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Folger 2012: Von der Hölle in den Himmel

24. Dezember 2012 - 08:44 Uhr

Vom Arbeitslosen zum Hinterbänkler und schließlich zum umjubelten Grand-Prix-Sieger: Die Saison 2012 war für Jonas Folger ein Wechselbad der Gefühle

Jonas Folger
Jonas Folger in Jubelpose: Danach sah es 2012 lange Zeit nicht aus
© Aspar

(Motorsport-Total.com) - "2012 war in vielerlei Hinsicht ein schwieriges Jahr", sagt Jonas Folger mit dem für einen 19-Jährigen typischen, nüchtern-coolen Tonfall. Doch mit schwierig ist das Jahr des Bayern noch harmlos beschrieben. Denn in der Saison 2012 erlebte Folger alle Höhen und Tiefen des Motorradrennsports. Was vor zehn Monaten noch nach einem Märchen aussah, wurde zwischenzeitlich zum Alptraum, und endete schließlich doch mit einem Happyend. Hollywood hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können.

Rückblende: Zu Beginn des Jahres 2012 sah es so aus, als habe Folger, der wenige Tage, nachdem er 15 Jahre alt geworden war, im Jahr 2008 seinen ersten 125er-Grand-Prix fuhr, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gemacht. Der damals 18-Jährige wurde Werksfahrer. Gemeinsam mit Toni Finsterbusch sollte er für MZ in der Moto3 fahren und somit eine Art deutsches Nationalteam bilden.

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Doch dann kam am 2. März, gut vier Wochen vor dem Saisonstart, der Schock: MZ musste wegen der Insolvenz eines Zulieferers für die Fertigung von Elektro-Fahrrädern Kurzarbeit anmelden. Dadurch musste das Unternehmen seine Finanzplanung anpassen, das Rennprogramm fiel dem Rotstift zum Opfer. Gut einen Monat vor dem Saisonstart in Katar stand eines der größten deutschen Nachwuchstalente ohne Motorrad - und nach eigener Einschätzung "blöd da."

Kündigung per E-Mail

Jonas Folger
Nach dem MZ-Aus stand Jonas folger auf der Straße
© KTM

Wenig ruhmreich für MZ war auch der Umstand, wie Folger vom vorläufigen aus seiner Grand-Prix-Träume erfuhr. Statt in einem persönlichen Gespräch, wurde der Bayer durch eine Rundmail des Unternehmens über die Streichung des Rennprogramms informiert, was Folger wie aus heiterem Himmel traf: "Ich habe absolut nichts gewusst oder geahnt, die Nachricht per Newsletter war ein Schock", sagte der Mühldorfer damals 'Motorsport akutell'.

Nun war guter Rat teuer. Innerhalb kürzester Zeit musste Folger eine Alternative finden. Dabei konnte er nicht wählerisch sein. "Nach der unsicheren Zeit während der Wintermonate war ich froh, dass ich überhaupt noch einen Startplatz bekommen habe", sagt Folger. Eine neue sportliche Heimat fand er bei Ioda. Doch schon beim Saisonauftakt musste Folger klar werden, dass er damit vom Regen in die Traufe gekommen war. Die Ioda war schlicht nicht konkurrenzfähig.

Beim Qualifying in Losail fuhr Folger als 32. und Letzter mit mehr als fünfeinhalb Sekunden Rückstand dem Feld hoffnungslos hinterher, im Rennen sorgte ein Getriebeschaden für ein frühes Ende seiner Fahrt. Ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten folgen sollte. Neben der Technik streikte auch Folgers Gesundheit, die Rennen in Jerez und Estoril musste er auslassen, nachdem bei ihm Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert wurde.

"Ich habe absolut nichts gewusst oder geahnt."
Jonas Folger

Beim vierten Saisonrennen in Le Mans stieg Folger dann wieder auf die TR002 und erlebte das erste (und wie sich später zeigen sollte einzige) Highlight der ersten Saisonhälfte. Der französische Landregen kompensierte die fehlende Leistung der Ioda, Folgers Talent tat sein übriges dazu, und so fuhr der Deutsche auf Platz elf und gewann die ersten fünf WM-Punkte der Saison. Trotz eines Ausrutschers ins Kiesbett, bei dem die Fußraste des Motorrads abbrach, stellte Folger seine Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis.

Ioda: Eine rollende Baustelle

Jonas Folger
Auf der Ioda konnte Jonas folger nur im Regen glänzen
© FGlänzel

Doch schon in Barcelona wurde der Bayer wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeworfen. Während des gesamten Wochenendes bekamen seine Mechaniker Kupplungsprobleme nicht in den Griff, nach wenigen Runden war Folgers Rennen beendet. "In der dritten Runde ist mir dann der Schalthebel auch noch abgebrochen, und dann war es leider schon vorbei. Ich weiß nicht, was ich sagen soll", so der ratlose Deutsche nach dem Rennen. Das war der Auftakt zu einer Defektserie: In Silverstone folgte ein Getriebeschaden, in Assen legte Folger nach Motorproblemen in den Trainings im Rennen einen kapitalen Abflug hin, bei dem er glücklicherweise unverletzt blieb.

Dann folgte das Heimrennen auf dem Sachsenring, und Folger sah endlich Licht am Ende des Tunnels: Im verregneten Qualifying stellte er seine Ioda auf den achten Startplatz, und auch im Rennen fuhr der Deutsche lange in der Spitzengruppe mit. Doch wieder einmal verhinderte die Technik ein Erfolgserlebnis. Folger musste sein Motorrad mit überhitztem Motor abstellen. "Die Enttäuschung ist riesengroß" - da konnte wohl jeder Fan mit dem Bayern mitfühlen.

