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Das geheime Porsche-Lager: Das Paradies für Racer

03. März 2017 - 15:25 Uhr

Motorsport-Total.com-Redakteur Roman Wittemeier durfte in das Allerheiligste von Porsche: Das geheime Lager und Begegnung mit dem legendären LMP2000

Porsche GT1
Im geheimen Lager stehen unzählige Porsche-Rennlegenden gut verpackt
© Wittemeier/SMG

(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde des rechten Pedals,

selten ist mir ein solcher Schauer über den Rücken gelaufen wie kürzlich an einem frühlingshaften Tag nahe des Porsche-Werks in Zuffenhausen. Ich habe Zutritt bekommen zum Allerheiligsten des Sportwagenherstellers: das geheime Lager. Was ich dort zu sehen bekam, war erschütternd - im positiven Sinne. So viele Traumautos, Prototypen und Legenden unter einem Dach. Hätte ich mich für einen Wagen entscheiden müssen, ich würde bis heute zu keinem Entschluss gekommen sein.

Es ist ein sonniger Donnerstag im Februar. Auf den Straßen um Stuttgart herum tobt das übliche Chaos. Da ich aber vor lauter Vorfreude rechtzeitig zu Hause aufgebrochen bin, um ja nicht zu spät zum Treffpunkt zu kommen, bin ich sogar fast eine Stunde zu früh dran. In einem Cafe mit 1950er-Jahre-Charme ein kurzes Frühstück. Zwischen Häkelarbeiten und klassischer Wanduhr ein Porsche-911-Poster an der Wand. Wenn ihr wüsstest, was ich gleich alles zu sehen bekomme...

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Ich fahre zu der mir übermittelten Adresse. Zuvor hat man mich gebeten, diese Anschrift nach dem Treffen "ganz schnell zu vergessen" und die Daten aus meinem Navi zu löschen. Ich komme an den entsprechenden Koordinaten an und wundere mich. Nicht ein einziger Hinweis auf das, was sich hinter den Fassaden eines betagten Industrie- oder Lagergebäudes verbirgt. Nach einem kurzen telefonischen Kontakt geht ein Stahltor auf. Die heiligen Hallen werden geöffnet.

Begegnung mit dem legendären Porsche LMP2000

Durch eine unbeschriftete und schlicht-graue Metalltür geht es in das Innere des geheimen Lagers. Sofort ein breites Grinsen. In zwei Reihen sind links und rechts an den Wänden der ersten sichtbaren Halle unzählige Le-Mans-Legenden zu sehen: 917, 936, RS Spyder und Co. In den langen Reihen mit Traumautos, die teils sogar noch die Kampfspuren der Rennen an sich tragen, finden sich zahlreiche Fahrzeuge, die unter weißem Tuch verhüllt sind.

Es lässt sich nur erahnen, was sich unter den Abdeckungen verbirgt. "Darfst ruhig drunterschauen", heißt es zu meiner Überraschung von einem Porsche-Verantwortlichen. Zaghaft hebe ich weiße Tücher leicht an und entdecke die Legende "Moby Dick", den 911 GT3 R Hybrid und einen fast komplett schwarzen Prototypen, bei dem es mir wie ein 380-Volt-Stromschlag durch die Glieder fährt.

Das ist doch nicht der... - doch, er ist es. Der sagenumwobene Porsche LMP2000, dessen Existenz die Stuttgarter über viele Jahre nie bestätigen mochten. Jener intern 9R3 genannte Prototyp, der zwischen 1998 und 2000 intensiv entwickelt wurde, aber dann doch nie im Wettbewerb eingesetzt wurde. Gemeinsam mit einer helfenden Hand hieven wir das weiße Tuch von dem Prachtexemplar. Dunkles Karbon mit weißen Schriftzügen. Auf der Seite die Namen Allan McNish und Bob Wollek.

"Jetzt siehst du mal, was sich Audi damals alles an dem Porsche abgeschaut hat", lacht Timo Bernhard, der ebenfalls beim Anblick des LMP2000 in Verzückung gerät. Tatsächlich: In vielen Bereichen ist eine Ähnlichkeit zwischen dem Porsche und dem damaligen Audi R8 für Le Mans kaum zu übersehen. Meine Finger gleiten vorsichtig über den linken Seitenkasten des LMP2000. Das ist das mal erleben darf - unglaublich!

Ein RS Spyder mit einem Buckel am Heck

Timo Bernhard eilt derweill ganz an den Anfang der Fahrzeugreihe. Der Werkspilot schwingt sich gekonnt in den RS Spyder mit der Startnummer 7 und legt ein fast kindliches Grinsen über seine Gesichtszüge. "Unser Siegerauto von 2007. Das ist mein Auto, für immer", frohlockt der Saarpfälzer. "Es gibt viele Autos in diesen Hallen, zu denen ich eine innige Beziehung habe, aber keines reicht an dieses heran." Der Weltmeister von 2015 hüpft aus dem Fahrzeug heraus und geht mit mir an der Reihe von drei RS Spyder entlang.

