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NASCAR
 
NASCAR-Chef: "Andere hätten gerne unsere Probleme"
 
von Pete Fink 23. Januar 2008 - 11:53 Uhr
 
Brian France hat diese Woche eine Analyse der aktuellen NASCAR-Situation gegeben und seine Sicht der Dinge dargelegt - Motto: Zurück zu den Wurzeln
 
Brian France
NASCAR-Chef Brian France will 2008 zurück zu den Wurzeln kehren
Zoom © NASCAR
(Motorsport-Total.com) - NASCAR-Chef Brian France hat sich in dieser Woche zu Wort gemeldet und in aller Ausführlichkeit dargelegt, wie er den anstehenden Problemen seiner Serie begegnen will - quasi mit einer Politik der ruhigen Hand, die Altkanzler Gerhard Schröder schon vor einigen Jahren in Deutschland an den Tag legte.

Natürlich besteht die berechtigte Frage, ob der NASCAR-Boss den Namen Schröder überhaupt schon einmal gehört hat, die Mittel und Wege beider Führungspersönlichkeiten gleichen sich jedoch aufs Haar: Möglichst wenig Veränderungen und auf den Faktor Zeit setzen.



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Traditionell war die Medientour von Charlotte in den vergangenen Jahren eher ein Ort des Wechsels, denn just bei dieser Gelegenheit verkündete der NASCAR-Chef 2004 die Einführung des Chase und ließ eigentlich in jedem Jahr weitere Veränderungen folgen. Nicht so in dieser Saison.

"Es waren viele Veränderungen, die gemacht werden mussten", argumentierte France. "Einige davon standen auch nicht in unserer Kontrolle. Doch jetzt gehen wir zurück an die Basis. Wir werden weitere Veränderungen so weit wie möglich vermeiden und uns darauf konzentrieren, worauf wir uns immer konzentriert haben - das beste Produkt der Welt."

 
Konzentration auf den Sport

Start Homestead
2008 will Brian France wieder mehr sportliche Schlagzeilen sehen
Zoom © Ford
Natürlich meint er damit die NASCAR. "Unser Sport ist stark und wir sind fest entschlossen, ihn noch stärker zu machen und die Treue unserer loyalen Fans aufrechtzuerhalten. Wir werden weiter wachsen", verspricht der NASCAR-Chef, der weiter betonte: "Jede andere Motorsportserie hätte gerne die Probleme der NASCAR, das kann ich sagen. Wir sind sehr zufrieden damit, wo sich dieser Sport gerade befindet."

Auch die Formulierung "zurück zur Basis" erhielt von France eine genauere Definition: "Die Schlagzeilen am Montag sollen sich nicht mehr mit TV-Ratings oder Sponsoren beschäftigen, sondern darum, was auf der Strecke passiert ist. Das ist das Wichtigste und dorthin wollen wir wieder zurückkehren."

Einzig eine leichte Modifikation am Qualifikationssegment wurde in Charlotte bekanntgegeben, die aber so erwartet und eigentlich von allen Beteiligten als notwendig bezeichnet wurde. Doch der Tenor der gesamten Veranstaltung war der, dass man in Zukunft wieder mehr Gewicht auf die Bedürfnisse der alteingesessenen Fans legen will.

Diesen wurde in den letzten Jahren viel zugemutet, denn die NASCAR legte mehr Wert auf die Eroberung neuer Märkte, als auf die Interessen der traditionellen Südstaatler Rücksicht zu nehmen. Los Angeles war für France interessanter als North Carolina und Virginia und diese Ambition erntete Kritik.

 
Uneinigkeit unter den Betroffenen

Dale Earnhardt Jr. Hendrick
Dale Earnhardt Jr. ist ein bekennender Fan des Rock'n'Rolls...
Zoom © NASCAR
"Ich persönlich denke, dass es ein Fehler war, völlig neue Zuschauer anziehen zu wollen", äußerte etwa NASCAR-Legende Rusty Wallace. "Ich fühlte, dass sich der Sport vom originalen Fan entfremdet hat. Seit Dale Sr. starb hatten wir plötzlich keine Country Musik mehr, wir haben Rock'n'Roll gehört. Später gingen wir nach Kalifornien, zu Leuten, die ich nicht einmal kannte."

Amüsant ist an dieser Stelle nur, dass der größte Star der NASCAR-Szene, Dale Earnhardt Jr., selbst bekennender Fan der Rockmusik ist: "Ich werde an der Strecke sitzen, Bier trinken, Party machen und die ganzen Rednecks mit meiner Rock'n'Roll Musik ärgern", sagte er einmal, als er darauf angesprochen wurde, was er denn nach seiner aktiven Zeit als Rennfahrer zu tun gedenke.

Gerade Earnhardt Jr. und dessen jüngste Misserfolge waren es, die - unter anderem - die Diskussionen um die Hintergründe der Stagnation im NASCAR-Getriebe lostraten. Doch im wachstumsverrückten Amerika ist eine Rezession ein Signal des Teufels, selbst wenn diese durch ökonomische Rahmenbedingungen begründet werden kann, was der NASCAR-Chef auch immer wieder betont - doch offenbar hat er Probleme, sich mit diesem Argument Gehör zu verschaffen, denn es darf nicht sein, was nicht sein darf.

Das Wachstum der NASCAR war in den vergangenen Jahren exorbitant und irgendwann ist jeder Markt gesättigt. Den USA droht eine Rezession und in solch einem Umfeld ein weiteres Wachstum zu generieren, ist erfahrungsgemäß sehr schwer.

 
Ganassi geht eigenen Weg

Felix Sabates Chip Ganassi
Felix Sabates (li.) und Chip Ganassi haben ihre ganz eigenen Ansichten
Zoom © NASCAR
Der Versuch, noch unbesetzte Schlüsselmärkte in den USA - etwa das Beispiel New York - zu erobern, ist bis auf weiteres fehlgeschlagen. Die Ankunft von Toyota und Weltstars wie Juan Pablo Montoya und Jacques Villeneuve wird von vielen mit großem Misstrauen begegnet.

Doch eines ist auch klar: Selbst wenn zukünftige Earnhardt-Erfolge die Fans aus dem amerikanischen Süden wieder an ihr TV-Gerät locken, dann werden höchstens die Zahlen erreicht, die man schon hatte. Die in Charlotte nicht beantwortete Frage lautet also: Wie geht es dann weiter? Wo genau befinden sich denn nun die Märkte, von denen sich die NASCAR ein über die Zahlen der Saison 2005 weiterführendes Wachstum hinaus verspricht?

NASCAR-Teambesitzer Chip Ganassi, der Chef von Juan Pablo Montoya und Dario Franchitti, hat dazu jedenfalls seine ganz persönliche Meinung: "Ich weiß, dass viele NASCAR-Fans über den internationalen Einfluss der Formelpiloten beunruhigt sind", sagte er diese Woche. "Sie sagen, dass dies schlecht für den Sport sei. Doch diese Fans sollten stolz darauf sein, denn das zeigt doch nur, dass der Rest der Welt gerade herausfindet, was wir alle schon lange wissen - NASCAR bietet einfach ein verdammt gutes Racing."

Die Probleme, die die NASCAR hat, sind mit Sicherheit vielschichtiger Natur. Und klar ist auch, dass keineswegs Einigkeit in der Analyse herrscht. Eine Politik der ruhigen Hand ist wahrscheinlich zur eine Momentaufnahme, denn das Damoklesschwert Franchise schwebt über dem ganzen System und eine Einführung dessen wäre genau das Gegenteil, von dem was der NASCAR-Chef in dieser Woche erklärt hatte.

 
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