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INTERVIEW
 
Stohl: "Portugal wird eine Wetterlotterie"
 
von Michael Noir Trawniczek 25. März 2007 - 14:14 Uhr
 
Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Manfred Stohl über Portugal, die schwierige Reifenwahl, Subaru, die WM und Deutschlands Rallyeszene
 
Manfred Stohl
Manfred Stohl hofft, in Portugal erstmals in diesem Jahr aufs Podium zu fahren
Zoom © xpb.cc
(Motorsport-Total.com) - Ein Gespräch mit Manfred Stohl ist das reinste Vergnügen. Denn der Kronos-Citroën-Pilot, der im Vorjahr als Privatier den vierten WM-Rang erobern konnte und vor den Toren Wiens sein eigenes Rallye-Team "Stohl Racing" betreibt, sagt stets was er denkt. Ob Subaru, WM oder FIA - mit seinen oft recht knappen, aber ehrlichen Antworten bringt es "Stohlito" auf den Punkt.

Frage: "Am übernächsten Wochenende wird erstmals in Portugal gefahren - hast du Informationen über diese neue WM-Rallye?"
Manfred Stohl: "Ich habe nur wenige Informationen vorliegen. Ich habe gehört, dass es bei Trockenheit einen sehr guten Grip geben soll und dass die Prüfungen dort relativ schön sein sollen. Es sollen auf alle Fälle keine schlechten Prüfungen sein."



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Frage: "Das Wort 'schön' ist ja relativ - was bedeutet 'schön' für einen Rallye-Piloten? Dass es eher losen Schotter gibt?"
Stohl: "Nein, unter 'schön' verstehe ich, dass es keine großen Bodenwellen und keine großen Steine oder Felsbrocken gibt."

 
Reifenwahl bei neuen Läufen schwer

Frage: "Die Reifenwahl stelle ich mir bei einer neuen Rallye schwierig vor."
B#Stohl: "Ja, das ist ziemlich schwierig - denn du musst jetzt schon die Reifen bekanntgeben, die du für die Rallye auswählst. Da muss ich mich einfach auf die Infos der Reifenzulieferer verlassen, welche die Prüfungen zum Teil schon kennen."

Frage: "Die Reifenfirma gibt also Empfehlungen ab?"
Stohl: "Genau."

Frage: "Wählen dann alle die gleichen Reifen oder wird dennoch unterschiedlich gewählt?"
Stohl: "Da entscheiden sich die Leute sicher unterschiedlich. Die Reifenzulieferer sagen dir, sie würden dir soundso viele Reifen von dieser und soundso viele Reifen von jener Mischung empfehlen. Und dann kannst du für dich entscheiden, ob du das willst oder nicht. Aber selbst wenn dir der eine Empfehlung gibt, triffst du trotzdem eine eigene Entscheidung. Was dir der Reifenzulieferer sagt, entspricht nicht immer deinen eigenen Wünschen. Und dann ist es ja so, dass der sagt: Das ist die Empfehlung bei normalem Wetter. Daher schaust du dir an, wie das Wetter in der nächsten Woche ist. Du betrachtest also die Wettervorschau für die nächste Woche. Und auf dieser Grundlage entscheidest du dann. "

Frage: "Und wie wird das Wetter in der nächsten Woche sein?"
Stohl: "Naja, den Prognosen zufolge sollte es trocken bleiben. Das Problem in Portugal ist halt auch noch, dass das Wetter innerhalb von 24 Stunden umschlagen kann."

Frage: "Also eine Wetterlotterie?"
Stohl: "Ja."

 
Alles bestens mit dem Xsara

Frage: "Und wie geht es dir mit dem Citroën Xsara WRC?"
Stohl: "Du, ich bin zufrieden. In Mexiko, auf Schotter, war das schon sehr in Ordnung."

Frage: "In punkto Bremsen gibt es auch keine Probleme mehr?"
Stohl: "Nein. Da gab es in Mexiko kein Problem."

Frage: "Kann man sagen, dass du dich jetzt zum ersten Mal so richtig wohl fühlst im Auto?"
Stohl: "Naja, wohlfühlen - in Norwegen war es auch okay. In Norwegen bestand das Unglück auch drin, dass der Citroën bei Schnee nicht das beste Auto ist."

Frage: "In Portugal müsste das Auto aber passen, oder?"

Stohl: "Im Normalfall schon, ja."

 
Kein Fortschritt bei Rivale Subaru?

