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Zukunft der "Dakar" steht in den Sternen

05. Januar 2008 - 15:30 Uhr

Kris Nissen fordert erst einmal Zeit für alle Beteiligten, Ellen Lohr hat das Thema "Dakar" abgehakt und Robby Gordon will klagen

Robby Gordon
Hummer-Pilot Robby Gordon wird wohl nie wieder an der Dakar teilnehmen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Nach der ersten Absage in der 30-jährigen Geschichte der Dakar-Rallye steht die Zukunft der berühmtesten Wüstenrallye der Welt in den Sternen. Während Rallye-Chef Etienne Lavigne trotzig schon für 2009 das Comeback einer "großartigen und vielleicht anderen Dakar" ankündigt, ist es schwer einzuschätzen, ob große Automobil-Hersteller wie Volkswagen weiter Millionenbeträge für eine nur einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung ausgeben werden, wenn diese nach Terrordrohungen einen Tag vor dem Start ausfällt. Die vielen Privatfahrer, die für ihren großen Traum oft buchstäblich Haus und Hof verpfänden, haben die Veranstalter mit der kurzfristigen Absage auf jeden Fall vergrätzt.

"Die Dakar ist im Motorsport eine bekannte Größe, es gibt wenige Events mit einer so großen Tradition. Man sollte jetzt nicht alles auf den Kopf stellen", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen dem 'Sport-Informations-Dienst': "Die Organisatoren und alle Teilnehmer brauchen jetzt ein paar Wochen Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Die kompletten Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar. Wir stehen zur Dakar und zum Veranstalter ASO, und wir werden ihnen die Zeit geben, zu entwickeln, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Wir werden uns aber sicher nur dann zu etwas bekennen, wenn wir die Bedingungen kennen."


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Natürlich sei es "eine bittere Pille", sagte Nissen, "wenn unser Spitzen-Sportereignis, in das wir die meiste Zeit und das meiste Geld investieren, das uns aber auch die größte Aufmerksamkeit und den größten Ertrag bringt, ausfällt". Aber die Motorsportabteilung der Wolfsburger sei mit Markenpokalen, der Nachwuchsförderung und dem Formel-3-Projekt breit und international aufgestellt. "Zum Glück haben wir mehrere Standbeine", sagte Nissen. Im Rallyebereich steht für VW jetzt die Titelverteidigung im Marathon-Weltcup an.

Schlechte Stimmung bei den Privatfahrern

"Für mich ist das Thema Dakar endgültig erledigt."
Ellen Lohr

Bei den Privatfahrern ist die Stimmung viel schlechter. "Für mich ist das Thema Dakar endgültig erledigt", sagte die frühere DTM-Pilotin Ellen Lohr, für die die Absage noch vor dem Start übereilt kam: "Für die Werksteams mag das nicht so die Rolle spielen, aber ich muss nun viele Sponsoren-Gelder zurückzahlen."

Motorrad-Pilotin Christina Meier hatte eineinhalb Jahre auf die Rallye hingearbeitet. "Ich habe mein Konto geplündert und meine Eltern angepumpt", sagte die 35-Jährige, die aber unbedingt bei der nächsten Dakar wieder dabei sein will.

Gordon: "Ich werde nicht wiederkommen"

Der frühere VW-Werkspilot Robby Gordon dagegen hat mit der Rallye abgeschlossen. "Ich werde nicht wiederkommen und zu Hause schauen, ob es einen Weg gibt, die Veranstalter zu verklagen", schimpfte der NASCAR-Star aus den USA.

"Ab einem gewissen Punkt kann man nicht mehr nur über ökonomische Überlegungen sprechen."
Bernard Laporte

"Ab einem gewissen Punkt kann man nicht mehr nur über ökonomische Überlegungen sprechen, sondern man muss erst über die Sicherheit reden", sagte Frankreichs Sportminister Bernard Laporte, räumte aber auch ein, dass die Absage "katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen" für die Länder hat, durch die die Rallye geführt hätte. Auch X-raid-Teamchef Sven Quandt erinnerte an die Menschen in den teilweise sehr armen afrikanischen Regionen, für die die Rallye einen großen Teil des Jahreseinkommens erbracht hätte.

Dass diese Gelder ausbleiben, hat jetzt die Terrororganisation Al-Qaida erreicht, die die Rallye als eine Form von "Neo-Kolonialismus" bezeichnet und Mauretanien die Zusammenarbeit mit "Kreuzrittern, Abtrünnigen, Ungläubigen" vorgeworfen hatte. "Die Dakar als Opfer des Terrorismus", titelte am Samstag die französische Tageszeitung Le Figaro. Der neue VW-Motorsportrepräsentant Hans-Joachim Stuck befürchtet sogar eine mögliche Signalwirkung. "Bisher ist noch nie eine Großveranstaltung wegen Terrorwarnungen abgesagt worden. Hoffentlich hat dieses Szenario keine Auswirkungen auf andere Großereignisse", sagte er dem 'sid'.

Für die Tageszeitung La Liberation könnte die Absage zumindest den "Tod von Rallyes durch den afrikanischen Kontinent bedeuten". Es sei "schwer zu glauben", dass es 2009 eine 31. Auflage der Dakar gibt.