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Rallye Dakar: Zwischen Faszination und Wahnsinn

04. Januar 2008 - 09:07 Uhr

Seit sich Thierry Sabine 1977 in der Wüste verirrt hat, gibt es die Dakar - Überblick über Triumphe und Tragödien sowie Ausblick auf 2008

Rallye Dakar
Faszination Dakar: Keine andere Rallye verfügt über so viel Ausstrahlung
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Das "Abenteuer Dakar" begann bereits im Jahr 1977 mit einer kuriosen Geschichte: Der Franzose Thierry Sabine blieb mit seinem Motorrad während der Rallye Abidjan-Nizza mitten in der lybischen Wüste stecken. Drei Tage verbrachte er allein in der Wüste, doch der Eindruck dieser traumhaften Landschaften ließ ihn auch nach seiner Rückkehr nach Frankreich nicht mehr los. Er beschloss, diese Entdeckung mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen, und lebte fortan nur noch für ein Ziel: So viele Leute wie möglich in diesen "Ozean aus Sand" zu holen.

Schon bald schmiedete Sabine konkrete Pläne. Er wollte eine außergewöhnliche Rallye organisieren, die in Europa beginnt und dann in die Weiten des "schwarzen Kontinents" führt - über Algier und Agadez bis nach Dakar. Afrika war der ideale Platz, um Träume mit sportlichem Wettbewerb zu vereinen. Aus dem Plan wurde schnell Wirklichkeit: Am 26. Dezember 1978 startete in Paris die erste Rallye Paris-Dakar mit 170 Teilnehmern, vor allem mit Motorradpiloten. Der erste Sieger hieß im Januar 1979 Cyril Neveu.

Bisher mehr als 14.000 Teilnehmer

Die Rallye ist längst der Wüstenklassiker schlechthin geworden, zum 30. Mal starten nun schon wagemutige Männer und Frauen in Autos und Trucks sowie auf Motorrädern auf die lange Reise in Richtung Dakar. Die Route führte in den vergangenen Jahren durch 21 verschiedene Länder und seit dem Debüt beim Jahreswechsel 1978/79 haben insgesamt rund 14.000 Männer und Frauen teilgenommen. Der Start der Rallye wurde mittlerweile in den Süden verlegt; so waren schon Barcelona und Granada der Ausgangspunkt, derzeit ist es Lissabon. Aus Sicherheitsgründen wurde die Route häufig verändert - zu oft gab es politische Unruhen in den Ländern, die zuvor noch passiert worden waren.

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Bei der diesjährigen Jubiläumsauflage verzeichnet die Dakar einen neuen Teilnehmerrekord: 570 Crews aus 50 Nationen haben in den verschiedenen Kategorien gemeldet, darunter auch Piloten aus exotischen Ländern wie Indien, Namibia, Guatemala, Kenia, Kasachstan und China.

Der Initiator Sabine kann das nicht mehr miterleben: Er kam bei der Rallye Paris-Dakar 1986 ums Leben, als sein Helikopter abstürzte. Danach organisierte sein Vater eine Zeit lang die Rallye. Er verkaufte sie dann aber an das französische Sportunternehmen Amaury Sport Organisation (ASO).

Sabine ist nicht das einzige Todesopfer, das es bei der Dakar zu beklagen gab. Mindestens 56 Menschen sollen bei dem Spektakel bereits ums Leben gekommen sein - Teilnehmer, Zuschauer, Helfer und Journalisten. Offizielle Zahlen gibt es keine, aber man kann davon ausgehen, dass es weit mehr sind als 56. Der erste Tote der Dakar war der französische Motorradfahrer Patrick Dodin, der bei der ersten Auflage der Rallye stürzte und sich schwere Kopfverletzungen zuzog.

Folgen der vielen Todesfälle

Im Laufe der Jahre wurden die Sicherheitsmaßnahmen immer mehr erhöht. In Ortschaften gilt seit einigen Jahren ein striktes Tempolimit, um folgenschwere Unfälle mit Zuschauern zu vermeiden. Auch sonst wurde die Höchstgeschwindigkeit limitiert, außerdem wurde das Hubraumlimit für Motorräder gesenkt. Damit die Piloten sich wenigstens kurz ausruhen können, müssen sie Tankstopps von mindestens 15 Minuten einlegen. Alle Teilnehmer werden über ein GPS-Tracking-System fast metergenau verfolgt, im Zweifel rückt der Rettungshubschrauber aus. Ein Abstandwarnsystem sorgt außerdem dafür, dass sich die einzelnen Autos oder Motorräder nicht zu nahe kommen.

