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Alte Liebe rostet nicht: Wurz auf dem BMX

28. Dezember 2004 - 11:59 Uhr

Ex-BMX-Weltmeister und Formel-1-Testpilot Alexander Wurz verbrachte kürzlich mit einem Offroad-Profi einen Tag auf zwei Rädern

Alexander Wurz
Für einen Tag tauschte Alexander Wurz sein Formel-1-Auto gegen ein Bike ein
© West

(Motorsport-Total.com) - Dass Alexander Wurz je Formel-1-Weltmeister wird, darf zumindest vorsichtig bezweifelt werden, dennoch hat der Österreicher schon einen WM-Titel im Sack - nämlich als BMX-Biker. 1986 wurde der damals zwölfjährige Niederösterreicher Nachwuchschampion auf zwei Rädern. Noch heute fühlt er sich auf dem BMX oder beim Mountainbiken pudelwohl.

Bei einem spektakulären Fotoshooting für Teamsponsor 'West' kehrte Wurz kürzlich auf zwei Räder zurück. Dabei wirkte er anfangs ein wenig eingerostet, doch je länger er unterwegs war, desto wohler fühlte er sich mit Lenkstange statt Lenkrad und zwei statt vier Rädern. Ausgelöst wurde seine Leidenschaft für das BMX-Fahren seinerzeit übrigens nicht etwa durch Freunde oder Bekannte, sondern durch einen berühmten Hollywood-Film.

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Durch einen Film begeisterte sich Wurz für BMX-Bikes

"BMX-Fahren gehört zu meinen ältesten Leidenschaften", so der heute 30-Jährige. "Ich habe damit begonnen, als ich zehn Jahre alt war. Damals ist gerade der Film 'ET' herausgekommen, in dem diese Szene mit den BMX-Bikes vorkommt, und ich und meine Freunde fanden das großartig. Daraufhin wurden die Bikes aus Amerika importiert und ich habe eines bekommen. Ich habe in meiner Heimat mit dem Üben begonnen und ein paar Jahre später wurde ich Weltmeister."

Wurz, der seine Freizeit nicht nur mit Extremsportarten wie Klettern, Kitesurfen oder Canyoning verbringt, sondern auch sein eigenes Mountainbike-Weltcupteam leitet, steigt noch heute regelmäßig auf Offroad-Bikes, um sich fit zu halten und um Spaß zu haben. Überhaupt zieht sich eine gewisse Affinität zum Radsport durch seine Persönlichkeit, schließlich war Peter Luttenberger, Fünfter bei der Tour de France und Sieger der Tour de Suisse 1996, sein Trauzeuge.

Kürzlich hat sich der Formel-1-Pilot mit einem alten Bekannten, BMX-Weltmeister Cedric Garcia, getroffen: "Cedric ist ein großartiger Fahrer. Ich habe ihn vor langer Zeit getroffen. Er hat im selben Jahr den WM-Titel gewonnen wie ich, aber er ist um ein paar Jahre jünger und war in einer anderen Altersklasse. Wir treffen uns noch ab und zu und fahren auf BMX-Strecken. Er ist ein Superstar in verschiedenen Disziplinen - BMX, Mountainbiking, Jumping - und er beherrscht die nötige Technik."

Parallelen zur Formel 1 sind durchaus vorhanden

Beim BMX-Jumping ist höchste Konzentration und Präzision gefragt: Die Sprünge müssen gerade angefahren werden, das Treten der Pedale wird in der Sekunde ausgesetzt, in der man abhebt, und geht sofort nach der Landung weiter, und kurz vor dem Aufsetzen auf dem Boden muss der Fahrer die Lenkung nach unten drücken. Verliert man nur kurz die Kontrolle, droht ein folgenschwerer Unfall - genau wie in der Formel 1.

"In meiner BMX-Karriere habe ich etwas gelernt, was ich auch im Motorsport anwenden kann", erklärte Wurz. "Du musst immer das Maximum geben, du musst vor dem Sprung als Letzter zum Treten aufhören und nach der Landung als Erster wieder anfangen. Es gibt Synergien zwischen dem BMX-Fahren und der Formel 1. Man muss sehr entschlossen und diszipliniert sein und in jeder Situation bereit, alles zu geben."

"Die Formel 1 ist sehr seriös, ein hartes Business"

"Der Lifestyle ist jedoch unterschiedlich", fuhr er fort. "Im BMX-Sport hängst du entspannt ab, während die Formel 1 sehr seriös ist, ein hartes Business, ein zäher Sport. Man muss immer bereit sein und nicht nur bei einem Sprung zeigen, was man kann. Das Fahren gegen Cedric hat mir aber gezeigt, wie fit man sein muss. Ich bin sehr gut in Ausdauersportarten, denn ein Formel-1-Rennen dauert ja fast zwei Stunden, aber für kurze Sprints mit so hohem Puls ist mein Herz nicht mehr trainiert."

Ihr
Hans-Jürgen Abt Im Vergleich mit dem BMX-Profi Garcia wirkte Wurz ein wenig eingerostet: "Ich bin seit 15 Jahren nicht mehr richtig BMX gefahren, aber man bildet sich trotzdem ein, dass man noch immer alles wie früher kann, zum Beispiel die großen Sprünge elegant meistern. Da habe ich mich wohl verschätzt. Die Physik hat mir einen Streich gespielt und dann landete ich im Dreck!" Garcia relativierte: "Alex hat es noch drauf. Er beherrscht die Technik."

Nach dem BMX-Parcours wendete sich das Duo einer Downhill-Strecke zu, der wohl gefährlichsten Disziplin auf zwei Rädern überhaupt: "Cedric ist hier voll in seinem Element", staunte Wurz. "Ich downhille auch manchmal und schätze die Herausforderung. Man muss relaxt sein und darf die Bremsen nicht benutzen. Für Fehler ist kein Platz, aber das bin ich ja aus der Formel 1 gewöhnt. Man muss schnell reagieren, voraus denken und cool bleiben, denn sobald man am Lenker Spannung aufkommen lässt, ist man Geschichte."

"Als Fahrer darf man das Auto nicht in eine Kurve zwingen"

Nach einem extremen BMX- und Mountainbike-Tag war dem Familienvater wieder richtig bewusst, wie viel er aus dem Radsport in die Formel 1 mitgenommen hat: "Wenn man als Zuschauer die Autos beobachtet, könnte man meinen, dass es nur eine Ideallinie geben, was auch stimmt. Man muss dem Auto aber trotzdem ein wenig Spielraum geben und es tun lassen, was es will. Als Fahrer darf man es nicht in eine Kurve zwingen."

"Das trifft auch auf viele andere Sportarten zu, die ich betreibe, zum Beispiel Kitesurfen, Klettern oder Canyoning. Manche Leute sagen dazu Extremsportarten, aber das halte ich nicht für richtig. Mir geht es nur darum, draußen in der Natur zu sein, mit den Elementen zu spielen und dabei auf meine Kosten zu kommen", so der Österreicher. Fazit nach dem Tag? "Das Abhängen mit Cedric hat Spaß gemacht, aber ich werde wohl trotzdem bei vier Rädern bleiben", lächelte er.