor allem nach der Enttäuschung in Le Mans. Schlussendlich sind wir Rennfahrer und wollen für uns das Beste rausholen. Aber Langstrecke ist halt doch irgendwie ein Teamsport. Und so mussten wir den anderen den Vortritt lassen, um deren Chancen auf den Titel zu verbessern.

Le Mans mit doppelter Punktzahl so früh in der Saison hat seine Vorteile und Nachteile. Generell aber finde ich es schade, dass die WM meistens nach Le Mans mehr oder weniger entschieden ist. Vor allem wenn das andere Auto ausfällt. Würde es beim letzten Rennen der Saison die doppelte Punktzahl geben, wäre die WM-Entscheidung definitiv interessanter! Anyway, das kann man jetzt nicht ändern und mit einem klaren Blick auf vergangenes Jahr kann ich es so zusammenfassen: Letztes Jahr in Le Mans unerwartet gewonnen und dieses Jahr unerwartet verloren. Als Leser meiner Kolumne wisst ihr, wie ich das sehe: Karma!

Aber alles einmal der Reihe nach, Le Mans 2017 war für mich eine Rückkehr zu unserem letztjährigen Erfolg. In der Innenstadt wurden am Dienstag vor dem Rennen die Handabdrücke von Marc, Romain und mir eingeweiht. Diesen Abdruck gibt man als Sieger sofort nach dem erfolgreichen Rennen ab. Dann begegnet man dieser Hand genau ein Jahr später in Le Mans wieder.

Für ein Foto haben wir unsere Hände nochmals in die Abdrücke gelegt. Aber welcher Abdruck gehört wem? Der mit den kleineren Fingern gehört Romain, die viel größere Hand Marc - so bleibt nur die schmale Hand mit den langen Fingern für mich. Alles korrekt gefunden... Ein ist schon ein besonderes Gefühl, endlich auch in der legendären Fußgängerzone verewigt zu sein, nebst all diesen großen Rennfahrernamen. Mit diesen Erinnerungen bin ich dann doch schon mit den Gedanken beim Le-Mans-Rennen selbst.

Le Mans: Karma-Ausgleich für 2016?

Wir haben immer auf das Wetter geschaut. Heiß ist gut für das Auto und unsere Reifen, kühl ist gar nicht gut - nach diesem Motto lief das ab. Die Sonne meinte es gut mit uns. Zwar hat uns Toyota in den Trainings und im Qualifying mit ihrem Topspeed beeindruckt, aber in der Startphase und bis 22 Uhr konnten wir richtig gut mithalten und dranblieben. Ich hatte einige schöne Zweikämpfe mit Buemi, vor allem gleich nach dem Start, als ich auf die zweite Position vorrücken konnte.

Interessant war, dass wir bei der ersten Slow-Zone des Rennens sehr viel Zeit auf Toyota eingebüßt haben. Diese war in den Porsche Kurven aktiv und da haben uns die Toyotas über 20 Sekunden abgenommen. Das war anfangs ein Rätsel für mich. Irgendwie muss Toyota da eine andere Taktik gehabt haben. Allein im letzten Sektor, in dem die Porsche-Kurven liegen, haben sie unter Gelb zwei Sekunden geholt. Ich schätze, dass sie hier mit den strategischen Elementen wie Boost, Fuel-Flow, Spritsparen und so weiter schlau agiert haben.

Ich denke aber auch, dass über die Runde gesehen, wir immer auf den Geraden Zeit verloren haben. In den Porsche-Kurven aber gewannen wir Zeit zurück. Aber wenn dann der ganze Sektor eine Slowzone wurde, verloren wir dort natürlich unseren Vorteil. Es war wieder einmal ein schönes Beispiel dafür, wie groß die Summe aller kleinen Optimierungen sein kann. Glücklicherweise sind unsere Jungs auch auf Zack und habe dann mit einigen strategischen Änderungen in der Software diesen Nachteil zum Vorteil genutzt.

