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NASCAR und die Qualifikationsregeln

17. November 2007 - 11:39 Uhr

Warum ist es so wichtig, in den Top 35 zu stehen? Warum überlegt Roger Penske, die Ownerpunkte seiner Fahrer zu tauschen? Und was sagt NASCAR?

A.J. Allmendinger Red Bull
A.J. Allmendinger in seinen wenigen Runden unter Floridas Herbsthimmel
© Red Bull

(Motorsport-Total.com) - Vor allem seit dem NASCAR-Einstieg des japanischen Automobilherstellers Toyota Anfang des Jahres, ist das Qualifying im Nextel-Cup zu einem echten Vabanque-Spiel geworden, das nur all zu oft einem Krimi im Bereich von Tausendstelsekunden gleicht. 43 Startplätze gibt es, und wenn sich 50 Piloten um einen Einzug in das Rennen bewerben, dann dauert das komplette Wochenende für einige Fahrer und Teams nur wenige Minuten.

Denn vor dem allentscheidenden Qualifying steht nur ein einziges freies Training. Dieses hat zumeist 90 Minuten, aber es kann durchaus passieren, das diese entscheidende Trainingsperiode - mit ihrer ohnehin schon knappen Zeitspanne - durch Probleme bei der technischen Inspektion noch einmal zeitlich verkleinert wird.


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Weit vor dem Beginn des ersten freien Trainings bildet sich in der Regel eine lange Schlange von Autos, die darauf warten, von den NASCAR-Offiziellen als reglementkonform abgezeichnet zu werden. Erst wenn dies geschehen ist, darf man am aktiv freien Training teilnehmen und so kann es durchaus passieren, dass man nur zwei oder drei kurze Runs hat, um sich für das Qualifying einzuschießen.

Nur ein Training vor der Qualifikation

CoT Abnahme Schlange der Teams Bristol
Bei der CoT-Abnahme bilden sich regelmäßig lange Warteschlangen
© Fink/MST

Denn die zeitliche Abfolge der technischen Untersuchung am Freitagmorgen geschieht über die Reihenfolge der Autos in der Ownerwertung, also sozusagen der Konstrukteurswertung, die getrennt von der Fahrerwertung errechnet wird. Mit anderen Worten: Ein Dazwischenmogeln ist nicht möglich, die hinteren Autos müssen warten und sind so doppelt bestraft. Darum ist es umso wichtiger, dass die Fahrzeuge - "aus dem Truck heraus" optimal für die jeweilige Strecke vorbereitet sind.

Und das nächste Problem lauert bereits in Form des eigentlichen Qualifikationsmodus. Dieser besteht aus einem Einzelzeitfahren, in der jeder Pilot zumeist zwei Runden alleine auf der Strecke ist. Der Schnellere der beiden Umläufe zieht in die Wertung ein und die Startreihenfolge im Qualifying wird nach dem freien Training ausgelost.

Das wiederum hat zur Folge, dass der erste und der letzte Qualifikant ziemlich unterschiedliche Streckenverhältnisse vorfinden können, denn zumeist beginnt das Qualifying um etwa 16:00 Uhr Ortszeit und dauert bis zu zwei Stunden, in denen sich - zum Beispiel durch eine veränderte Sonneneinstrahlung - die Streckenbeschaffenheit komplett ändern kann.

Top 35 ist eminent wichtig

Dave Blaney
Bill-Davis-Pilot Dave Blaney liegt zur Zeit auf dem so wichtigen Platz 35
© xpb.cc

Bei so vielen Variablen ist es logisch, warum ein Einzug in die Top 35 der Ownerwertung so eminent wichtig ist, denn wenn man auf Platz 35 oder besser steht, dann kann man diesem ganzen Tohuwabohu gelassen entgegen sehen und sich bereits am Freitag ganz auf das Sonntagsrennen vorbereiten - der Startplatz ist in jedem Fall garantiert.

NASCAR überlegt nun, wenigstens eine dieser vielen kleinen Schieflagen auszugleichen: Es geht um die Bildung einer seperaten Gruppe der Zeitqualifikanten. Damit ist gemeint, dass alle die Piloten, die sich nicht in den Top 35 befinden, in einer Gruppe zusammengefasst qualifizieren, um eine größere Chancengleichheit herzustellen, was die Streckenbeschaffenheit betrifft.

