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Jorge Lorenzo: Dank Selbstvertrauen-Boost bald siegfähig?

16. Mai 2017 - 10:41 Uhr

Marco Melandri traut Jorge Lorenzo nach dem Erfolgserlebnis in Jerez einige zu - Ducati-Crewchief ist überzeugt, dass Lorenzo mit der Zeit immer stärker wird

Jorge Lorenzo
Große Erleichterung: Jorge Lorenzo ließ den Emotionen in Jerez freien Lauf
© GP-Fever.de

(Motorsport-Total.com) - Mit dem Podestplatz beim Heimspiel in Jerez bescherte Jorge Lorenzo den Ducatisti und sich selbst ein erstes Erfolgserlebnis. Nach drei durchwachsenen Rennen in Katar, Argentinien und Texas fuhr Lorenzo ausgerechnet auf der Ducati-Angststrecke in Jerez in die Top 3 und wirkte extrem erleichtert. Der Druck der Kritiker fiel ab und für die Zukunft dürfte das Selbstvertrauen deutlich größer sein.

"Ich denke, seine Ergebnisse werden im Laufe der Saison besser", prophezeit Ex-Ducati-MotoGP-Pilot Marco Melandri im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Ich habe nicht genau mitbekommen, wie gut Jorges Gefühl für das Motorrad ist. Ich wusste aber, dass es schwierig für ihn wird, denn er fuhr beinahe zehn Jahre mit dem gleichen Motorrad. Dann musste er sich auf eine komplett andere Charakteristik einstellen. Das ist immer sehr schwierig."

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"Wenn auch nur ein kleines bisschen Selbstvertrauen fehlt, verschlechtern sich die Ergebnisse. Eine kleine Steigerung beim Selbstvertrauen hat eine große Auswirkung auf die Ergebnisse", betont Melandri und traut Lorenzo nach dem Erfolgserlebnis in Jerez einige zu. In der Saison 2008 saß Melandri selbst auf der Desmosedici, die damals noch wilder war.

"Ich fuhr viele Jahre keine Desmosedici, aber von außen sieht es so aus, als hätte sich der Charakter der Maschine verändert. Als Gigi (Dall'Igna) kam, wurde das Motorrad stark verändert. Es ist nicht das Motorrad, das sich am leichtesten fahren lässt. Doch es kommen viele unterschiedliche Fahrer damit zurecht", analysiert Melandri und fügt hinzu: "Das perfekte Motorrad gibt es nicht. Ein gutes Motorrad vermittelt dem Fahrer viel Selbstvertrauen. Wenn man Selbstvertrauen hat, fährt man auch gute Rundenzeiten."

Zu hohe Erwartungen vor dem Saisonstart?

Lorenzo selbst ist überzeugt, dass die Erwartungshaltung vor der Saison das große Problem war. Im vergangenen Jahr gewann Ducati zwei Rennen und deutete an, endlich zu Honda und Yamaha aufgeschlossen zu haben. Zudem wirkte Lorenzo nach dem Weggang von Yamaha extrem motiviert. Doch die Voraussetzungen waren in der Praxis alles andere als ideal.

Jorge Lorenzo
Jorge Lorenzo kam 2008 in die MotoGP und war sofort schnell
© Yamaha

"Die Erwartungen waren zu hoch. Als ich 2008 in die MotoGP wechselte, war die Yamaha das Gewinnermotorrad. Das Motorrad harmonierte zudem besser mit meinem Fahrstil. Als ich zu Ducati wechselte, war das Motorrad nicht das beste im Feld, auch wenn es auf den Geraden sehr schnell ist. Es ist vermutlich das Gegenteil von dem, was meinem Fahrstil liegt. Deswegen benötigte ich zu Beginn viel mehr Geduld", stellt der Spanier klar.

Zudem kämpft Ducati nach wie vor mit den Nachwehen des Winglet-Verbots. "Ich dachte, dass die Winglets weniger Wirkung haben. Ich rechnete mit weniger Schwierigkeiten. Doch auch als ich in die 250er-WM aufstieg oder als ich in die WM kam, benötigte ich viel Zeit. Gleichzeitig konnte man aber auch ständig Fortschritte erkennen. Ich ging nie zurück, wenn ich einen Schritt gemacht hatte", betont Lorenzo kämpferisch.

Ab wann kann Lorenzo Rennen gewinnen?

Beim Rennen in Jerez wirkte die Kombination Lorenzo/Ducati erstmals stimmig. Der dreifache MotoGP-Champion kam vor seinen Markenkollegen ins Ziel und deutete mit seiner Körpersprache an, sich auf der Desmosedici wohl zu fühlen. Lorenzo passte seinen Fahrstil seit dem Winter spürbar an und verwendet nun die Hinterradbremse, um das Motorrad zu dirigieren.

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Deutliche Körpersprache: Jorge Lorenzo hatte in Jerez viel Vertrauen
© GP-Fever.de

"Der Fahrer muss sich an das Motorrad anpassen und das Motorrad muss an den Fahrstil angepasst werden", erklärt Pramac-Ducati-Crewchief Daniele Romagnoli im Gespräch mit 'Crash.net'. "Jorge war jahrelang an eine komplett andere Philosophie gewöhnt. Das Motorrad ermöglichte hohe Kurvengeschwindigkeiten, hatte ein gutes Handling und war agil. Er nutzte diese Eigenschaften."

"Es gab viele Fahrer, die von der Yamaha kamen. Cal (Crutchlow) war der bisher letzte. Er war zu Beginn ein bisschen schockiert. Man kann nicht binnen kürzester Zeit seinen Fahrstil umstellen. Man benötigt sehr viel Zeit für die Umstellung", stellt Romagnoli klar und versetzt sich in Lorenzos Lage: "Ich kann Lorenzo verstehen. Es ist keine Frustration sondern eher Druck, den er spürt, weil er Weltmeister war. Er kann nicht zu lange warten. Er ist ein Fahrer, der in kurzer Zeit Dinge erreichen möchte."

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