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Who is ... Brad Keselowski (2)

22. November 2012 - 20:00 Uhr

Vom Trümmerhaufen zum Penske-Cockpit: Der zweite Teil der Serie rund um NASCAR-Champion Brad Keselowski schildert die Wende und seinen Aufstieg

Brad Keselowski
Juni 2008: Brad Keselowski gewinnt in Nashville sein erstes Nationwide-Rennen
© NASCAR

(Motorsport-Total.com) - Im ersten Teil unserer Serie "Who is ... Brad Keselowski" schilderten wir, wie schwierig die Anfänge des aktuellen NASCAR-Champions waren. Seine seit Jahrzehnten dem Rennsport verpflichtete Familie opferte ihr letztes Hab und Gut, um den Youngster in der Truck-Serie zu halten. Im Sommer 2006 war von diesem Vorhaben nur noch ein Trümmerhaufen übrig geblieben, Keselowski musste notgedrungen auf eigene Faust klar kommen.

"Es war einfach nur erschütternd, wenn du nicht mehr weißt, wie du morgen deine Rechnungen bezahlen kannst", beschrieb sein Vater Bob Keselowski in der Woche vor dem Homestead-Finale 2012 die damalige Situation. "Natürlich ist es eine sehr große Sache, vielleicht einmal einen NASCAR-Titel zu holen. Aber deiner Familie ein Essen auf den Tisch stellen zu können, das ist wesentlich wichtiger als alles andere auf dieser Welt."

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Während die Familie ums nackte Überleben kämpfte, versuchte sich der Sohn verzweifelt in der NASCAR-Szene über Wasser zu halten. Er fuhr vier Truck-Rennen für zwei Hinterbänkler-Teams und bekam zum Saisonende 2006 hin die Chance, sich in acht Nationwide-Rennen (damals natürlich noch die Busch-Serie) im unterfinanzierten Team von Keith Coleman zu beweisen. Gleich zu Beginn erlebte Keselowski einen derben Rückschlag, als er sich in Bristol nicht einmal qualifizieren konnte. Top-10-Resultate blieben logischerweise aus.

Es war ein harter Winter, denn Angebote gab es nicht. Also blieb Keselowski nichts anderes übrig, als die so lukrativen Daytona-Wochen 2007 wieder im Coleman-Chevrolet in Angriff zu nehmen. Und wie in Bristol, so scheiterte er auch in der Qualifikation von Daytona. Es folgten noch 13 Nationwide-Rennen für Coleman, bei denen er nicht weniger als sieben Mal wegen Defekten oder Unfällen strandete. Eigentlich war Keselowski am Ende.

Der Wendepunkt von Memphis

Brad Keselowski
Seine Anfänge bestritt Brad Keselowski im Truck seines Familienteams
© Ford

Doch es gab noch einen kleinen Funken Hoffnung. Als passionierter Computerzocker hatte Keselowski ("Im Prinzip habe ich mir dabei meine Car-Control beigebracht") in der Zwischenzeit auf dem Online-Weg Bekanntschaft und später Freundschaft mit Dale Earnhardt Jr. geschlossen. Die beiden lieferten sich viele Online-Schlachten und anlässlich des Frühjahrsrennens in Bristol 2007 unterhielt man sich intensiv miteinander.

Dann kam die große Chance. Bei Germain Racing leistete sich Ted Musgrave am Truck-Wochenende von Milwaukee im Frühsommer 2007 eine handfeste Auseinandersetzung mit einem Konkurrenten und wurde prompt für das nächste Rennen in Memphis gesperrt. Musgrave war seinerseits der Truck-Champion des Jahres 2005 und hatte in seinem Germain-Toyota gutes Material zur Verfügung. Keselowski wurde in einer Last-Minute-Aktion für Memphis als dessen Ersatzmann nominiert und wusste, dass dies vermutlich seine allerletzte Chance sein würde.

