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Spritwunder Carl Edwards besiegt Pocono-Regen

04. August 2008 - 01:20 Uhr

Carl Edwards setzte sich in Pocono gegen die Konkurrenz, den Regen und seine Benzinmenge durch - Tony Stewart und Jimmie Johnson auf den Plätzen

Carl Edwards
Carl Edwards feierte in Pocono einen Strategie-Sieg gegen Regen und Benzin
© Ford

(Motorsport-Total.com) - Über den Pocono Raceway scheiden sich seit vielen Jahren die Geister. Das Tri-Oval in Long Pond, Pennsylvania ist die letzte noch in Privatbesitz verbliebene Sprint-Cup-Strecke, und NASCAR stattet dem idyllisch gelegenen Kurs zweimal pro Saison einen Besuch ab. Zuviel, meinen nicht wenige Stimmen aus dem Fahrerlager, und auch die lange Renndistanz von 500 Meilen ist vielen ein kräftiger Dorn im Auge.

Viereinhalb Stunden dauerte der Pocono-Marathon am Sonntagabend, allerdings war das Sunoco Red Cross Pennsylvania 500 alles andere als eintönig - Carl Edwards (Roush-Ford) musste eine Regenunterbrechung samt Halbzeitspurt, ein Strategie-Wortgefecht mit Crewchief Bob Osbourne und am Ende einen beinharten Spritpoker überstehen, um seinen vierten Saisonsieg holen zu können.

Tony Stewart schmuggelte seinen Gibbs-Toyota nahe zu unbemerkt auf Platz zwei, während Jimmie Johnson genauso wie seine beiden Hendrick-Teamkollegen Jeff Gordon und Dale Earnhardt Jr. mit trockenem Tank über die Ziellinie rollte. Johnsons Benzinvorrat reichte aber wenige hundert Meter länger, weshalb der amtierende NASCAR-Champion seinen dritten Platz nicht verlor - der Rest der Hendrick-Flotte hingegen musste etwas Federn lassen.

Vierter wurde mit Kevin Harvick (Childress-Chevrolet) der Comeback-Pilot des Rennens, denn der Kalifornier hatte bereits der zweiten Kurve der allerersten Runde eine Kollision zu überstehen. Doch ein permanent gültiger Leitsatz der NASCAR lautet niemals aufzugeben, und Harvick präsentierte für diese Aussage in Pocono wieder einmal ein perfektes Exempel.

Mark Martin dominiert - Montoya out

Mark Martin Jimmie Johnson
Start in Pocono: Mark Martin (li.) bestimmte die Anfangsphase klar
© NASCAR

Aber die Anfangsphase in Pocono wurde von einem ganz anderen Piloten bestimmt: Der DEI-Chevrolet von Mark Martin war sofort auf der Höhe des Geschehens und dominierte das erste Rennviertel klar. Zwei missratene Stopps jedoch, bei denen jeweils rechts vorne einige Probleme auftauchten, ließen den NASCAR-Veteran gegen Halbzeit bis auf Platz 17 zurückfallen.

Neben Harvick hatte übrigens auch Juan Pablo Montoya gleich zu Beginn ein ärgerliches Problem mit einem Zündkabel. Der Ganassi-Pilot verlor bei der notwendigen Reparatur einen ganzen Umlauf, kam durch den Lucky Dog aber schnell in die Führungsrunde zurück.

Montoya fuhr in der Folge mit einem stark verbesserten Dodge Charger in die Top 20 nach vorne, fiel anschließend mit plötzlich auftretendem Untersteuern wieder zurück, und schied 50 Runden vor Schluss mit einem kapitalen Motorschaden aus. Die Ganassi-Pechsträhne hielt also weiter an und der Kolumbianer beendete Pocono als 40.

Ansonsten präsentierten sich die Top 10 abwechselnd mit den üblichen Verdächtigen: Dreimal Hendrick-Chevrolet, dreimal Roush-Ford, dreimal Gibbs-Toyota, dazu Juni-Sieger Kasey Kahne im Evernham-Dodge. Ganz vorne setzten sich abwechselnd Jimmie Johnson, Carl Edwards, Jeff Gordon und Dale Earnhardt Jr. fest - Letzterer übrigens einmal sogar mit einem vom NASCAR-Superstar so ungeliebten Zwei-Reifen-Stopp.

Regenwolken verursachen Zwischenspurt

Brian Vickers Tony Stewart
Tony Stewart versteckte sich lange im Mittelfeld - hier hinter Brian Vickers
© Red Bull

Gegen Rennhalbzeit zeigte das Wetterradar plötzlich einziehenden Regen von Norden her, was in den Pocono Mountains nicht zum ersten Mal in der langjährigen Historie drohte. Und die dunklen Wolken hinter dem "Tunnel-Turn" führten dazu, dass die für gewöhnlich so defensiv geführte, und entsprechend langatmige Rennmitte plötzlich heiß umkämpft war.

Denn keiner im Feld wusste so genau, wie heftig die Nässe das riesige 2,5 Meilen-Tri-Oval treffen würde und ob daher gar ein Rennabbruch ins Haus stand. Also gab es ein munteres Halbzeit-Rennen - gegen die Konkurrenz und das Wetter. Die dunklen Wolken beflügelten Carl Edwards förmlich dazu, sich an Johnson vorbei in Führung zu schieben.

