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Who is ... Helio Castroneves (1)

16. Dezember 2008 - 11:31 Uhr

Helio Castroneves ist einer von zwei Superstars der IndyCars - 'Motorsport-Total.com' wirft in zwei Teilen einen Blick auf die Karriere des Sympathieträgers

Helio Castroneves
Helio Castroneves zählt heute zu den ganz großen IndyCar-Urgesteinen
© IRL

(Motorsport-Total.com) - Die wiedervereinigte IndyCar-Serie hat derzeit zwei ganz große Publikumslieblinge. Natürlich dreht sich dabei ein Löwenanteil um "Supergirl" Danica Patrick, doch spätestens seit der 'ABC'-Prime-Time-Show "Dancing with the Stars" im Herbst 2007 zählt auch Helio Castroneves zum auserwählten Kreis der IndyCar-Superstars.

Der sympathische Brasilianer gewann diesen Tanzwettbewerb zusammen mit seiner Partnerin Julianne Hough vor einem Millionenpublikum, und tanzte sich auf diese Weise mitten in die Herzen von Mainstream-Amerika. Nebenbei hat er zwei Indy-500-Titel vorzuweisen, die Serie selbst konnte er jedoch noch nie gewinnen.

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Aber in diesen Wochen liegen auch dunkle Schatten über seiner weiteren Karriere, denn Castroneves muss sich ab März 2009 vor einem US-Gericht wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verantworten. 'Motorsport-Total.com' wirft einen ausführlichen Blick auf die Karriere des langjährigen Penske-Piloten.

Helio Castroneves wurde am 10. Mai 1975 in Sao Paolo geboren. Die Schreibweise seines Namens ließ er gleich zweimal ändern, denn einige Berichterstatter bezeichneten ihn früher bisweilen als Helio Neves. So kam es zunächst zu der Version Helio Castro Neves, die dann später zu Helio Castroneves wurde.

Zwei unzertrennliche Jugendfreunde

Helio Castroneves Tony Kanaan
Alte Kumpels: Helio Castroneves und Tony Kanaan interviewen sich gegenseitig
© IRL

Ein zweiter großer Irrtum in der Castroneves-Biografie ist seine Herkunft aus Sao Paolo. In der brasilianischen Metropole ist er zwar geboren, doch in Wirklichkeit stammt Castroneves "aus einer kleinen Stadt in Brasilien", die den Namen Ribeirao Preto trägt. "Ich bin also ein echtes Landei."

Die "kleine Stadt" liegt etwa 200 Kilometer nordwestlich von Sao Paolo, aber angesichts von fast 600.000 Einwohnern ist dieses Attribut wohl eine kleine Untertreibung. Erst später zog die Familie Neves in die Metropole, wo sie schnell intensiven Kontakt zu der Familie eines anderen aktuellen IndyCar-Piloten fand.

Tony Kanaan ist ein knappes halbes Jahr älter als Castroneves und die beiden Nachwuchspiloten wurden rasch unzertrennlich. "Tony und ich sind zusammen aufgewachsen, wir sind uralte Freunde", beschreibt Castroneves die gemeinsamen Zeiten im Kartsport. Teilweise fuhren sie sogar im gleichen Helmdesign.

"Ich kann mich noch erinnern, dass unsere Väter immer verärgert waren, wenn wir aus den Go-Karts stiegen, um Fußball spielen zu gehen", erzählte Tony Kanaan einmal. "Rennfahrerstiefel sind nämlich zum Kicken überhaupt nicht geeignet und unsere waren nach dem Match immer kaputt."

Enge Familienbande

Danica Patrick Helio Castroneves
Danica Patrick und Helio Castroneves sind die beiden IndyCar-Superstars
© IRL

Sogar Kanaans Liebesbriefe musste Castroneves verfassen: "Er fragte mich: 'Wie küsse ich sie?' Ich sagte: 'Nimm ein Glas, stell dir vor, es wäre ihr Mund, und küsse sie!' Ich musste rascher erwachsen werden, weil mein Vater früh starb. Tony kam immer zu mir. Das war 1988 - heute ist er der Sexy-Fahrer schlechthin und weiß das gar nicht mehr."

Papa Castroneves war ein Geschäftsmann im Sanitärbereich, der seinen Sohn zu Beginn dessen Karriere unterstützte. "Ohne ihn wäre ich nicht dort, wo ich heute bin", versichert Castroneves. "Und das Schöne ist, dass ich nun alles zurückzahlen kann."

1989 und 1991 gewann er die nationale Kart-Meisterschaft gegen Kanaan - und übrigens auch gegen Bruno Junqueira. "Ich flog sogar einmal nach Italien zur Kart-Weltmeisterschaft", ist Castroneves heute noch stolz auf seine ersten Schritte im Motorsport. "Dort wurde ich Vierter."