Um es kurz zu machen: Er nutzte sie. Er holte die Pole-Position, führte 62 von 200 Runden und kam nach einer nicht verschuldeten Kollision auf Rang 16 ins Ziel. Am Fernseher saß sein Online-Kumpel Dale Earnhardt Jr. und sah aufmerksam zu. "Junior" hatte sein eigenes Nationwide-Team JR Motorsports zwei Jahre zuvor in die zweite NASCAR-Liga gebracht und für die Startnummer 88 einen prominenten Sponsor: Die US-Navy. Das Fazit: Keselowski bekam quasi über Nacht wieder einen seriösen NASCAR-Job.

Oder mit anderen Worten: Als es wirklich Spitz auf Knopf stand, als der Druck für den damals erst 23-Jährigen fast unmenschlich sein musste, zeigte Keselowski seine Höchstleistung. Mutter Kay wundert das nicht. An Druck war man im Familienunternehmen gewohnt. Ihr charmantes Beispiel lautet: "Es war immer eine unserer Hausregeln. Wenn wir gewonnen hatten, dann legten wir auf der Heimfahrt einen Stopp ein und gingen Essen. Wenn nicht, dann bekam Bob einen Kaffee und der Rest von uns fuhr so nach Hause."

Vollzeit-Deal für 2008

Brad Keselowski
Brad Keselowski fährt für "Junior": Der US-Navy-Chevy mit der Startnummer 88
© NASCAR

Auch rückblickend sieht der neue NASCAR-Champion diese Situation als den Wendepunkt seiner Karriere. "Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern", sagte er vor etwa einem Jahr. "Ich befand mich im Flieger von Memphis gerade im Landeanflug auf Atlanta, als mir Dale eine Voice-Mail schickte. Im Landeanflug darfst du dein Handy nicht anhaben, aber ich musste seine Message einfach abhören. Er sagte: 'Hey, ich würde es gerne sehen, wenn du mein Nationwide-Auto fährst'. Das war's. Ich wollte einfach nur noch schreien und meine Fäuste in die Luft strecken."

NASCAR-Superstar Earnhardt hatte seine guten Gründe: "Ich sah ihn in diesem Truck-Rennen und dachte mir, dass dieser Junge Speed hatte. Seine Linienwahl war klasse und ich kenne auch die Historie seiner ganzen Familie. Ich wusste, dass er zu dieser Zeit die 23 (den Coleman-Chevy; Anm. d. Red.) fährt und aus diesem Auto eine recht gute Performance herausquetschen kann. Und ich wusste, was mit gutem Equipment alles möglich ist. Ich dachte mir, dass ich ihm vielleicht helfen kann."

Dazu kommt, dass Earnhardt nicht zufrieden mit seinem Team war: "Wir waren eine Mannschaft, die um Platz 15 herum ins Ziel kam. Er hat uns die Möglichkeit gegeben, das Team stabil nach vorne zu bringen. Er lernte schnell und war ein höllisch schneller Pilot." Unter den Fittichen von Crewchief Tony Eury Jr. fuhr Frischling Keselowski den US-Navy-Chevy in seinen 14 Earnhardt-Rennen 2007 immerhin noch fünfmal in die Top 10. Schnell war klar, dass man auch 2008 gemeinsame Sache machen wollte. Es war der erste große Vertrag für Keselowski.

Und eine bisweilen komische Situation. "Das war schon schwierig, denn in der einen Sekunde war Dale Jr. ein Kumpel von mir, in der nächsten Minute mein Boss." Doch Earnhardt ließ den plötzlich aufstrebenden Youngster gewähren, der sich schon in der Saison 2008 gerne einmal mit den Veteranen anlegte. "Natürlich habe ich ihm gesagt, dass ich an seiner Stelle ein paar Dinge anders geregelt hätte. Aber es war ja nie mein Job, eine Vaterfigur zu spielen. Er sollte seinen eigenen Stil entwickeln - wie immer der dann aussehen mag."

