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Siege sind weiblich: Audi-Renningenieurin Leena Gade

26. Dezember 2012 - 08:45 Uhr

Diese Frau hat zuletzt zweimal in Folge den Klassiker in Le Mans gewonnen: Leena Gade - Die Audi-Renningenieurin über ihre Erfolge und ihren Weg in den Sport

Leena Gade ist als Renningenieurin für den Audi Nummer 1 verantwortlich
© Audi

(Motorsport-Total.com) - Leena Gade hat in Le Mans Geschichte geschrieben. 2011 führte die damals 35-jährige Audi-Renningenieurin das Trio Fässler/Treluyer/Lotterer zum hauchdünnen Sieg beim 24-Stunden-Klassiker. Dieser Erfolg war alles andere als eine Eintagsfliege: 2012 wiederholte Gade mit ihren drei Schützlingen im Audi mit der Startnummer 1 den Triumph an der Sarthe. Zusätzlich gewann die Mannschaft unter Anleitung der Britin mit indischen Wurzeln die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).

Frage: "Leena, sie haben 2011 und auch 2012 mit ihrem Auto in Le Mans gewonnen. Was machen Sie besser als die Kollegen?"
Leena Gade: "Ich glaube nicht, dass ich in irgendeinem Bereich wirklich besser bin als andere Renningenieure. In Le Mans brauchst du auch Glück. Du musst dort zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort sein. Ich glaube, es stimmen mir auch alle Fahrer und Mechaniker zu, wenn ich sage: Das Wichtigste ist, dass man in der Vorbereitung alles tut, um bestens für dieses Rennen aufgestellt zu sein."

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"Le Mans in diesem Jahr war etwas anders als das Rennen 2011. Der Wettbewerb war immer schon hart, aber in diesem Jahr gab es erheblichen Druck von der Konkurrenz. Das Rennen hätte durchaus anders ausgehen können, wenn Toyota bis zum Ende gefahren wäre. Aber letztlich geht es eben darum, das Auto möglichst schnell über die komplette Distanz zu bringen."

Was bewirkt die weibliche Note?

Frage: "Haben Sie aufgrund der Tatsache, dass Sie eine Frau sind, einen anderen Zugang zu manchen Themen - eine andere Herangehensweise an gewisse Dinge?"
Gade: "Das würde ich so nicht sagen, zumindest nicht grundsätzlich. Allerdings halte ich es durchaus manchmal für einen Vorteil, eine Frau zu sein. Es ist vielleicht schon so, dass ich eine andere Methode habe, wenn es um die Lösung von Problemen geht. Das ist mir eine Hilfe. Es geht aber auch darum, innerhalb eines Teams absolutes Vertrauen zu schaffen."

"Ich muss alle unter einen Hut bringen. Das gilt für die Fahrer ebenso wie für Mechaniker und Ingenieure. Manchmal denke ich, dass man in diesem Bereich einen Vorteil hat, wenn man weiblichen Geschlechts ist. Es ist aber ohnehin allen klar, dass man als Einheit agieren muss, wenn man in Le Mans gewinnen möchte. Generell würde ich behaupten, dass es in der gesamten Erfüllung dieses Jobs keinen großen Unterschied ausmacht, ob man nun männlich oder weiblich ist."

Frage: "In Ihrem Team sind die Piloten Andre Lotterer, Benoit Treluyer und Marcel Fässler. Wie würden Sie diese drei Fahrer charakterisieren?"
Gade: "Ich arbeite mit diesen drei Piloten nun schon seit 2010 zusammen. Bei jedem Event - egal, ob Rennen oder Test - finde ich neue Eigenarten bei den Dreien heraus. Grundsätzlich sind die Jungs einfach zu handhaben, der Umgang ist unkompliziert. Sie haben immer hohe Ansprüche. Seit ihrem Sieg 2011 in Le Mans sind sie noch fordernder geworden. Sie erwarten immer das Optimum, wollen immer noch besser werden. So muss es auch sein, denn nur so wird jeder an seine Grenzen gebracht."

Das Siegertrio: Leader, Leiser, Lenker

"Wenn ich die drei Fahrer mal einzeln betrachte, dann würde ich sagen, dass Benoit der heimliche Anführer des Trios ist. Er hat ein sehr gutes Gespür dafür, wann er sich mal zurücknehmen muss, um den anderen beiden wichtige Erfahrungen im Auto zu ermöglichen, damit auch sie sich im Hinblick auf das Setup einen guten Eindruck verschaffen können. Ben ist ein kluger Kopf, aber auch er ist manchmal etwas verspielt. Das gehört bei diesem Trio einfach dazu. Spaß muss sein."

"Unser großer Trumpf: Jeder im Trio hat seine Stärken und sein Gespür."
Leena Gade

"Marcel ist von den drei Jungs der ruhigste Vertreter. Er drängt sich nie in den Vordergrund. Selbst wenn mal das Setup nicht ganz nach seinem Geschmack ist, dann fährt er eben unter den gegebenen Voraussetzungen um etwaige Probleme herum. Das ist nicht immer der beste Weg, aber er schafft es sogar dann immer noch, richtig gute Rundenzeiten zu markieren. Wenn er aber mal Anmerkungen macht, dann nennt er auch gleich immer die Richtung, die eingeschlagen werden sollte. Er ist auf Lösungen bedacht."