1992 begann Helio dann in der brasilianischen Formel Chevrolet zu fahren. Das ist insofern bedeutsam, als sich schon damals seine zwei Jahre ältere Schwester Katiucia um seine Geschäfte zu kümmern begann. "Kati" war im Besitz eines Business-Abschlusses der University Fundação Armando Alvarez Penteado von Sao Paolo.

Ankunft in den USA

Helio Castroneves Tony Kanaan
Heute haben es Tony Kanaan und Helio Castroneves in den USA geschafft
© IRL

Es folgte mit zwei zweiten Gesamtplätzen in Folge der Durchmarsch in die brasilianische Formel 3. 1995 gingen Castroneves und Kanaan schließlich nach Europa. Während Kanaan sein Glück in der italienischen Formel 3 versuchte, zog es Castroneves auf die Insel. Er dockte beim Formel-3-Team von Paul Stewart Racing an und hatte mit Allan McNish einen prominenten Teamkollegen.

Mit einem Saisonsieg wurde Castroneves Gesamtdritter der britischen Formel 3 und zum Ende des Jahres 1995 waren die beiden Kumpel wieder vereint. Dann jedoch in den USA, als sie gemeinsam in der IndyLights-Serie unterkamen. Ihr Team hieß damals Tasman Motor Sports, die in Columbus, Ohio stationiert waren.

Marlboro lud im Winter 1995/1996 einige Brasilianer zu einem IndyLights-Test ein. "Die Formel-3-Autos hatten damals etwa 200 PS, die IndyLights das doppelte. Also sagten wir zu, denn wir wollten mehr PS austesten. Sie hatten zwei Plätze frei, und Tony und ich wurden ausgewählt. So fing meine Karriere in den USA an."

Es waren zwei harte Jahre, denn die beiden Youngster hatten kaum Geld: "Ich hatte nur meine Laufschuhe, meine Jeans und eine Jacke. Tony musste seine Hose jeden Morgen flicken. Wir kamen gut aus, weil wir einander unterstützten. Es tut gut heute zurückblicken zu können und zu sehen, wie weit wir es gebracht haben", so Castroneves.

Zwei unzuverlässige ChampCar-Jahre

Helio Castroneves 1999 Fontana Hogan mitte weiß
Fontana 1999: Hogan-Pilot Castroneves (weißes Auto) mitten im CART-Feld
© Ford

1997 gewann Kanaan den Titel, Castroneves wurde Zweiter, auch Cristiano da Matta fuhr in dieser Saison. "Wir haben dort oben eine Zeit lang gelebt, aber das kalte Wetter in Ohio war mir zuviel. Wir beschlossen nach Miami umzuziehen und seit dieser Zeit wohne ich in Florida." Denn die beiden Freunde kamen 1998 bei den ChampCars unter - und seither ging es stetig bergauf.

Überhaupt ist Greater Miami ein Nudeltopf südamerikanischer Piloten. Neben Castroneves und Kanaan lebt dort unter anderem auch Juan Pablo Montoya. Die Vorzüge der Hafenstadt sind klar: "Es ist so nahe an Brasilien, es sind nur acht Stunden mit dem Flugzeug. Das Wetter ist ganz ähnlich zu Brasilien und die brasilianische Gemeinde ist riesig. Man hat gar nicht das Gefühl, woanders zu sein."

Castroneves bekam 1998 ein Engagement im ChampCar-Team von Tony Bettenhausen Jr., deren Nachfolgermannschaft heute noch als HVM Racing unter der Führung von Keith Wiggins in der IndyCar-Serie aktiv ist. Rookie Castroneves fuhr einen Reynard 981 mit Mercedes-Benz-Power auf der Milwaukee Mile zu einem zweiten Platz und beendete die Saison als 17.

Kurz vor Saisonbeginn 1999 flatterte Castroneves ein Angebot von Carl Hogan auf den Tisch, dessen Mannschaft als neues Lola-Werksteam in Erscheinung trat. Der Brasilianer verkaufte sich erneut gut: Eine Pole Position und ein zweiter Rang in Gateway spülte Castroneves auf Gesamtplatz 15.

Plötzlich ein Penske-Pilot

Helio Castroneves 2001 Indy 500 Sieg Penske
Indy-Rookie Castroneves gewann 2001 auf Anhieb das legendäre Indy 500
© IRL

Nach zwei ChampCar-Jahren waren zwei Dinge klar: Der Brasilianer war zwar schnell, seine Autos litten jedoch unter argen Zuverlässigkeitsproblemen, die konstant gute Resultate verhinderten. Dann schlug das mitunter grausame Motorsport-Schicksal zu, denn im Oktober 1999 verunglückte Greg Moore in Fontana tödlich.

Der Kanadier galt als der neue kommende Mann am ChampCar-Himmel und hatte für die Saison 2000 bereits einen Vertrag bei Roger Penske unterschrieben. Bei Penske musste gehandelt werden und Castroneves bekam den Zuschlag. "Ich bemerkte Helio als er für Carl Hogan fuhr. Ich sah, wie er sich in Milwaukee die Pole Position holte. Er war immer schnell auf den Ovalen", klärte Roger Penske einige Jahre später in Indianapolis auf.