Doch alle Sicherheitsmaßnahmen haben nicht verhindern können, dass das Sterben bei der Dakar weitergeht. 2006 kam der australische Motorradpilot Andy Caldecott ums Leben. Zwei junge Zuschauer, noch Kinder, wurden am Streckenrand erfasst und getötet. Auch im letzten Jahr starben zwei Motorradfahrer, Elmer Symons und Eric Aubijoux.

Esel bei der Rallye Dakar
Auch das ist die Dakar: Motorsport trifft auf Tiere der afrikanischen Wüste
© xpb.cc

Die vielen Todesopfer waren aber nicht der einzige Grund, warum die Dakar lange auch umstritten war. Von "modernem Kolonialismus" war die Rede, Umweltschützer demonstrierten lautstark. Sogar der Vatikan meldete sich zu Wort und bezeichnete das Wüstenspektakel im 'Observatore Romano' als "blutiges und unverantwortliches" Rennen. In der Vatikan-Zeitung hieß es weiter: "Es widerspricht allen Versuchen, westliche Modelle von Ökosystemen und menschlichem Fortschritt in eine Region zu bringen, die wenig mit dem Westen zu tun hat." Man ignoriere die lokalen Realitäten und hinterlasse nur rostige Fahrzeugwracks, lautete der Vorwurf.

Doch andere sahen die positiven Einflüsse, die die Rallye Dakar auf die meist armen Regionen Afrikas hatte. Viele der Länder, in denen die Dakar bisher gastiert hat, bekamen einen wichtigen Schub für den Tourismus, die Infrastruktur und den Handel.

Teilnehmer aus allen Bereichen

Und allen, die Benzin im Blut haben, waren negative Schlagzeilen ohnehin egal - sie wollten dabei sein beim größten Wüstenspektakel der Welt. Formel-1-Größen wie Jacky Ickx und der bis heute vom Dakar-Virus befalle Jean-Louis Schlesser gingen ebenso an den Start wie Piloten aus anderen Bereichen des Motorsports, die sich teilweise mit den einfallsreichsten Fahrzeugkonstruktionen der Wüste stellten.

Auch Hobbypiloten versuchten ihr Glück im Wüstensand: Adelige wie Albert, der heutige Fürst von Monaco, und Prinzessin Caroline, Sportler und Stars aus Film und Musik. Keiner von ihnen war aber so erfolgreich wie der frühere Ski-Weltmeister Luc Alphand. Er ist inzwischen Profi, konnte die Dakar 2006 gewinnen und ist Stammfahrer im erfolgreichen Mitsubishi-Team.

Rekordsieger der Rallye Dakar ist Alphands Teamkollege Stéphane Peterhansel. Der Franzose war auf zwei und auf vier Rädern erfolgreich. Insgesamt neunmal konnte er schon gewinnen: 1991, 1992, 1993, 1995, 1997 und 1998 mit dem Motorrad, 2004, 2005 und 2007 mit seinem Beifahrer Jean-Paul Cotrett im Auto. Nur einem einzigen weiteren Piloten ist es bisher gelungen, die Dakar mit zwei und vier Rädern zu gewinnen: Hubert Auriol war 1981 und 1983 mit dem Motorrad erfolgreich, 1992 gewann er die Automobilwertung.

Während die Dakar in ihren Anfangsjahren weitgehend eine Rallye für Motorräder war, liegt das größte internationale Interesse inzwischen auf den Autos. Der bisher beste Pilot auf vier Rädern ist Ari Vatanen, der in dieser Wertung viermal gewinnen konnte. 2001 schrieb sich Jutta Kleinschmidt in die Geschichtsbücher ein, als erste Frau, die die Autowertung der Dakar gewinnen konnte. Erfolgreichster Hersteller ist Mitsubishi - zwölf Gesamtsiege haben die Japaner inzwischen geholt.