"Andre ist der Jüngste aus dem Trio. Er kann manchmal der große Spaßvogel sein. Er bringt die anderen beiden zum Lachen. Aber wenn Andre in das Auto steigt, dann ist er extrem schnell. Wenn es darum geht, aus unserem Auto die maximal beste Runde herauszuholen, dann ist er derjenige, der das umsetzt. Er kann auch gewisse Bereiche besser beurteilen als die anderen. Das ist unser großer Trumpf: Jeder im Trio hat seine Stärken und sein Gespür. Die Kombination aller drei bringt das Setup in optimale Bereiche. Ich arbeite wirklich extrem gern mit den Dreien zusammen."

Zum Beginn war die Formel 1 der Traum

Frage: "Wie haben Sie persönlich eigentlich den Weg in den Motorsport gefunden? War es ein Kindheitstraum?"
Gade: "Ja. Ich habe schon in ganz jungen Jahren die Formel 1 im Fernsehen verfolgt. Es kristallisierte sich auch recht früh heraus, dass ich gern Ingenieur werden möchte. Meine Schwester hat die gleiche Leidenschaft. Meine Eltern stammen aus Indien, aber ich wurde in Großbritannien geboren. Als ich neun Jahre alt war, sind wir nach Indien gezogen, aber kamen drei Jahre später wieder zurück. In dieser Zeit hatte die Formel 1 in Großbritannien einen riesigen Sprung gemacht."

"Als wir wieder in England waren, da war Nigel Mansell richtig gut dabei. Das Fernsehen hatte die Übertragungen daraufhin deutlich ausgeweitet. Damals habe ich allein aus diesen Übertragungen viel mitgenommen. Ich habe viel über die Formel 1 gelernt. Der Wunsch, später einmal als Ingenieurin im Motorsport zu arbeiten, wurde immer größer. Aber so einfach ist das nicht. Es gibt nicht allzu viele Möglichkeiten. Du kannst nicht einfach zu irgendeinem Team gehen und dort einen Job bekommen."

"Ich habe also erst einmal meine Ausbildung abgeschlossen. Nachdem ich das Studium an der Universität erfolgreich absolviert hatte, bin ich erst einmal bei Jaguar gelandet. Dort ging es aber nur um Straßenfahrzeuge. An freien Wochenenden habe ich dann Teams im Motorsport unterstützt - als Mechanikerin oder zum Beispiel im Bereich Datenanalyse."

"Ich habe meistens kostenlos geholfen, nur um die Erfahrung im Motorsport machen zu dürfen. Auf diesem Weg kam ich in diese Szene und erarbeitete mir Anerkennung. Irgendwann war es soweit, dass ich meinen normalen Job im Bereich Straßenautos aufgeben und mich voll auf Motorsport konzentrieren konnte. Wir sprechen da von echter Leidenschaft für den Rennsport."

WEC ab 2014 in Indien?

Frage: "Sie haben Ihre indischen Wurzeln bereits angesprochen. 2014 wird es womöglich ein WEC-Rennen in Indien geben. Was würde es Ihnen bedeuten?"
Gade: "Es wäre sicherlich nett, nach Indien zu kommen. Ich war seit 2006 nicht mehr dort, damals habe ich dort gearbeitet. Es würde bestimmt sehr interessant, es würde in gewissen Bereichen einen kleinen Kulturschock geben. Auf der anderen Seite entwickelt sich Indien in einigen Bereichen ähnlich schnell wie China. Indien wird bestimmt ein wichtiger Markt. Daher ist es natürlich wichtig, dass wir mit unseren Autos dort fahren. Von meiner Familie und Freunden weiß ich, dass die Inder deutsche Automobile lieben."

Frage: "Wie stehen die Chancen auf einen weiteren Le-Mans-Sieg 2013?"
Gade: "So einfach ist das alles nicht. Da gehört viel harte Arbeit dazu. Die Vorbereitung beginnt im Grunde genommen immer direkt nach dem Le-Mans-Rennen des Vorjahres. Es starten erste Tests, es beginnen die Entwicklungen für das Folgejahr und man sammelt weitere Ideen. Es steckt eine intensive Vorbereitung dahinter. Ich schätze, dass es 2013 noch härter wird. Wir haben in den vergangenen WEC-Rennen gesehen, dass die Konkurrenz stark ist. Wir müssen alles tun, um unsere Autos bestmöglich für diesen Wettbewerb zu präparieren."

Frage: "Was bedeutet Ihnen der Event in Le Mans ganz persönlich?"
Gade: "Offen gesagt, hatte ich mich bis zum Jahr 2006 nur wenig mit Le Mans beschäftigt. Ich war lange Zeit sehr auf die Formel 1 fokussiert. 2006 war ich also erstmals in Le Mans. Als ich dort den Auftritt von Audi sah, hatte ich sofort das Gefühl, dass es mehr ist als 'nur' ein 24-Stunden-Rennen. Es ist ein außergewöhnlicher Ort. Allein schon wegen der gesamten Historie, die dahintersteckt."

"Dort in Le Mans werden nicht nur Autos und Piloten auf eine harte Probe gestellt, sondern alle erleben einen ultimativen Test - auch Mechaniker, Ingenieure und alle, die im Hintergrund arbeiten. Allein dieser menschliche Faktor macht es zu einem der ganz besonderen Rennen. Das gibt es in dieser Form eigentlich nirgends sonst."

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