Er hatte sich nicht geirrt, denn Castroneves überzeugte schnell: In Portland, Toronto und Monterrey holte er sich drei Saisonsiege. Während sich sein erfahrener Teamkollege Gil de Ferran den Titel sicherte, landete der zweite Brasilianer auf Gesamtplatz sieben. 2001 wiederholte sich das Geschehen: De Ferran holte sich ChampCar-Titel Nummer zwei, Castroneves gewann in Long Beach, Toronto und Mid Ohio, und landete am Ende auf Gesamtposition vier.

Doch der eigentliche Höhepunkt des Jahres 2001 war Castroneves' Siegesfahrt beim Indy 500. Es war die Zeit des US-Splits zwischen ChampCars und IRL. Penske und Andretti-Green folgten dem Beispiel Ganassis aus dem Vorjahr, und traten zum Indy 500 bei der IRL-Konkurrenz unter dem Regime von Tony George an.

Die Legende vom "Spiderman"

Helio Castroneves 2001 Indy 500 Sieg Penske Spiderman
2001 begann auch die Legende vom Spiderman - hier nach dem Indy-500-Sieg
© IRL

Nach zwei Regenunterbrechungen lagen die beiden Penske-Dallara von Indy-Rookie Castroneves und de Ferran im Finale vorne, und schenkten Roger Penske bei seinem elften Indy-500-Erfolg dessen ersten Doppelsieg. In dieser Zeit begann auch die Legende vom "Spiderman", denn das große Markenzeichen von Castroneves ist das "Auf-die-Zäune-klettern" nach einem Sieg.

Einer, der dies auch gerne unternimmt, ist NASCAR-Star Tony Stewart, der am 27.Mai 2001 in Indianapolis übrigens ebenfalls mit von der Partie war. Es war Stewarts zweiter und letzter Doppelstart - erst beim Indy 500 und am Abend dann in Charlotte beim Coca Cola 600 der NASCAR.

Die Castroneves-Meinung zu diesem Urheberstreit ist übrigens simpel: "Ich habe mit Stewart bereits darüber gesprochen und er sagte, er würde es anders machen", scherzte der IndyCar-Pilot. "Er nimmt immer die Zielflagge mit." Aber solange die Kommentatoren nicht behaupten würden, dass der Brasilianer den NASCAR-Star kopiere, würde er "gerade noch von einer Klage absehen".

2002 wiederholte Castroneves seinen Triumph beim Indy 500. Es war erst das fünfte Mal in der Geschichte dieses legendären Rennens, dass ein Pilot an zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Oberhand behielt. Doch in die Historie ging die Indy-Auflage von 2002 aufgrund des äußerst umstrittenen Zieleinlaufs ein.

Die Tracy-Kontroverse

2002 Helio Castroneves Indy 500 zweiter Sieg
Hauchdünn: Helio Castroneves feiert 2002 seinen zweiten Indy-500-Erfolg
© GM

Das Rennen fand am 26. Mai 2002 statt und nach einigen Einsprüchen wurde Castroneves der Sieg erst am 2. Juli, also sprichwörtlich am grünen Tisch endgültig zugesprochen. Der Grund lag in einem äußerst kontroversen Finish zwischen Castroneves und Paul Tracy, denn in Runde 199 von 200 griff der zweitplatzierte Tracy den Spitzenreiter Castroneves eingangs von Turn 3 an.

Gleichzeitig brachte ein Unfall an einer anderen Stelle des 2,5 Meilenovals die gelbe Flagge hervor. Der Streit lautete nun: Hatte Tracy zum Zeitpunkt der gelben Flagge Castroneves bereits überholt oder nicht? Zumindest auf der Strecke war der Kanadier inzwischen am Brasilianer vorbeigezogen.

Das Rennen wurde unter gelber Flagge beendet, aber die Indy-Offiziellen sahen die Sachlage anders. Sie erklärten Castroneves zum Sieger, was Verschwörungstheoretiker Tracy den Mannen um Tony George bis heute nur ganz schwer und widerwillig verzeihen kann.

Die IndyCar-Saison 2002 selbst gewann übrigens Sam Hornish Jr. für Panther Racing vor Castroneves, denn das Penske-Team war zu Beginn des Jahres 2002 komplett in die IRL gewechselt. Dies war auch die Zeitspanne, in der der damals 27 Jahre alte Castroneves seinen einzigen ernsthaften Versuch in Richtung Formel 1 unternahm.

Der zweite Teil des Helio-Castroneves-Specials folgt am Mittwoch. Er beschäftigt sich dann mit den Formel-1-Ambitionen des Brasilianers im Jahr 2002 bis hin zu den Geschehnissen rund um seinen Tanz-Erfolg und die aktuelle Steuerproblematik.

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