"Wir untersuchen so etwas gerade", erklärte NASCAR-Direktor John Darby in Homestead. "Aber jedes Mal, wenn du etwas veränderst, dann musst du dir genau ansehen, wie sich das auf alles Weitere auswirkt. Man kann nicht einfach sagen, dass irgendetwas besser ist. Vielleicht macht so etwas für die einen Sinn, für die anderen aber nicht. Zum Beispiel die Frage, ob so eine Gruppe am Beginn oder am Ende der Session fährt."

Man braucht Glück in der Auslosung

A.J. Allmendinger Red Bull
A.J. Allmendinger hatte am Freitag wenig Glück bei der Auslosung
© Red Bull

A.J. Allmendinger etwa wäre in Homestead sicher gerne in einer Gruppe mit den Konkurrenten gefahren. Der Red-Bull-Pilot musste am Freitagabend als Siebter von 49 Fahrern auf die Strecke, sein Teamkollege Brian Vickers dagegen als 47. Dazwischen lag über einer Stunde Rennbetrieb und es ist nicht arg verwunderlich, dass Vickers den Einzug geschafft hat, Allmendinger aber nicht.

Ähnliches gilt übrigens für die Herren Waltrip (als 15. auf die Strecke) und Nemecheck (als 17.), während die Leistung von NASCAR-Rookie Patrick Carpentier umso stärker einzustufen ist, denn der kam auf Position Zehn an die Reihe - und konnte sich qualifizieren.

Speziell im Hinblick auf den Saisonstart 2008 ist es Gold wert, wenn man unter den Top 35 liegt, denn das ist nichts anderes, als die Garantie für einen Startplatz in den ersten fünf Saisonrennen. Erst danach greifen die aktuellen Ownerpunkte und derjenige, der fünfmal im Rennen war, hatte auch fünfmal die Gelegenheit, wichtige Zähler zu sammeln, um überhaupt nicht in die Gefahr zu kommen, aus den Top 35 herauszufallen - während die nicht qualifizierte Konkurrenz zähneknirschend zu sehen muss, wie sich der Abstand Wochenende für Wochenende vergrößert.

Das Rennen im Rennen

Bill Elliott
Ex-Champion Bill Elliott ist sechsmal pro Saison fix qualifiziert
© NASCAR

In Homestead fahren drei Piloten ihr ganz eigenes Rennen: Kyle Petty liegt auf Platz 34 und hat 2.753 Ownerpunkte, Dave Blaney ist mit Rang 35 und 2.724 Zählern "on the bubble", wie die Amerikaner sagen. Bill Elliott im Ford der Wood Brothers, müsste mit 2.588 Punkten schon ein kleines Wunder gelingen, um noch in die Top 35 vorzustoßen.

Doch der "Million-Dollar"-Bill hat als Ex-Champion sechs Rennen pro Saison einen garantierten Startplatz, eine sogenannte "Championship Provisional". Aber nur, wenn er der letzte aktuelle NASCAR-Champion ist und genau das ist auch der Grund, warum Roger Penske derzeit überlegt, die Ownerpunkte von Kurt Busch und Sam Hornish Jr. zu tauschen.

Hornish Jr. wird 2008 mit dem Penske-Dodge der Startnummer 77 an den Start gehen und dieses Auto hat keinen einzigen Ownerpunkt, denn es war in dieser Saison nicht in Betrieb. Kurt Busch und sein Nummer-Zwei-Penske steht mit 6.056 Ownerpunkte derzeit auf Rang zehn und ist also fix für die ersten fünf Saisonrennen qualifiziert.

Penske mit einem Bauerntrick

Kurt Busch
Kurt Busch kann seine Ownerpunkte hergeben und wird trotzdem im Feld sein
© NASCAR

Würden Hornish Jr. und Kurt Busch nun die Ownerpunkte tauschen - und NASCAR hat bereits signalisiert, dass man diesem Vorhaben zustimmen würde - dann wäre NASCAR-Rookie Hornish Jr. in den so wichtigen fünf ersten Saisonrennen fix im Startfeld, Kurt Busch aber auch.

Denn Kurt Busch war der NASCAR-Champion des Jahres 2004 und damit der jüngste NASCAR-Meister. Bill Elliotts Titel liegt bereits länger zurück (1988), und da es immer nur einen Ex-Champion mit einem garantierten Startplatz gibt, wäre dies Kurt Busch.

Klingt kompliziert? Ist es auch. 2005 wurde diese Regel eingeführt, doch die Zeiten haben sich rasant geändert und NASCAR wäre wohl gut beraten, die eine oder andere rein sportliche Komponente mehr in seine Qualifikationsmühle einzubauen.

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