Für den weiteren Rennverlauf aber waren diese Strategieanpassungen eher Nebensache. Denn es ging primär voll zur Sache in den ersten neun Rennstunden. Wir fuhren alle wie bei einem Sprintrennen über 30 Minuten, genau wie im Jahr 2016. Doch um Mitternacht fing das Drama wirklich an, der Defektteufel traf nach unserem Schwesterauto nun auch den ersten Toyota und nicht viel später sollte der Toyota-Fluch von Le Mans wieder zuschlagen. Drei auf einen Streich kann man fast sagen und jeder dachte wohl in dem Moment das gleiche: Oh nein, nicht schon wieder!

Somit waren wir "Last man standing" in der LMP1-Klasse und führten mit einem riesigen Polster von 13 Runden! Heißt, wir begannen Auto und Material zu schonen und im Verkehr nicht mehr alles zu riskieren, alles lief nach Plan. Selbst wenn auch bei uns der E-Motor oder die Bremse oder sonst etwas kaputtgegangen wäre, hätten wir auch nach einer entsprechenden Reparatur weiter in Führung gelegen. Das war komfortabel. Es hätte alles passieren dürfen - nur eben nicht ein Schaden von Motor oder Getriebe. Denn dann bist du raus, keine Chance.

Um 11:00 Uhr am Sonntagmorgen kam das Gefühl auf, dass man so langsam über den möglichen Sieg nachdenken darf. Trotzdem hatten wir uns vor dem Hintergrund der Erlebnisse aus dem Jahr 2016 nie sicher gefühlt. Aber wie sicher kann man sein? Keine zehn Minuten später, ich saß gerade entspannt beim Frühstück in der Hospitality, sah ich plötzlich wie der Lotti langsamer wird. Kein Sprit? Kann nicht sein. Er rollte gerade vom Dunlop- Bogen runter. Mir war sofort klar: Egal, was es ist, es wird zu weit sein, das Auto irgendwie an die Box zu bekommen. Keine Chance. Großer Mist!

Mein Motto war dann erst einmal Ruhe bewahren und zu Ende frühstücken. Ich wollte es aber auch nicht wahrhaben, denn das Auto war noch draußen und die Führung würden wir noch mindestens 50 Minuten lang behalten, mit unseren 13 Runden Vorsprung. Doch irgendwann musste ich mich der Realität stellen und bin in die Box gegangen. Meine Befürchtungen wurden bestätigt. Welches Karma hat mich, unser Team da eingeholt?

Umso überraschender war der Ausgang des Rennens. Unser Schwesterauto, unsere Teamkollegen standen auf der Sonnenseite und gewannen trotz langer Reparatur ein Rennen, das eigentlich nicht mehr zu gewinnen war. Für Toyota war es wieder bitter - trotz guter Performance, kein Sieg!

Mathematik und Menschlichkeit

Le Mans - wir lieben und wir hassen dich! Emotionen fahren hier Achterbahn mit Fahrern, Teams und Zuschauern. All diese Ereignisse, die jedes Jahr im Juni wieder zu solchen Emotionen führen, will ich hier kurz auf den Punkt bringen. Le Mans ist großer Mist und trotzdem das Beste aller Rennen! Alle können alles richtigmachen, und doch kommt es immer anders. Man braucht sehr viel Glück. Aber wenn man es gewinnt, hat man eigentlich fast etwas Unmögliches geschaffen! Genau das ist der Mythos Le Mans, das Rennen wählt seine Sieger!

In der Schule durfte ich die Wahrscheinlichkeitsrechnung lernen. Diese auf Le Mans angewendet, könnte man verrückt werden, aber tritt man für Porsche an, müssten die Chancen auf einen persönlichen Sieg steigen! Porsche konnte schon die unmöglichsten Rennen in Le Mans gewinnen und spätestens seit 2016 weiß ich, wovon ich spreche!

