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Sennas Tod veränderte die Formel 1

20. April 2004 - 14:04 Uhr

Bittere Wahrheit: Sennas Tod hat Fahrern das Leben gerettet und veränderte die F1 "als sei die Sonne vom Himmel gefallen"

Ayrton Senna
Sennas Tod veranlasste die Formel 1 zu Verbesserungen der Sicherheit
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Vor 10 Jahren stockte der Formel-1-Welt der Atem, das Horrorwochenende von Imola stürzte den PS-Zirkus in ein Tal der Tränen und die schwerste Krise seiner Geschichte. Erst starb der Österreicher Roland Ratzenberger am Samstag im Training, danach folgte der schwarze Sonntag, an dem die Formel 1 den vielleicht besten Rennfahrer aller Zeiten verlor: Ayrton Senna. An diesem Wochenende kehrt die Formel 1 an den damaligen Ort des Grauens zurück, der Große Preis von San Marino ist der 4. WM-Lauf der Saison 2004.

Senna schoss am 1. Mai 1994 um 14:17 Uhr mit Tempo 330 aus der Tamburello-Kurve. Der Brasilianer, dreimal Weltmeister, Botschafter und damals größter Star der Formel 1, zerschellte mit dem Williams an einer Betonmauer. Ein Aufhängungsteil durchschlug seinen Helm. Die sofortige medizinische Versorgung, der Flug per Hubschrauber in die Maggiore-Klinik von Bologna, alles vergebens, denn es gab keine Rettung mehr: Senna erlag seinen schweren Kopfverletzungen, der offizielle Todeszeitpunkt: 18:40 Uhr, er wurde nur 34 Jahre alt.

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Berger: "Als sei die Sonne vom Himmel gefallen"

Der Schock saß tief, überall: Für Gerhard Berger, seinen besten Freund in der Formel 1, der es geschafft hatte, auch die lockeren, humorvollen Seiten in Senna zu wecken, war es "als sei die Sonne vom Himmel gefallen". Die Formel 1 hatte ihren größten Fahrer verloren, ihr Aushängeschild, einen, der nicht nur durch seine fahrerischen Qualitäten faszinierte, sondern auch durch seine menschlichen und durch sein Charisma.

Ayrton Senna, der Philosoph

Senna unterschied sich von den anderen Spitzensportlern durch seine manchmal philosophischen Gedanken zu vielen Dingen, nicht nur zur Formel 1, sondern auch zu Religion und Glauben, durch seine starken Emotionen, die er nie verbarg, und die Fähigkeit, Dinge in Worte zu fassen, die andere nie beschreiben konnten. "Es gab und gibt niemanden, der auch Außenstehenden so gut erklären konnte, was es bedeutet, Formel 1 zu fahren, sich in absoluten Grenzbereichen zu bewegen", erinnert sich Heinz-Harald Frentzen: "Auch das war etwas, was ihn einzigartig gemacht hat."

Starkes soziales Engagement

Einzigartig auch durch eine tiefe Menschlichkeit, "sehr viel Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Interesse für seine Mitmenschen", meint McLaren-Teamchef Ron Dennis - was sich im starken sozialen Engagement für seine Heimat niederschlug. Senna war stolz darauf, Brasilianer zu sein, aber er wusste auch, dass sich in seinem Land vieles ändern musste.

Und er sah die Möglichkeit, durch seine Popularität Einfluss zu nehmen, Veränderungen zu bewirken, den sozial Benachteiligten, vor allem den Kindern und Jugendlichen, zu helfen. Die 'Ayrton Senna Foundation', die von seiner Schwester Viviane geführt wird und inzwischen mehr als zwei Millionen Kinder in Brasilien in den verschiedensten Projekten unterstützt und gefördert hat, geht auf seine Ideen und Konzepte zurück.

Harte Duelle mit Alain Prost

Unvergessen sind bis heute Sennas Duelle mit Alain Prost, auf und neben der Piste. Die beiden Superstars fuhren sich absichtlich in die Rennautos und standen sogar mehrfach vor einer handfesten Auseinandersetzung.

Der viermalige Weltmeister Prost, mit dem sich Ayrton Senna schließlich an jenem Sonntagmorgen am 1. Mai in Imola bei einem gemeinsamen Frühstück nach Jahren des Streits und der absoluten Funkstille noch versöhnte, äußert sich heute nur positiv über seinen größten Gegner: "Er hat eine Epoche geprägt, die es nie mehr geben wird. Seine Gegenwart hat meinen schwierigsten Siegen zusätzlichen Wert verliehen. Senna war der Fahrer, der mich gezwungen hat, über meine Grenzen zu gehen."

Schumachers "bitterster Sieg"

Michael Schumacher gewann an jenem Sonntag in Imola das nach dem Abbruch neu gestartete Rennen, für ihn bis heute "der bitterste Sieg meines Lebens. Es war ja das erste Mal, dass ich in meinem Sport mit dem Tod konfrontiert wurde. Sennas Tod war ein schwerer Verlust. Ayrton war eine Inspiration. Er war ein Symbol, er hat unserem Sport so viel gegeben."

Was blieb von Imola 1994 - neben der Erinnerung an den Fahrer und Menschen Ayrton Senna, neben einem nun zum dritten Mal wieder aufgerollten Prozess über Schuld und Unschuld an dem Unfall, dessen Ursache (Lenkungsbruch) zwar zwei technische Gutachten mit beinahe hundertprozentiger Sicherheit bestätigten, der aber von Anfang an eher Politikum und Machtkampf war?

"Wenn es einen positiven Aspekt dieser Tragödie gibt, dann den, dass die Formel 1 seitdem sicherer geworden ist", sagt Michael Schumacher. Der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer stellte treffend fest: "So bitter das klingen mag: Senna hat sterben müssen, um vielen anderen Fahrern das Leben zu retten."