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Warum Ducati die Stärke der Desmosedici opfern musste

15. September 2017 - 15:17 Uhr

Jahrelang war die Ducati das Motorrad mit der besten Bremsstabilität, doch um das Einlenkproblem zu beheben, mussten die Ingenieure Kompromisse machen

Cal Crutchlow
Die Bremsstabilität der 2014er-Ducati begeisterte Cal Crutchlow
© Ducati

(Motorsport-Total.com) - Das schlechte Kurvenverhalten der Desmosedici verhinderte, dass Ducati von 2011 bis 2014 konkurrenzfähig sein konnte. Weder Valentino Rossi, noch Andrea Dovizioso oder Nicky Hayden kamen mit dem störrischen Handling der Maschine zurecht. Erst nachdem Luigi Dall'Igna Hand anlegte und 2015 die erste Desmosedici präsentierte, die unter seiner Leitung entstand, konnte Ducati wieder mit Honda und Yamaha kämpfen. 2016 folgte der erste Laufsieg nach fünf sieglosen Jahren. In diesem Jahr kämpft Ducati erstmals um die Meisterschaft.

Um die Desmosedici wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, musste Dall'Igna zu drastischen Mitteln greifen. Der ehemalige Aprilia-Rennleiter modifizierte die Ducati grundlegend und opferte eine der größten Stärken: das stabile Bremsverhalten. Vom 2014er- zum 2015er-Modell änderte sich der Charakter deutlich.

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Cal Crutchlow meinte einst, die Desmosedici sei das MotoGP-Motorrad mit der besten Bremsstabilität. "Das Motorrad, das sich am besten verzögern lässt? Ja. Damals war das Motorrad beim Bremsen sehr stark", kommentiert Andrea Dovizioso, der in der Saison 2014 neben Crutchlow für Ducati fuhr.

"Die Konstruktion sorgte dafür, dass es sehr gut bremst, aber schlecht einlenkt. Wir beschäftigten uns intensiv damit und verbesserten das Einlenkverhalten. Dadurch verloren wir aber ein bisschen Bremsstabilität", berichtet "Dovi", der seit 2013 für das Ducati-Werksteam fährt.

Brembo steigert die Sicherheit in der MotoGP

Brembo
Dank der 340er-Bremsscheiben gehören Bremsprobleme der Vergangenheit an
© GP-Fever.de

2008 debütierte Dovizioso in der Königsklasse. Seitdem haben sich die Bremsen der MotoGP-Maschinen Jahr für Jahr verbessert. "Vor etwa drei Jahren waren die Bremsen am Limit, weil die Motorräder immer besser wurden. Man konnte immer härter bremsen. Das war auch auf das Runterschalten ohne Kupplung zurückzuführen. Die Elektronik funktionierte viel besser als in der Vergangenheit", erinnert sich der Italiener im Gespräch mit 'Crash.net'.

"Brembo arbeitete sehr gut und entwickelte binnen kürzester Zeit", lobt er die Anstrengungen der Ingenieure. "Sie entwarfen neue Bremssättel. Zudem wurden die Bremsscheiben größer. Momentan hat niemand Probleme. Niemand bewegt sich über dem Limit." Selbst in Motegi gab es laut Dovizioso keine Probleme mehr.

Michelin & Carbon-Bremsen im Nassen

In den beiden vergangenen Jahren gab im es mit Blick auf die Bremsen in der MotoGP zwei Änderungen: Durch die Michelin-Reifen mussten die Fahrer Änderungen beim Fahrstil vornehmen. Und seit dem vergangenen Jahr sind Carbon-Bremsscheiben bei Nässe eine echte Option.

Andrea Dovizioso
Andrea Dovizioso setzt auch bei Nässe auf Carbon-Bremsscheiben
© LAT

"Mit den Michelins kann man nicht so viel Druck auf die Vorderreifen ausüben wie mit den Bridgestones. Man muss sanft bremsen und am Kurvenscheitel vorsichtig sein", erklärt Dovizioso, der seinen Fahrstil erfolgreich anpassen konnte.

Der Ducati-Pilot zählt zu denjenigen, die Carbon-Bremsen im Nassen befürworten. "Ich verwendete es in Argentinien zum ersten Mal in dieser Saison. Ich probierte es bei guten Bedingungen zwei Mal, denn es war nicht allzu kalt. Die Haftung war gut. Es half. Ich hatte keine Probleme", blickt er zurück.

"Das ist auch für die Mechaniker ein Vorteil, denn sie sparen die Zeit, die sie zum wechseln der Bremse benötigen. Wenn man immer die gleiche Bremse verwendet, ist es viel einfacher, denn man hat immer das gleiche Gefühl am Hebel. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir sie bei allen Bedingungen und Temperaturen verwenden können. Vielleicht schon. Ich hoffe es", so der Italiener.

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