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Davidson: "Ich hatte da solch eine Vorahnung"

25. Dezember 2012 - 08:35 Uhr

Toyota-Pilot Anthony Davidson im Interview: Der heftige Crash in Le Mans, das "seltsame Gefühl am Morgen" und die Vorfreude auf die Saison 2013

Anthony Davidson
Anthony Davidson wurde nach seinem Unfall in Le Mans schnell versorgt
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Im Rahmen unseres umfassenden WEC-Saisonrückblickes steht selbstverständlich auch eines der "Bilder des Jahres" im Vordergrund. Die Aufnahmen vom heftigen Unfall von Toyota-Pilot Anthony Davidson in Le Mans gingen um die Welt. Der Brite war nach einem Kontakt mit einem GT-Ferrari beim Überrunden mit seinem TS030 in die Luft aufgestiegen und in den Barrieren gelandet. Davidson erlitt bei diesem Crash schwere Verletzungen an der Wirbelsäule, ist aber mittlerweile wieder einsatzbereit.

Frage: "Anthony, es ist nun ein halbes Jahr nach deinem Unfall vergangen. Wie geht es dir?"
Anthony Davidson: "Es geht mir bestens. Ich bin jetzt wieder komplett hergestellt, der Rücken ist wieder in Ordnung. Ich bin bei hundert Prozent. Ich trainiere ganz normal, fahre viel im Kart. Gerade das Kartfahren ist ein wichtiger Test für meinen Rücken, außerdem baue ich dabei wieder ein Gefühl für das Rennfahren auf. Ich bin sehr zufrieden mit mir und meiner Fitness."

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Frage: "Also bist du bereit für die Saison 2013?"
Davidson: "Ja, mehr als das. Ich hatte in den vergangenen Monaten während meiner Erholungsphase viel Zeit, um die Fortschritte des Teams genau zu beobachten. Es war toll zu sehen, wie schnell es voranging. Gleichzeitig hat man dann natürlich den starken Wunsch, selbst im Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Ich bin voller Vorfreude auf die kommende Saison."

Mit einem schlechten Gefühl in den Renntag

Frage: "Lass uns noch einmal über deinen Unfall sprechen. Manchmal stehen Menschen am Morgen schon mit einem schlechten Gefühl auf. Wie war das bei dir am Renntag im Juni?"
Davidson: "Witzigerweise liegst du da komplett richtig. Ich hatte an jenem Tag wirklich solch eine Vorahnung, dass irgendetwas nicht ganz richtig laufen wird. So etwas verdrängt man aber, sobald man in das Auto steigt. Im Verlauf einer langen Rennsport-Karriere - und ich mache dies eigentlich mein Leben lang - lernt man es, mit solchen Situationen umzugehen. Aber bei Le Mans ist es so: Je häufiger du an diesem Rennen teilnimmst, desto deutlicher wird dir, dass es ein sehr gefährliches Rennen ist."

"In Le Mans kann dermaßen viel schiefgehen. Man muss sich nur einmal die Audi-Piloten im Jahr 2011 anschauen, was dort bei Mike Rockenfeller und Allan McNish los war. Le Mans ist eines dieser Rennen, in dem einfach alles passieren kann. Es lauert Gefahr, aber genau dies macht das Rennen auch so aufregend. Bei mir war es in diesem Jahr tatsächlich so, dass ich vor dem Crash ein seltsames Gefühl hatte. Das fing tatsächlich schon früh am Samstagmorgen an."

Frage: "Wie schwierig ist es, solch böse Vorahnungen zu verdrängen?"
Davidson: "Naja, ich hatte ein solches Gefühl schon mehrfach, aber es ist dann letztlich nichts passiert. Wenn man ein schlechtes Gefühl hat, dann ist das meistens nicht weiter wild, weil man sich auf die Erfahrung berufen kann, dass bisher nie etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Ich habe halt in den Jahren zuvor mehrfach mit meinen Vorahnungen daneben gelegen."

Und plötzlich krachte es

Frage: "Im Rennen war Toyota stark. Kurz vor deinem Crash hatte dein Kollege Nicolas Lapierre die Führung übernommen, und auch du warst deutlich auf dem Vormarsch. In welcher Situation hast du dich dort gesehen?"
Davidson: "Es war klar, dass wir zu jenem Zeitpunkt ein richtig schnelles Auto hatten. Ich hatte den Vorteil, dass ich beim nächsten Stopp nur Benzin benötigt hätte, die anderen aber auch Reifen wechseln mussten. Dadurch wäre ich vorne mit dabei gewesen."