 
"Subaru hat keinen Schritt nach vorn gemacht."
Manfred Stohl
Frage: "Du hast in einem früheren Gespräch gesagt, dass du dir vom neuen Subaru keine großen Veränderungen erwarten würdest. Jetzt hat Petter Solberg in Mexiko mit einigen Bestzeiten begonnen..."
Stohl: "Jeder, der das genau analysiert, wird feststellen, dass sie keinen Schritt nach vorne gemacht haben. Weil du von den Bestzeiten sprichst - im Vorjahr haben die nach dem ersten Tag die Rallye mit 25 Sekunden Vorsprung angeführt. Dieses Jahr hat Solberg, eine Prüfung vor Schluss die Rallye mit einem Vorsprung von 10 Sekunden angeführt. Was willst du da jetzt noch sagen?"

Frage: "Du hast Recht."
Stohl: "Die waren schnell, wie jedes Jahr in Mexiko. Subaru ist immer schnell in Mexiko. Aber sie haben meines Erachtens nach keinen Sprung nach vorne gemacht. Oder der Sprung ist so gering, dass sie noch immer keine Chance gegen Citroën und Ford haben."

Frage: "Also wird die WM wieder zwischen Sébastien Loeb und Marcus Grönholm ausgefochten?"
Stohl: "Das ist zu hundert Prozent meine Meinung."

Frage: "Wer von den beiden wird in Portugal eher vorne sein?"
Stohl: "Loeb."

Frage: "Warum?"
Stohl: "Ich denke, dass diese Strecke, wenn die Wettervorhersage stimmt und es keinen argen Wetterumschwung gibt, dem Citroën mehr entgegenkommt wie dem Ford. Außer es regnet."

Frage: "Dann wäre es für Ford besser?"
Stohl: "Nein, aber dann könnten die Verhältnisse ausgeglichener sein."

 
"Hirvonen wird noch um einiges besser"

Frage: "Was sagst du dazu, dass Mikko Hirvonen immer schneller wird?"
Stohl: "Das war zu erwarten. Ich bin der Meinung, der wird noch um einiges besser werden."

Frage: "Dein Teamkollege Daniel Carlsson ist in Portugal auch wieder dabei. Ich nehme an, das ist dir lieber - weil du dann den Vergleich hast, oder?"
Stohl: "Klar, das ist mir viel lieber. Es ist einfach besser, wenn du einen Teamkollegen hast. In der Meisterschaft habe ich in Mexiko alleine mehr oder weniger so viele Punkte eingeholt wie die Subaru oder die Stobart Ford, wo mindestens je zwei Fahrer am Start waren."

 
Revolution Erdgasauto

Frage: "Du betreibst auch das Team Stohl Racing vor den Toren Wiens. Euer jüngster Clou ist der Einsatz eines von euch eigenhändig entwickelten Erdgasautos. In der kommenden Saison werdet ihr einen erdgasbetriebenen Mitsubishi Lancer Evo IX in der Division 1 der Rallye-ÖM einsetzen. Im Cockpit sitzen Beppo Harrach und Kopilot Andreas Schindlbacher. Da kämpft ihr quasi gegen die Größen der österreichischen Rallye-Szene, oder?"
Stohl: "Das kann man so sagen, ja."

 
"Derzeit geht es darum, dass wir schauen wollen, dass dieses Auto funktioniert."
Manfred Stohl
Frage: "Als nächster Schritt ist dann der Einsatz eines Erdgasautos in der WM geplant?"
Stohl: "Ja, nur lassen wir zunächst einmal die Kirche im Dorf. Momentan wollen wir mit dem neuen CNG-Evo IX ins Ziel kommen. Derzeit geht es darum, dass wir schauen wollen, dass dieses Auto funktioniert. Dass wir jetzt gleich gegen die Größen der Rallye-ÖM kämpfen, ist ein bisschen übertrieben."

Frage: "Im Vorjahr habt ihr, noch mit dem alten Erdgas-Evo VI, bei der Waldviertel-Rallye den Klassensieg bei den Alternativ- und Dieselantrieben und den fünften Gesamtrang erobert. Dein Cheftechniker Günther Aschacher ist überzeugt davon, dass man mit einem Erdgasauto die Benziner schlagen kann - das könnt ihr in diesem Jahr, in der Division 1, dann ja beweisen, oder?"
Stohl: "Ja, klar, aber wir wollen es am Anfang nicht übertreiben. Wir sind froh, dass das Auto läuft, wir sind froh, dass es das Projekt gibt. Denn es war sehr lang nicht klar, dass es das Projekt weiter geben wird. Klar wollen wir zeigen, dass ein Erdgasauto die gleiche Leistung zeigen kann wie ein Benziner."

