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Audi vs. Toyota: Das Duell des Jahres

25. Dezember 2012 - 08:38 Uhr

Nach dem Rückzug von Peugeot brachte Toyota neue Würze in die Langstreckenszene: Wie sich das neue Duell gegen Audi entwickelte und wie es 2013 weitergehen wird

Marcel Fässler, Benoit Treluyer
Die WEC-Saison 2012 stand im Zeichen des Duells Audi gegen Toyota
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Bevor die neue Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) mit dem Rennen in Sebring im März 2012 ihren Betrieb aufnehmen konnte, galt es zunächst harte Rückschläge zu verdauen. Peugeot schockte die Szene am 18. Januar, als man den sofortigen Stopp des Le-Mans-Programmes verkündete. Von einem Tag auf den anderen stand Audi ohne echten Gegner da. Das war auch nicht im Sinne der Ingolstädter, deren Siege nur dann gewissen Wert haben, wenn ein ebenbürtiger Gegner vorhanden ist.

Immerhin zeichnete sich ein Silberstreif namens Toyota am Horizont ab. Die Japaner hatten in den Vorjahren die Entwicklung eines Hybridantriebes vorangetrieben, TMG in Köln mit dem Entwurf eines LMP1-Chassis begonnen. Nur sechs Tage nach der schlimmen Nachricht aus Frankreich präsentierte sich das deutsch-japanische Team bei ersten Tests mit dem TS030 Hybrid in Le Castellet. Toyota kündigte den Start mit zwei Fahrzeugen bei den 24 Stunden von Le Mans an.

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"Es gab sofort viel Grip und ich bin sicher, dass wir daraus ein richtig schnelles Auto machen können", lautete die Bilanz von Toyota-Pilot Alexander Wurz nach dem ersten Test des neuen LMP1-Japaners in Le Castellet. Der Österreicher sollte mit einer Einschätzung richtig liegen, aber der erste Renneinsatz ließ dennoch länger als gewünscht auf sich warten. Ursprünglich sollte der Toyota schon beim zweiten WEC-Saisonrennen in Spa-Francorchamps fahren, aber ein Testcrash von Nicolas Lapierre verhinderte dies.

Verspätetes Debüt des Toyota TS030

Somit war Audi nicht nur beim Auftakt in Sebring unbedrängt an der Spitze, sondern auch bei der Le-Mans-Generalprobe in den belgischen Ardennen. Das erste Aufeinandertreffen der beiden Werke gab es schließlich erst beim Le-Mans-Vortest am 3. Juni 2012. Audi zeigte sich gewohnt schnell und markierte in 3:25.927 Minuten die Bestzeit des Tages (Allan McNish), aber der Toyota, dem man lange Zeit hohes Übergewicht nachgesagt hatte, konnte gut mithalten.

Bei dem eintägigen Test kamen Wurz/Lapierre/Nakajima auf eine Bestmarke von 3:27.204 Minuten. Der Rückstand von rund 1,2 Sekunden war erstaunlich gering. "Das Niveau der Rundenzeiten hat uns nicht überrascht", drückte Lapierre das Selbstbewusstsein des Teams aus. Teamkollege Anthony Davidson ging nach seinen ersten Le-Mans-Eindrücken im Schwesterauto sogar noch einen Schritt weiter: "Wir wollen auf die Pole-Position!"

Dieses Vorhaben konnten die Japaner, die im zweiten Auto neben Davidson in Stephane Sarrazin und Sebastien Buemi prominente Fahrer platziert hatten, nicht in die Tat umsetzen. Audi war in der Le-Mans-Woche zunächst die stärkere Mannschaft. Man setzte sich in den Freien Trainings und in allen Qualifikationseinheiten durch. Die Pole-Position ging an die Vorjahressieger Fässler/Lotterer/Treluyer im Hybrid-R18 vor den Markenkollegen Dumas/Duval/Gene im Leichtbau-Auto.

Toyota fing sich im Qualifying einen Rückstand von rund einer Sekunde ein. Ein solcher Abstand hat auf der 13,6 Kilometer langen Rennstrecke in Le Mans jedoch nur geringe Bedeutung - in der Formel 1 eine Welt, an der Sarthe ein Klacks. "Unser Gegner ist ein Riese, und unser Auto wurde erst vor fünf Minuten geboren", so TMG-Präsident Yoshiaki Kinoshita vor dem Start in das 24-Stunden-Rennen. "Aber man weiß nie. We push, you watch!" Gesagt, getan.

Audi sichert sich Dreifachsieg beim Höhepunkt 2012

Zum Beginn des Dauerlaufs an der Sarthe konnte Audi seine Spitzenposition behaupten, aber bei kühleren Temperaturen gegen Abend konnte Toyota aufdrehen. In einem fantastischen Zweikampf gegen Benoit Treluyer konnte sich Lapierre in Front arbeiten. "Auf dieses Duell werde ich heute noch angesprochen", so der Franzose, der von Oreca mit in die Ehe gebracht worden war. Auch der zweite TS030 war zu jenem Zeitpunkt auf dem Vormarsch, der jedoch durch den heftigen Unfall von Anthony Davidson nach etwa fünf Rennstunden jäh gestoppt wurde. Der führende Toyota fiel ebenfalls aus.

