
Zeelenberg: "Wie ein wahr gewordener Traum"
Wilco Zeelenberg hatte bei der heutigen Präsentation des Yamaha-Teams seinen ersten offiziellen Auftritt als neuer Teammanager von Jorge Lorenzo
(Motorsport-Total.com) - Nach dem Weggang von Daniele Romagnoli ist man im Yamaha-Werksteam nach einem Ersatz in den eigenen Reihen schnell fündig geworden. Der Niederländer Wilco Zeelenberg bot sich als neuer Teammanager an der Seite von Jorge Lorenzo geradezu an. Schließlich hatte der frühere 250ccm-Grand-Prix-Sieger in den vergangenen Jahren die Werkseinsätze von Yamaha in der Supersport-WM recht erfolgreich gemanagt.
"Es ist mittlerweile lange her, als ich zum letzten Mal im Grand-Prix-Fahrerlager beschäftigt war", erklärt Zeelenberg. "Es erwartet uns aber auch eine sehr lange, alles fordernde und sicher auch aufregende Saison. Zudem überwiegt für mich persönlich aber vielmehr, dass ich mit dem jüngsten und talentiertesten MotoGP-Fahrer arbeiten darf. Es ist wie ein wahr gewordener Traum."
Über die grundlegenden Unterschiede zu seinen bisherigen Aufgaben und wie er sich in MotoGP im Generellem einleben und mit dem neuem Motorrad anfreunden will, meint Zeelenberg: "In meiner Funktion als Teammanager ist es unumgänglich, Jorge sehr gut zu kennen. Daher habe ich als erstes sein Buch gelesen. Ich habe mich aber auch über die neuen Regeln für 2010 gewissenhaft informiert, um die Unterschiede zwischen Supersport und MotoGP genauestens zu erkennen. Ich kann daher behaupten, zurzeit lese ich sehr viele Bücher!"
Seinen Schützling Lorenzo hat der Holländer erst vor einigen Wochen persönlich kennen gelernt. "Erst vor wenigen Wochen habe ich ihn zum ersten Mal getroffen", so Zeelenberg. "Er ist ein sehr junger, intelligenter und erfahrener Pilot. Als erstes fiel mir an ihm auf, dass es nicht notwendig ist, ihn zu motivieren!"
Zeelenberg weiter: "Jorge bestreitet dieses Jahr seine dritte MotoGP-Saison und er wird versuchen, weniger Fehler als in der vergangenen Saison zu machen. Er wird bestimmt auch alles unternehmen, um besser als im vergangenen Jahr abzuschneiden. 2009 beendete er die WM als Zweiter. Ich denke, für diese Saison ist sicher der Gewinn der Weltmeisterschaft sein Ziel."
Aus der Supersport-WM bringt Zeelenberg einiges an Erfahrung als Teammanager mit. Dennoch gibt er sich vorsichtig, wenn es darum geht auf Lorenzos Seite in der Fiat-Yamaha-Box neue Arbeitspraktiken anzuwenden. "Zunächst muss ich mich mit den Jungs verstehen und auch Ihre Arbeitsweise betrachten", sagt der neue Chef. "Ich bin auch erfahren genug, um zu erkennen ob Handlungsbedarf besteht. Wie dem auch sei, ich erwarte es nicht."
Ausführlicher hingegen wird der 43-Jährige, wenn es darum geht, welche Bedeutung sein Wissen aus dem Rennsport für Lorenzos Crew haben wird. "Meiner Meinung nach ist es extrem wichtig zu wissen, was exakt genau in den nächsten Stunden oder an dem ganzen Wochenende passieren wird", begründet er. "Um sich eine derartige Erwartungshaltung anzueignen, braucht man sehr viel Erfahrung. Mit dieser kann man wiederum die Situation schlagartig ändern, nämlich von absteigender Form auf die Gewinnerseite zu wechseln."
Angesprochen auf einen Vergleich zwischen dem MotoGP-Bike und der Supersport-Maschine, mit dem Zeelenberg in den vergangenen Jahren gearbeitet hatte, bekräftigt der erfahrene Niederländer: "Die M1 ist für den Rennsport gebaut und das ist der gravierendste Punkt! Unser Supersport-Motorrad des letzten Jahres war eine gute Maschine, aber die Basis stammte aus der Serienproduktion und daraus mussten wir erst ein Rennmotorrad designen. Dies macht einen großen Unterschied aus."
"Schrecklicher" Test mit Yamaha
Schon mehr als sechs Jahre liegt mittlerweile Zeelenbergs einziger unmittelbarer Kontakt mit der MotoGP-M1 zurück. Jedoch als wäre es erst gestern gewesen, kann er sich im Detail an die Ausfahrt mit dem "Biest" erinnern. "Es war im Jahr 2003, als mir Lin Jarvis diese Gelegenheit zu einem Test geboten hatte", erzählt der damalige Yamaha-Testpilot. "Es war das Jahr, bevor Valentino zu Yamaha kam. Ich konnte fünf Runden in Valencia fahren. Es waren schrecklich schwierige fünf Runden, denn ich war kaum in der Lage, am Gasgriff zu drehen. Vielmehr war ich damit beschäftigt, vom Gas zu gehen, anstatt ordentlich am Kabel zu drehen. Es war einfach schrecklich."
Von den aktuellen Rennstrecken im Grand-Prix-Kalender kennt Zeelenberg den Großteil. "Auf elf davon bin ich schon Rennen gefahren", sagt der Ex-Grand-Prix-Pilot, bevor er weiter hinzufügt: "Während ich auf sechs von den aktuellen Rundkursen noch nie gewesen bin, oder zumindest noch nie mit einem Motorrad gefahren bin. In dieser Saison kommt aber auch eine ganz neue Rennstrecke hinzu. Diese kennt aber neben uns auch keiner. Mal sehen, was uns dort erwartet."
Abschließend äußert sich Lorenzos neuer Teammanager noch zu den Veränderungen im Grand-Prix-Sport seit seiner Zeit als Aktiver. "Ich denke, im Verlauf der Jahre hat sich vieles geändert", so der GP-Heimkehrer. "Vor allem wenn man die Elektronik ins Auge fasst. Unglaublich, was sich auf diesem Gebiet getan hat. Andererseits wurde auch die 250-ccm-Klasse eingestellt, in der ich in den 1990er-Jahren fuhr. Es hat also viele große Änderungen gegeben."