 
"Ich möchte zeigen, dass man Motorsport auch ein bisschen umweltfreundlicher betreiben kann."
Manfred Stohl
Frage: "Dir liegt persönlich auch sehr viel an diesem Projekt, nicht wahr?"
Stohl: "Na klar, ich möchte natürlich zeigen, dass man Motorsport auch ein bisschen umweltfreundlicher betreiben kann. Okay, wir könnten genauso gut mit Ethanol fahren, nur: Ethanol ist weltweit betrachtet keine Alternative. Und es ist auch für die Serie nicht interessant. Erdgas ist nicht nur für den Motorsport eine Alternative, sondern auch für die Serie. Für den 'Otto Normalverbraucher' sozusagen."

Frage: "Ein Erdgasauto in der WM - das wäre sehr cool. Nur gibt es derzeit vom Reglement her leider nicht einmal die Möglichkeit, in der WM ein CNG-Auto einzusetzen, oder?"
Stohl: "Nein, die gibt es nicht. Überhaupt nicht. Du kannst nur mit den üblichen homologierten Motoren in der WM fahren."

Frage: "Also mit Benzinmotoren. Und wie schaut es mit den Dieselmotoren aus?"
Stohl: "Wenn er homologiert ist, kannst du ihn in der WM einsetzen - aber die meisten Dieselmotoren sind nicht homologiert."

Frage: "Das ist eigentlich ein krasser Gegensatz zu dem, was FIA-Präsident Max Mosley predigt..."
Stohl: "Da gebe ich dir jetzt Recht."

 
"Für den Motorsport selbst wäre es kein Problem, dass man den gesamten Motorsport mit irgendeinem anderen Kraftstoff fahren lässt, beispielsweise mit Alkohol."
Manfred Stohl
Frage: "Aber dein Cheftechniker Günther Aschacher verhandelt ja mit der FIA und er sagte mir, dass die FIA schon interessiert sei an einem Erdgasauto in der WM."
Stohl: "Sie müssen interessiert sein - weil die FIA zeigen muss, dass wir ein bisschen grüner werden können. Wobei: Für den Motorsport selbst wäre es kein Problem, dass man den gesamten Motorsport mit irgendeinem anderen Kraftstoff fahren lässt, beispielsweise mit Alkohol - das ist ja bei so geringen Mengen, die der Motorsport verglichen mit der Weltbevölkerung verbraucht kein Thema. Aber es geht ja auch um eine Vorreiterrolle in Sachen Alltagstauglichkeit und Straßenautos."

Frage: "Da sind die Österreicher weltweit betrachtet die einzigen, die sich für Erdgas einsetzen. Neben euch baut ja auch VW Österreich ein Erdgas-Rallyeauto."
Stohl: "Mir fällt weltweit niemand ein, der sich auch dafür einsetzen würde. Die Schweden arbeiten viel mit Ethanol. Aber beim Erdgas sind wir, so glaube ich, die einzigen, die ein Erdgasauto im Sportbetrieb einsetzen. In Deutschland sind sie einmal auf der Rundstrecke mit Erdgas gefahren, aber das wurde relativ schnell wieder ad acta gelegt."

Frage: "Weil sie zu langsam waren?"
Stohl: "So weit ich weiß, gab es zu viele Probleme."

 
In Deutschland derzeit nicht viel los

Frage: "Was sagst du zu der deutschen Rallye-Szene?"
Stohl: "Da gibt es leider nicht viel - außer den Aaron Burkhart, oder? Der Burkhart ist in Ordnung und er geht seinen Weg. Man muss ihm noch ein bisschen Zeit geben, dass er sich noch nach vorne arbeiten kann. Aber sonst ist kein Deutscher in der WM vertreten, derzeit."

Frage: "Woran liegt das deiner Meinung nach?"
Stohl: "Das liegt sicher ein bisschen daran, dass der Rallyesport in Deutschland nicht so populär ist."

 
"Im Vergleich zu Deutschland leben wir in Österreich im Schlaraffenland."
Manfred Stohl
Frage: "Also so ähnlich wie in Österreich?"
Stohl: "Naja, im Vergleich zu Deutschland leben wir in Österreich im Schlaraffenland. Bei uns gibt es sehr wohl ein Interesse in der Bevölkerung. Bei uns ist das Problem, dass der Rallyesport zum Teil schlecht beziehungsweise gar nicht vermarktet wird, weil die Politik es auch nicht will. Aber das ist ganz normal. Hätten wir einen Weltmeister, würden die Politiker Schlange stehen."

Frage: "Naja, vielleicht gibt es ja bald einen Weltmeister aus Österreich..."
Stohl: "(lacht)"

Frage: "Prognose für Portugal - ich nehme an, du wirst jetzt sicher vom Podium sprechen, oder?"
Stohl: "Naja, das muss einfach mein Ziel sein. Auch wenn es derzeit sehr hoch gesteckt ist. Und das soll jetzt auch nicht überheblich klingen - aber das ist einfach mein Ziel."

 
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