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Oldtimer-Geschichte: Wie aus Fahrrädern erste Autos wurden

Über die Rolle des Fahrrads bei der Entwicklung des Autos bei Laurin & Klement & Daimler/Maybach erzählt Journalist und Autor Hans-Peter Thyssen von Bornemisza

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Max Hertels Doppel-Zweirad
Max Hertels Doppel-Zweirad

(Motorsport-Total.com/Auto-Medienportal) - Die Besitzer der kleinen tschecheslowakischen Firma Laurin & Klement machten ihren Arbeitern ein ungewöhnliches Angebot. Da man ein eigenes Auto entwickeln wollte, aber die kleine Fahrradfabrik nicht genug Geld zur Entwicklung aufbringen konnte, durften sie um 1900 Fahrradteile mit nach Hause nehmen. Mit diesen Teilen sollten sie ein vierrädriges Automobil entwickeln. So sollte auch die Zukunft der kleinen Firma gesichert werden.

Der böhmische Buchhändler Vaclav Klement (1865-1938) aus Mlada Boleslav (Jungbunzlau) hatte sich im Jahre 1895 ein deutsches Fahrrad der Dresdener Marke Seidl & Naumann gekauft. Weil er mit dem neuartigen Transportmittel unzufrieden war, begann er, Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten, die er in einem tschechisch geschriebenen Brief den Dresdnern zuschickte. Doch die Deutschen reagierten darauf nicht. So kam der Gedanke auf, doch mit seinem Freund, dem Schlosser Vaclav Laurin (1868-1930), zur Adventszeit 1895 die Firma "Laurin & Klement" zu gründen, die Fahrräder reparieren sollte.

Es dauerte nicht lange und die beiden stellten ihre verbesserten Fahrräder sogar mit Hilfsmotor her. Die Fahrräder bewährten sich, die Nachfrage stieg, das Werk wuchs. Im Jahre 1899 entstanden in Böhmen auch motorisierte Zweiräder - mit Erfolg. Allein im Jahre 1903 starteten die L & K-Motorräder bei 34 Rennen - und gewannen davon 32.

Zwei Fahrradrahmen mit Querstangen

Doch die Entwicklung stand nicht still. Drei-und vierrädrige Benzinkutschen waren gesuchte Produkte. Eines der vielversprechenden Projekte der L & K-Arbeiter waren zwei durch zwei Querstangen zusammengehaltenen Fahrräder, die von einem kleinen Motor angetrieben wurden. Diese Idee hatten in Nord-Amerika schon einige Bastler verwirklicht.

Max Hertel, ein Deutscher, der nach Amerika ausgewandert war, gebar diese Idee schon 1894. Er fügte zwei Fahrradrahmen mit Querstangen zu einem vierrädrigen Fahrzeug zusammen, auf dem auf einer Sitzbank zwei Personen Platz fanden. Hertel fand auch Geldgeber für eine kleine Produktion. Etwa 100 Exemplare sollen bis 1898 entstanden sein.

Zur gleichen Zeit baute schweißten zwei Amerikaner ebenfalls ein solches Automobil ein solches Mobil zusammen, allerdings mit dickeren Reifen. Ob von ihrem Modell weitere Exemplare entstanden, ist unbekannt.

Daimler und Maybach bestellten Rahmen und Räder bei NSU

Doch die Idee entsprang noch viel früher den Erfindern des Benzinmotors, Karl Benz und Gottlieb Daimler. Die Überlegung, ein Automobil zu bauen, konnte nur in einer Schlosserei verwirklicht werden. Das naheliegendste war der Kontakt zu einer Fahrradfabrik, die schon in großen Serien Stahlrohre biegen konnte. Karl Benz betrachtete 1885 seinen Motorwagen als eine Einheit von Motor und Wagen. Die Speichenräder kaufte Benz damals von der Fahrradfabrik Heinrich Kleyer in Frankfurt, die später Adler-Autos herstellen sollten. Rahmen, Räder und Gabellenkung waren nach dem Vorbild des Fahrrades konstruiert.

Für ihren Benzinmotor hatten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in Stuttgart bei einem Kutschbauer eine Pferdekutsche vom Typ Americaine bestellt. Doch dieser aus Holz gefertigte Wagen zeigte Schwächen. So bauten auch sie einen Stahlradwagen. Sie ließen Rahmen und Räder von der Neckarsulmer Strickmaschinenfabrik - ab 1892 unter dem Namen NSU bekannt - anfertigen.

Daimler und Maybach stellten diesen Stahlradwagen auf der Weltausstellung in Paris 1889 aus, wo das Fahrzeug aus Fahrradrohren wenig Interesse beim Publikum fand. Es zeigte sich aber später, dass solche Fahrzeuge aus Fahrradteilen großen Belastungen nicht standhielten. Dennoch fanden viele Fahrradfabriken den Weg zum Automobilbau. Adler und Opel sind nur zwei Beispiele

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