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NASCAR-Chef France: "Alles läuft in Zyklen"

08. Juli 2008 - 10:23 Uhr

NASCAR-Chef Brian France nahm in Daytona zu den aktuellen Problemen der NASCAR Stellung - beide US-Präsidentschaftskandidaten bereits eingeladen

Brian France
Brian France nahm in Daytona zu vielen Fragen rund um die NASCAR Stellung
© NASCAR

(Motorsport-Total.com) - "Auch wir sind in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld nicht immun", lautete das Credo von NASCAR-Chef Brian France, der am Freitag in Daytona zu Saisonhalbzeit turnusgemäß seine grundsätzliche Sicht der Dinge darstellte. Dieser Satz war darin eine der zentralen Botschaften - aber neu war er nicht, denn France hatte dieses Problem bereits in der Off-Season im Winter in aller Deutlichkeit adressiert.

Die nach NASCAR-Verhältnissen halbleeren Tribünen ausgerechnet in der StockCar-Hochburg Daytona sollten ein schnelles Zeugnis seiner Thesen darstellen, und passten damit hervorragend in das Bild, dass die US-amerikanischen Motorsportfans erst vor wenigen Tagen vor Augen geführt bekamen, als Chip Ganassi in einer spektakulären Über-Nacht-Aktion ausgerechnet das Franchitti-Team zusperren musste.

Keine Sponsoren, kein Geld, daher auch kein Budget - die Zahl der permanent im Sprint-Cup vertretenen Teams ist mittlerweile auf gerade einmal 44 Autos gesunken. Viele Zuschauer, und als Folge davon vor allem das große Sponsoreninteresse - das waren immer, und sind nach wie vor, die entscheidenden Triebfedern für die NASCAR. Dies weiß auch France.

"Wenn wir es schaffen, auch weiterhin einen Wert für unsere Sponsoren und die Teams zu kreieren, dann sind wir gut aufgestellt", lautete die klare Zielvorgabe des NASCAR-Chefs. Dieses ist in Zeiten, in denen die US-Wirtschaft an den Rand einer Rezession schlittert ein schwieriges Unterfangen, denn auch die drei großen Automobilhersteller General Motors, Ford und Chrysler haben derzeit immense Probleme.

Alle drei Hersteller in Problemen

Dale Earnhardt Jr.
GM-Botschafter Dale Earnhardt Jr. hat gleich zwei Hauptsponsoren
© NASCAR

"Detroit's Big Three" verzeichneten im Juni massive Einbrüche in ihren Verkaufszahlen, was sofort Gerüchte über einen Rückzug aus der NASCAR zur Folge hatte. France glaubt nicht an solch drastische Reaktionen: "Sie haben uns wiederholt gesagt, dass ihre langfristigen Positionen in der NASCAR funktionieren. Und irgendwo müssen sie ihre Produkte ja vermarkten, wie auch immer diese aussehen mögen."

Doch auch der NASCAR-Chef war sich darüber im Klaren, dass "sie wahrscheinlich viele Dinge überdenken müssen. Wir werden es abwarten müssen." GM hat sein NASCAR-Engagement in der Zwischenzeit bekräftigt, die einzigen Einsparungen sollen eine Aufgabe des Streckensponsorings betreffen.

So wiederholte France gebetsmühlenartig seine These vom zyklischen Geschäft NASCAR. "Zu viele Autos, zu viele gut finanzierte Teams, die dann enttäuscht sein werden, wenn sie sich nicht qualifizieren können. " Vor einem Jahr, so France, hatte man genau diese kritischen Fragen aufgeworfen. "Was wir damals gesagt haben, hat sich bewahrheitet: Alles spielt sich in Zyklen ab."

Über Split-Sponsoring und Franchising

Juan Pablo Montoya
Juan Pablo Montoyas Hauptsponsor neben Texaco/Havoline ist Wrigleys
© NASCAR

Doch auch die Firmen reagieren auf die neue Kostensituation. Teams wie etwa Bill Davis Racing, Petty Enterprises, Michael Waltrip Racing oder seit kurzem eben auch Chip Ganassi haben bei weitem noch keine hinreichend sicheren Sponsorenverträge für 2009 an Bord, weswegen sich einige Sponsoren bereits auf Schnäppchentour begeben.

Denn die Frage ist, ob die kleineren Teams statt 20 und mehr Millionen US-Dollar ihre Flächen auch für acht, zehn oder zwölf Millionen US-Dollar verkaufen, um dringend notwendige Gelder in ihre Organisationen zu pumpen. Sollte dieses in die Realität umgesetzt werden, dann droht ein Szenario, in dem die Reichen immer reicher, und die Armen immer ärmer werden.

Und dieses führt fast zwangsläufig zu dem anderen Szenario, vor dem viele Angst haben: Franchising. Dieser Begriff schwebte 2007 wie ein Damoklesschwert über der NASCAR, was France in seiner Daytona-Analyse jedoch teilweise zurücknahm.

"Wenn wir der Meinung sein würden, dass das Franchising mehr Besitzer anziehen würde oder den Wettbewerb verbessern würde, oder wenn es jemand gäbe, den wir belohnen müssten, dann würden wir uns dieses sicher genau ansehen. Aber es ist nicht notwendigerweise so, dass uns das dabei helfen wird. Wir haben oft darüber gesprochen, aber zu diesem Zeitpunkt glauben wir nicht, dass dies in unserem Interesse sein wird."

Sind Fusionen die Lösung?

Michael Waltrip CoT
Michael Waltrip Racing hat für 2009 nur NAPA als Vollzeitsponsor feststehen
© Fink/MST

Was bleiben also für Strategien? Eine ist die Aufteilung der Sponsoren, wie es auch große Teams bereits betreiben. Dale Earnhardt Jr. (Hendrick-Chevrolet) etwa hat genauso zwei Hauptsponsoren, wie auch Juan Pablo Montoya (Ganassi-Dodge).

Oder es kommt zu Fusionen zwischen einzelnen Organisationen, wie besonders im Fall Ganassi immer wieder unterstellt wird. War es zunächst Roger Penske, mit dem Ganassi verbandelt wurde, so interpretieren jüngste Gerüchte ein Techtelmechtel mit Michael Waltrip Racing (MWR), da sich Chip Ganassi und Felix Sabates in Daytona mit Rob Kaufmann, dem Mitbesitzer von MWR zum Frühstück getroffen haben.

MWR hat derzeit auch nur etwa 50 Prozent des notwendigen Budgets für 2009 zusammen, doch ob eine Fusion zwischen zwei angeschlagenen Organisationen das Gelbe vom Ei ist, darf getrost bezweifelt werden. Denn das dringend benötigte zusätzliche frische Geld wird durch solche Aktionen nur äußerst selten generiert.

Was bleibt, ist wohl die Hoffnung, dass die US-amerikanische Wirtschaft irgendwann wieder in Schwung kommen wird. Vielleicht geht ja im Herbst ein Ruck durch die US-Konjunktur, denn dann stehen die Präsidentschaftswahlen an, nach denen die Bush-Administration ihren endgültigen Abschied nehmen wird. John McCain und Barack Obama jedenfalls sind beide bereits eingeladen worden. "Ich vermute, dass wir sie bald an einer Strecke sehen werden", erklärte France. "NASCAR war immer ein Ort, an dem sich die Politiker gerne den Fans vorgestellt haben."

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