"Sein" Auto ist das dritte gelbe LMP2-Fahrzeug von vorn. Das erste in der Reihe ist auf den ersten Blick komplett baugleich, es trägt die gleichen Sponsorenschriftzüge, die gleiche Startnummer und die Namen Timo Bernhard und Romain Dumas an der Seite. Auf den Unterschied macht mich der 36-Jährige aufmerksam. "Schau mal da hinten am Heck", sagt Bernhard. Was ist das? Die Motorenabdeckung weist eine sehr ungewöhnliche Wölbung auf. "Nur so viel: Im Hinblick auf den 919 haben wir damit viele Runden in Weissach gedreht. Schon ab 2012", verrät der Deutsche. Ein RS Spyder als Testträger für den aktuellen LMP1? Sachen gibt's...

Während Timo Bernhard gemeinsam mit seinen Teamkollegen Brendon Hartley und Earl Bamber zum Fotoshooting in einer Ecke des Lagers antreten muss, öffnet sich jene Tür, durch die auch ich in das geheime Porsche-Lager gelangt war. Herein kommt ein von zahlreichen Staus und Navigations-Gremblins leicht angenervter Andre Lotterer. Doch die Stimmung schlägt beim Porsche-Neuzugang schlagartig um. Die Stressfalten verschwinden, das Lächeln wird so breit wie ein ChampCar-Hinterreifen.

"Roman, du weißt, wie sehr ich Porsche liebe. Wer liebt die Marke und die Autos nicht?", sagt der Ex-Audi-Pilot, in dessen privater Garage seit Jahren zahlreiche Schätzchen aus Zuffenhausen stehen. "Ich wusste gar nicht, dass es ein solches geheimes Lager gibt. Ich laufe da rein und denke: 'Moment mal, was ist denn hier los?' Hammergeile Autos! Ich muss unbedingt ganz in Ruhe eine Runde drehen und ganz viele Fotos mit meiner Leica machen!"

Rappelkiste: Wenn die Elektronik keinen Platz findet

Während auch Lotterer vor seiner eigenen Fotorunde zum Shooting mit seinen Werksfahrer-Kollegen gerufen wird, treffe ich den Herrn des Hauses. Insgesamt zirkulieren 545 traditionsreiche Automobile durch Porsche-Museen und Ausstellungshallen, verrät er mir. Allerdings nicht alle gleichzeitig, sodass im geheimen Lager jederzeit rund 300 Fahrzeuge geparkt und gepflegt werden. Das macht mich noch neugieriger auf die anderen Abteilungen in den Hallen.

Wenige Meter weiter "stapeln" sich 911er alle Modellreihen, neben historischen Renntransportern bleibt mein Blick auf einem Kuriosum haften. Die äußere Form erinnert an den 911er, aber es fehlen viele Karrosserieteile, am Heck eine wilde Konstruktion um einen kaum erkennbaren V8-Motor mit nach oben zeigenden Auspuffrohren herum. "Das ist so ziemlich das Wildeste überhaupt", erklärt man mir. "Ein Rolling-Chassis des 918 Spyder. Da haben wir vorn ein paar 911er-Karosseriebauteile drangebaut, damit es wenigstens etwas nach Auto aussieht."

Weit vor der Markteinführung des 918, nämlich schon Anfang 2012, wollte Porsche einigen Journalisten die Power des darin verbauten Hybridantriebs nahebringen. "Wir haben die wirklich als Beifahrer in dieses Ding einsteigen lassen", lacht ein amüsierter Porsche-Verantwortlicher. Fast Tränen schießen dem Mann in die Augen als er mich auf eine Alukiste am Heck des seltsamen Mobils hinweist. "Wir hatten keinen sicheren Platz für die Steuerungselektronik. Also haben wir eine Kiste genommen, die Elektronik darin wasserdicht verpackt und sie quasi huckepack angebaut." Die Aufschrift auf der Kiste belegt es: "Manufactured in Flacht" - dort, wo sich die Rennabteilung innerhalb des Porsche-Entwicklungszentrums befindet.

Sachen gibt's - dieser Gedanke wiederholt sich an diesem Tag immer und immer wieder, weil bei meinem Rundgang durch die heiligen Hallen immer wieder äußerst geheimnisvolle oder spektakuläre Fahrzeuge erscheinen: IndyCar, ChampCar und vieles mehr. Am Ende fehlt nur noch die Durchsage: "Der kleine Roman möchte aus dem Porsche-Paradies abgeholt werden." Und die genauso faszinierten Herren Lotterer, Bernhard, Jani, Tandy, Bamber und Hartley gleich mit...

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