"Ich habe Kampfgeist und Durchhaltevermögen bewiesen."
Jonas Folger

"Die erste Saisonhälfte bei Ioda Racing verlief alles andere als erfreulich", sagt Folger. Mit einigem zeitlichen Abstand kann er, dieser für ihn frustrierenden Zeit, dennoch etwas Positives abgewinnen: "Trotzdem möchte ich an dieser Stelle Herrn Giampiero Sacchi nochmals meinen herzlichsten Dank ausrichten, dass er mir überhaupt den Verbleib im Grand-Prix-Paddock ermöglicht hat. Außerdem hat mich diese Zeit mental sehr gestärkt. Ich habe Kampfgeist und Durchhaltevermögen bewiesen."

In der Sommerpause der Moto3 nahm Folgers Saison dann die entscheidende Wende. In Person von Jorge Martinez tauchte sein persönlicher Retter auf. Der Spanier bot Folger einen Platz in seinem Aspar-Team an, und der mittlerweile 19-Jährige griff ohne Zögern zu. Mit einem Schlag wechselte er von einer "Gurkentruppe" zu einem der Spitzenteams der Moto3. Und zeigte dort auf Anhieb, dass er zu den besten Fahrern der Klasse gehört.

Bei Aspar von null auf hundert

Jonas Folger
Schon das zweite Rennen für Aspar gewann Jonas Folger
© KTM

Ohne jede Testfahrt auf der für ihn neuen Kalex-KTM fuhr Folger in Indianapolis prompt an der Spitze der Moto3 mit. Von Startplatz 15 aus zeigte er im Rennen eine furiose Aufholjagd und fuhr als Dritter im ersten Rennen für seine neues Team gleich auf das Podium. "Es fühlt sich wie ein Sieg an - solch ein tolles Gefühl, in einem so guten Team zu sein", jubelte der Deutsche nach seinem bis dahin besten Saisonergebnis. Doch es sollte noch besser kommen.

Nur sieben Tage später durfte Folger in Brünn auf dem Siegerpodium zwei Stufen nach oben steigen. Der Mühldorfer drückte dem Rennen seinen Stempel auf und gewann überlegen. Nach Silverstone 2011 der zweite Grand-Prix-Triumph für den Deutschen. Folger war von der Hölle in den Himmel aufgestiegen und wusste, wem er das zu verdanken hat. "Ich möchte dem Team danken, dass sie an mich geglaubt haben. Ich hatte eine schwierige Saison. Ich bin sehr dankbar."

Nachdem sich in der ersten Saisonhälfte eine Panne an die nächste reihte, schwamm der 19-Jährige in der zweiten Hälfte des Rennjahres auf der Erfolgswelle: "Bis auf Misano wäre in jedem einzelnen Rennen während der zweiten Saisonhälfte ein Podium möglich gewesen. In diesem Rennen war gegen die leichteren Gegner nicht mehr drinnen als Rang sechs." In Aragon fuhr Folger als Dritter zum dritten Mal innerhalb von vier Rennen auf das Podium.

In Motegi sah es lange nach dem vierten Podium und dem zweiten Saisonsieg aus. Folger führte das Rennen souverän an, als er in der letzten Runde Opfer eines übermotivierten Luis Salom wurde. Der Spanier schoss den Kalex-KTM-Piloten bei einem unrealistischen Überholversuch ab, wodurch Folger um die Früchte seiner Arbeit gebracht wurde. "Japan war ganz klar meine Angelegenheit", stellt der Bayern denn auch zurecht fest.

Titelfavorit 2013

Jonas Folger
Mit Aspar zählt Jonas Folger 2013 zu den Titelfavoriten in der Moto3
© Aspar

Doch schon in Sepang fand sich Folger dort wieder, wo er hingehört. Als Dritter konnte er dort mit seinem Landsmann Sandro Cortese feiern, der mit seinem Sieg den Titel in der Moto3 einfuhr. In Phillip Island machte der 19-Jährige dann einen der seltenen Fehler im zweiten Halbjahr. Wer früher startet, fährt länger durch die Box: Diese Lektion musste Folger in Australien lernen. Sein Frühstart wurde mit einer Durchfahrtstrafe geahndet, anschließend war nicht mehr als Platz elf drin.

Zum Saisonabschluss präsentierte sich der Deutsche in Bestform und eroberte in Valencia die Pole-Position. Am Tag darauf folgte jedoch die große Enttäuschung: Wegen eines Elektronik-Defekts war sein Rennen beendet, bevor es begonnen hatte. "Wer weiß, was Australien ohne meinen Fehler und Valencia noch eingebracht hätte", fragt sich Folger.

"Nichtsdestotrotz kann ich über meine bislang beste Saison in der Weltmeisterschaft stolz sein." Mit 93 Punkten wurde Folger Neunter in der WM-Wertung. Rechnet man seinen Punkteschnitt aus den acht Rennen bei Aspar auf die gesamte Saison hoch, wäre Folger Vierter in der WM-Wertung geworden.

Bezieht man die 25 Punkte für den schuldlos verlorenen Sieg in Motegi in die Rechnung mit ein, hätte er sogar Vize-Weltmeister werden können. So blickt Folger nach einem turbulent-chaotischen Jahr mit Rückschlägen und Triumphen glücklich auf 2012 zurück und dürfte im kommenden Jahr zu den Titelanwärtern in der Moto3 gehören. "Ich freue mich auf 2013, dass für mich im Prinzip mit dem Test in Almeria begonnen hat."

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