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Le Mans: Elfter Audi-Sieg an der Sarthe

17. Juni 2012 - 15:01 Uhr

Im Kampf der zwei Audi-Technologien setzt sich Hybrid gegen Leichtbau durch: Andre Lotterer, Marcel Fässler und Benoit Treluyer siegen erneut - Drei Audis vorn

Wolfgang Ullrich, Marcel Fässler, Benoit Treluyer, Andre Lotterer
Die gleichen Helden wie 2011: Andre Lotterer, Marcel Fässler und Ben Treluyer
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Audi hat das große Ziel erreicht und beim ersten Einsatz des R18 e-tron ultra für den ersten Hybridsieg in Le Mans erzielt. Die Vorjahressieger Andre Lotterer, Marcel Fässler und Benoit Treluyer setzten sich in einem phasenweise spannenden Kampf an der Spitze gegen das Schwesterauto von Tom Kristensen, Allan McNish und Dindo Capello durch. Der Leichtbau-R18 von Marco Bonanomi, Oliver Jarvis und Mike Rockenfeller rundete den Triumph mit Rang drei ab.

Einen echten Gegner im Kampf um den elften Sieg an der Sarthe seit 2000 hatte Audi nur im ersten Renndrittel. Die neuen Toyota TS030 präsentierten sich bei der 80. Auflage der 24 Stunden von Le Mans nach nur fünfmonatiger Entwicklungszeit deutlich stärker als erwartet. Die Japaner, die phasenweise sogar in Führung gehen konnten, verloren jedoch beide Autos vor der Halbzeit des Rennens. Somit hatte Audi fast am gesamten Sonntag freie Fahrt.

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Toyota hatte beim Start sofort gutes Tempo gezeigt, allerdings waren die Audis zunächst etwas schneller. Das Blatt wendete sich ab dem dritten Stint. Bei höherer Laufleistung der Reifen und sinkenden Temperaturen fuhren die Toyotas jederzeit deutlich unter 3:30 Minuten, Audi konnte dieses Tempo nicht mehr mitgehen. Nicolas Minassian kämpfte sich gegen acht Uhr am Samstagabend am führenden Audi vorbei in Front, auch Anthony Davidson war auf der Jagd.

Toyota überzeugt, Davidson fliegt

Das hohe Tempo des Briten endete jedoch mit einem kräftigen Knall. Beim Überrunden des GTE-Am-Ferrari von Pierguiseppe Perazzini kam es zum hochgefährlichen Kontakt. Der Italiener hatte Davidson schlichtweg übersehen und hatte mit seinem F458 in den Bogen vor der Mulsanne-Kurve gelenkt. Davidsons Toyota wurde am Heck touchiert, das Fahrzeug stellte sich quer, hob ab und landete nach einer heftigen Flugeinlage brutal in den Reifenstapeln von Mulsanne.

Der britische Ex-Formel-1-Pilot konnte sich selbstständig aus dem Wrack befreien, nach bangen Minuten und Untersuchungen im Medical Centre sowie im Krankenhaus wurde bei Davidson der Bruch zweier Wirbel festgestellt. Der Brite muss zwar nicht operiert werden, aber ihm steht eine Reha-Zeit von mindestens drei Monaten bevor. Perazzini war sich keiner Schuld bewusst. "Dort kann man doch eigentlich gar nicht überholen", so seine Einschätzung, mit der er jedoch sehr allein war.

Für eine lange Zeit der Bergung und der Reparatur der Leitplanken kam das Safety-Car heraus. Nach vielen Runden hinter dem Führungsfahrzeug wurde das Feld wieder auf die Reise geschickt - und sofort gab es den nächsten Toyota-Knall. Kazuki Nakajima rammte beim Restart Satoshi Motoyama im DeltaWing von der Piste. Der Japaner in der Rennrakete sollte später noch für die sympathischste Story des Rennens sorgen - als Schrauber in den Porsche Kurven.

Nakajimas Toyota hatte einen Schaden am Heck erlitten. Bei einem ersten Stopp wurde die Heckpartie getauscht, wenig später auch noch der Unterboden. Das Rennen war zu jenem Zeitpunkt bereits gelaufen. Als sich dann auch noch Probleme mit dem Motor einstellten, war der Toyota-Auftritt in Le Mans endgültig vorbei. Die Japaner packten ein - allerdings in der Gewissheit, ein schnelles LMP1-Hybrid-Auto gebaut zu haben.