Über eine Million Dollar an Preisgeld

Brad Keselowski
Sommer 2008: Brad Keselowski erhält einen Hendrick-Vertrag
© NASCAR

Im Prinzip hat Earnhardt seinen Schützling Keselowski also Keselowski sein lassen - und der Erfolg gab ihm Recht. Der Trend der 88 zeigte in der Saison 2008 konstant nach oben und am 7. Juni gewann Keselowski in Nashville sein erstes Nationwide-Rennen für JR Motorsports. Es war ein verdienter Sieg in einem sehr prominent besetzten Event. Auf der Pole-Position stand damals der blutjunge Joey Logano, den alle Welt als den kommenden Superstar ansah, im Rennen musste sich Keselowski gegen arrivierte Leute wie Clint Bowyer, David Reutimann, David Stremme, Kyle Busch oder Greg Biffle durchsetzen.

"Brad sollte seine Lektionen selber lernen", versicherte Earnhardt mehrmals. "Er musste seine Fehler selber machen und daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Außerdem wollte ich nie derjenige sein, der da draußen steht und ihm predigt, wie er sein Rennen fahren sollte. So nach dem Motto: 'Mensch, ich weiß doch alles' - weil ich ganz einfach auch nicht alles weiß."

Saisonsieg Nummer zwei folgte im August auf dem Bristol Motor Speedway und aus Keselowski war plötzlich sogar ein Nationwide-Titelanwärter geworden. Seine Leistungen sprachen sich auch in der NASCAR-Garage herum. Roger Penske musste zu diesem Zeitpunkt den Abgang von Ryan Newman verkraften, der sich zur Saison 2009 dem neuen Sprint-Cup-Team von Tony Stewart anschloss. Ein Angebot als Newman-Ersatz folgte, doch Keselowski lehnte ab. Noch.

Am Ende seiner ersten vollen Nationwide-Saison 2008 konnte der Youngster eine fast makellose Bilanz aufweisen. Neben seinen beiden Erfolgen fuhr er in 20 von 35 Rennen in die Top 10 und crashte seinen JR-Chevy dabei ein einziges Mal. Hinter den Sprint-Cup-Stars Clint Bowyer und Carl Edwards wurde er Gesamtdritter und hatte Ende 2008 stolze 1,2 Millionen US-Dollar an Preisgeldern eingefahren, die er auch dazu nutzte, um die Schulden der Rennfahrerfamilie Keselowski zurück zu zahlen.

Und dann kam Talladega

Brad Keselowski
Dale Earnhardt Jr. gratuliert Brad Keselowski zum Talladega-Sieg
© xpb.cc

Dann ging alles blitzschnell: Earnhardt empfahl seinem Boss Rick Hendrick, Keselowski als Development-Driver aufzunehmen. Ein erster Sprint-Cup-Qualifikationsversuch im Herbstrennen 2008 von Charlotte scheiterte, doch in Texas (19.) und Homestead (23.) lieferte Keselowski den Hendrick-Chevy mit der Startnummer 25 unter Crewchief Lance McGrew ohne Kratzer ab. Die dunklen Tage lagen endgültig hinter dem mittlerweile 24-Jährigen.

In die Nationwide-Saison 2009 ging Keselowski sogar mit Außenseiterchancen auf den Titel, obwohl es damals noch nicht die Regel gab, nach der die Sprint-Cup-Asse keine Punkte in der zweiten NASCAR-Liga holen konnten. Ansonsten hätte er bereits 2008 die Meisterschaft geholt und 2009 noch einen draufgesetzt. Er gewann 2009 in Dover, das erste NASCAR-Rennen in Iowa, sein Heimrennen in Michigan und in Memphis, wo zwei Jahre zuvor alles begonnen hatte. Am Ende wurde er erneut Gesamtdritter, dieses Mal hinter Kyle Busch und Carl Edwards.

Fast noch wichtiger war jedoch, dass ihn Rick Hendrick langsam an den Sprint-Cup heranführen wollte. Wieder bekam er für ein paar Rennen einen fünften Hendrick-Chevy und wurde auch an das Hendrick-Kundenteam von Phoenix Racing ausgeliehen. So zum Beispiel am 26. April 2009 in Talladega. Dieses Rennen bezeichnet Keselowski heute noch als sein "bisher bestes". Warum? Ganz einfach: Er gewann es - und dies in extrem spektakulärer Manier.