Schicksale, die bewegen

Doch so sehr die Dakar-Sieger ihren Namen in der Motorsportgeschichte auch verankern mögen, so sind es am Ende doch die Schicksale, die die Faszination des Wüstenabenteuers ausmachen. Unvergessen etwa die Story von KTM-Motocrosser Heinz Kinigadner, der über Jahre hinweg dem Gesamtsieg hinterherfuhr, die Dakar nie gewann, dafür aber einen schweren Unfall über einen Abhang hinunter wie durch ein Wunder überlebte.

Oder die Geschichte von Antonio "Toñejo" Rodriguez, also jenem tapferen Quadfahrer, der eigentlich schon 1990 erstmals bei der Dakar an den Start gehen wollte, bei einem Vorbereitungsrennen aber verunglückte und seither gelähmte Beine hat. 18 Jahre nach dieser Tragödie verwirklicht er sich mit der Teilnahme endlich seinen großen Traum: "Davon träume ich schon seit Jahren - und jetzt wird es wahr!"

Deutschland ist bei der Dakar 2008 zwar mit zahlreichen Teilnehmern vertreten, doch die großen Favoriten fahren diesmal nicht im Zeichen der schwarz-rot-goldenen Flagge. Hauptgrund dafür ist die Abwesenheit von Jutta Kleinschmidt, die nach 17 ununterbrochenen Dakar-Starts und ihrem historischen Sieg von 2001 fehlt, weil sie mit Regisseur Anthony Waller einen Film dreht.

Umso stärker ist der deutsche Bezug bei den favorisierten Werken, denn von den fünf Fabrikaten, denen Siegchancen eingeräumt werden (BMW, Hummer, Mitsubishi, Schlesser-Buggy, Volkswagen) kommen gleich zwei (BMW und Volkswagen) aus der Bundesrepublik. VW setzt sein Werksteam mit Speerspitze Carlos Sainz bekanntlich in Eigenregie ein, während das X-raid-Team aus Hessen auf den BMW X5 setzt.

Start am Samstag in Lissabon

Die Dakar 2007 wird am Samstag in Lissabon offiziell gestartet, läuft eigentlich aber schon seit ein paar Tagen, denn seit Mittwoch findet in Belém das so genannte Scrutineering statt. Dabei handelt es sich um die technische Abnahme aller Fahrzeuge, die auf ihre Regelkonformität hin überprüft werden. Abgesehen davon unterscheidet sich das Dakar-Scrutineering von anderen Rennserien auch noch in dem Punkt, dass die Teilnehmer zusätzlich diverse Lizenzen, Führerscheine und Visa einreichen müssen - alleine schon wegen der Grenzübertritte.

Für die medizinische Sicherheit sorgen 2008 nicht weniger als 47 Ärzte, die sich mit 500 Kilogramm an Medikamenten bewaffnen, um für jeden Notfall gerüstet zu sein. Dabei wird aber nicht nur an Unfälle gedacht, sondern auch an Seuchen und Krankheiten, wie sie in Afrika natürlich schneller ausbrechen als im globalisierten Europa. Und, ganz wichtig: Der Schutz gilt nicht nur den Teilnehmern, sondern auch den lokalen Anrainern, die schließlich auch umgekehrt mit allen möglichen angeschleppten Viren infiziert werden könnten.

Jutta Kleinschmidt
Deutsche Dakar-Legende: Jutta Kleinschmidt im BMW des X-raid-Teams
© xpb.cc

Im Vorjahr wurden die Dakar-Ärzte insgesamt 1.264 Mal in Anspruch genommen - und es gab 53 Evakuierungen, davon 50 direkt zurück nach Europa. Kein Wunder also, dass die Teilnehmer neben diversen Papieren beim Scrutineering auch ihre Krankengeschichte abgeben müssen, damit die medizinischen Fachkräfte im Bedarfsfall über alle Sprachbarrieren hinweg eingreifen können.

Natürlich sind auch die Medien immer live dabei: 480 Journalisten, von denen 166 bei allen Etappen dabei sein werden, begleiten den Dakar-Tross durch die Wüste und vertreten über 300 Publikationen. TV-Bilder vom Wüstenspektakel werden in 185 Ländern zu sehen sein - und natürlich wird auch 'Motorsport-Total.com' ausführlich von der Rallye Dakar 2008 berichten.

