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IndyCar Series
 
IndyCar-Vorschau: Das wiedervereinigte Homestead
 
von Pete Fink 28. März 2008 - 10:34 Uhr
 
Nach vielen Jahren des Streits steht in Homestead das erste wiedervereinigte IndyCar-Rennen an - 25 Autos garantieren ein richtig volles Starterfeld
 
Tony George und Kevin Kalkhoven
Tony George und Kevin Kalkhoven beendeten in Homestead ihre Fehde
Zoom © IRL
(Motorsport-Total.com) - Zwölf lange Jahre hat es gedauert und nun ist es soweit. Am kommenden Wochenende wird in Homestead der Saisonauftakt zur IndyCar-Saison 2008 stattfinden. Zum ersten Mal seit 1996 geht die große US-Formelserie damit wieder gemeinsam an den Start. Der "Split", den die prestigeträchtige 'Sports Illustrated' 2004 in die wenig schmeichelhafte Top-10-Liste der "zehn dümmsten Momente im Sport" aufgenommen hatte, ist hoffentlich endgültig Geschichte.

Der allgemeine Sprachgebrauch pendelt sich derzeit bei der Bezeichnung Wiedervereinigung ein. In Deutschland ist diese Begrifflichkeit nun wirklich nicht unbekannt, und die Szenerie weist tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten auf: Alles ging plötzlich sehr schnell, eine Partei war im Prinzip bankrott, die Gegenseite nutzte die Chance mit einigen Lockangeboten und über Nacht brachen alle Dämme.



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Denn nur eine Handvoll ChampCar-Boliden war nicht durch die Privatschatulle von Kevin Kalkhoven finanziert, der zu einem bestimmten Zeitpunkt offensichtlich die Nase voll davon hatte, den Privatsponsor für zwei Drittel einer Motorsportserie zu spielen. Nun ist er ein einfacher Teamchef bei KV Racing und es scheint so, als sei er mit dieser Rolle zufrieden.

Hat Tony George nun gewonnen? Es sieht so aus, aber wenn, dann datiert sein Sieg nicht in diesem Winter, denn die Strukturen zeichneten sich schon einige Jahre zuvor deutlich ab. Und George begeht intelligenterweise auch nicht den Fehler, gegen den am Boden liegenden Ex-Konkurrenten nachzutreten, sein Interesse gilt einzig und allein der Zukunft.

 
Volles Starterfeld

Dan Wheldon
Ganassi-Pilot Dan Wheldon war zuletzt in Homestead nahezu unschlagbar
Zoom © IRL
"Her damit", lautete sein Kommentar, als er auf die bevorstehenden Herausforderungen angesprochen wurde. George ist nun sozusagen der Bernie Ecclestone der USA und - in seiner zweiten Eigenschaft als Präsident des Indianapolis Motor Speedways - der mächtige Mann im US-Formelsport.

Aber George schlägt ganz zarte Töne an: "Vielleicht gehen wir zurück zur Indy Car World Series", sagte er, als er auf den zukünftigen Namen der Serie angesprochen wurde. Doch bevor ein neuer Titelsponsor gefunden wird, soll sich zunächst nichts ändern.

So wird das "Gainsco Auto Insurance Indy 300" auf dem Homestead-Miami Speedway ein historisches Ereignis werden, und die erste sichtbare Änderung ist ein richtig volles Startfeld. Neun ehemalige ChampCar-Piloten ergänzen den Grid, und obwohl Graham Rahal seinen Dallara-Honda bei den Tests irreparabel beschädigte, bleiben immer noch 25 Autos übrig, die sich in die Qualifikation begeben.

"Ich kann nur eines vorhersagen", meinte IRL-Routinier Vitor Meira (Panther Racing) stellvertretend für die meisten Piloten. "Wenn ich ein Fan wäre, dann würde ich mir das erste Rennen definitiv anschauen." Wobei - zumindest zu Saisonbeginn - die ChampCar-Wechsler kaum an der Spitze mithalten können, dazu war die Vorbereitungszeit einfach zu kurz.

 
Drei große Favoritenteams

Tony Kanaan
Tony Kanaan ist bei Andretti-Green die klare Nummer eins
Zoom © IndyCar
Daher gibt es für Homestead drei klare Favoritenteams: Andretti-Green Racing, Target Chip Ganassi Racing und Team Penske. Speziell in Homestead dürfte der Sieg nur über Dan Wheldon (Ganassi) gehen, der die letzten drei Homestead-Events in Reihe gewinnen konnte. Sollte der Brite auch 2008 die Oberhand behalten können, hätte er die IndyCar-Rekordbücher neu geschrieben, denn vier Siege in Folge hat es bislang noch nie gegeben.

Sein Teamkollege ist 2008 wieder Scott Dixon. Damit geht das Ganassi-Team als einziges der drei Spitzenteams unverändert in die neue Saison, denn sowohl Andretti-Green, als auch Penske mussten mit Dario Franchitti, beziehungsweise Sam Hornish Jr. einen kräftigen Aderlass hinnehmen.

So ist beispielsweise Tony Kanaan nun der "Elder Statesman" bei AGR, der jedoch selbst sagt, er habe mit Franchitti seinen wichtigen Flügelmann verloren. Es liegt an Danica Patrick und Marco Andretti, in die Franchitti-Rolle zu schlüpfen und die klare AGR-Nummer eins aus Brasilien adäquat zu unterstützen, während Hideki Mutoh in seiner Rookie-Saison vor allem lernen soll.

Penske hat in Ryan Briscoe ebenfalls einen Neuzugang, der sich im Team akklimatisieren muss. Die Mannschaft setzt voll auf den mittlerweile extrem populären Profitänzer Helio Castroneves, der 2007 zwar eine Pole Position nach der anderen holte, im Rennen dann viel zu oft nicht ganz vorne ins Ziel kam.

 
ChampCar-Teams noch ohne Chancen

Justin Wilson
Justin Wilson und die ChampCar-Wechsler brauchen noch ein wenig Zeit
Zoom © IRL
Bei den anderen alteingesessenen IRL-Teams kehrte nach den Vorsaison-Tests eine gewisse Ernüchterung ein. Ryan Hunter-Reay etwa bezeichnete die Zeiten seines Rahal-Letterman-Teams mit den Worten: "Eigentlich dachten wir, dass wir ein wenig schneller wären", und war damit bei weitem nicht der Einzige.

Unter den fünf ehemaligen ChampCar-Teams (Newman/Haas/Lanigan, KV Racing, Conquest Racing, Dale Coyne Racing und HVM Racing), die bereits in Homestead an den Start gehen werden, liegt der Fokus ganz klar auf Newman/Haas.

Justin Wilson lautet der Nachfolger von Sébastien Bourdais und der Brite ist in den USA bereits einige Male im Oval unterwegs gewesen. "Ich will nichts schönreden und ich will auch niemanden unterschätzen", analysiert Wilson seine Situation. "Unser Plan ist es, ruhig und geduldig zu bleiben. Wir wollen kleine, positive Schritte machen."

Trotzdem fehlen zum Saisonauftakt einige klangvolle Namen, wie etwa das kanadische Urgestein Paul Tracy, das Forsythe-Team oder auch Minardi mit Paul Stoddart und Robert Doornbos. 200 Runden stehen auf dem Fahrplan des 1,5 Meilenovals in Südflorida, das 1995 eröffnet wurde und 65.000 Zuschauern Platz bietet. Das "Gainsco Auto Insurance Indy 300" auf dem Homestead-Miami Speedway startet in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 1:00 Uhr morgens.

 
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