"Bei mir war es so, dass ich das Auto zuvor letztmals im Qualifying gefahren war. Als ich zu meinem ersten Stint im Rennen in den Wagen stieg, da fühlte sich alles etwas anders an. Das geht dem dritten Fahrer im Rennen oftmals so. Die Rundenzeiten wurden bei mir aber immer besser, ich holte auf und wurde im Verkehr aggressiver. Ich musste aufholen."

Anthony Davidson
Anthony Davidson soll die Saison 2013 mit Stephane Sarrazin bestreiten
© xpbimages.com

"Kurz vor dem Unfall lagen zwei GT-Autos vor mir, ein Ferrari und eine Corvette. Die beiden habe ich ganz locker in den ersten Schikanen der langen Mulsanne-Geraden überholen können. Dann sah ich den nächsten Ferrari vor mir. Ich dachte, dass der zu der Gruppe der beiden anderen gehört. Erst als ich ganz nahe dran war, sah ich, dass es ein Auto aus der Amateurklasse war. Da habe ich dann noch ein zweites Mal darüber nachgedacht, ob ich sofort vorziehen sollte. Ich war mir aber sicher, dass er mich gesehen hat."

"Ich bin entschlossen daneben gezogen, war quasi schon vor der Kurve fast ganz an ihm vorbei. Leider ist er dann hinein gezogen. Was danach passierte, haben wir alle gesehen. Ich mache niemandem einen Vorwurf. Für mich war es ein Zwischenfall, wie er in einem solchen Rennen eben mal passieren kann. In Le Mans ist aber der Geschwindigkeitsunterschied zwischen den LMP1-Autos und den GTs extrem hoch. Dadurch wird es so schwierig."

"Wenn man sich durch den Verkehr arbeitet, dann muss man quasi das Verhalten des anderen Fahrers lesen. In dieser Situation deutete alles darauf hin, dass er mich gesehen hat. Leider habe ich mich getäuscht. Es gab den Kontakt und ich war wirklich überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass er noch neben mir wäre. Ich dachte im ersten Moment, dass an meinem Auto einfach so hinten links etwas kaputtgegangen wäre. Es war Pech."

Krankenbett: Schmerzen und Twitter

Frage: "Dein Auto ist abgehoben, du bist hart in die Barrieren eingeschlagen. Sofort danach bist du selbst aus dem Auto geklettert. Wie groß waren die Schmerzen in diesem Augenblick?"
Davidson: "In dem Moment, wo das Auto einschlagen ist, hatte ich wirklich starke Schmerzen. Dann bin ich schnell hinausgeklettert, habe mich auf das Auto gelegt und mich nicht mehr bewegt. Einige Leute haben behauptet, ich wäre dort herummarschiert, aber das stimmt nicht. Man hat mich ins Krankenhaus gebracht. Seither habe ich mich gut erholt."

Frage: "Nur wenige Stunden nach deiner Einlieferung in die Klinik gab es einige Meldungen und Fotos über deinen Twitter-Account. Hast du diese Nachrichten wirklich selbst geschrieben?"
Davidson: "Aber ja. Ich habe ein Foto von mir im Krankenhausbett gemacht und es über Twitter verbreitet. Das sollte ein Signal sein, dass ich halbwegs okay bin. Das war schon seltsam, dass ich plötzlich in der Klinik war, nachdem ich kurz zuvor noch im Auto gesessen hatte. Das war dann mein Le Mans 2012 gewesen. Ich hatte nur acht Runden - echt schade."

Frage: "Hast du anschließend das weitere Renngeschehen im Fernsehen verfolgt?"
Davidson: "Nein, das war nicht wirklich möglich. Man hatte mich mit Medikamenten versorgt und ich hatte dort dann doch ziemlich heftige Schmerzen. Außerdem gab es in dem Zimmer gar keinen Fernseher. Ich habe mich über Twitter ganz gut auf dem Laufenden gehalten. Aber ganz ehrlich: Ich hatte zu jenem Zeitpunkt andere Sorgen, es tat ganz schön weh."

Frage: "Hat sich Piergiuseppe Perazzini bei dir gemeldet? Hat er sich entschuldigt?"
Davidson: "Nein, ich habe bis heute nichts von ihm gehört. Aber es war auch nicht allein sein Fehler. Wir haben nie darüber gesprochen. Vielleicht hat auch er das Gefühl, dass es ein normaler Rennunfall war. Darüber ausgetauscht haben wir uns allerdings nicht."

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