Als nach 126 der 200 Runden die ersten Tropfen fielen, fuhr Dale Earnhardt Jr. auf Platz drei vor Kasey Kahne und Jeff Gordon. Nun waren die Strategen gefragt, denn es bestand durchaus die Möglichkeit, dass die Wolken die Strecke nur streiften, und die ausgerufene Gelbphase lediglich von temporärem Charakter sein würde.

Dieser Meinung waren zumindest Edwards, Johnson, Earnhardt und auch Tony Stewart, die prompt allesamt zum Auftanken an die Box fuhren, während Kahne und 19 andere Sprint-Cup-Piloten offenbar darauf setzten, dass es dauerhaft stark regnen würde und NASCAR daher einen Rennabbruch verkünden müsste. Earnhardt Jr. fiel bis auf Platz 20 zurück und war damit der Bestplatzierte der Piloten, die beim Service waren.

Restart mit verschiedenen Spritstrategien

Die Rote Flagge kam prompt und die neue Reihenfolge lautete: Kahne, Matt Kenseth, Denny Hamlin, Greg Biffle, Mark Martin und Kurt Busch. Doch bald wurde klar, dass sich das Wetter verziehen würde, und noch standen 69 lange Rennrunden an. Das Benzinfenster von Pocono lag zwischen 30 und 35 Runden, und nun hing alles davon ab, ob die Piloten die beim Tanken waren, mit nur einem weiteren Stopp durchkommen würden.

Kahne, Hamlin und Martin etablierten sich nach dem Restart unangefochten als neues Spitzentrio. Die Drei bogen in Runde 155 geschlossen zum Tanken ab, während sich weiter hinten Edwards, Johnson, Tony Stewart und Earnhardt Jr. in Riesenschritten zurück in die Top 10 kämpften.

Klar war zu diesem Zeitpunkt nur, dass alle Piloten noch einmal an die Box mussten. Die entscheidende Frage war jedoch, für wen dieser Aufenthalt der Einzige bleiben sollte. Hamlin verabschiedete sich mit einem weiteren Stopp frühzeitig, was nur noch Kahne und Martin im Parallelflug vorne ließ.

Edwards hatte sich jedoch bereits wieder auf Platz drei nach vorne gefahren, und der Roush-Pilot galt als einer derjenigen, der nicht mehr zum Tanken kommen würde. 13 Runden vor dem Ende war der Kampf für Kahne und Martin endgültig verloren - sie gingen an die Box und fielen deutlich aus den Top 10 heraus.

Edwards gewinnt den Benzinpoker

Carl Edwards
Die Strategie machts: Carl Edwards gewann Saisonrennen Nummer vier
© Ford

Dann nahm das Benzindrama seinen Lauf: Zwei Runden vor dem Ende rollte der Gesamtführende Kyle Busch plötzlich langsam und ohne Sprit in die Boxengasse - der Gibbs-Pilot war bei seinem letzten Stopp in der gleichen Runde beim Tanken gewesen wie Leader Edwards.

Kyle Busch verlor so seinen vierten Platz und wurde schließlich als 36. abgewunken. Doch der Ford Fusion von Edwards entpuppte sich als Spritsparwunder, und so konnte sich der 28-Jährige aus Missouri seinen vierten Saisonsieg sichern. Tony Stewart hatte sich im Rennverlauf heimlich still und leise aus dem Mittelfeld heraus nach vorne gefahren und wurde starker Zweiter.

Indianapolis-Sieger Johnson hingegen hatte ein Riesenglück: Seinem Hendrick-Chevrolet ging Ende der letzten Runde der Sprit aus, aber sein Abstand zu den Verfolgern war groß genug, um mit leerem Tank als Dritter über die Ziellinie zu rollen.

Chase: Kenseth raus, Harvick rein

Matt Kenseth
Ein elfter Platz reichte Matt Kenseth nicht für einen Rang in den Top 12
© Ford

Durch das Zurückfallen von Kyle Busch erbte Earnhardt Jr. Platz vier, doch sein Tank war wenige hundert Meter vor Johnson leer. Dale Jr. wurde noch durchgereicht und landete am Ende nur auf Platz zwölf. Auch der dritte durstige Hendrick-Chevrolet von Jeff Gordon rollte auf Position zehn ohne Sprit durchs Ziel.

Hinter Kevin Harvick holte sich David Ragan (Roush-Ford) einen starken fünften Rang. Clint Bowyer wurde Sechster, während Kahne und Mark Martin durch die gestrandeten Kollegen noch auf die Plätze sieben und acht nach vorne gespült wurden. Mit Jamie McMurray stieß ein dritter Roush-Pilot als Neunter in die Top 10 vor.

Matt Kenseth, der vierte Roush-Mann im Bunde, verpasste dieses als Elfter knapp und fiel dadurch auch aus den Top 12 der Fahrerwertung. Der vierte Platz von Kevin Harvick katapultierte den Childress-Piloten zumindest temporär in den Sprint-Cup-Chase. Ganz vorne steht nach wie vor Kyle Busch vor Dale Earnhardt Jr. und - neu - Carl Edwards.

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