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So lernt ein Rennfahrer eine neue Strecke kennen

06. September 2003 - 15:51 Uhr

McLaren-Mercedes-Testfahrer Alexander Wurz verrät, wie er neue Rennstrecken lernt und welchen Tricks er sich dabei bedient

Alexander Wurz
Alexander Wurz hält nichts vom "Training" am PC
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Ein guter Rennfahrer kann eine Rennstrecke schon nach ein paar wenigen Runden beherrschen, der eine braucht ein paar Runden mehr als der andere und es gibt natürlich auch verschiedene Möglichkeiten, wie man sich eine neue Rennstrecke einprägt: "Manche Fahrer lernen eine Strecke anhand von Computerspielen, das habe ich nie gemacht", so Alexander Wurz, Testfahrer des McLaren-Mercedes-Teams.

"Ich schaue mir die Grafik der Strecke an und präge mir die Kurven an, ob sie links- oder rechtsherum gehen, merke mir die Schikanen, die schnellen Kurven und so weiter. Wenn das Team Daten über den Kurs hat, dann senden sie mir die Informationen über Geschwindigkeit und Gänge der Kurven zu, davon kann man lernen. Aber mit der Erfahrung braucht man sich nur die Kurven anschauen und weiß, welchen Gang man benötigt und wo der Bremspunkt ist."

Später wird die Strecke zu Fuß begangen, meistens mit dem eigenen Renningenieur: "Die Strecke mit einem Straßenauto zu befahren, gibt einem natürlich den besten Eindruck und man lernt dabei auch, wo etwaige Unebenheiten im Asphalt sind. Aber es ist auch gut, um die Strecke zu laufen, denn dann kann man sehen, was sich hinter den Kiesbetten verbringt, ob Gras oder Asphalt, so dass man weiß, wie man am besten aus ihnen herauskommt, wenn man denn einmal in ihnen gelandet ist. Danach braucht man nur zwei oder drei Runden, um sich ein paar einprägsame Punkte einzuprägen."

Im Rennwagen hält sich der Österreicher für einen Fahrer, der eine Strecke schnell erlernt: "Ich bin für gewöhnlich ein Kerl, der es ziemlich früh fliegen lässt. Ich verbringe nicht viel Zeit mit langsamen Kurven. Alle Strecken besitzen standardisierte Bremstafeln, die einem anzeigen, dass man einen bestimmten Abstand zur Kurve hat. Man entwickelt auch ein Gefühl für verschiedene Kurvenarten und man benötigt die Markierungen nicht wirklich."

"Wenn man das Gefühl hat, dass das Auto in Ordnung ist und der Kurs sich in guter Verfassung befindet und nicht rutschig ist, dann weiß man, dass man für eine Zweite-Gang-Kurve bei der 100-Meter-Marke bremst. Es kann vielleicht ein paar geringe Abweichungen geben, aber wenn das Team keine großartigen Veränderungen am Auto vornimmt, dann verändert sich der Bremspunkt nicht sehr. Aber aus diesem Grund gehen wir diesem Job ja nach, weil angenommen wird, dass wir darin gut sind und es fast sofort auf die Reihe bekommen!"

Schwieriger wird es, wenn eine Strecke schnelle Kurven und Schikanen hat oder der Asphalt uneben ist: "Dann muss man zunächst einmal Vertrauen in das Auto aufbauen und das Auto so gut wie möglich abstimmen." Auch der Umgang mit den Randsteinen ist beim Erlernen einer neuen Strecke eine Sache für sich: "Es ist wichtig zu lernen, wie man über Randsteine 'springen' kann. Jeder Kurs ist da anders und man muss wissen, wie hart man über die Randsteine fahren muss. Manchmal hebt es das Auto völlig aus, wenn man den Randstein nur berührt aber es ist kein Problem, wenn man sie komplett mitnimmt. Mit solchen Dingen muss man herumexperimentieren."

"Auf manchen Strecken lernt man das sehr schnell und die Ideallinie bekommt man automatisch raus. Von außen ist es schwer, den Unterschied auszumachen, aber die Ideallinie kann sich verändern, so dass man einen halben Meter früher oder später einlenkt. Sogar auf Strecken, auf denen ich wie in Barcelona tausende von Runden abgespult habe, bewegt sich das Auto nicht immer auf der gleichen Linie. Keine Runde ist gleich, auch wenn sich die Linie nur um ein paar Zentimeter unterscheidet. Wenn es perfekt läuft, dann kommt man in einen Rhythmus rein. Das braucht manchmal drei oder vier Runden oder manchmal einen halben Tag. Es hängt eher vom Auto als vom Fahrer ab."

Und welche Strecke empfindet Wurz als am schwierigsten zu erlernen? "Der schwierigste Kurs ist so einer wie Suzuka mit den langen und schnellen Kurven. Die langen 'Esses' sind besonders interessant, denn der Eingang des ersten Sektors ist dafür verantwortlich, wie man den Rest nimmt und die theoretisch perfekteste Linie für den ersten Teil muss nicht unbedingt der schnellste Weg sein, um durch den kompletten Abschnitt zu kommen. Das weiß man einfach aus Erfahrung."

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