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Andre Lotterers Wechsel: Erst Panik, dann Porsche

19. Januar 2017 - 08:18 Uhr

Porsche-Neuzugang Andre Lotterer über die Eingewöhnung in das neue Umfeld, die Bedienung des 919 Hybrid und die Kommunikation mit den neuen Teamkollegen

Andre Lotterer
Noch ungewohnt: Andre Lotterer im weißen Overall der Porsche-Werksmannschaft
© Porsche

(Motorsport-Total.com) - Porsche hat seinen Fahrerkader zur WEC-Saison 2017 neu aufgestellt. Den Platz von Mark Webber an der Seite von Timo Bernhard und Brendon Hartley im Auto mit der Startnummer 2 wird Earl Bamber einnehmen. Im Fahrzeug des Weltmeisters Neel Jani agiert künftig neben Nick Tandy auch der bisherige Audi-Toppilot Andre Lotterer. Der gebürtige Duisburger bereitet sich aktuell im österreichischen Seefeld gemeinsam mit Teamkollege Jani auf die neue Saison vor.

"Als die Nachricht kam, dass Audi aus der WEC aussteigt, war erst einmal etwas Panik angesagt. Damit hatte niemand gerechnet", schildert Lotterer seine Emotionen im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich habe eine lange Geschichte bei Audi und hätte bei Audi Sport bleiben und bei denen eine andere Serie fahren können." Der 35-Jährige wollte aber weder DTM noch Formel E oder Rallycross. Seine Leidenschaft heißt Langstrecke, seine große motorsportliche Liebe ist das Rennen in Le Mans.

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"Es gab halt mehrere Möglichkeiten in der LMP1, und die Entscheidung ist mir wirklich schwer gefallen", berichtet der Deutsche, der auch mit Toyota über einen möglichen Wechsel verhandelte. Mit den Japanern verbindet ihn eine lange gemeinsame Geschichte in den Serien Super Formula (ehemals Formel Nippon) und Super-GT. "Ich habe mich letztlich aber doch für Porsche entschieden. Porsche besitzt eine großartige Geschichte auf der Langstrecke und ist zudem eine Konzernschwester."

Bedienungsanleitung als Hausaufgabe vor erster Fahrt

"Ich bin Porsche sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit geben, dass ich meinen Traum weiterleben darf", sagt Lotterer. Nach dem Ende der vergangenen WEC-Saison konnte der dreimalige Le-Mans-Sieger ersten Kontakt zu seinem neuen Team aufnehmen. Vor den ersten Runden im Porsche 919 bei Testfahrten Mitte Dezember in Aragon galt es, die umfangreiche Bedienungsanleitung des LMP1-Autos aus Weissach zu verinnerlichen. "Es gab erst einmal einige Hausaufgaben zu erledigen", sagt Lotterer schmunzelnd.

"Das ganze Bediensystem muss man erst einmal verstehen und in sich aufnehmen. Als ich bei Porsche zur Sitzanpassung war, konnte ich im Simulator gleich mal Kontakt aufnehmen und ein paar Dinge lernen", erklärt er. Auf die Frage nach den Unterschieden zum Audi R18, sagt der Langstrecken-Weltmeister von 2012 mit einem Lachen: "Es ist vieles ähnlich, aber sehr vieles anders. Ich möchte es mal so umschreiben: Man benutzt eine andere Sprache, aber die Art der Kommunikation ist dennoch die gleiche."

"Einfach gesagt, ist es so, dass wir beim Bremsen rekuperieren und beim Gas geben halt boosten. Der Unterschied zwischen dem Audi und dem Porsche ist die Art und Weise, wie dies geschieht. Die Betriebsstrategien sind nicht die gleichen", wird Lotterer in seiner Erklärung etwas konkreter. "Es geht dabei um noch mehr, denn es ist gleichzeitig auch ein Werkzeug für Beeinflussung der Fahrzeugbalance. Der Porsche fährt mit einem 8MJ-Hybrid. Da merkt man schon den Unterschied zum Audi. Das ist spannend."

Jani/Lotterer/Tandy das stärkste Fahrertrio der WEC?

