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Die Geschichte vom ersten Renault-Sieg in der Formel 1

31. Oktober 2005 - 20:52 Uhr

Vor 26 Jahren gewann Renault zum ersten Mal mit einem reinrassigen Boliden einen Grand Prix - McLaren wurde schon damals geschlagen

Jean-Pierre Jabouille
Jean-Pierre Jabouille bei seiner Fahrt zum ersten Renault-Sieg in Frankreich 1979

(Motorsport-Total.com) - Am 1. Juli 1979, also vor 26 Jahren, fuhr das Werksteam von Renault den ersten Formel-1-Sieg der Firmengeschichte ein. Der Weg in die Formel 1 im Jahr 1977 stellte sich für den französischen Hersteller als sehr steinig heraus. Die ersten Monate in der Königsklasse für die Renault-Mitarbeiter waren geprägt von langen Nachtschichten, viel starkem Kaffee, mechanischen Gebrechen und der permanenten Suche nach der Lösung der Probleme.

Nach zwei Lehrjahren in der Formel 1 stellte Renault inmitten der Saison 1979 einen neuen Boliden vor. Die damaligen Entwicklungen wurden von einem neuen Phänomen bestimmt, dem "Ground Effect". Lotus hatte die aerodynamische Revolution ein Jahr zuvor mit den Modellen 78 und 79 ausgelöst. Die Seitenkästen wurden dabei als umgekehrte Flügelprofile ausgeführt. Mit Hilfe beweglicher Schürzen, die an den unteren Kanten der Seitenkästen angebracht waren und die den Unterboden regelrecht abdichteten, entstand zwischen Auto und Fahrbahn ein Vakuum. Dieser Unterdruck saugte die Autos sprichwörtlich an und erhöhte den Grip in Kurven.

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"Ground Effect" wurde von fast allen Teams kopiert

Die Chefaerodynamiker der anderen Rennställe stürzten sich umgehend auf ihre Autos, sodass innerhalb des Jahres nicht weniger als neun der 15 Teams über die Neuheit verfügten - darunter auch Renault. Als weitere Neuerung trat die französische Truppe erstmalig mit zwei Autos an: Neben Stammpilot Jean-Pierre Jabouille vertrat nun auch René Arnoux die Farben von Renault.

Beim Grand Prix von Südafrika 1979 fuhr Jabouille die erste Pole Position für das Werksteam ein - zur Überraschung vieler sogar noch im alten RS01 und ohne "Ground Effect". Der Verdienst der ersten Startposition gebührte aber eher den Reifen von Michelin, die auf dem Kurs mit guten Gripverhältnissen hervorragend funktionierten und die Schwächen in der Aerodynamik wettmachten.

Ein weiterer Grund für das gute Abschneiden: Wegen der hohen Lage der Strecke war der Turbomotor von Renault im Vorteil. Das französische Triebwerk verfügte trotz Leistungsverlusts mit 460 PS über 50 Pferdestärken mehr als der rivalisierende V8-Cosworth. Wegen der regnerischen Bedingungen im Rennen konnte Jabouille seine Spitzenposition nicht behaupten, aber er hatte gezeigt, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt.

Beim Grand Prix von Spanien 1979 debütierte der neue RS10. Jabouille pilotierte das erste "Ground-Effect"-Auto des Renault-Teams, das in puncto Schnelligkeit und Balance deutlich Fortschritte aufwies. Arnoux musste sich noch bis zum Grand Prix von Monaco gedulden, durfte dann aber direkt den neuen Twinturbo einsetzen. Jede Zylinderreihe verfügte nun über ihren eigenen Turbolader, was die Verzögerung zwischen Gasgeben und Leistungsabgabe drastisch reduzierte. Mit dieser Maßnahme konnte Renault die Drehzahl um 1.200 Umdrehungen hochschrauben - der Schlüssel zum Erfolg des Formel-1-Monoposto.

In Dijon begann für Renault eine Erfolgsserie

Nur wenige Wochen nach dem Rennen in Monaco stand der Grand Prix von Frankreich in Dijon auf dem Programm. Renault reiste mit großen Erwartungen an - und wurde nicht enttäuscht: Weniger als zwei Jahre nach dem Debüt in der Königsklasse des Motorsports feierte Renault den ersten Grand-Prix-Sieg. Nach einer taktisch klugen Fahrt erntete Jabouille die Lorbeeren. Der Franzose beschloss, anfangs seine Reifen zu schonen und Gilles Villeneuve im Ferrari vorbei zu lassen. In Runde 47 schlug dann die Stunde des französischen Rennstalls, als Jabouille die Führung zurückeroberte und diese bis zur Zielflagge behauptete.

Das Erfolgserlebnis beflügelte die französische Crew und bildete den Start einer Serie: Jabouille holte sich weitere Pole Positions in Großbritannien und Deutschland. In Österreich und den Niederlanden hingegen fuhr Arnoux die Bestzeit im Qualifying. In Italien machten die beiden gelben Renner sogar die erste Reihe unter sich aus. In der Konstrukteurswertung sammelte Renault insgesamt 26 Zähler und belegte damit den sechsten Rang - gefolgt von McLaren. Manche Dinge scheinen sich eben nie zu ändern...