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Schwarz: Ford-Taktik ein cleverer Kniff
 
von Britta Weddige 06. Mai 2008 - 16:27 Uhr
 
Ford packte in Jordanien eine neue Strategie aus und ließ sich absichtlich zurückfallen - bei den Regeln das Beste, was man machen kann...
 
Armin Schwarz
Armin Schwarz findet nicht, dass sich Ford unsportlich verhalten hat
 © armin-schwarz.com
(Motorsport-Total.com) - Im Ford-Lager freute man sich am Samstagabend der Rallye Jordanien über den gelungenen Schachzug, im Citroën-Lager weniger. Daniel Sordo kochte vor Wut und Teamchef Olivier Quesnel konnte sich bissige Ironie nicht verkneifen ob des Taktikspielchens von Jari-Matti Latvala und Mikko Hirvonen. Der Sonntag war in Jordanien der längste Tag und das auf betonharten Pisten mit einer Schicht "Rollsplit" oben drauf - so hatte Ford ausgeklügelt, dass man Sordo am Samstagabend die Führung und damit die Straßenkehrerarbeit für den Sonntag überlässt. In der letzten Prüfung des Samstags bekamen Latvala und Hirvonen Sordos Zeit in die Autos übermittelt und die beiden passten ihre Pace entsprechend so an, dass sie im Gesamtklassement wieder hinter den Spanier fielen.

Sordo fand das gar nicht lustig und bezeichnete die Ford-Taktik mehr oder weniger als "unsportlich". Eine Meinung, die Rallye-Experte Armin Schwarz nicht teilt. "Ich finde die Taktik überhaupt nicht unsportlich", sagte er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Vielmehr lade das Reglement richtiggehend dazu ein: "Durch die Einheitsreifen und die Bemühung, alles andere auch zu vereinheitlichen, wurde die WM in ein enges Korsett verbannt. Und da ist diese Taktik ein Kniff, sich in die beste Startposition für den Sonntag zu bringen."

 

Schwarz zieht dabei Vergleiche zur Formel 1. "Dort kann auch vorkommen, dass man von Startplatz zwei aus die sauberere und bessere Spur hat als von der Pole Position aus", erläuterte er. "Ein Formel-1-Team würde dann auch genau kalkulieren, welche Zeit der Pilot im Qualifying hinlegen muss, damit er von der besseren Spur aus wegfahren kann. Ich glaube, dass das Reglement jetzt dazu herausfordert, solche Taktiken zu wählen, um für sich die beste Startposition herauszuziehen."

Wobei Schwarz glaubt, dass es Ford nur bedingt um die Startposition ging. "Ich glaube eher, dass man die Strategie von Citroën etwas behindern wollte. Sonst wären die Fords schon am Samstag vorn geblieben", so der Experte. "Dann aber hätte Daniel Sordo die Splitzeiten von Latvala und Hirvonen gehabt, hätte kontrollieren können, wo die beiden da vorne fahren und hätte eine Richtlinie gehabt. So hat man Citroën das clevere Taktieren schwieriger gemacht."

Das ging für Ford allerdings nur auf, weil sich Sébastien Loeb, der als Spitzenreiter schon mehr als eine halbe Minute Vorsprung hatte, am Samstagmittag durch seinen kuriosen Unfall aus dem Rennen verabschiedet hat. Wäre Loeb weiter vorne weg gefahren, hätte Ford wohl eine andere Strategie gewählt, so Schwarz: "Dann hätte Teamchef Malcolm Wilson wahrscheinlich gesagt: 'Einer fährt jetzt volles Programm und der andere geht auf Nummer sicher, weil wir ja auch Punkte brauchen'. Ich denke, dass Latvala dann sicher um den Sieg mitgefahren wäre und Hirvonen die sichere Variante gewählt hätte nach dem Motto 'Mir sind die Punkte lieber'."

Grundsätzlich hat Jordanien gezeigt: An einem Sonntag mit vielen langen Prüfungen kommt noch einmal richtig Spannung auf, anders als bei den Läufen, bei denen die Piloten am letzten Tag nur noch vorsichtig ein paar Kilometer bis ins Ziel abfahren müssen. "Es ist an einem langen Sonntag einfach noch viel mehr drin", so Schwarz. "Du kannst zwar mehr gewinnen, aber auch mehr verlieren."

 
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