Die Sieger der Rallye Dakar:

Automobilwertung:

1979 François Genestrier/Jacques Lemordant (Frankreich) Range Rover
1980 Freddy Kottulinsky/Hans Löffelmann (Ingolstadt) VW Iltis
1981 René Metge/Bernard Giroux (Frankreich) Range Rover
1982 Bernard Marreau/Jean-Louis Marreau (Frankreich) Renault 20
1983 Jacky Ickx/Claude Brasseur (Belgien/Frankreich) Mercedes 280
1984 René Metge/Dominique Lemoyne (Frankreich) Porsche 911
1985 Patrick Zaniroli/Jean da Silva (Frankreich) Mitsubishi
1986 René Metge/Dominique Lemoyne (Frankreich) Porsche 959
1987 Ari Vatanen/Bernard Giroux (Finnland/Frankreich) Peugeot 205
1988 Juha Kankkunen/Juha Piironen (Finnland) Peugeot 205
1989 Ari Vatanen/Bruno Berglund (Finnland/Schweden) Peugeot 405
1990 Ari Vatanen/Bruno Berglund (Finnland/Schweden) Peugeot 405
1991 Ari Vatanen/Bruno Berglund (Finnland/Schweden) Citroen ZX
1992 Hubert Auriol/Philippe Monnet (Frankreich) Mitsubishi Pajero
1993 Bruno Saby/Dominique Serieys (Frankreich) Mitsubishi Pajero
1994 Pierre Lartigue/Michel Périn (Frankreich) Citroen ZX
1995 Pierre Lartigue/Michel Périn (Frankreich) Citroen ZX
1996 Pierre Lartigue/Michel Périn (Frankreich) Citroen ZX
1997 Kenjiro Shinozuka/H. Magne (Japan/Frankreich) Mitsubishi Pajero
1998 Jean-Pierre Fontenay/Gilles Picard (Frankreich) Mitsubishi Pajero
1999 Jean-Louis Schlesser/Henri Magne (Frankreich) Schlesser Renault
2000 Jean-Louis Schlesser/Henri Magne (Frankreich) Schlesser Renault
2001 Jutta Kleinschmidt/A. Schulz (Köln/München) Mitsubishi Pajero
2002 Hiroshi Masuoka/P. Maimon (Japan/Frankreich) Mitsubishi Pajero
2003 Hiroshi Masuoka/A. Schulz (Japan/München) Mitsubishi Pajero
2004 Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (FRA) Mitsubishi Pajero
2005 Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (FRA) Mitsubishi Pajero
2006 Luc Alphand/Gilles Picard (FRA) Mitsubishi Pajero
2007 Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (FRA) Mitsubishi Pajero

Motorradwertung:

1979 Cyril Neveu (Frankreich) Yamaha
1980 Cyril Neveu (Frankreich) Yamaha
1981 Hubert Auriol (Frankreich) BMW
1982 Cyril Neveu (Frankreich) Honda
1983 Hubert Auriol (Frankreich) BMW
1984 Gaston Rahier (Belgien) BMW
1985 Gaston Rahier (Belgien) BMW
1986 Cyril Neveu (Frankreich) Honda
1987 Cyril Neveu (Frankreich) Honda
1988 Edi Orioli (Italien) Honda
1989 Gilles Lalay (Frankreich) Honda
1990 Edi Orioli (Italien) Cagiva
1991 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1992 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1993 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1994 Edi Orioli (Italien) Cagiva
1995 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1996 Edi Orioli (Italien) Yamaha
1997 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1998 Stéphane Peterhansel (Frankreich) Yamaha
1999 Richard Sainct (Frankreich) BMW
2000 Richard Sainct (Frankreich) BMW
2001 Fabrizio Meoni (Italien) KTM
2002 Fabrizio Meoni (Italien) KTM
2003 Richard Sainct (Frankreich) KTM
2004 Nani Roma (Spanien) KTM
2005 Cyril Despres (Frankreich) KTM
2006 Marc Coma (Spanien) KTM
2007 Cyril Despres (Frankreich) KTM

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