In den zurückliegenden zwei Jahren konnte Porsche auf der Langstrecke beinahe alles gewinnen. Man holte jeweils den Sieg in Le Mans und die Weltmeistertitel nach Weissach. Auch wenn Toyota beim 24-Stunden-Rennen 2016 auf Siegkurs lag, so ist dennoch davon auszugehen, dass die beiden 919 auch in der neuen Saison sehr konkurrenzfähig sein dürften. Viele Beobachter halten zudem die neue Fahrerkombination mit Jani, Lotterer und Tandy für die stärkste im Feld.

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10.01.2017
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US-Superstar Paul Newman gelang mit Hilfe seiner Teamkollegen Rolf Stommelen und Dick Barbour 1979 als Zweiter der Sprung auf das Siegerpodest in Le Mans. 1983 gründete er das erfolgreiche ChampCar-Team Newman/Haas.
US-Superstar Paul Newman gelang mit Hilfe seiner Teamkollegen Rolf Stommelen und Dick Barbour 1979 als Zweiter der Sprung auf das Siegerpodest in Le Mans. 1983 gründete er das erfolgreiche ChampCar-Team Newman/Haas.

"Alle Fahrer in der LMP1-Szene der WEC sind absolut top", will Lotterer selbst von einer Favoritenrolle nicht allzu viel wissen. "Es geht darum, die beste und konstanteste Leistung über die Saison abzuliefern. Unser Auto ist bestimmt sehr gut besetzt, aber auch guten Fahrern kann auf der Langstrecke jederzeit etwas passieren. Man muss nicht nur schnell sein, sondern auch konstant und fehlerfrei. Außerdem ist ein guter Teamplayer gefragt. Das Zusammenspiel muss einfach passen."

Nach sieben gemeinsamen Jahren mit Marcel Fässler und Benoit Treluyer in einem Audi ist Lotterer nun auf dem Weg, eine ähnlich enge Beziehung zu seinen neuen Teamkollegen aufzubauen. Unter anderem hilft dabei eine Whatsapp-Gruppe, die sofort nach Bekanntwerden der neuen Kombination errichtet worden war. "Solche Whatsapp-Gruppen kennt jeder. Da schickt man auch mal lustige Sachen herum. So bleiben wir in engem Kontakt, lernen uns besser kennen und können jederzeit schnell mal Dinge und Termine abklären."

Porentief rein: Bekanntes Gesicht im ungewohnten Outfit

An Spaß mangelt es dem Deutschen im neuen Umfeld nicht. Lotterer und Jani verbindet seit vielen Jahren eine Freundschaft. Sie arbeiten seit langer Zeit mit dem gleichen Trainer (Helmut Fink), der die beiden auch nach dem kommenden Porsche-Test in Valencia noch einmal mit Skating im Tiroler Schnee fit machen wird. Bei den Probefahrten in Spanien werden sich Andre Lotterer, Nick Tandy und Timo Bernhard am Steuer eines 919 neuester Ausbaustufe abwechseln.

"Ich war lange bei Audi, bin lange gegen diese Jungs in den weißen Overalls gefahren. Jetzt trage ich selbst so einen. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig", lacht Lotterer angesichts der ersten Fotos seiner Person im neuen Rennoverall. "Den Porschefans wird es hoffentlich sofort gefallen, die anderen werden sich schnell damit anfreunden. Aber es stimmt schon, dass es im ersten Moment etwas seltsam ist. Der Anzug sitzt gut, sieht gut aus und sollte mir schnelle Fahrten ermöglichen. Das ist das Wichtigste."

Für den erfahrenen Deutschen, der 2014 einen kurzen Ausflug in die Formel 1 unternommen hatte, geht es ausschließlich um weitere Erfolge auf der Langstrecke. "Jeder Sieg in Le Mans ist für mich extrem von Bedeutung. Wenn es mir nach drei Erfolgen mit Audi nun auch noch mit Porsche gelingen würde, dort zu gewinnen, dann wäre das etwas ganz Spezielles", beschreibt Lotterer seine Gedankenwelt vor der ersten LMP1-Saison im Team von Porsche.

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