Audi feierte einen Dreifach-Triumph im wichtigsten Rennen des Jahres. Mehr noch: Die Ingolstädter schrieben Geschichte, denn die Sieger Fässler/Lotterer/Treluyer hatten den ersten Erfolg mit Hybridtechnik an der Sarthe bewerkstelligt. Bei Toyota leckte man sich die Wunden, aber die Blutungen waren schnell gestillt. Der TS030 hatte sein Potenzial deutlich gezeigt. In der Entwicklungsabteilung von TMG in Köln waren die nächsten Pfeile bereits im Köcher.

Beim vierten WEC-Saisonlauf in Silverstone rückte Toyota mit einer neuen Aerodynamik am Heck des LMP1-Autos aus. Die Japaner hatten das Reglement genau studiert und eine Lücke entdeckt. Ein neues "Teil des Bodyworks" diente als zweite Endplatte am Heckflügel, verbreiterte das Element und erhöhte somit den Abtrieb an der Hinterachse beträchtlich. "Wir haben damit ein paar Schockwellen in Richtung Ingolstadt geschickt", freute sich Alexander Wurz. Bei Audi nahm man diese technische Kampfansage gelassen. Kein Wunder, denn noch war der Toyota über die Distanz nicht schneller.

Toyotas Entwicklungstempo ist rasant

In Silverstone war der TS030 zwar ähnlich schnell wie der Audi R18, aber die Effizienz passte nicht. Die Japaner mussten häufiger tanken und verloren dabei die entscheidende Zeit. Audi siegte und holte sich gleichzeitig den Herstellertitel. Nach dem britischen Gastspiel nahm man am Toyota weitere Anpassungen vor. Der Benzinverbrauch konnte gesenkt, die Stoppzeiten verkürzt werden. Dies zahlte sich beim folgenden Rennen in Sao Paulo aus.

Wurz/Lapierre feierten in Interlagos den ersten Sieg für die deutsch-japanische Werksmannschaft. "Ein Traum wird wahr! Das ist ein unglaublicher Tag für uns alle im Team", freute sich Teampräsident Yoshiaki Kinoshita. Bei Audi musste man die erste Niederlage des Jahres eingestehen. "Wir sind ein fehlerfreies Rennen gefahren, aber Toyota war einfach schneller", schilderte Andre Lotterer, der gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf Platz zwei einlief.

In Bahrain drehte Audi den Spieß noch einmal um, in Fuji und Schanghai ließ Toyota zwei weitere Siege folgen. Das Duell der beiden Werke endete im Jahr 2012 unentschieden. Von sechs direkten Duellen konnten Audi und Toyota je drei für sich entscheiden. "Für die Menschen dort freut es mich, dass sie die Gelegenheit hatten, sich wieder auf dem internationalen Parkett zu präsentieren", so Audi-WEC-Rennleiter Dieter Gass, der Toyota aus gemeinsamen Formel-1-Tagen bestens kennt.

2013: Begegnung mit geschärften Waffen

"Ich war froh, dass wir einen starken Wettbewerber hatten. Eine langweilige erste WEC-Saison hätte niemandem geholfen. Im Endeffekt ist es so ausgegangen, wie wir es uns gewünscht hatten", sagt Gass, der sich schon auf weitere Duelle im kommenden Jahr freut. Audi wird auf die enorme Schlagzahl von TMG antworten. Der R18 soll in vielen Bereichen verbessert werden. 2013 setzen die Ingolstädter keine zwei verschiedenen Konzepte ein, sondern nur noch den Hybrid-Wagen.

"Ich denke, wir werden einen ähnlich harten Wettbewerb mit Toyota haben wie 2012. Im kommenden Jahr gibt es dieses Duell aber von Anfang an", meint der Audi-Einsatzleiter in der WEC. "Die Konkurrenz wird sich weiterentwickeln. Das haben wir im Verlauf der Saison 2012 bereits sehen können. Wir werden uns auch nicht ausruhen. Ich gehe davon aus, dass wir auch in der kommenden Saison einen Kampf auf Augenhöhe erleben werden."

"Wir testen derzeit einige Dinge im Simulator. Das fühlt sich gut an. Ich sehe da einiges an Potenzial für die kommende Saison", bringt auch Anthony Davidson seine Vorfreude auf seine erste volle Saison mit Toyotas zum Ausdruck. "Wir haben schon in diesem Jahr gezeigt, dass wir ein verdammt gutes Entwicklungstempo haben. Da ist es logisch, dass wir für das kommende Jahr durchaus erwarten dürfen, ein noch schnelleres Auto zu haben."

"Es ist nicht einfach, ein Team und einen Hersteller wie Audi zu schlagen. Das weiß ich aus meinen Tagen bei Peugeot noch allzu genau. Wir haben den nötigen Respekt", sagt der Brite, der sich nach eigener Auskunft von seinen Verletzungen nach dem Le-Mans-Crash vollständig erholt hat. "Audi wird sicherlich mit einem schnelleren Auto in die kommende Saison gehen. Es geht also darum, wer in der Weiterentwicklung den besten Job macht."

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