"Viele sagen, dass Talladega eine Lotterie ist. Aber das ist es nicht. In diesem speziellen Rennen war es für mich ein permanentes Versuchen, mich so optimal wie möglich zu positionieren." Nach einem Motorschaden im Training musste Keselowski von ganz hinten starten. Eine erste Massenkarambolage vermied er mit einem wilden Ritt über den Apron und durch die ganzen Wracks, anschließend wurde es in der Boxengasse "noch einige Male eng".

"Gegen Rennmitte begann ich damit, in meinem Kopf das Manöver zu üben, das ich am Rennende ansetzen wollte. Später gab es noch ein paar heikle Situationen im Bump-Draft mit Dale Jr. und noch einen Massencrash, aber am Ende war ich tatsächlich in Position." Der Rest ist bekannt: Keselowski ließ sich von der Schlussattacke Carl Edwards' nicht beeindrucken, der seinen Roush-Ford dabei spektakulär zerlegte. "Das war nicht nur Glück, das waren im ganzen Rennverlauf viele richtige Manöver", ist Keselowski heute noch überzeugt.

Aus Keselowski wird "Crashalotzki"

Brad Keselowski
Brad Keselowski wechselt im Herbst 2009 zu Roger Penske
© xpb.cc

Zu Saisonmitte 2009 schien Keselowski direkten Kurs auf ein Hendrick-Cockpit im Sprint-Cup zu nehmen. Doch dabei gab es ein großes Problem: NASCAR-Oldie Mark Martin fuhr in der Startnummer 5 eine Bombensaison und bekam wieder richtig Lust auf den Sprint-Cup. Plötzlich war von einer eventuellen Teilzeitsaison 2010 nicht mehr die Rede und Keselowski wäre bei Hendrick Motorsports neben Martin, Earnhardt, Jimmie Johnson und Jeff Gordon nur das fünfte Rad am Wagen gewesen.

Parallel dazu war das Penske-Team mit den Leistungen von David Stremme, den man schließlich als Ersatzmann für Ryan Newman verpflichtet hatte, nicht zufrieden. So kam es, wie es kommen musste: Penske bemühte sich um Keselowski, der dementierte nur zaghaft und als Anfang September der Wechsel offiziell verkündet wurde, war niemand mehr überrascht. Auch nicht über das Tempo, das Penske und Keselowski schließlich an den Tag legten, denn schon zum Saisonende 2009 saß Keselowski in einem Penske-Dodge - sowohl im Sprint-Cup, als auch in der Nationwide-Serie.

Damit war sein weiterer Weg vorgezeichnet, doch eines stand ihm noch bevor: Seine hochaggressive Fahrweise hatte über viele Monate dazu geführt, dass er sich mit den meisten der etablierten NASCAR-Stars angelegt hatte. Sogar NASCAR-Chef Brian France musste einmal schlichten. Keselowski blieb stur: "Ich musste sehr hart schuften, um soweit zu kommen. Und der einzige Weg, das alles zu schaffen, war Aggressivität."

Kyle Busch, Carl Edwards und vor allem Denny Hamlin waren die Vorreiter der Anti-Keselowski-Bewegung. Vor dem Saisonfinale 2009 formulierte Hamlin sogar öffentlich: "Wenn sich die Gelegenheit bietet, dann werde ich die Situation so erledigen, wie es sein sollte und wie es jeder andere tun würde." Oder wie es Juan Pablo Montoya mit einem Lächeln formulierte: "Irgendeiner wird ihm hineinfahren, wenn es Denny Hamlin nicht als Erster erledigt." Keselowski wurde zu "Bad Brad Crashalotzki".

Im dritten Teil unserer Serie "Who is ... Brad Keselowski" berichten wir, wie "Bad Brad" zwei NASCAR-Titel gewann und schildern unter anderem, warum sein Crewchief Paul Wolfe zunächst nur wenig Lust auf eine Zusammenarbeit hatte.

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