Audi ab der Nacht ohne Gegner

Audi hatte fortan keine Gegner mehr, aber nahm dennoch kein Tempo heraus. Im Gegenteil: Es entwickelte sich ein herber Kampf der beiden Hybrid-R18 an der Spitze. Die beiden Fahrzeuge, die in unterschiedlichen Boxenstopp-Rhythmen fuhren, wechselten sich in der Führungsarbeit immer wieder ab. Nach 320 Runden betrug der Abstand zwischen den beiden e-tron ultra gerade einmal 1,7 Sekunden! Die Distanz zwischen den beiden Autos variierte in Abhängigkeit von den jeweiligen Piloten.

Vor allem Andre Lotterer konnte seine Stärke im Prototypen erneut beweisen. Der Duisburger, der schon 2011 zum Helden in Le Mans wurde, sorgte immer wieder für etwas Luft an der Spitze. Die Jagd von Tom Kristensen, Allan McNish und Geburtstagskind Dindo Capello war erst am Sonntagmittag beendet, als der Schotte seinen Wagen mit der Startnummer zwei in den Porsche-Kurven in die Leitplanken setzte. Der Schaden konnte schnell behoben werden, die Siegchance war jedoch vertan.

Mit Rundenzeiten knapp über 3:30 Minuten verwalteten die Titelverteidiger Lotterer/Fässler/McNish ihre Führung bis ins Ziel. Allerdings sorgte Fässler mehrmals für kleine Schreckmomente. Er rutsche aus, drehte sich und schlug leicht an. Hinter dem erfahrenen Trio Kristensen/McNish/Capello kam der beste Audi R18 ultra auf Rang drei ins Ziel. Die Ingolstädter besetzten somit alle drei Stufen auf dem Le-Mans-Podest. Mike Rockenfeller, Oliver Jarvis und Marco Bonanomi verloren schon früh im Rennen den Anschluss an die Spitze und somit auch die besten Chancen im Kampf um den Sieg.

Kurz nach dem Start klagte Rockenfeller über zu viel Bewegung im Heck des Autos mit der Startnummer 4. "Es sind keine Vibrationen, sondern das Heck schmiert herum", beschrieb Loic Duval, der ähnliches Verhalten auch bei seinem Auto festellte. Die Audi-Mannschaft überprüfte die Technik und fand an den Aufhängungsteilen reichlich Pickup (Reifenabrieb, Schmutz und Trümmerteilchen). Diese klebrige Masse beeinträgte die Arbeit der Kinematik am Heck.

Rebellion-Toptrio in Bestform

Eine kurze Reinigung half, auch beim Kristensen-Audi musste man solche Maßnahmen ergreifen. Kurios: Dieses seltsame Phänomen trat anschließend nie wieder auf. Duval, der seinen bärenstarken Speed unter anderem mit der schnellsten Rennrunde in 3:24.189 Minuten unterstrich, musste sich gemeinsam mit seinen Teamkollegen Romain Dumas und Marc Gene schließlich mit Rang fünf begnügen. Dies lag vor allem an zwei Ausritten von Dumas, der die Front des Audis zweimal stark beschädigte.

Nick Heidfeld, Neel Jani, Nicolas Prost
Der Rebellion-Toyota von Jani/Heidfeld/Prost rollte problemlos durch
© xpbimages.com

Der hohe Zeitverlust des Audis mit der Startnummer 3 war die große Chance für den Rebellion-Toyota von Neel Jani, Nick Heidfeld und Nicolas Prost. Das Trio war wohl die einzige Fahrzeugbesetzung an diesem Wochenende in Le Mans, das ohne einen einzigen ernsthafteren Zwischenfall durchkam. Einzig Heidfeld platzierte zum Ende seines ersten Triplestints mit einem harmlosen Dreher einen kurzen Weckruf, ansonsten war der Formel-1-Pilot ebenso stark wie seine erfahrenen Teamkollegen. Belohnt wurde das Trio mit dem vierten Rang.

Hinter dem Duval-Audi schaffte es immerhin der JRM-Honda (Brabham/Chandhok/Dumbreck) trotz vieler Sorgen noch auf Rang sechs, dahinter folgte dann bereits die LMP2-Meute. Pescarolo stand mit beiden Fahrzeugen fast nur an der Box und war kaum zu sehen, der zweite Rebellion-Toyota büßte viel Boden wegen eines Kupplungsschadens ein und die Mannschaft von Strakka kämpfte 24 Stunden lang mehr mit der Technik als mit den Gegnern.

OAK hat viel Pech

Bei OAK-Pescarolo zeigte man zunächst einen soliden Speed. Dominik Kraihamer, Franck Montagny und Bertrand Baguette schöpften das bescheidene Potenzial des LMP1-Pescarolo-Judd konsequent aus, hatten aber im letzten Renndrittel viel Pech. Man musste aufgrund technischer Probleme mehrere ungeplante Stopps einlegen, gegen 7:00 Uhr am Morgen war wegen eines Motorendefekts endgültig Schluss. In der LMP2-Klasse lief es für das französische Team ebenfalls nicht nach Plan.