Egal, wie das Rennen ausgeht, man nimmt immer etwas für sich mit. Mir wurde das klar, als ich noch während des Rennens angefangen habe, meine Sachen zusammenzupacken. Im Verlauf der Woche sammelt sich unwahrscheinlich viel Material an. Vor allem die Fans sorgen dafür, dass man auf dem Heimweg immer mindestens zwei große Taschen mehr im Auto hat. Es gibt teilweise unfassbar schöne und aufwändige Geschenke von den Fans: sehr schöne Zeichnungen und Bilder, viele Arten von Glücksbringern und so weiter.

So war zum Beispiel ein Glückbringer dabei, den ein japanischer Fan mit in einen Schrein genommen hat, um ihn mit positiver Energie aufzuladen. Solche Menschlichkeit von Fans zu erfahren, ist unglaublich schön und zeigt auf, dass der Sport sehr verbindend sein kann.

Kleine Kühe als Symbol für die Schweiz, niedliche Teddybären und so viele tolle Dinge. All das nehme ich mit nach Hause. Ich könnte davon nie etwas wegwerfen. Das wäre mir viel zu respektlos. Genauso war es für mich überhaupt keine Frage, natürlich unsere Kollegen auf dem Podium zu bejubeln, obwohl dies irgendwie eine seltsame Szenerie war. Man steht am Anfang der Boxengasse, blickt zu den Siegern hoch und hat die Toyota-Box direkt links neben sich - Freud und Leid so nah beieinander.

In diesem Moment wird klar, dass Le Mans nie neutral und gemäßigt emotional sein kann. Du kannst gewinnen oder verlieren. Es gibt totale Enttäuschung oder unbändigen Jubel. Es gibt nichts dazwischen. Weil Le Mans so groß ist, sind auch die Ausprägungen der Emotionen so extrem. Das geht über die Grenzen des Motorsports hinaus. Das Leben belohnt dich in dieser Woche, oder es straft dich für was auch immer ab.

Wohltuende Frustbewältigung in einer Legende

Die Aufgaben nach der Le-Mans-Woche haben mir geholfen, die Erinnerungen an die Enttäuschung zu verdrängen. Ich war schon Montag nach dem Rennen in Salzburg im Hangar 7 von Red Bull zur ServusTV-Talk-Show zusammen mit Fritz Enzinger, Seb Buemi und Brendon. Der Talk hatte das Thema Le Mans und war zugleich Einstimmung auf das Formel-1-Wochenende auf dem Red Bull Ring. Dort durfte ich an der Legendenparade teilnehmen. Mein Auto, ein Porsche 936 aus dem Jahr 1981, war die Legende, nicht ich! Es waren tolle Autos mit Le-Mans-Geschichte und eine geniale Nummer dank Red Bull, dass wir diese Autos im Rahmen der Formel 1 zeigen durften.

Die Fans waren begeistert, den coolen Sound meines Autos oder das Kreischen des BMW-V12 von Gerhard Berger zu hören. Der Funke ist übergesprungen, die Le-Mans-Fahrzeuge haben die Sinne aller Motorsportfans bedient. Und wir Fahrer hatten Spaß. "Der lenkt gut, der lenkt richtig gut", meinte zum Beispiel ein breit grinsender Tom Kristensen, der dort erstmals den letztjährigen Audi R18 gefahren ist. Und die strahlenden Gesichter von "Strietzl" Stuck und Berger hättet ihr sehen müssen. Großartig! Auch Helmut Marko hatte sichtlich Spass mit dem legendären 917 im Drift zu fahren und konnte gar nicht glauben, dass er dieses Auto früher ohne Angst am Limit gefahren ist!

Diese Woche ist schon meine nächste Fahrt in einem klassisch schönen Auto. Es geht für mich zur Ennstal Classic. Wie im Vorjahr werde ich auch diesmal meinen Chef Fritz Enzinger chauffieren. Diesmal sitzen wir in einem Porsche 356 Speedster. Mal sehen, ob ich bei unseren Fahrten durch das hoffentlich sommerliche Österreich nebenbei meinen neuen Vertrag aushandeln kann. ;-) Ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird.

Viele Grüße,
Neel Jani

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