Wolf Henzler, Richard Lietz, Marc Lieb
Marc Lieb, Richard Lietz und Wolf Henzler schieden im Porsche aus
© xpbimages.com

In der Frühphase konnte sich der Morgan-Judd des Teams (Pla/Lahaye/Nicolet) an die Spitze setzen, auch der Morgen-Nissan von OAK mischte munter mit. Doch dann erlitten beide Fahrzeuge einige Schäden. Das Fahrzeug von Teambesitzer Nicolet schied ganz aus, die Teamkollegen David Heinemeier-Hansson, Bas Leinders und Maxime Martin konnten das zweite Auto wenigstens noch ins Ziel tragen. Der LMP2-Lotus schied mit einem Getriebeschaden aus.

In der hart umkämpften Klasse siegte schließlich der Honda von Starworks mit Ryan Dalziel, Vicente Potolicchio und Sarrazin-Ersatzmann Tom Kimber-Smith. Hinter dem Thiriet-Oreca von Beche/Thiriet/Tinseau feierte Pierre Kaffer mit seinen Pecom-Kollegen Soheil Ayari und Luis Perez Companc einen Podestrang. Es war aber mehr drin. Die Technik streikte mehrfach, es gab eine Stop-and-Go-Strafe und Teambesitzer Perez Companc konnte das Potenzial des Autos nicht immer ausschöpfen.

Ferrari siegt in der GTE-Pro-Klasse

Einer wundervolle Schlacht lieferten sich die Fahrzeuge in der GTE-Pro-Klasse. Über weite Strecken des Samstags konnte Stefan Mücke sensationell mit dem Aston Martin an der Spitze fahren. Der Berliner kämpfte mit allen Mitteln gegen beide Corvettes und den AF-Corse-Ferrari von Fisichella/Bruni/Vilander. "Das hat viel Spaß gemacht", strahlte Mücke nach seinen ersten Stints. Wenig später warfen Bremsprobleme das Team zurück. Bei der Aufholjagd flog Mücke einmal kurz ab.

Mit einer kompromisslosen und schnellen Fahrweise setzten sich schließlich Giancarlo Fisichella, Gianmario Bruni und Räikkönen-Kumpel Toni Vilander durch. Das Trio fuhr den Sieg in der GTE-Pro-Klasse vor Makowiecki/Melo/Farnbacher (Luxury-Ferrari) ein. Stefan Mücke, Adrian Fernandez und Darren Turner brachten den Aston Martin Vantage immerhin noch auf Rang drei. Beide Corvettes litten unter Unzuverlässigkeit. In der GTE-Am-Klasse setzte sich die Larbre-Corvette in der letzten Viertelstunde noch gegen den IMSA-Porsche durch.

Meister der Herzen: Satoshi Motoyama

Die große Story des Rennens schrieb jedoch Satoshi Motoyama. Der DeltaWing-Pilot, der sich die Rakete mit Michael Krumm und Marino Franchitti teilte, wurde zum tragischen Helden in einer filmreifen Geschichte. Nach der Berührung mit dem Toyota von Nakajima war der erfahrene Japaner geradeaus in die Reifenstapel gefahren. Der DeltaWing war anschließend nicht mehr manövrierfähig, er drehte sich nur noch im Kreis - keine Chance auf eine Rückkehr zur Box.

Das Einsatzteam Highcroft schickte kurzerhand zwei Motorroller mit Teammanager Phil Barker, einem Ingenieur, einem Dolmetscher und einer Werkzeugtasche zum Unfallort. Der Pilot sollte sein Gefährt am Rande der Porsche-Kurven wieder flottmachen. Da Motoyama kaum Englisch versteht, musste man alle Anweisungen per Dolmetscher durch einen Zaun zurufen. Der Japaner setzte alle Schritte konsequent und in Eile um. Unter den Blicken von Tausenden Fans an der Strecke blockierte er nach Anleitung das Differenzial. Großer Applaus nach getaner Arbeit.

Als Motoyama wieder in das Auto stieg, den Motor anließ und den Delta-Wing in Bewegung setzte, drehte sich dieser wieder nur im Kreis. Großes Pech: Das Problem mit dem experimentellen Fahrzeug hatte nicht am Heck, sondern an der Lenkung an der Front gelegen. 90 Minuten lang hatte der Japaner alles versucht, aber vergeblich. Völlig erschöpft musste er seine Arbeit einstellen, das Auto war aus dem Rennen. "Jeder Pannendienst in Großbritannien wird sich telefonisch bei Satoshi Tipps holen", zollte Teamkollege Franchitti anschließend Respekt.

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